Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.032

E_1930_Zeitung_Nr.032

Ausgabe: Deutsche Schweiz Nummer 20 Cts. BERN, Dienstag, 8. April 1930 . 26. Jährgang. - N" 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitan Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. im Ausland unter Portoraschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung II1/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratcnschluss 4 Tage VOT Erscheinen der Nummern Auto und Eisenbahn Dio Direktion der Eisonbahnabtoilunpr des eidgenössischen Eisenhahnciepai-ternentes übermittelt uns ein Schreiben betreffend Signalisierung der Bahnübergänge, das wir nachstehend gerne veröffentlichen. Wir möchten dabei ausdrücklich betonen, dass «ich fraglicher Artikel •keineswegs gegen die Direktion der Eiseubahnabteilung richtete, da wir genau wissen,, in welch hohem Masse gerade von dieser Instanz aus die Interessen der Automobilisten zu •wahren und die Sicherheiten des Verkehrs zu heben gesucht werden. In Nummer 25 Ihrer verehrlichen Zeitung weisen Sie in einem «Auto und Eisenbahn» überschriebenen Artikel auf die bundesrätliche Verordnung betreffend den Abschluss und die Signalisierung der Niveaukreuzungen vom 7. Mai 1929 hin und schreiben mit Bezug auf die Durchführung der vorgeschriebenen Massnahmen: «Am 1. Juni 1930 wird die erste Frist abgelaufen sein. Soweit wir orientiert sind, ist aber im Vollzug dieser näheren Bestimmungen noch nicht sehr viel realisiert worden.» Gestatten Sie mir hierzu einige kurze Bemerkungen, da der Verfasser des fraglichen Artikels von einer irrtümlichen Annahme auszugehen scheint. Art. 9 der Verordnung schreibt vor, dass die Bahnverwaltungen der Aufsichtsbehörde innert einer Frist von 3 Monaten vom Inkrafttreten der Verordnung an gerechnet ein Verzeichnis der zu signalisierenden Niveaukreuzungen vorzulegen haben, in wclcliem für jeden einzelnen Uebergang die gegenwärtige Art des Bahnabschlusses und •die in Aussicht genommene Signalisierung anzugeben sei. Dieses Verzeichnis unterliegt nach Anhörung der zuständigen Kantonsregierung der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Die Durchführung der Signalisierung nach diesen Verzeichnissen hat zu erfolgen: bei Strassen mit erheblichem Motorfahrzeugverkehr bis spätestens 1 Jahr, bei den übrigen Strassen und wichtigeren Wegen bis spätestens 2 Jahre und bei den Nivoauübergängen von untergeordneter Bedeutung bis spätestens 5 Jahre nach Genehmigung. Die Verordnung ist am 1. Juni 1929 in Kraft getreten Von diesem Zeitpunkt an blieb also den Bahnen die, angesichts des zum T#i] sehr grossen Umfanges der aufzustellenden Verzeichnisse, knapp bemessene Frist von 3 Monaten (1. September) zur Einreichung ihrer Vorschläge an die Aufsichtsbehörde. Die Grosszahl der Bahnen hat, das ist anerkennend hervorzuheben, diese Frist eingehalten; Nachzügler gibt es überall, und so kamen eben auch verschiedentlich Verzeichnisse mit Verspätung in unsern Besitz. Die Bahnen gingen auch nicht gerade darauf aus, mit ihren Vorlagen zu pressieren, da deren Verwirklichung für sie ganz erhebliche Kosten im Gefolge hat, Kosten, die zudem in der Hauptsache im Interesse des sie konkurrenzierenden Motorfahrzeuges gelegen sind. Die eingehenden Verzeichnisse mussten zunächst daraufhin überprüft werden, ob sie alle in Betracht fallenden Uebergängp enthielten; das nahm für die zahlenmässig wenigen Kontrollingenieure des Eisenbahndepartementes ebenfalls gewisse Zeit in Anspruch und erforderte in verschiedenen Fällen weitere Korrespondenz mit den Bahnen oder