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E_1930_Zeitung_Nr.066

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Ausgabe: Deutsche SetnretX BERN, Dienstag. 5. August 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 66 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PBEISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelbe IJste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portossuschlag, solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche EWtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern D23 Strsssennetz der Schweiz die Verbindung jedes Ortes mit den Stätten der Industrie und des Handels, mit den unendlichen Kleinodien schweizerischer Landschaftsschönheit, finden Sie kartographisch und textlich übersichtlich zusammengestellt im 0. R. Wagners Führer für Automobilfahrer CH Touring offizielle Ausgabe des T. C. S. Verlangen Sie beim Buchhändler oder Clubsekretariat dieses Kartenbuch oder lassen Sie es direkt kommen vom Verlag Hallwag Bern. Verkehrsgesetz in naher Sicht! Wie wir bereits in Nr. 65. der A. R. mitteilen konnten, hat das eigenössische Justizund Polizeidepartement seinen Vorentwurf zum Automobilgesetz aufgestellt und beschäftigt sich nun mit der Ausarbeitung der Motive. Der Departementsentwurf soll mit den Motiven mit einer auf den Monat Oktober einzuberufenden Expertenkommission beraten werden. Wir werden anlässlich der Veröffentlichung in der ersten Hälfte September Gelegenheit haben, den Entwurf eingehend zu besprechen. Wie erinnerlich, hatte das eidgen. Justizund Polizeidepartement am 21. September 1929 den sich interessierenden Verkehrsverbänden einige Bemerkungen zum Entwurf für ein neues schweizerisches Automobilgesetz mit daran sich anschliessendem Fragebogen zugestellt. Zu den gestellten Fragen hatte das Departement zur bessern Beleuchtung der sich stellenden Probleme noch erklärende Bemerkungen beigefügt. In eingehender Weise nahmen die grossen schweizerischen Verkehrs- und Automobilverbände zum Fragebogen Stellung. Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement bekam damit ausgezeichnete Grundlagen zum Ausbau seines Vorentwurfes. Zugleich wurde es mit aller Deutlichkeit über die Wünsche der verschiedenen Verbände aufs Laufende gesetzt. Es ist erfreulich, dass das besagte Departement unter vorzüglicher Leitung von Die blaue Wand Von Richard Washbwn Child. Autorisierte Uebersetzung 1 ans dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorna Romaabibliothek.) (23. Fortsetzung) 5. In der Dämmerung. Eine halbe Stunde fast, in der die Minuten wie Ewigkeiten schienen, mochte vergangen sein. Ich wartete auf der oberen Diele am Fenster, durch das die Lichter von der Strasse weisse Flecke auf die Decke warfen, als ich endlich die Hundepfoten unten auf dem Hausflur tapsen und Juliannas leises Atemschöpfen auf der Treppe vernahm. Ich ging ihr entgegen. Einen Augenblick lang barg sie den Kopf an meiner Schulter. «Ich liebe dich mehr als je,» sagte sie leise. «Ich bitte dich, bleib da! — Ruf Margaret und besorge das Notwendige. Ich komme nachher zu dir.» Bei diesen Worten presste sie mit dem kräftigen Druck ihrer Hand meinen Arm, dann ging sie in ihr Zimmer und verschloss die Tür. Als ich mechanisch ihrem Gebot folgte, da gewahrte ich, das Margaret, mit jenem Instinkt alter Dienstboten, der manchmal so scharf ist wie der eines Tieres, schon geahnt haben musste, dass irgendeine Katastrophe eingetreten war und dann in ihrer, unhörbaren Art herumgeschnüffelt hatte, bis Bundesrat Häberlin die Arbeit im beschleunigten Tempo aufgenommen hat und bereits innerhalb kurzer Zeit imstande ist, seine Arbeit der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Wenn das Departement und die zuständigen Organe unter Leitung von Dr. Rotmund speditife Arbeit geleistet haben, so ist das das beste Zeichen dafür, dass der Erlass eines Automobilgesetzes auch vom Departement als äusserst dringlich betrachtet wird. Auch die kompetente Polizeidirektoren-Konferenz hat in ihrer Sitzung vom 3. September 1929 den heutigen Zustand als unerträglich bezeichnet» dem mit den bisherigen Mitteln nicht mehr' beizukommen sei« " Die quantitative und qualitative' Entwicklung des Automobil- und Fahrradverkehrs seit Ausarbeitung des ersten Entwurfes vom April 1922 hat dem Gesetzgeber gezeigt, dass das ganze Verkehrsproblem auf eine modernere und den heutigen Bedürfnissen