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E_1930_Zeitung_Nr.035

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Donnerstag 17. April 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoraschlag, solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bisteilung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Der Bau von Strassen schafft Reichtum A. J. Brosseau, der Vizepräsident der Handelskammer der Vereinigten Staaten van Nordamerika, hat kürzlich in der amerikanischen Presse hochinteressante Untersuchungen über Strassenbau und Wirtschaftspolitik angestellt. Obwohl die amerikanischen Verhältnisse anders sind als die hiesigen, so gibt doch die Erfahrung im amerikanischen Strassenbau für alle Länder die denkbar wertvollsten Grundlagen für die zukünftige Verkehrsentwickluns. Gewiss, weder die Schweiz noch andere europäische Länder werden in absehbarer Zeit eine so rasche Zunahme des Automobilverkehrs erleben wie die Amerikaner; allein das Strassenproblem ist auch keine Angelegenheit von heute und morgen. Brosseau stellt auf eine 25jährige Bau-, Unterhalts- und Finanzierungsperiode der ßtrasse ab. Auch wir in der Schweiz sollten die Strassenfrage unter dem Gesichtswinkel einer 25- jährigen Entwicklung beurteilen; wir müssten dann unfehlbar zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen wie der Vorsteher der amerikanischen Handelskammer sie in nachstehenden Zeilen festhält. Er schreibt: Durch die überaus schnelle Zunahme des Äutomobilverkehrs in allen Ländern der Welt ist die Frage des weiteren Ausbaues und der Modernisierung des nationalen Strassennetzes im Laufe der letzteD fünf Jahre zu einem innerpolitischen Problem allerersten Ranges geworden. Das Automobil gilt heute als ein unentbehrliches Hilfsmittel des täglichen Lebens, und die moderne Wirtschaft ist in jeder Weise direkt von ihm abhängig. Um die bedeutende Roll« zu würdigen, die das Automobil heutzutage erfüllt, brauchen wir uns nur einmal vorzustellen, was geschehen würde, falls man alle Kraftfahrzeuge plötzlich aus dem [Verkehr ausschalten wollte. Die Finanzierung des Strassenbaues ist ein Geschäftsproblem. Die Aufgabe besteht hauptsächlich in der Aufnahme derjenigen Kapitalien, die erforderlich sind, um das bereits bestehende Strassennetz in gutem Zustande zu erhalten und um ausserdem neue Verkehrsadern anzulegen. Die Leistungsfähigkeit der Chausseen muss gross genug sein, um den stets wachsenden Verkehr aufnehmen zu können. Zu Beginn der Durchführung eines Bauprogramms können weder Stadt noch Staat die Kosten für die notwendigsten Strassenverbesserungen aus den laufenden Steuereinnahmen decken. Die Finanzierung des Strassenbaues durch Ausgabe von Obligationen ist an sich kostspieliger, denn sie bringt Mehrausgaben für den Zinsendienst mit sich, die auf den ersten Blick die Gesamtkosten überniässig hoch erscheinen lassen. Wenn jedoch alle Faktoren in Berechnung Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Ulfe" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Tetegramm-Adresse: Autorevue, Bern gezogen -werden, so ergibt sich, dass die Finanzierung letzten Endes doch geringere Kosten verursacht, falls das verausgabte Geld erst zu späteren Terminen durch Steuern aufgebracht zu werden braucht. Dies ist eine Tatsache, die durch vielseitige Studien in bezug auf die Methoden der Strassenbaufinanzierung bereits zur Genüge bewiesen worden ist. Es ist eine Tatsache, dass Strassen Reichtum schaffen; der Bau von Strassen rentiert sich. Viele glauben, dass die Vereinigten Staaten Chausseen gebaut haben, weil sie reich sind. Das Umgekehrte ist richtig. Durch neue Landstrassen wird der Reichtum