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E_1930_Zeitung_Nr.027

E_1930_Zeitung_Nr.027

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Mittwoch 26. März 1930 Sechste Salonnummer Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: . Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich _CMb« Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portorassehlag, tolern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern • INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts, Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Äucfi wTr haben unsern Kampf zwischen Nassen und Trockenen, nur sind es bei uns die nassen und die trockenen Jahre, welche sich gegenseitig in den Haaren liegen. Die Genfer Sporttage 1930 hielten es mit den Nassen. Vielleicht braucht die auflodernde Begeisterung der Genfer diesen Dämpfer, um nicht ganz gefährlich zu werden, vielleicht aber ist es ein Trick, die Sternfahrer und die Rennfahrer vor besonders schwierige Bedingungen zu stellen, kurz, am Genfer Salon ist das Wetter meistens grau auf grau und nass auf nass. Die Sternfahrt hat die gleiche Anzahl von Konkurrenten angelockt wie letztes Jahr. Da die Bedingungen einfacher waren, konnte man von vornherein annehmen, dass die Unterschiede in der Punktzahl zum Teil recht klein würden und dies ist denn auch tatsächlich der Fall gewesen. Nicht weniger als drei Teilnehmer haben die ganze Fahrt ohne einen einzigen Strafpunkt durchgemacht, eine ganz ausgezeichnete Leistung! An zweiter Stelle warten wieder drei Konkurrenten mit der gleichen Punktzahl auf! Auch dieses Jahr wurden von manchen Fahrern Zweifel daran geäussert, dass die Uhren der vier Kontrollstellen genau dieselbe Zeit anzeigten (siehe Fahrtbericht unseres Gr-Berichterstatters in letzter Nummer). Die Frage der Zeitmessung ist sicher eine recht heikle und es sollte alles getan werden, um auch den kleinsten Irrtum in dieser Hinsicht unmöglich zu machen. Einen Wunsch des letzten Jahres hatte sich das Organisationskomitees zu Herzen genommen: es möchten doch keine Freiburger Strassen dritter Klasse mehr in die Sternfahrtrouten aufgenommen werden. Diesmal waren nur wichtigere Durchgangsstrassen zu befahren, auf denen man sich nicht wegen des schlechten Zustandes der Strecke beständig ärgern musste, und wo auch das Verirren nicht mehr so leicht möglich war. Trotzdem haben aber doch verschiedene Teilnehmer die Kontrolle in Yerdon verfehlt, indem sie eine falsche Strasse durch die Stadt wählten. Die Nummern 1, 5, 9, 13, 17 usw. hatten folgende Durchschnittsgeschwindigkeiten einzuhalten: Bern-Yverdon (über Neuenburg): 37 km. Yverdon-Morges: 37,5 km. Morges-Genf: 40 km. F E U I Wir setzen hier das Kapitel «Die Fahrt> aus dem spannenden Roman «Petroleum», von Upton Sinclair, fort. Das Buch ist in deutscher Sprache im Malü-Verlag erschienen. Unseren Lesern wurde bis jetzt von einer Fahrt im Auto erzählt, die ein Vater mit seinem Sohn unternommen hat. Wir treffen sie hier bei der Fahrt über einen Bergpass wieder an. Die Red. Und das Auto sauste weiter, währenddem die Felswände des Guadalupe-Passes den neuen, fremdartigen Ton wiedergaben. Die Vögel blickten erschrocken auf die Strassen nieder, die Eichhörnchen flohen; Farmer in klappernden Fordwagen, Einwanderer nach Südkalifornien mit Kind und Kegel, mit Hab und Gut, bogen bis zum äussersten