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E_1930_Zeitung_Nr.041

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Ausgabe; Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 9. Mai 1930 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortoTOSchlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Neues Denken und neues Werden Es gab eine Zeit und sie liegt noch nicht lange hinter uns, da glaubte die zuständige Polizeibehörde, mit Kontrollen und Bussenzettel dem Automobilisten auf den Nacken sitzen zu können. Man betrachtete das Automobil als einen Fremdling, der sich unrechtmassig die Strasse erobere und dabei die Bahn in unverschämter Weise konkurrenziere. Der Automobilist galt als vogelfrei, ihn durfte man nach Gutdünken behandeln und deshalb versteckte Kontrollen und Bussensegen auf der einen Seite und auf der andern Seite eine Gesetzgebung, die der Entwicklung des Automobilismus nicht im entferntesten günstig war. In den Stuben der Pölizeidirektionen prangten die 18 Kilometer und wehe dem Automobilfahrer, der sie überfuhr. Der Achtzehnkilometerzaun. Die Zeiten ändern sich und in der schnelllebigen Zeit, die wir zwanzigstes Jahrhundert nennen, schneller als früher. Der Achtzehnkilometer-Zaun wurde durchscossen, jeder gesetzliche Hemmschuh erwies sich als zu schwach, um dem modernen Fahrzeuge Schranken auferlegen zu können. Die Aufklärung tat das ihre. Es ist ein grosses Verdienst der schweizerischen Automobilverbände im Verein mit der massgebenden Automobil-Fachpresse, unermüdlich an der Aufklärungsarbeit mitgeholfen zu haben. Heute,, nactr^ einem schweren Kampfe, sind wir so weit; dass das Daseinsrecht des Automobils auch von den Behörden anerkannt wird und dass unsere Regierungen alle daran gehen, dem Automobil den Weg zu öffnen und es neben den andern Fahrzeugen als gleichberechtigt anzuerkennen. Das Recht auf die Strasse ist ihm heute zuerkannt. Darin liegt der bedeutende gewaltige Fortschritt. Darauf stützt sieh nun auch die modernere Gesetzgebung, und von dieser Auffassung her werden Verkehrsprobleme heute ganz anders bewertet, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Zu milde Gerichtspraxis gegenüber Auswüchsen. Es ist ganz klar, dass jede grosse Bewegung ihre Auswüchse zeitigt. So musste auch der Automobilismus zu Erscheinungen führen, die man früher nicht kannte. Diese Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (37. Fortsetznm>) «Tief, tief unten », murmelte der Detektiv. Nachdem er einige Zeit gelauscht hatte, ohne weitere Worte aufzufangen, fuhr er fort: « Wie ich Ihnen schon sagte, lieber Freund, habe ich in dieser unheimlichen Sache auf ganz ungewöhnliche Weise gearbeitet. Ich war mir sogleich darüber im reinen, dass der Forstmeister getötet sein musste, und zwar erschlagen von einem Manne im Zorn. Es war keineswegs ein vorsätzlicher Mord. Ich "verfiel sehr bald darauf, an Eifersucht zu denken. Als ich das Lächeln des Getöteten sah, das noch im Tode triumphierte, sagte ich mir: .Wenn er so seinen-Nebenbuhler angelächelt hat, so kann ich es verstehen, dass dieser ihn sofort zu Boden schlug... Nun wohl. Aber ich sah auch sogleich, dass hier keine Rede davon sein konnte, Beweise herbeizuschaffen. Man konnte wohl einen Argwohn nähren, aber irgendeinen handgreiflichen Beweis beizubringen War unmöglich; dabei war die Tat doch nur durch reinen Zufall begangen, eine allzu plötzliche und zu wenig überlegte Handlung. Ich