angepasste Basis zu stellen ist. Die Popularisierung des Automobils hat jedenfalls den Erfolg heute schon gezeitigt, dass man einander mehr gegenseitiges Verständnis und auch grössere Hilfsbereitschaft entgegenbringt. Wir hoffen, dass das Departement sich im Entwürfe noch mehr als sie die Wahrheit entdeckte. Nun lag sie am Fusse der Treppe, das Gesicht in den Händen vergraben, indes sich ihr breiter Rücken in lautlosem Schluchzen hob und senkte. Bedeutete doch Julianna und deren Vater den Inhalt ihres alten Lebens! Und nun war die eine Hälfte dahin! «Stehen Sie auf, Margaret,» sagte ich leise. «Ja, Herr,» antwortete sie nach einigen Augenblicken, strich im Aufstehen ihre Haube zurecht, sich zu ihrer Pflichterfüllung aufraffend, wie ein schlapp gewordener Soldat. Sie half mir in den nächsten Stunden telephonieren, anordnen, bestellen was erforderlich war. Trotzdem sie vollauf beschäftigt war, hielt sie sich immer, ein beständiges, leises Wimmern in der Kehle, dicht in meiner Nähe. Ihre Brillengläser waren beschlagen von dem Nass ihrer alten blauen Augen, deren Farbe wie bei altem chinesischem Porzellan vom Nass- und Wiedertrockenwerden in jahrzehntelangem Familiengebrauch, verblasst war; aber sie überliess sich nicht wieder ihrem Kummer. Als wir dann in der Halle standen und einander ansahen — es war einer jener Augenblicke, in denen man nach Erledigung einer grossen Arbeit sozusagen ein geistiges Inventar aufnimmt, um sich zu vergewissern, dass auch nichts vergessen sei — da bemerkte ich mit um so grösserem Erstaunen, wie der Ausdruck ihres Gesichtes sich plötzlich 1 veränderte. Ich hörte sie einen Schreckensruf ausstossen und sah, wie sie in grotesker Hast auf die Tür des Bibliothekzimmers zuwatschelte. Als ich ihr folgte, fand ich sie vor dem früher auf Wegleitungen grundsätzlicher Art konzentriert und dass alles Technische in der entsprechenden Verordnung Aufnahme gefunden hat. Es ist jedenfalls nur im Nutzen der Gesamtheit, wenn der Entwurf derart gestaltet ist, dass eine flüssige und kurze parlamentarische Beratung möglich wird. Die Verordnung dürfte auch in konzentrischer Form noch Reibungsflächen genug aufweisen. Es ist zu erwarten, dass in der parlamentarischen Beratung die Anhänger der sogenannten Eisenbahn-Interessen mit Vehemenz dahin tendieren werden, das Automobil in die gleichen eisernen Fesseln zu schlagen, in denen sich heute bereits schon die. Bundesbahnen befinden. Es ist aber auch zu erwarten, dass im Rate weitsichtige Männer genug vorhanden sein werden, damit die freie Entwicklung des Automobils nicht eingeengt und eine verheissungsvolle Bewegung, die für die Schweiz von grösster Bedeutung werden wird, nicht abgeschnürt werde. Die Tendenzen sind bekannt. Man will neben vielem anderem die Wagenbesitzer verpflichten, das Chauffeur-Personal zu den gleichen Konditionen bezüglich Löhnung, Pensionierung, Arbeitszeit, Ferien usw. wie das Personal der S.B.B, zu halten. Diese Forderung wird im Rate erhoben werden. Dagegen jedoch gilt es mit aller Entschiedenheit Stellung zu nehmen. Wohlverstanden, das Chauffeur-Personal soll seiner hohen Verantwortung entsprechend richtig bezahlt und gut gehalten sein. Allein die Gleichstellung mit dem Personal der S. B. B., diese furchtbare Schematisierung, wäre gleichbedeutend mit der Erdrosselung des freien Wettbewerbs INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ödes deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seltentarif. Instratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern und würde die Wagenbesitzer zu unrationek ler unproduktiver Arbeit verdammen. Die Wirtschaftlichkeit der Staatsbetriebe! steht auf schwankenden Füssen. Es wäre» allerdings der Geistesverfassung gewisser; Parlamentarier entsprechend, wenn die freie Wirtschaft auf Kosten marxistischer Ideolon gie weiter zugrunde ginge. Allein, wir glatt-* ben doch, dass die grosse Mehrheit des Schweizervolkes vom Monopoljoch genug? hat, und dass es über ein derartiges Aus-* mass wirtschaftlicher Reife verfüge, um ver-* schieierte marxistische Tendenzen rechtzei-* tig abzudrehen. Wir wollen heute nicht weiter gehen. An der Tatsache ist nichts zu ändern, dass die Strasse dem Schienenstrang die Monopolstellung abgelaufen hat und ehei sich die Bahnverwaltungen ihre Augen aus* gerieben hatten, der Gummiwagen dem Eisen-* bahnwagen um einige Kilometer vor wac Deswegen sollen jedoch die