Rand der gefährlichen Strasse aus; der niedrige, flinke Tourenwagen sauste weiter: « Whanhnh! » Jeder Knabe wird zugeben, dass so etwas herrlich ist. Den Wolken entgegenjagen, getragen von einer mächtigen Maschine, die dem geringsten Druck des Fusses nachgibt! Neunzig Pferdekräfte! — würde das nicht eure Pulse zum Jagen bringen? Und vor euch Das Automobil beherrscht Genf Echo der Sporttage Zur Sternfahrt Die Fahrt. Von Upton Sinclair. Für die Nummern 3, 7, 11, 15, 19 usw. galten folgende Vorschriften: Bern-Yverdon (über Neuenburg): 37,3 km. Yverdon-Morges: 37 km. Morges-Genf: 40,5 km. Auch die geraden Nummern waren in zwei Gruppen geteilt, für die verschiedene Anweisungen galten. Die Nummern 2, 6, 10, 14, 18 usw. erhielten folgenden Fahrbefehl : Bern-Freiburg-Yverdon: 37 km. Yverdon-Cossonay-Morges: 37,4 km. Morges-Genf r 40 km. Für die Nummern 4, 8, 12, 16, 20 dagegen lautete das Routenheft: Bern-Freiburg-Yverdon: 37,4 km. Yverdon-Cossonay-Morges: 37 km. Morges-Genf: 40,5 km. Man sieht aus dieser Aufstellung, wie individuell die Sache organisiert war. Kein Konkurrent konnte wissen, wer die gleichen Vorschriften wie er selbst hatte, und jeder war gezwungen, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Wir bringen in dieser Nummer noch, die vollständige Liste der Teilnehmer mit den erzielten Resultaten und den erlangten Preisen, Kilometer -Arretä Das Kilometerrennen von Eaux-Morfes, zu dem wir in der letzten Nummer bereits ein Bild brachten und von dem wir heute eine ganze Anzahl Illustrationen veröffentlichen, litt unter der zunehmenden Nassheit, gegen die auch in Genf noch kein Kraut gewachsen ist. Gerade dieses Jahr war der Unzeitgemässe Regen besonders bedauerlich, weil sonst der berühmte Chiron, den jeder Genfer Sfrassenjunge kennt oder wenigstens zu kennen vorgibt, mit seinem Bugatti-Sechzehnzylinderphantom gefahren wäre und dabei mehr als einem Rekord den Garaus gemacht hätte. Auch hätten wir bei besserem Wetter nicht den Unfall SaTbachs zu beklagen. Es wurde hier schon vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass bei den stets zunehmenden Geschwindigkeiten die Strecke von Eaux-Mortes in ihrem heutigen Zustand auch für einen Kilometer mit stehendem Start nicht mehr genügt. Nicht nur das Wetter, mehr noch die Tramschiene ist gestern einem Fahrer zum Verhängnis geworden und wenn auch Sarbach nicht gefährlich verletzt worden ist, so ist das kein Grund, die Augen vor der Gefahr zu verschliessen. Forts, siehe S. 2.) liegt das graue Zauberband, schlängelt sich hierhin und dorthin, tastet sich aufwärts, über die Schultern des einen, durch den schwarzen Bauch des anderen Berges, immer sicher, mit einer weissen Linie in der Mitte, so dass man stets genau weiss, wo man zu fahren hat! Durch welchen Zauber wurde es geschaffen? Der Vater hatte es dem Knaben erklärt: all dies hat das Geld geschaffen. Reiche Männer hatten den Beschluss gefasst, Ingenieure waren gekommen und Strassenarbeiter zu Tausenden, Mexikaner und Indianer, mit gebräunter Haut, bewaffnet mit Schaufeln und Hacken. Mächtige Dampfwalzen waren ernhergerollt, Kräne mit beweglichen Riesenarmen hatten gearbeitet, Stahlbohrer, Männer mit Dynamit, Betonmischmaschinen, die den Zement sackweise verschlangen und aus einem dicken Schlauch Wasser tranken, deren runde Stahlbäuche sich den ganzen Tag drehten. Alle diese