eines Landes so bedeutend vergrössert, dass die Ausgaben für einen beschleunigten Strassenbau mehr als ausgeglichen werden können, vorausgesetzt, dass die Finanzierung durch Anleihebegebung nach dem System der nachträglichen Kapitalsaufbringung durchgeführt wird. Ungefähr 40 bis 60 Prozent der Anlagekosten aller günstig gelegenen Landstrassen werden für bleibende Werte ausgegeben. Ausserdem ist der Wert des bei der Wiederherstellung der Fahrbahn zurückgewonnenen Materials so gross, dass das investierte Kapital erfahrungsgemäss nach langer Zeit noch so gut wie unversehrt geblieben ist Schliesslich spricht noch folgende Ueberlegung für die Finanzierung durch Ausgabe von Obligationen. Angenommen, man würde sich dazu entschliessen, die Steuerlast so weit zu erhöhen, dass der Strassenbau aus den laufenden Budgeteinkünften bestritten werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass überall, wo diese Methode zur Anwendung gebracht worden ist, Strassen gebaut worden sind, deren qualitative Eigenschaften den Anforderungen des Verkehrs nicht genügt haben. Die Folge davon war, dass einerseits der Staat wegen der schnellen Abnützung unverhältnismässig hohe Instandhaltungskosten aufbringen musste, wogegen anderseits der Verkehr unter besonders hohen Betriebskosten zu leiden hatte. Gut gebaute Landstrassen bleiben lange gebrauchsfähig. Es ist selbstverständlich, dass bei Finanzierung durch Aufnahme von Anleihen die Zahlungstermine so gewählt werden sollten, dass die Fälligkeiten für Verzinsung und Amortisation möglichst gleichförmig auf die einzelnen Jahre verteilt sind. In den Vereinigten Staaten hat die Erfahrung gelehrt, dass Oblgiationen mit einer Laufzeit von 25 Jahren für staatliche Anleihen unter normalen Bedingungen allen an sie gestellten Anforderungen entsprechen; während für Kommunalanleihen Rückzahlungstermine von 20 Jahren am geeignetsten sind. Vorausgesetzt, dass die Chausseen in gutem Zustande erhalten werden, was zu allen Zeiten unbedingt geboten sein dürfte, ist kein Grund vorhanden, weshalb sie nicht noch am Ende dieser Periode gebrauchsfähig sein sollten. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Strassen dann besser sein werden als zur Zeit ihrer Anlage. Durch die Entwicklung des Automobilverkehrs ist der Bedarf für bessere Landstrassen in den Vereinigten Staaten allmählich so gross geworden, dass die Automobilbesitzer im allgemeinen aufgehört haben, den Grundsatz zu verteidigen, dass alle Bürger in gleichem Masse zur Durchführung des Strassenbauprogramms beizusteuern haben. Um den Bau der dringend benötigten Chausseen sicherzustellen, haben sie sich zur Zahlung von Sondersteuern bereit erklärt, die auf dem •Wir veröffentlichen nachstehend eine Verteidigung des Urner Standpunktes aus der Feder eines Urner Landrates und Automobilisten. Der Verfasser versucht' auf eine Verständigung hinzuwirken. Es ist erfreulich, dass damit die Urner auch in der Fachpresse ans dem Zu-^ etand des Schweigens herausgetreten sind. Red. Eine Kampagne tegen Uri. Automobilkreise haben sich in letzter Zeit mehr als notwendig mit dem Kanton Uri, Landrat und Regierung, beschäftigt Nicht gerade in der freundlichsten Weise; besonders bei Anlass der Verhandlungen bezüglich dem Klausenrennen nahm die Fehde einen Charakter an, dessen Schärfe nicht gerade im Interesse der Sache war. Wenn der Automobilismus so energisch für seine Interessen eintritt und deren Anerkennung verlangt so soll er logischerweise auch dem Gegner dieses Recht nicht bestreiten oder verübeln. Die im Zusammenhang mit dem Automobil stehenden Debatten und Beratungen im Landrat fanden in der Automobilpresse Kommentare, die