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E_1930_Zeitung_Nr.058

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag 8. Juli 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Frcltn ... Monatlich „CMfc* liste« Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portososehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern soiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Tel*gramm*Adresse: Autorevue, Berti Für die gegenwärtige Reisezeit st ein gutes Führer- und Karten-Material besonders wichtig. Hl ÜBT wCnWulZ fahren Sie immer noch am besten mit „CH Touring", der soeben in neuer, vorzüglicher Ausarbeitung, zum 16. mal zur Ausgabe gelangt und seit 25 Jahren anerkanntermassen als beste Informationsquelle für Fahrten in der Schweiz gilt. Im Ausland reisen Sie mit „Europa Touring"; die soeben erschienene achte Auflage darf als Meisterwerk automobilistischer Information angesprochen werden. Lesen Sie, was in dieser Nummer an anderer Stelle über die beiden wertvollen Werke gesagt ist; treten Sie keine Reise an, ohne eines dieser vorbildlichen, mit den neuesten Nachträgen versehenen Reisewerke zu besitzen. Statistik und Statistik In Nr. 57 der «A.-R.» wurde, gestützt auf die Veröffentlichung des Eidgenössischen Statistischen Amtes, in ausführlicher Weise über die schweizerische Automobilstatistik geschrieben. Wir brauchen deshalb nicht mehr ausführlicher darauf zurückzukommen, möchten aber nicht verfehlen, auf die sprunghafte Entwicklung der Motorisierung der schweizerischen Strassen nochmals mit aller Ausdrücklichkeit hinzuweisen. Die 113,360 Motorfahrzeuge beweisen jedenfalls mehr, als dies Worte vermöchten, die ungeheure Bedeutung, welche heute das Motorfahrzeug in der Schweiz besitzt. Die Zunahme von 11,617 Einheiten innerhalb einem Jahr, mit andern Worten, die tägliche Zunahme von drei bis vier Automobilen in unserem kleinen Lande, zeit in drastischer Weise, wie hoch das Motorfahrzeug heute als volkswirtschaftliches Vehikel zu werten ist. Es erscheint beinahe als selbstverständlich, dass mit der Zunahme der Motorfahrzeuge auch die Zahl der Unfälle ins Ungeheuerliche sich steigern sollte. In Anbetracht unserer, zum grössten Teil nicht auf das Automobil eingestellten, zu engen und zu gekrümmten Strassen, in Anbetracht, dass heute noch in der Schweiz Radfahrerwege fehlen, die nötigen Trottoirs nicht überall vorhanden sind, die Strassendisziplin nicht nur der Fahrer, sondern vor allem der Fussgänger, noch sehr viel zu wünschen übrig lässt, darf wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass im Vergleich zur ständigen Zunahme der Motorfahrzeuge die Unfallstatistik noch Techt erträglich ist. Jeder Unfall, jedes Todesopfer ist zu bedauern und alles muss darangesetzt werden und auch die Automobilisten müssen das ihre dazu beitragen, um das Die blaue Wand O N Gefahrenmoment, das ja nie ganz beseitigt werden kann, auf ein Minimum zu beschränken. Es äst denn auch ein Verdienst unserer führenden Autornobilverbände, sowohl des A. C. S. wie des T. C. S., immer und immer wieder unsere Automobilisten auf grösste Disziplin aufmerksam und den Strassen- Rowdy, soviel als in ihren Kräften liegt, unschädlich zu machen.'"" Es ist begreiflich; dass jede neue grosse Bewegung — und als solche ist der Automobilismus unbedingt zu werten -r- Opfer * verlangt. Wenn man bedenkt, wie durch die ständige Zunahme der Motorfahrzeuge vielfach Elemente ans Volant gelangen, die weder über genügende technische Fähigkeiten noch über genügendes Verantwortungsgefühl verfügen, wenn man auch bedenkt, wie lax unsere Gerichtspraxis heute noch in Sachen Strolchenfahrten ist, so dürfen uns die jüngst vom Eidgenössischen Statistischen Amt für das vergangene Jahr 1929 registrierten Strassenunfälle nicht zu falschen Schlüssen führen. Wohl verzeichnet das Statistische Amt 13,110 Strassenverkehrsunfälle. An und für sicn ist dies gewiss eine grosse Zahl. Allein dabei ist hervorzuheben, dass nur in 9943 Fällen Motorfahrzeuge beteiligt waren. Insgesamt wurden 7431 Personen verletzt, worunter 2069 Fussgänger. 