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E_1930_Zeitung_Nr.018

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 4. März 1930 Nummer 20 Cts., 2ß. Jährgang. — N° 18 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlicb bestellt, Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die letzte Tagung des bernischen Grossen Rates liegt hinter uns. Die Herren haben ihre Pulte ausgeräumt und harren dem Volksverdikte, das am 11./12. Mai stattfinden wird. Dass jede Partei darnach trachtet, mit einer Motion oder einer Anfrage die Aufmerksamkeit des Populus auf sich zu lenken, ist begreiflich. Uns Automobilisten interessiert in allererster Linie eine kleine Anfrage des jurassischen Abgeordneten Strahm, der den Regierungsrat dahin interpelliert, ob 1. es nicht möglich wäre, in Anbetracht der Arbeitslosigkeit, die gegenwärtig teilweise bei der Uhrenindustrie Es war wirklich ein sonderbarer Mensch. Zu manchen Zeiten wusste er sich vor Geschwätzigkeit nicht zu lassen, und dann wurde er plötzlich, anscheinend ohne besondere Veranlassung, schweigsam und verschlossen. Ich hatte den bestimmten Eindruck, dass dieser Zustand im Grunde genominen der natürlichere bei ihm war und dass er nur drauflos schwatzte, wenn er damit irgendeine mir unverständliche Absicht verband. Aber gleichgültig, ob er sprach oder stumm war — stets trug er einen spöttischen Zug um den Mund, und seine Augen hatten immer einen forschenden, inquisitorischen Ausdruck. Er konnte bisweilen die sonderbarsten, überrumpelnden, oder offenbar sinnlose Fragen stellen. So auch an diesem Abend. Es war bereits halb elf. Ich hatte mit einigen von meinen Freunden unter den Gästen geplaudert, da ich noch nicht das Bedürfnis fühlte, zur Ruhe zu gehen. Ein Kartenspiel wurde vorgeschlagen und ich wollte mitspielen. Zu erstere schwer beschädigt wurde. Das Bundesgericht hat die Klage des Automobilbesitzers wenigstens zum Teil geschützt und damit zugleich auch unserer Auffas- Nicht nur im Kanton Schwyz und andernorts, sondern sogar auch in Bern. Zwar nicht mit dem Nachtfahrverbot. An diesem scheinen die Behörden ganz speziell Instandstellungsarbeiten zu beschleunigen, damit einige Bauplätze für die zu hängen. Wie man hört, hatte die Eingabe des kantonal-bernischen Hoteliervereins, des kantonal-bernischen Wirtever- könnten und arbeitslosen Arbeiter eröffnet werden eins, des Gesellschaftswagenbesitzer-Verbandes der Zentral- und Westschweiz, sotion der Strasse Cortebert—Courtelary 2. ob es nicht möglich wäre, die Korrekwie des Verkehrsvereins Bern keinen Erfolg. Das Nachtfahrverbot sei einem Ruhe- welche Studien gegenwärtig im Gange oder der Strasse Pierre—Pertuis, für bedürfnis unseres Volkes entsprungen, sind, energisch an die Hand zu nehmen und ob die Baudirektion die da- schädige die bernische Volkswirtschaft in keiner Weise und — bleibe. herigen Studien nicht derart fördern Dafür soll der Bubenbergplats in Bern könnte, dass wenigstens eine dieser ein anderes moderneres Gesicht erhalten. Arbeiten zum guten Teil im Laufe dieses Sommers ausgeführt werden Adrian von Bubenberg hat mit ausgestreckter Hand dem Berner Volk seinen Segen könnte. gegeben und sucht sich eine neue Heimstätte. Man spricht von Murten und anbauten zu. verwenden, ist nicht neu. Vor Der Gedanke, Arbeitslose zu Strassenderswo. Den Gedanken, ihn am Zeitglockenturm aufzuhängen, hat man aufge- Neubestellung der englischen Regierung, nicht gar langer Zeit, anlässlich der geben. hat der englische Liberale Lloyd