über das Ziel sachlicher Berichterstattung hinaus gingen. Anderseits mussten sich aber sachliche Ausführungen und be- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 43 Cts. (ttr die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratcnsehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Kraftfahrzeug lasten. Auf diese Weise haben die Automobilbesitzer eine bedeutende Beschleunigung im Ausbau des Strassennetzes erreicht. Als unmittelbare Folge war eine sofortige und sehr erhebliche Senkung der Betriebskosten im Automobilverkehr festzustellen, wodurch die zusätzliche Belastung der Sondersteuern mehr als ausgeglichen worden ist. Die Benzinsteuer ist am einfachsten und ergiebigsten. Was die einzelnen Steuerarten anbelangt, so herrschte anfangs eine Mannigfaltigkeit von Typen, die als sehr übertrieben bezeichnet werden kann. Zu allererst wurde eine einfache Einschreibegebühr erhoben. Als später Automobile von verschiedenem Typ, Gewicht und Schnelligkeit für sehr verschiedenartige Gebrauchszwecke gebaut wurden, versuchte .man, die Steuern den veränderten Verhältnissen anzupassen. Dies wurde durch Formeln zu erreichen versucht, die von Gewicht, Pferdestärke, Verkaufspreis und anderen Faktoren ausgingen. (Schluss folgt.)! Automobil, Uri und Klausenrennen sonders die auf korrekter Pflichterfüllung basierte Stellungnahme des Regierungsrates eine sehr unloyale Kritik gefallen lassen. Wir stellen fest, dass der Landrat und jedes Mitglied desselben das Recht besitzt, über Automobilfragen, die den Kanton Uri betreffen, zu diskutieren und eine eigene Meinung zu haben, ohne dass man ihn deswegen in der Presse verunglimpft Uri und Automobilismus. Der Automobilismus hat sich über den Kanton Uri nicht zu beklagen; immer und immer wieder kann darauf hingewiesen werden, dass in Uri weder Fallenbetriebe noch sonstige Schikanen des Automobilisten harren; auch nach Aufhebung der Taxen nicht S Der Kanton tut das Möglichste, seine Strassen in gutem, zuverlässigem Zustande zu erhalten; diese verschlingen jährlich über Fr. 500,000.—, für Uri ein sehr respektabler Betrag. Kein Mensch wird von uns verlangen, dass das arme Bergland Uri seine Strassen mit Millionenaufwand in moderner Weise für das Automobil herstellt; aber was getan werden muss, wird getan. Es darf in diesem Zusammenhang auch einmal gesagt werden, dass auch die Automobilisten es oft an der nötigen Rücksichtnahme fehlen lassen. Z. B.:s der Chauffeur eines schweren Betriebsstoff- Lastwagens, der über die frisch geteerte und gewalzte Axenstrasse fährt, wird vom kantonalen Strassenaufseher ersucht, die Schneeketten wegzunehmen, da die ganze Strasso von Sisikon bis ins Reusstal schneefrei ist,, und das unsern Strassen schädlich ist. Als Antwort ein freches Maul und noch frecheres Davonfahren, so dass sich der Aufseher mit PLAUDER Nun naht die Zeit, wo die Natur und die Eier sich färben, wo unzählige Schalen den Weg alles Zerbrochenen gehen, wo man mit dem Dichter (welchem?) ausrufen möchte : Die Welt wird ovaler mit jedem Tag, die Welt wird schaler mit jedem Schlag, oder wie es sonst heissen mag. Der Osterhas hat seine grossen Tage. Ihm wird die Ehre zugeschrieben, einmal in Jahre Eier legen zu können. Eine anmutige Lüge, die das Kinderherz in jedem von uns höher schlagen lässt. Der Osterhase gehört zu der gleichen geheimnisvollen Kategorie von Tieren wie der blaue Vogel des Märchens und der kinderspendende Storch und symbolisiert jenen kindlichen Glauben an den Ursprung alles Lebens, den ein Film aus Zürich uns letzthin so grausam zerstören wollte. Ein Glück, dass die Polizei dann in letzter Stunde sich unserer Unschuld angenommen