musste also meine Arbeit unbedingt anders anlegen, als es sonst der Fall ist. Nun will ich Ihnen einen andern Fall erzählen, lieber Freund. Auswüchse im Automobilismus zu bekämpfen ist Pflicht aller, in allererster Linie der Automobilisten selbst. Sie in ihrer Aufgabe zu unterstützen, ist weitere Pflicht der Behörden. Wir haben zu wiederholten Malen darauf hingewiesen, dass die Gerichtspraxis gegenüber den Autostrolchen eine zu milde sei- Der Fall Müller in Zürich hat den Behörden jedenfalls die Augen geöffnet. Die Strolchenfahrten rufen mit aller Entschiedenheit nach einer verschärften strafrechtlichen Ahndung. Es ist zu hoffen, dass die Gesetzgebung hierin nicht zu länge auf sich warten lassen wird. Was das Kapitel der betrunkenen Automobilisten anbetrifft, so darf wohl hervorgehoben werden, dass im Vergleich zur grossen Zahl der heute in der Schweiz zirkulierenden Automobile die durch betrunkene Automobil fahrer hervorgerufenen Automobilunfälle eine minime ist. Dagegen sind wir damit einverstanden, dass die Bestrafung betrunkener Automobilfahrer verschärft werde, und dass hierin wohl der vermehrte Entzug der Fahrbewilligung nur heilsam wirken kann. Dabei ist allerdings zu betonen, dass mit dem scharfen Instrumente des Fahrbewilligungentzuges Vor zwei Jahren verschwand ein reicher Engländer auf unaufgeklärte Weise an der Riviera. Die Untersuchung ergab, dass es sich um einen Raubmord handelte, aber der Mörder war nirgends zu finden. Man hatte keinerlei Beschreibung von ihm. Was tat der kleine, schlaue, französische Detektiv, der die Untersuchung leitete ? Ja, er spielte den Getöteten! Er maskierte sich genau wie dieser, kleidete sich genau wie er und machte so eine Rundreise durch al'le Hauptstädte von Europa. Er ging auf Gassen und Strassen spazieren, wo sich viele Menschen befinden. Endlich in St. Petersburg ereignete sich das, was er erhofft hatte. Ein Mann bleibt erschreckt stehen,, als er ihn erblickt. Das ist der Mörder, der da glaubt, dass das Gespenst seines Opfers sich ihm plötzlich zeigt und daraufhin totenbleich und erschreckt die Flucht ergreift. Im nächsten Augenblick war er ergriffen. Und das, lieber Freund, das war meine Methode. Nur kam sie ein klein wenig anders zur Ausführung. Ich fasste einen bestimmten Argwohn und verstand, weil ich klarer als alle andern in solchen Sachen sehe, dass nur ein einziger Mensch als Mörder des Forstmeisters in Betracht kam. Von dieser Stunde an habe ich den Menschen verfolgt. Dass unerwartete Dinge wie die Flugmaschine und der Tod des alten Gjaernaes meine Arbeit etwas verzögert haben, hat an sich der Sache weder geschadet noch genützt. immerhin vorsichtig vorgegangen werden soll, um je nach Umständen den betreffenden Automobilfahrer nicht wirtschaftlich zu ruinieren. Das Automobil im Dienste der Unsittlichkeit? Auch dies ist ein Kapitel für sich. Selbstverständlich wird es immer wieder Individuen geben, denen jegliches Hilfsmittel gut genug ist, um an ihr Ziel gelangen zu können. Wir brauchen über dieses Thema nicht breiter zu werden. Es ist nicht abzustreiten, dass auf diesem Gebiete das Automobil leicht in einen Dienst gestellt werden kann, zu dem es nicht prädestiniert war. Wenn die Behörden gewillt sind und es für notwendig erachten, die durch das Automobil hervorgerufenen sittenpolizeilichen Fälle schärfer zu erfassen, so können alle anständigen Automobilisten damit nur einverstanden sein. Diese Bestrebungen