Georges Jedenfalls ist die Frage der Umgestaltung des Bubenbergplatzes eines der wichsenbau durch Arbeitslose abgestellt. Die sein ganzes Wahlprogramm auf den Strastigsten und aktuellsten Verkehrsprobleme Idee ist ihm dann glücklich vorbeigelungen. Berns. Der Verkehr, wie er sich heute auf Heute besitzt England mehr Arbeitslose diesem Platz abspielt, ist unhaltbar. Deshalb ist dem bernischen Gemeinderat für Vertreter aufgenommen hat, ist unter-* denn je. Der Gedanke, den der jurassische seine Initiative zu gratulieren. Das Projekt des Gemeinderates sieht in erster Linie gehen wir im Jura einer Krise entgegen, stützungswert. In zunehmendem Masse die Niederlegung der Vorhalle zum Bahnhofgebäude vor, ferner soll das alte Tram- wird. Wenn es uns auch ganz klar ist, die eine stärkere Arbeitslosigkeit bedingen, häuschen abgebrochen werden und einem dass gerade die an feinere Arbeit gewohnten Uhrenmacher nicht ohne weiteres zu Neubau weichen. Diese neue Tramwartehalle soll so placiert werden, dass sie als Erdarbeitern und Betonmischern verwandelt Haltestelle sämtlicher Strassenbahnlinien werden können, so ist immerhin die Frage in Frage kommen kann und nicht mehr ein mehr im Interesse des Automobilverkehrs ausgesprochenes Verkehrshindernis bildet. und des zunehmenden Autotourismus prüfungswert. Da sich jedoch die Baudirek- Es ist wirklich nicht mehr zu früh, wenn diese beständige grosse Gefahrenquelle, als tion an das seinerzeit im Grossen Rat gutgeheissene Bauprogramm hält und der der sich der Platz zwischen Bahnhof—Loeb iund Hotel Jura auswies, aufgehoben wird. Kanton nicht über grosse Mittel verfügt, wird es wohl bei der kleinen Anfrage bleiben; die Antwort des Regierungsrates wird voraussichtlich negativ ausfallen. • Es geht vorwärts Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (21. Fortsetzung) Nur zu oft hat der Laie Gelegenheit, über die Urteile des Bundesgerichtes den Kopf zu schütteln. Ganz besonders der Automobilist, der beim Bundesgericht nur schwer Gehör findet, da die Erkenntnis des wirtschaftlichen Wertes des Automobils von unten nach oben scheints nur schwer zum Durchbruch gelangt. Um so erfreulicher ist das Urteil, das dieses Bundesgericht letzthin über einen Fall gesprochen hat, der sich in Biel zwischen einem Autocamion und der Strassenbahn zutrug, wobei das diesem Zwecke wollte ich in eines der Zimmer gehen, um die Karten zu holen; während ich die Tür öffne, stehe ich plötzlich Angesicht zu Angesicht Asbjörn Krag gegenüber, den ich während der letzten Stunden nicht gesehen hatte. Ich fuhr zusammen, denn man stutzt ja unwillkürlich, wenn man einen Menschen in einem Zimmer findet, von dem man geglaubt hat, dass es leer sei. «Ich glaubte, Sie wären nach Hause gegangen.» «Wie Sie sehen,» erwiderte ich, «bin ich noch nicht gegangen. Ich blieb noch etwas sitzen.» Asbjörn Krag verzog sein Gesicht zu einem Grinsen, seine grossen weissen Zähne leuchteten förmlich durch die Dunkelheit. «Sie scheinen doch Ihre einsame Hütte nicht sehr zu lieben,» sagte er. Darauf wusste ich nichts zu erwidern. Ich war nur erstaunt, denn es war nicht das erstemal, dass der Detektiv — beinahe drohend — von der einsamen Lage meiner kleinen Hütte gesprochen hatte. Asbjörn Krag fasste mich am Rock und fuhr fort: «Hören Sie, ich möchte Sie etwas fragen. Sie haben ein einziges Fenster in der Stube, nicht wahr?» herrscht, die Inangriffnahme der fürsung endlich einmal Recht gegeben, dass die Jahre 1930 und 1931 im Jura vorgesehenen