Menschen und Maschinen waren gekommen, hatten ein bis zwei Jahre gearbeitet und so das Zauberband Meter um Meter entrollt. Seit Anbeginn der Welt hat es keine mächtigeren Menschen gegeben, und auch Vater gehörte zu ihnen; auch er konnte derartige Wunder tun, stand eben im Begriff, Grundsätzliches zum Automobilgesetz Der zürcherische Kantonsrat hat sich in zwei Sitzungen mit dem Postulate über den Motorfahrzeugverkehr eingehend beschäftigt. Nach einer lebhaften Aussprache; die wiederum gezeigt hat, wie stark heute das Automobil die gesetzgebenden Räte beschäftigt, wurde beschlossen, die Frage betreffend den Motorfahrzeugverkehr nochmals an die Kommissionen zu weisen mit dem Auftrage, erneut Anträge zu stellen. Die von der Kommissionsmehrheit vorgeschlagene Adresse an den Bundesrat enthielt folgende Begehren: /. Das neue eidgenössische Automobilgesetz ist derart zu fördern, dass es bis spätestens Ende 1932 in den eidgenössischen Räten durchberaten ist und eine eventuelle Volksabstimmung passiert hat. 2. Das neue eidgenössische Automobilgesetz soll vor allem die folgenden Punkte gesetzlich verankern : a) Regelung der Arbeitszeit der Chauffeure ; b) Verbot der Besteuerung der Fahrräder; c) Nachtfahrverbot für Lastautomobile; * v d) Nachtfahrverbot für, «ße. Motorvelos, die einen starken lärm machen; e) Besetzung der Lastautomobile mit Anhänger mit zwei Mann (Chauffeur und Mitfahrer); f) Die Kausalhaftpfticht. Der- Drang, die Gesetze den heutigen Bedürfnissen anzupassen, ist überaus begrüssenswert. Der zürcherische Kantonsrat ist für sein initiatives Vorgehen zu begrüssen. Es wäre wirklich erfreulich, wenn bis spätestens Ende 1932 das neue Automobilgesetz bereits die Volksabstimmung passiert hätte, allerdings in der Annahme, dass ein Gesetz vorgelegt werden kann, das den Anforderungen des modernen Automobilverkehrs nach allen Seiten hin Genüge leistet. Was die Regelung der Arbeitszeit der Chauffeure anbelangt, ist erneut darauf hinzuweisen, dass jedenfalls sämtliche Automobilisten für eine genügende Freizeit ihrer Chauffeure zu haben sind. Der ausgeruhte Chauffeur bildet die beste Grundlage zur Verkehrssicherheit. Dagegen glauben wir, dass die Normen zwischen der Aspaund der Chauffeur-Vereinigung, wie sie bereits in Kraft sind, die nötige Sicherung dafür bieten und dass eine Schablone, wie wir sie bei etwas Aehnliches zu vollbringen. Um halb sieben Uhr abends wird in der Halle des Hotel Imperial in Beach City ein Mann auf ihn warten: Ben Skutt, der Petroleumagent, den der Vater seinen « Pachtschnüffler » nannte. Er hat für ein grosses Unternehmen vorgearbeitet; Vater braucht nur noch Papiere zu unterschreiben. Deshalb hat Vater auch ein Recht auf freie Bahn. «Whanhnh! Whanhnh!» Der Knabe sass da mit lebhaften Augen, aufgeweckt und munter. Er sah die Welt auf eine Art, wie die Menschen zu Harun al Raschids Zeiten sie sich geträumt hatten: von einem Zauberpferd aus, das durch die Wolken sprengt, von einem Zauberteppich herab, der durch die Luft segelt. Jede Biegung gewährte einen neuen Ausblick:.Täler zu Füssen, Gipfel zu Häupten, soweit das Auge reichte. In den tiefen Schluchten wuchsen hohe, alte Fichten und Eichen, gekrümmt vom Sturm, gespalten vom Blitz. Andere Hügel bestanden aus nacktem Gestein in allen möglichen Farben. Oft war es gefleckt wie Tierfelle, wie rotbraune Leoparden oder rote