sogar Rücksendung von Verzeichnissen zur Ergänzung. Die richtig befundenen oder bereinigten Verzeichnisse mussten nun gemäss den Bestimmungen der Verordnung den Kantonsregierungen als den Strasseneigentümern und Strassenaufsichtsbehörden zur Vernehmlassungübermittelt werden. Da in den Verzeichnissen nicht allein Staatsstrassen, sondern auch Bezirks- oder Gemeindestrassen enthalten und für die Signalisierung gemäss Verordnung vorgesehen waren, mussten die Kantonsbehörden ihrerseits vielfach auch dio betreffenden Lokalbchörden anhören. Diese Prüfung, die sich auf jeden einzelnen Uebergang erstrecken musste, erforderte naturgemäss ebenfalls gewisse Zeit. Vielfach sind dann neben den in der Grosszahl zustimmenden Antworten der Kantonsbehörden auch Begehren um geänderte oder weitergehende Signalisierung einzelner Uebergänge geäussert worden, über deren Erfüllung es notwendig war, wiederum mit den Interessenten zu verhandeln, die Bahn anzuhören, ihre allfälligen Gegenvorschläge zu diskutieren und vielfach auch Verhandlungen am Uebergang selber vorzunehmen. Erst dann, wenn alle diese Verhältnisse abgeklärt und im allgemeinen Uebereinstimmung vorhanden war, konnte die Eisenbahnabteilung die Genehmigung des betreffenden Vorschlages der Bahn aussprechen. Und nun läuft die Frist zur Durchführung wohlverstanden vom Zeitpunkt der Genehmigung ab. Es ist also falsch, wenn geglaubt wird, die erste Jahresfrist, die sich auf die Strassen mit erheblichem Motorfahrzeugverkehr bezieht, d. h. auf die Strassen, die den Automobilisten in allererster Linie, interessieren, laufe am 1. Juni nächsthin ab. Diese Frist wird im allgemeinen das laufende Jahr in Anspruch nehmen. Es ist mir aber bekannt, dass die Bahnen von sich aus danach trachten, nach erfolgter Genehmigung ihrer Vorschläge die Signalisierung so rasch als möglich durchzuführen, dass sie also keineswegs die Absicht haben, die ganzjährige Frist in Anspruch zu nehmen. Sie ersehen aus dem Vorstehenden, dass die Behandlung der ganzen Angelegenheit eine umfangreiche ist und einen erheblichen Zeitaufwand erfordert, bis eine in allen Teilen klare Situation geschaffen ist und die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde erteilt werden kann. Von rund 130 Bahnen, die Vorlagen einzureichen hatten, haben bis heute 71 die Genehmigung ihrer Verzeichnisse erhalten. Ueber insgesamt 81 Vorlagen haben sich die Kantonsbehörden bereits geäussert, und über den verbleibenden Rest sind die Verhandlungen im Gange. Wir werden dieselben auch weiterhin im Rahmen des Möglichen beschleunigen, müssen jedoch für eine genaue Behandlung immerhin die erforderliche Zeit beanspruchen. Die kommende Fahrsaison wird deshalb noch nicht die lückenlose Signalisierung der Niveauübergänge vorfinden, doch wird mit dem Fortschreiten des laufenden Jahres auch die Zahl der nach Verordnung gekennzeichneten Uebergänge stetig zunehmen. Wir wissen, dass die Sache dringlich ist und tun alles, um die Zeit nach Möglichkeit auszunützen. Asphaltstrasse und Fahrvorschrift. In unserem famosen Konkordat betreffend den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern steht der Passus, dass überall da, wo die Behörde eine verminderte Geschwindigkeit vorschreibt, das Tempo so herabgesetzt werden muss, dass das Fahrzeug «sofort» angehalten werden kann. Dieses « Sofort» ist schon manchem Automobilisten zum Verhängnis geworden. Für noch allzumanchen Richter hat es nur die Bedeutung von höchstens Sekunden, es ist eine ein für allemal für « gut » befundene subjektive Zeitspanne, einerlei, welche