Strassenkorrektions- und der Automobilist, sondern auch der andere bei einem Verkehrsunfall nicht nur immer Teil schuldig sein kann und dass auch der Tramwagenführer von sich aus dazu beitragen soll, Verkehrsunfälle soweit als möglich zu verhindern. Das Urteil spricht aber auch den verschiedenen Gemeindebehörden ins Gewissen, die für die ungünstige Anlage von Strassen, Trottoirs und Tramgeleisen verantwortlich gemacht werden und deshalb alle Ursache haben, durch einen modernen Strassenbau die Verkehrssicherheit auch innerhalb der Städte zu schützen. Wir geben uns der Hoffnung hin, das der bundesgerichtliche Entscheid in allen Beziehungen seine guten Folgen nach sich ziehen werde. X Das Auto hat seine besondere Krankheit «Im Leitartikel der Nr. 14 Ihres geschätzten Blattes schenkte einer Ihrer Mitarbeiter meiner sonderbaren Betrachtung im «Aipenhorn» des «Emmentaler Blattes» seine ganze Aufmerksamkeit. Die aufrichtige « Täubi» des Dischen Einsenders ist entschieden unnötig verpufft, und mein Artikel hätte wohl ebensogut in empfehlendem Sinne den Weg in die « Revue» finden können, freilich dann ofrtae Weglassungen, die ihm auch diese giftige Zuspitzung gegeben haben. Wir wollen uns daher bemühen, nicht aneinander vorbeizureden. Zuerst stelle ich mich der « Revue» als aufrichtigen Freund des Automobils vor und danke vielen ihrer Abonnenten aus meinem Bekanntenkreise, die mir den grossen Genuss kleinerer und grösserer Fahrten ermöglicht haben. In weitgehendem Masse stellen mir Gemeindeglieder ihre Wagen zur Verfügung, um mir den beruflichen Dienst in der weitverzweigten Gemeinde zu ermöglichen. Ja. gerne verrate ich, dass sich mir die Anschaffung eines eigenen Wagens schon oft genug aufgedrängt hat und es unversehens dazu kommen kann, dass ich mit dem Herrn Einsender auf der gleichen Linie stehe. Also: Ich bin nichts weniger als ein Autohasser und sehe alle Vorteile der Erfindung voll und ganz ein ! Wozu dann meine beanstandete Betrachtung? Ihr Ausgangspunkt liegt nicht im dahinfahrenden Kraftwagen, sondern im Wörtlein «Auto». Dieses lernte ich einst auf der Schulbank mit andern griechischen Vokabeln und wusste nun, dass es « von selbst» «Jawohl, aber das ist ziemlich gross. Warum fragen Sie mich danach?» «Gehört nicht ein Rouleau zu dem Fenster?» «Jawohl.» «Pflegen Sie dieses Rouleau herunterzulassen?» Ich lachte. «Ich verstehe diesen Witz nicht,» sagte ich. «Ich scherze nicht.» ' n r ~~"l «Gut. Also wenn Sie sich dafür so interessieren, will ich Ihnen gern erzählen, dass ich das Rouleau herunterlasse, wenn die Sonne auf meinem Fenster steht.» «Aber am Abend?» fragte er, «wenn Sie die Lampe angesteckt haben, wie dann?» «Wie dann? Nun ich habe kein Gegenüber, sondern nur das Meer gerade vor meiner Hütte. Darum lasse ich- nicht immer die Gardine herunter, wenn ich die Lampe anstecke.» Asbjörn Krag grinste wieder mit seinen weissen Zähnen. «Aber, wenn Sie das Fenster nicht verhüllen,» sagte er, «dann ist das Fenster gewissermassen gegen die Finsternis offen und es kann jemand da draussen sein, der hineinblickt.» Der Detektiv Hess meinen Rock los. Ich trat einen Schritt zurück. «Sie versuchen mich in merkwürdiger Weise zu ängstigen,» sagte ich. «Glauben Sie, INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeilei ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern heisst. Aus diesem «von selbst» spintisierte ich jene besondere Gefahr heraus, die uns Menschen eben dann verhängnisvoll wird, wenn im Leben alles von selbst gehen