werden jedenfalls von unsern beiden grossen Automobilverbänden nur unterstützt werden. Neue Auffassungen bei den Behörden. Es ist nicht zu vergessen, dass aus unsern Behördestuben ein neuer Wind weht. An den ewigen Geschwindigkeitskontrollen, am hinterhältigen Bussenfang scheint man genug zu haben. Man möchte mit der Gesetzgebung da einsetzen, wo sie dringender notwendig ist. Die Automobilisten anerkennen den neuen Geist und hoffen nur, dass er den Behörden erhalten bleibt. Eine grosse Arbeit harrt noch der Erledigung. Gerade in der Gerichtspraxis humpeln wir in der Schweiz bedenklich hinten nach. Strolchenfahrten sollen rücksichtslos gebüsst, betrunkene Automobilisten bestraft werden. Die Fahrprüfun- Ueber die letzte Tagung der Internationalen Verkehrs- und Touristikkommission der A. I. A. ist nun ein ausführlicher Bericht herausgegeben worden, der ersehen lässt, dass an den beiden Sitzungen verschiedene wichtige Verkehrsfragen behandelt worden sind. Einziger Zollausweis? Die Internationale Kommission für Verkehrs- und Zollf ragen hatte sich in weitgehendem Masse mit den Grenzübertrittformalitäten befässt Dem Vorschlag der französischen Zollverwaltung, inskünftig an Stelle von, Triptyk und Grenzpassierscheinheft nur nocn einen einzigen ZoUausweis zu verwenden, konnte sich die Kommission nicht an» schliessen, hingegen wurde festgelegt, dass inskünftig für die Nachbarländer Triptyks und für die weiter entfernten Länder nur Grenzpassierscheinhefte verwendet werden sollen. Es dürfte zwar dieser Beschluss noch nicht das Allheilmittel darstellen. Letztes Ziel muss doch die Schaffung eines einzigen Zollausweises sein, nur muss derselbe etwas einfacher gestaltet werden als der von den Zöllbehörden Frankreichs vorgeschlagene. — Bezüglich der Löschung der Triptyks und Grenzpassierscheinhefte wurden die Clubs ersucht, dahin zu wirken, dass die Löschung automatisch nach Ablauf eines Jahres vom Gültigkeitsende des Ausweises an erfolgen soll. Des weitern befürwortete man neuerdings die Ausdehnung der Gültigkeit des Triptyks auf Anhängewagen von Automobilen und Radioapparate in solchen. Besonders energisch sprach man sich gegen den seinerzeit gefassten Beschluss der INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschlnss 4 Taue vor Erscheinen der Nummern gen sollen strenger durchgeführt werden. Daneben aber sollen die Behörden mit den Automobilisten zusammenarbeiten, um nicht nur die Auswüchse im Automobilismus zu beseitigen, sondern dem Automobil die gute Strasse, die vom Automobilisten selbst zu verantwortende Geschwindigkeit und eine alle Strassenbenützer umfassende Verkehrsregelung zu sichern. In diesem Sinne bekennen wir uns zur Zusammenarbeit zwischen Behörde und Automobil, wobei wir nicht schliessen möchten, ohne ausdrücklich auf die Notwendigkeit eines Steuerabbaus für den Automobilisten aufmerksam zu machen. Wir sind der Auffsasung, dass der Augenblick gekommen ist, wo das unserer Volkswirtschaft so grosse Dienste leistende Automobil vom schweren Steuerdruck entlastet werden sollte. internationale Touristik- und Verkehrsfragen jugoslawischen Zollbehörden aus, inskünftig konsularische Beglaubigungen für die Löschung von Triptyks und Grenzpassierscheinheften nicht mehr zu akzeptieren. Es bedeutet dies eine erhebliche Erschwerung des internationalen Automobilverkehrs, die heute nicht mehr zulässig ist. Unterlassene Bestätigung der Ausreise. Es ist kein seltener Fall, dass