äusseren Umstände dabei noch im Spiel waren. Als Mittel zum sofortigen Anhalten stehen aber dem Automobilisten nur die Bremsen zur Verfügung, deren Wirkung wieder von der Griffigkeit des Strassenbelags in hohem Masse abhängt. Für den betriebssichern Unterhalt der Bremsorgane ist der Führer verantwortlich, den jeweiligen Zustand der Strassendecke kann er aber nicht ändern, er muss daher damit rechnen können, dass die Strecke in einem den Anforderungen des Strassenverkehrs entsprechenden Zustand gehalten wird und dass er jederzeit seine Bremsen so stark anziehen darf, wie es die Umstände erheischen. Obwohl die Griffigkeit, oder auch anders ausgedrückt, die Reibung zwischen der Gummibereifung und den Strassendecken, z. B. Steinpflaster, Makadam und Asphalt, verschieden gross ist, ist sie dennoch bei allen Strassenarten unbedingt ausreichend, um ein seitliches Gleiten bei trockenem Wetter zu verhindern. Bei feuchter Witterung dagegen sinkt die Radreibung ziemlich stark, sie beträgt dann z. B. auf feuchtem Asphalt nur etwa ein Fünftel und unter ungünstigen Umständen sogar nur ein Zehntel der Reibung auf trockener Asphaltdecke. Bei etwas scharfem Bremsen schon können die Räder daher zwar zum Stillstand kommen, aber sie gleiten zunächst in der Fahrtrichtung weiter, wodurch in dieser Richtung ein starker Gleitwiderstand entsteht. Nun äussert sich nach einem physikalischen Gesetz bei einem gleitenden Körper der Reibungswiderstand stets nur in einer Richtung ; daher finden die in Fahrtrichtung gleitenden und durch Bremsen blockierten Räder gegen seitliches Abgleiten keinen Widerstand mehr. Die geringste Zufälligkeit genügt alsdann, um den Wagen aus seiner Bahn abzudrängen, er gerät ins « Schleudern ». Nun ist die Schleudergefahr aber nicht aus* schliesslich auf die Asphaltdecke zurückzuführen; eingehende Untersuchungen haben vielmehr erwiesen, dass auf trockenem oder nassem, aber reingewaschenem AsphaltbelagJ ausreichende Griffigkeit besteht und dass die Schlüpfrigkeit hauptsächlich durch die auf der Strassendecke liegende Schmutzschicht verursacht wird. Als Vorbeugungsmittel gegen die Schleudergefahr schien daher eine öftere und gründliche Reinigung der Asphaltstrassen zu genügen; allein die Erfahrungen in den Grossstädten zeigten sehr bald, dass die üblichen Reinigungsverfahren dieser Aufgabe nicht gewachsen waren. Die vielen von den Motorfahrzeugen verlorenen Oeltropfen und die übrigen dem Strassenschmutz anhaftenden fettigen Bestandteile verhindern eine ausgiebige Benetzung des Asphaltes durch das Wasser der Sprengwagen. Die Reinigung ist daher nur oberflächlich, da die in den zahlreichen kleinen Vertiefungen oder Poren festhaftenden Schmutzteile nicht entfernt werden. Der fugenlose Asphalt kann deshalb trotz seiner vielen Vorteile für den neuzeitlichen, äusserst regen Motorfahrzeugverkehr in den Grossstädten nicht mehr als einwandfreier Strassenbelag angesehen werden. Den Stras- U I L I* T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (28. Fortsetzung) Der Detektiv trat an den Tisch und hob meinen Revolver empor. « Sie werden natürlich diesen kleinen Gegenstand mitnehmen», sagte er. « Warum? » « Der Sicherheit wegen. Ich glaube, dass Sie etwas Angst haben. Sie könnten zum Beispiel einen Hund unterwegs treffen! » Ein höhnisches Lächeln leuchtete wieder in seinem Gesicht auf. Der Detektiv zeigte die Zähne. « Ich habe keine Angst », sagte ich, « lassen Sie den Revolver ruhig liegen.» Er betrachtete den Revolver genauer. « Wirklich eine hübsche Waffe », brummte er und öffnete das Magazin. «Alle