soll! Diese menschliche Gefahr auf das vierräderige «Auto» übertragen, zeigt jene Missstände, die der Einsender selbst zugegeben hat. Ich habe sie als Krankheit bezeichnet, hätte sie auch Kinderkrankheit nennen können, weil sie offenbar durchgemacht und überwunden werden muss!. In anerkennenswerter Weise ist die « Revue » selbst energisch gegen jene Missstände aufgetreten, um das Autofahren in gesunde Bahnen zu lenken. Ob es nun gleich als ein skrupelloses Elaborat bezeichnet werden darf, wenn ein armer Laie, von unten betrachtet, etwas über jene Autokrankheit zu sagen wagt? Dieser sitzt weder in Hinterpommern noch in Hinterfürigen auf seinem gepolsterten Lehnstuhl, wo er sein Leben in stiller Behaglichkeit verträumt, sondern wird auf der be* rühmten Autostrasse Bern-Thun zu seinen besondern Betrachtungen genötigt. Wieviel Erlebtes Hesse sich ganz ohne Gehässigkeit und Uebertreibung der «Revue» anvertrauen ! Wer es vom Auto aus bezweifelt, lade ich als stillen Weggenossen zu mir ein. Ich zeige ihm die vielen angefahrenen Bäum© und Telegraphenstangen, eingestossen© Mauerpfosten, überrannte Kilometersteine. Von Allmendingen bis Wichtrach genügt die Wanderschaft, um Beispiele schlimmer Rücksichtslosigkeiten zu erleben. Unschuldig an* und überfahrene Fussgänger können ge^iüg* sam vorgeführt werden! Bedenkliche Vorkommnisse selbst bei Beerdigungen sind nicht ausgeblieben. Wer abends auszugehen genötigt ist, kann die anständigen Fahrer, die sich selbst einem simplen Fussgänger gegen* über die Mühe nehmen abzublenden, leicht von den andern unterscheiden. Alle diese Aus* wüchse, gegen die auch die «Revue» mutig ankämpft, wage ich als Krankheit zu bezeichnen, und glaube auch, dass sie heilbar sei, sobald alle guten Kräfte dagegen mobil gemacht werden. Von selbst, d. h. auto, kommt die Heilung nicht. Sollte einst der geschätzte Einsender Gelegenheit finden, mich unterwegs aufzugabeln, können wir in aller Müsse unsere Ansichten weiterspinnen, auch wenn wir beide noch auf keinem « Seigel % der Himmelsleiter stehen.» Münsingen, den 20. Februar 1930. Rudolf Müller, Pfarrer. Wir danken Herrn Pfarrer Müller für seine zweite Vernehmlassung, die, wie jeder unbefangene Leser sofort wird beurteilen können, von seiner ersten Sonntags-Betrachtung im «Alpenhorn» des Emmentaler Blattes ganz wesentlich absticht. Herr Pfarrer Müller nimmt in seiner Entgegnung ganz positiv für das Automobil Stellung, was uns besonders dass ich ein Kind bin? Ich habe keine Angst im Dunkeln.» «Entschuldigen Sie,» erwiderte er freundlich, «es war nicht meine Absicht, Sie zu kränken, aber wenn ich herumgehe und über etwas nachdenke, kommt es vor, dass ich ganz gedankenlos die sonderbarsten Fragen stelle. Sie können mir übrigens einen Dienst erweisen.» «Heute abend?» fragte ich missbilligend, während ich die Kartenpresse emporhob, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass ich etwas anderes vorhatte. «Ich bin gerade jetzt mit einem schriftlw chen Berichte beschäftigt,» sagte er, «und bin bis zur Beschreibung der Leiche gekommen.» Es gab mir durch und durch einen Ruck. Mir war es, als wenn ein unheimlicher Hauch durch das halbdunkle Zimmer ginge, in dem wir beide allein waren. «Die Leiche?» stammelte ich, «schreiben Sie etwas von der Leiche?» «Gewiss, ich muss ja meine Berichte erstatten. Wie sah nun die Leiche aus? Bitte, überlegen Sie es sich.» «Dunkelbraune Haare,» begann ich unwillkürlich. Asbjörn Krag klopfte mir leicht auf die Schulter. siebe Autler-FeierabeniL