oft in einem Grenzpassiersefaeinheft aus Unachtsamkeit des Zollbeamten oder Fahrers die Bestätigung der erfolgten Ausreise aus einem Lande unterbleibt. Man war alsdann genötigt, eine bezügliche konsulatorische oder polizeiliche Bestätigung (je nach dem betreffenden Land) beizubringen, dass sich der Wagen wieder im Heimatland befindet, eine umständliche und oft kostspielige Einschränkung, die schon längst einer Beseitigung rief. Es wurde nun einem Antrag zugestimmt, wonach bei fehlenden Ausreisevisas die Ausreisebescheinigung als erbracht gelten soll, wenn im Heft die Eintragungen des später bereisten Landes vorgenommen worden sind, da ja dadurch zur Evidenz erwiesen ist, dass das fragliche Auto den betreffenden Staat verlassen hat. Verlust von Zollauswelsen. Ein besoneres Kapitel bildet die Frage des Verlustes von Zollausweisen oder Fahrausweisen. Grundsätzlich bekannte man sich dazu, dass für den Fall des Verlustes des internationalen Fahrausweises als Ersatz- eine bezügliche Ausweiskarte geschaffen werden sollte, die zum provisorischen Verkehr im betreffenden Lande berechtigt. Anderseits Da mir der Beweis fehlte, musste ich es dahin bringen, das sich der Betreffende verriet. Ich nahm den Schreck zu Hilfe, in einer Weise, wie das vielleicht noch niemals irgendein Detektiv vor mir getan hat. Wenn ich grausam gewesen bin, so tut es mir leid, aber es ist wahr, wie ich vorher schon sagte, dass ich ein Lyriker des Schreckens bin. Und ich bekam den Täter dazu, dass er sich verriet... Brauche ich Ihnen nun noch zu sagen, wer der Mörder ist ? » Die Hand des Detektivs lag schwer auf meiner Schulter. Er konnte sicherlich fühlen, wie sich mein Körper vor Herzklopfen hob und senkte. Ich hörte meine Stimme... einen wunderlich gurgelnden Laut: « Nein,... durchaus nicht. > « So ? Also nicht ? > erwiderte Asbjörn Krag lachend! « der Mörder sind Sie selbstverständlich... Ich habe dies von Anfang an gewusst, von dem Augenblick an, als ich hörte, dass Sie unter den Bäumen standen und zusahen, wie der Forstmeister, Ihr Nebenbuhler bei Fräu'Iein Hilde, aus deren Zimmern kam. Als Sie über die Heide gingen, waren Sie sicher nur tief unglücklich, Sie dachten nicht einmal daran, ihn zu töten, aber Sie empfanden die Zurückweisung auf dem Edelhofe wie einen peinigenden Schmerz, zumal Sie ja die ganze Veranlassung hierzu falsch verstanden. Als Sie dem Forstmeister wieder nähergekommen waren und er den Hut abnahm, um Sie zu grüssen, höhnisch, triumphierend, da erhoben Sie sofort den Stock, Ihren prächtigen Stock mit der Elfenbeinkugel, und schlugen auf ihn los. Auch da dachten Sie eigentlich nicht daran, ihn zu töten, aber das Unheil war im Zuge, Sie trafen ihn auf den Hinterkopf, und er starb sofort...» Asbjörn Krag hielt inne. Seine Worte glitten an mir vorbei, ich wusste, was er sagte, aber ich konnte seine Worte nicht unterscheiden. Seine tiefe, ernste Stimme schlug an mein Ohr mit traurigem Klang wie gedämpfter Beckenschlag in einem Trauermarsch. Ich lauschte unwillkürlich nach den Ruderschlägen unten im Abgrund; nun klang es ferner, das Boot glitt vorüber. Der Zeitpunkt kam näher. (Schluss folgt.) In Nr. 43 beginnt unser neuer Ttoman: «Die blaue Wand» von Riebard Washburn Child in der autorisierten Uebersetzung aus dem Amerikanischen von Lise Landau. In diesem Werk werden die Probleme der Vererbung, der Suggestion und der Telepathie kunstvoll im Rahmen einer spannenden Erzählung behandelt.