367 Personen fanden dabei den Tod, worunter wieder 50 Kinder zu verzeichnen sind. Unter den verletzten Fussgängern befanden sich 581 Kinder, eine ziemlich hohe Zahl. Ein Vergleich mit der Unfallstatistik für 1928 zeigt uns aber, dass in diesem Jahre bei einem Bestand von 101,743 Motorfahrzeugen 384 tödliche Unfälle passierten, dass also bei einer Zunahme von Von Richard Washburn Chüd. Autorisierte Uebersetzuns: aus dem Amerikanischen Ton Idse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (15. Fortsetzung) Da ich sie liebte und nur sie und keine andere auf der weiten Erde zur Frau begehrte, so war diese Ungewissheit eine Qual für mich, die ich einfach auf die Dauer nicht ertragen konnte. Ich erinnerte mich, dass Julianna mir erzählt hatte, ihr Vater mache jeden Abend nach dem Essen einen Spaziergang. Und ich schäme mich fast des Geständnisses, dass ich am nächsten Abend bei Eintritt der Dunkelheit an ihrer Strassenecke abwartete — wie der Liebste einer Köchin — bis die gebeugte Gestalt des Richters die Stufen vor dem Hause herabkam, hinter ihm die schlanke, graue Laddie, und bis das Aufschlagen seines Rebstockes auf dem Pflaster allmählich verhallte. Margaret Murchie öffnete mir. Wäre ich ein Wolf gewesen, sie hätte mich nicht anders anstarren können. Es war unverkennbar, dass ihre scharfen alten Augen — welch heimliches Wissen sich auch hinter ihnen bergen mochte — mich als einen Räuber, als eine Gefahr, als einen betrachteten, der gekommen war, um einen kostbaren Gegenstand aus ihrem Hause zu entwenden. Als ich dann wieder im Arbeitszimmer des Hausherrn und in seinem bequemen Lehnstuhl sass mit dem recht quälenden Gefühl, dass ich mit meiner Nervenkraft am Ende sei, wie damals als junger Bürsch, da ich das Wettrudern mitgemacht und angespannt auf das Schlusssignal gelauscht hatte, da wurde ich die Empfindung nicht los, dass die Alte, nachdem sie mich angemeldet, irgendwo hinter den Vorhängen versteckt stand und mich beobachtete. Julianna Hess mich nicht lange warten. Als sie durch die Tür in das helle Zimmer trat, fiel mir die Anmut und Sicherheit ihrer Haltung auf, die zugleich das Ergebnis ererbter Kultur, sowie geistiger und körperlicher Gesundheit ist, und die durch schauspielerische Pose oder eine gute Portion Selbstbewusstsein nicht ersetzt werden kann. -3 »•, 8 < f «00- »300- 200- 100- Motorfahrzeuge ^Nombr« de vehieules a-motet»' 11,617 Einheiten die Todesfälle sich 1929 sogar um 17 reduzierten. Es entfallen demnach auf 1000 Motorfahrzeuge drei tödlich verunfallte Personen, während im Jahre 1928 auf die gleiche Zahl 3,8 tödlich verletzte Personen entfielen. Die Unfallziffer hat sich also im Verhältnis, trotz vermehrter Verkehrsdichtigkeit, ganz bedeutend vermindert. Bei einer Unfallstatistik spielen jedoch nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern, was unbedingt zur Statistik gehört, das ist die nähere Beschreibung der Unfälle. Aus der Statistik muss klar und deutlich der Grund des Unfalles hervorgehen. Es dürfte sich dabei erweisen, dass eine Grosszahl der Unfälle nicht dem Automobilisten, sondern dem Fussgänger oder einer andern Drittperson zuzuschreiben ist. Es dürfte daraus auch ersichtlich sein, dass vielfach der Zustand der Strasse und