und die Verbreitung ungesunder Ideen über die Menschwerdung kraftvoll verhindert hat ! Jetzt können wir doch wieder an den Osterhas glauben! Aber halt, ich fürchte, ich wage mich da aufs politische Glatteis, wo ich sicher ausgleiten werde, da ich das Drehen und Wenden nicht so gut verstehe wie die Professionellen. Also zurück aufs feste Land! Ostern ist das Fest der kindlichen Unschuld. Das wurde mir so recht klar, als ich einmal kurz vor Ostern eine Bahnreise machte. Mir gegenüber sass eine Frau mit einem kleinen Bubi, das einen herzigen schokoladenen Hasen in der Hand hielt. Infolge der Körperwärme überschritten die berührten Teile der Oberfläche des besagten Hasen den Schmelzpunkt und beschmutzten die Finger. Die Mama ermunterte den Knaben, doch den Hasen zu essen, aber er schüttelte energisch den Kopf und schaute das Geschöpf der Schokoladeindustrie mit zärtlichem Mitleid an. Das ging so eine Weile, dann beugte sich die Mama auf einmal neckisch vor und — biss mit einem Knack dem Hasen den Kopf ab. Der Knabe war zwei Sekunden lang einfach sprachlos, dann aber brach er plötzlich in ein schreckliches, fassungsloses Weinen aus. Der ganze Körper bebte beim Schluchzen, Tränen strömten wie Bäche über die Wangen, aus der Brust entrang sich ein Stöhnen, dass das Reisepublikum entsetzt auf dieses Bild des uferlosen Jammers blickte. Das dauerte „eine Zeitlang, dann aber legte sich langsam der Schmerz und die Flut der Tränen ebbte ab und versiegte. Die Augen wurden wieder munter und fielen auf die Schokoladeruine, die der Knabe immer noch in der Hand hielt Und nun geschah etwas Unglaubliches: als der Knabe das Loch erblickte, womit die schlauen Fabrikanten das Erzeugnis ihres Fleisses füllen, lachte er hell auf! Sein ganzes Interesse erwachte; Schnell steckte er den Finger in die Hasenhöhle, brach Stück •um Stück die Seitenwand ab und ass sie auf. Kein Gedanke mehr, es könnte dem Tier weh tun. Ein hohler Hase leidet doch nicht! Warum der Knabe an der Höhle des Hasen eine solche Freude hatte, weiss ich nicht. Vielleicht erwartete er, zu Unterst ein Ei zu finden. Uebrigens gibt es ein amerikanisches Buch mit dem Titel: «Der Triumph des Eis >. Sherwood Anderson, der das Ei gelegt hat, hoffte jedenfalls, es werde triumphieren. Aber halt, ich fürchte, ich mache in Reklame ohne es zu wollen und ziehe das Missfallen der Professionellen auf mich, wenn ich nicht sofort aufhöre. Also zurück aufs feste Land! Merkwürdig, da wir von Reklame sprechen, fällt mir ganz zufällig die Fabel von der Henne ein, die goldene Eier legte. Das war natürlich ein ganz gutes Geschäft. Man konnte sich versehentlich darauf (auf das Ei, nicht das Geschäft) setzen, ohne dass eine Eieromelette entstand. Man konnte sie ruhig auf Reisen, Skitouren und Bergbesteigungen mitführen, denn sie waren unzerbrechlich. Man konnte sie fallen lassen, darauf treten,' es schadete ihnen nichts. Nur essen konnte man sie nicht. Es soll übrigens auch Menschen gegeben haben, die die Gabe des Eierlegens besassen. Der berühmteste ist Kolumbus, dessen El man das «Ei des Kolumbus» nennt. Es soll in einem spanischen Museum aufbewahrt sein. Die Spanienfahrer aus Zürich werden es so um den 1. April herum gesehen haben. Nach einer andern Erklärung soll allerdings das Ei in dem spanischen Museum eine Fälschung sein. Danach wäre die Geschichte vom Ei des Kolumbus die folgende: Als Kolumbus zum erstenmal amerikanische Erde erblickte, rief er aus: Ei! Ei! Den historischen Ausspruch nannte man dann das «Ei», des Kolumbus. Schon möglich, es ist nachgerade jedem Schuljungen klar, dass die Entdeckung Amerikas eigentlich das Ei des Kolumbus bedeutete 1 Andreas.