Läufe geladen, wie ich sehe.» «Selbstverständlich ist er geladen. Welchen Nutzen könnte mir sonst die Waffe bringen? » «Sie könnten damit schlagen», antwortete der Detektiv. « Sie glauben gar nicht, •wie weit man damit kommen kann, wenn man jemanden schlägt! » Ich öffnete die Tür. « Gehen wir also •», sagte ich. Der Detektiv legte den Revolver auf den Tisch zurück und folgte mir. Als wir uns einige Schritte von der Hütte entfernt hatten, hörte ich, dass der Detektiv lachte — ein trockenes, unangenehmes Lachen. « Worüber lachen Sie? » « Ueber die Lampe », sagte er, « nun steht die Lampe wieder und brennt in Ihrem Zimmer.» « Ja, das war reine Unachtsamkeit.» « Zum zweiten Mal. Na, es ist ja ganz gut, dass sie brennt; dann haben Sie keine Scherereien, sie anzuzünden, wenn Sie heimkommen. » Ich wollte den Weg einschlagen, der am Hotel vorbeiführte, aber Asbjörn Krag hielt mich zurück. « Nicht hier», sagte er, «es ist kürzer, über die Höhe zu gehen.» Er wollte denselben Weg gehen, den wir am Morgen eingeschlagen hatten. Ich erinnerte mich seines unheimlichen Geschwätzes während dieser Spaziertour — und schauderte. Es war jetzt ganz dunkel, kein Mensch war zu sehen; wir gingen rasch an den kleinen, wie tot daliegenden Häusern vorbei und kamen auf den Bergweg. « Da sehen Sie nun selbst», sagte Asbjörn Krag; «hier ist niemand, der uns beide zusammen gesehen hat. Wenn nun einer von uns verschwände... » Unwillkürlich muss ich wohl eine Bewegung gemacht haben, denn der Detektiv brach ab. « Sie hören das nicht gern.» « Nein, es scheint mir unsinnig, so zu reden. » Der Detektiv schob seinen Arm unter den meinigen und wurde beinahe kameradschaftlich einschmeichelnd, als er sagte : « Lieber Freund, wir sprechen jetzt schon so lange über diese Dinge; nun müssen Sie mir auch einmal gestatten, etwas taktlos zu werden. Ich habe ein persönliches Interesse daran, Sie zu überzeugen. Wir kommen nun bald an den Platz, wo ein solcher Mord ausgeführt werden kann. Man braucht seinem Begleiter nur einen Stoss zu geben — und er stürzt in den Abgrund. Das ist sehr leicht, nicht wahr? Und niemand erfährt etwas davon! Selbst wenn die Leiche gefunden wird, kommt nicht einmal das Gerede von einem Mord auf, denn es liegt ja klar zutage, dass es einzig und allein ein Unglücksfall gewesen sein kann.» Ich versuchte wieder, ihn zu unterbrechen, aber es glückte mir nicht. Er fuhr unbeirrt fort : « Haha, nun werden Sie natürlich lachen, aber der Vergleich erscheint mir zu gut, als dass ich ihn unterdrücken sollte: Nehmen Sie einmal an, dass ich Sie aus irgendeinem Grunde hasste — — können Sie sich das nicht denken? » «Ich kann mir dies kaum vorstellen», murmelte ich. Meine Gedanken waren weit fort, und ich wünschte, wieder in meiner friedlichen Hütte zu sein. Es kam mir vor, als ob dies Abenteuer bereits unheimlich zu werden begönne. « Ja, gewiss kann man sich das denken >, fuhr Asbjörn Krag fort. « Man hat Beispiele der verschiedensten Art. So kann man sich zum Beispiel ganz gut vorstellen, dass ich Sie aus dem einen oder andern Grunde hasse- Ich setze den Fall, dass Sie etwas von mir wüssten, was mir sehr schaden könnte, wenn Sie es jemand anderem erzählten. Wie dann? Glauben Sie dann nicht, dass ich Sie hassen würde? Ich würde Sie ganz sicher so hassen, dass ich Ihren Tod wünschte. Dann müssen Sie mir einräumen, dass ich leicht darauf verfallen könnte. Sie während eines Spaziergangs wie dieser in einen Abgrund zu stossen.» « Sie sprechen so wunderlich », sagte ich, «nun kann ich Sie schlechterdings wieder nicht verstehen.»