andere tragische Umstände nicht immer abzuwendende Verkettungen mit eine Rolle spielen. Wir wollen nicht da beschönigen, wo es «Es tut mir leid, dass Sie nicht ein wenig früher gekommen sind,» so begrüsste sie mich. «Dann hätten Sie meinen Vater noch angetroffen. Nun sind wir beide » Sie nahm ihren Platz auf dem alten Mahagonisofa ein. «Ist's Ihnen unangenehm?» fragte ich. «O nein, ich freu' mich!» antwortete sie und dabei dehnte sie sich behaglich wie ein Kind; aber das geschah so natürlich, dass niemand sie darum hätte tadeln dürfen. «Mögen Sie mich eigentlich?» fragte ich nach einer kleinen Pause. Sie riss die Augen auf und sah mich gross an, halb belustigt und halb erschreckt. Schliesslich nickte sie, so ganz selbstverständlich. Und nur daran, dass sie ihre Hände gegen die Sofalehne presste, bis sie ganz blutleer erschienen und die blauen Adern dick hervortraten, merkte ich, dass sie fähig war, es mit einem Inder an Selbstbeherrschung aufzunehmen, und dass ihr Nicken nicht ganz so natürlich war. Wie ich Ihnen schon sagte, bin ich von Natur durchaus nicht romantisch veranlagt. Ich war mir ganz klar darüber, dass ich mich wenig dazu eignete, einem jungen Mädchen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nmnmern ' 120.000 s e 2 3 |A6a7ol! alte _—.(2oM d.lodl.UnFöne pro Motorfahrzeug VNombred'occidenhsmoftels 'Nombred'occidenti mortels parvihlcule» Die Unfallstatistik im Bild. Man beachte vor allem, dass die relative Unfallzahl (Unfälle pro Motorfahrzeug) trotz der zunehmenden Verkehrsdichte fallende Tendenz S / / " • 1 2 S. 100.000 • BS.000 E \ / 4 2 . - ^ '«C / ' 1 / I ] / / j ix > / , : j i — r ^ - - - , , — — * * • > , , . ' - • i -0,003 11 ' • 0,002 i - 0,001 laooojp 6 i 20.000 nichts zu beschönigen gibt. Wir verurteilen mit aller Schärfe den betrunkenen Automobilisten, wir verurteilen mit aller Bestimmtheit alles unvorsichtige Gebahren seitens des Fahrers. Auf der andern Seite aber ist eben-, falls mit aller Ausdrücklichkeit hervorzuheben, dass immer noch und nur zu oft das Unglück durch Nichtbeachtung der Verkehrsregeln oder durch Gedankenlosigkeiten seitens der Fussgänger heraufbeschworen wird. Ein Vergleich mit der Zunahme der Motorfahrzeuge in der Schweiz und der Unfallstatistik beweist zur Genüge, dass die Bemühungen der Fachpresse, der Verbände, des Weissen Sterns nicht fruchtlos geblieben sind und dass auch auf der andern Seite die Belehrungen der Schulen, die Tätigkeit der Verkehrspolizei, der Verkehrswochen etc. sich deutlich abzuheben beginnen. Hoffen wir, dass es gelingen wird, die Unfallstatistik in der Schweiz auf ein möglichst reduziertes Minimum herabzudrücken. den Hof zu machen, einem Mädchen, das selbst noch unerfahren in Liebessachen war; aber die Vorstellung, dass sie sich bemühte, ihr wahres Empfinden für mich zu unterdrücken, lief mir wie ein berauschender Trunk durch die Adern. Ich würde sie an mich gerissen, mein Gesicht in ihr volles Haar gepresst, ihre weisse Stirn geküsst haben, wenn mir nicht plötzlich eingefallen wäre, dass ich ihr noch mit keinem Wort von meinen Gefühlen gesprochen hatte. «Freilich mag ich Sie,» sagte sie da. Und ich erinnere mich noch deutlich, wie kühl das klang. Ich erinnere mich tatsächlich noch jedes Wortes, das an diesem Abend gesprochen wurde, jeder Einzelheit in dem Zimmer, jeder Miene ihres Gesichtes, und ich muss von all dem sprechen. Bedeutete es doch damals so viel für mich! — Und nun-sagte ich ihr alles! «Julianna» — fing ich an — «so habe ich Sie noch nie genannt! Ich kenne Sie noch nicht lange. Aber diese Tatsache ist für mich ganz nebensächlich. Für manche Menschen mag so etwas von Wichtigkeit sein. Nicht D