und graue, schwarze und weisse Geschöpfe, deren Namen man nicht kannte. Grosse Felsblöcke, die aussahen, als hätten Riesen sie in einer Schlacht geschleudert, bildeten Hügel, andere lagen aufgetürmt, öffentlichen Verkehrsanstalten bereits besitzen und durch welche diese finanziell schwer belastet werden, für das Automobil weniger in Frage kommen dürfte. Die Forderung nach einem Nachtfahrverbot für Lastautomobile ist uns ganz Unverstände lieh. Auch wir sind für die Ruhe zu haben. Dagegen muss doch hervorgehoben werden, dass die Autoniobiltechnik derart vorgeschritten ist, dass sogar heute schwere Lastwagen weniger Gepolter und Gerassel verursachen als der Eisenbahnzug, der in der Nachtzeit die an den Schienensträngen wohnenden Menschen mit seinem dumpfen Rollen hartnäckig in ihrer Ruhe stört. Das Begehren des Nacht* fahrverbotes für Motorvelos, die einen starken Lärm machen, ist glücklich einem andern Kanton abgeguckt. Auch diese Bestimmung ist unnütz, indem von gesetzeswegen die Motorvelos zu technisch einwandfreien Schalldämpfern verpflichtet • werden können. Die Forderung nach der Besetzung der Lastautos mit Anhängern mit zwei Mann ist sehr leicht aufzustellen. Eine andere Frage dagegen ist es, ob unsere industriellen Betriebe, die solehe Wagen benutzen, überhaupt imstande sind, für die stets grösser werdenden Betriebskosten aufzukommen. Auch ist es uns nicht erklärlich, welche Rolle dieser zweite Mann als Mitfahrer eigentlich zu spielen hätte. Es sind dies alles Fragen, die des persönlichen Prestiges wegen gestellt werden dürfen. Dabei können wir uns allerdings eines gewissen Eindruckes nicht erwehren, als wolle man auch hier zugunsten gewerkschaftlicher und bahnamtlicher Interessen die freie Wirtschaft allzu stark belasten. D Unsere Sondernummern. Um allen Anforderungen entsprechen za können, wird die « Automobil-Revue » diese Woche noch an den nachgenannten Daten erscheinen : Nr. 28 Donnerstag den 27. März Nr. 29 Freitag den 28. März. Wir bitten unsere Inserenten, uns ihre Aufträge so rasch wie möglich zuzustellen, damit wir den zahlreichen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung tragen können. als wären Riesenkinder ihres Spiels überdrüssig geworden. Aus den Wolken schoss ein grosser Vogel nieder, sank herab wie von einem Schuss getroffen; er verschwand im Abgrund. « War das ein Adler? » fragte der Knabe. « Ein Bussard,» erwiderte Vater, der keinen Sinn für Romantik hatte. Sie klommen höher und höher; die Maschine surrte leise, immer im gleichen Ton. Der Geschwindigkeitsmesser mit der kleinen roten Linie zeigte genau, wie rasch das Auto fuhr; ausserdem waren noch eine Uhr, ein Thermometer, ein Oeldruckmesser und ein Benzinstandsanzeiger vorhanden. Alle diese Dinge lebten auch in Vaters Bewusstsein, das eine noch weit kompliziertere Maschine war. Denn ' was bedeuteten letzten Endes neunzig Pferdekräfte im Vergleich mit Millionen Dollarkräften? Eine Maschine kann versagen; Vaters Geist hingegen hatte die Genauigkeit einer Sonnenfinsternis. Sie sollten um zehn Uhr den Pass erreicht haben, und die geistige Einstellung des Knaben glich jener des alten Farmers, der, die qeue goldene Uhr in der Hand, am Morgen vor seinem Hause stand und bemerkte: «Wenn die Sonne nicht in drei Minuten über dem Hügel erscheint, so hat sie Verspätung.» Fortsetzung siehe Autler-Feierabend.