Autobesitzer, nicht durch eine schwere Gesetzesmachineriö erdrosselt werden. Die eidgenössischen Räte werden jeden-* falls gut beraten sein, wenn sie im Gesetze», alles ausschalten, was bei einer allfälligen; Volksabstimmung der Vorlage gefährlich! werden könnte. Die Motorfahrzeugbesitzer der Schweiz bilden heute eine gewaltige" Macht; die Annahme und Verwerfung des neuen Gesetzes liegt in ihrer Hand. Man baue vor und überspanne den Bogen nicht, denn allzu straff gespannt, zerspringt er! ö Dritte Luzerner Schönheitskonkurrenz Glänzende Manifestation für das schöne Automobil. - Ein organisatorischer' Erfolg. - Vornehmer gesellschaftlicher Rahmen. Luzern, den 2. August 1930. Attribute sind vorhanden: elegante Wa* TJeber Luzern blaut tiefster Sommerhimmel. Viele Fremde, vor allem Deut- kelnd im weissen Licht, Kieswege führen gen von unsagbarer Schmissigkeit, fun* sche, beleben das Stadtbild. Der Pilatus durch samten grünes Gras, in den Bäumen flüstert der Seewind, schlankei hebt sich wundervoll plastisch in der reinen Bläue ab; weiter hinten, da wo der Frauen schlendern am Ufer entlang und. See abbiegt, steigen die Berge des Urnerlandes in strahlendem Weiss empor. Der Die Jury ist bereits am Vormittag affi sehen dich an... 1. August ist verklungen, als leiser Nachton erinnern die unzähligen Flaggen an Publikum nimmt sie die technische Prü- der Arbeit. Vor zahlreich anwesendem das verrauschte Fest. fung der Wagen vor. Das Hauptinteresse Vormittagssonne umspielt die Wagen, gilt dem Wageninnern und seinem Komdie auf dem Spittelerquai aufgestellt sind. ) fort. Man schlendert dem Quai entlang, Schönheitskonkurrenz — mir scheint, alle vorbei an den wundervollen Wagen, die Schreibtisch, dessen Schubladen sie mit ihren dicken Fingern eine nach der andern aufzog um die Papiere darin durchzukramen. «Hier hat es gelegen, Mr. Estabrook! O mein Gott! Mr. Estabrook, ich hab' gesehen, dass er's hier hineingelegt hat!» «Was?» fragte ich, und es dämmerte in mir auf. «Das Paket mit den Papieren! Sie sind für Julianna bestimmt gewesen; aber Gott verhüt', dass sie ihr in die Hände fallen! Lieber wollt' ich mich in Stücke reissen lassen! Und ich weiss doch, dass er sie hier hereingetan hat!» «Er hat sie wieder herausgenommen», rief ich, unwillkürlich von ihrer Angst angesteckt. «Als er starb, lagen sie auf dem Boden neben ihm. Ich weiss, was Sie meinen. Das blaue Siegel!» «Jawohl, das blaue Siegel», stimmte sie erregt zu, torkelte durch das Zimmer und fiel auf die Knie nieder, um unter dem Lehnstuhl und dem Schreibtisch nachzusuchen. Sie tastete den Teppich mit den Fingern ab, hob dessen Kanten hoch, das Gesicht tief auf den Boden geneigt, als übe sie die Gebräuche irgendeiner frommen Sekte aus, wobei sie andauernd vor sich hinmurmelte. «Sie darf es nie zu Gesicht bekommen», so klang es eintönig. «Armes Kind! Sie darf es nie zu Gesicht bekommen! Es wäre schlimmer als der Tod — tausendmal schlimmer! Oh, was hat er nur angestellt mit dem entsetzlichen Paket!» Plötzlich richtete sie den Oberkörper auf, so dass er ganz senkrecht stand und stiess, während sie mir zwischen dem Daumen und Zeigefinger einen kleinen Gegenstand vor die erstaunten Augen hielt, einen Schrei voll Wut und Verzweiflung aus. Sie hatte ein Stück von dem Siegelwachs gefunden, mit dem das Paket, das ich vor einigen Stunden zum erstenmal gesehen hatte, verschlossen gewesen war. «Es ist zu spät!» stiess sie leise jammernd hervor. «Sehen Sie das da? Nun hat sie's gelesen! Sie wollt' mich nicht in ihr Zimmer las-< sen. Jetzt ist's zu spät!» Ich vermochte die Frage nicht länger zuw rückzuhalten: «Was war darin? Was stand in den Papieren geschrieben?» Ich sah, wie die alten, welken Lippen sich schlössen, als wolle sie mir zeigen, dass ich von ihr keinen Aufschluss zu erhoiffen habe, «Das weiss ich nicht, Mr. Estabrook», ant« wortete sie kurz. In ihren Augen, die vielleicht durch dtä scharfen Brillengläser entstellt waren, las ich eine störrische Herausforderung. Ich fühl-, te. dass mich ein unsinniges Verlangen packte, dieses quälende Geheimnis zu er« gründen, in das ich mit verstrickt war, und das ich das Schweigen dieser Frau unbedingi brechen musste. Sie hatte sich wieder erho^ ben. Und da habe ich, wie ich glaube, sie bej den Schultern gepackt, meine gekrallten Hände fest in ihr weiches, volles Fleisch ge-i graben und sie heftig hin- und hergeschüttelt« Ich war wohl sinnlos vor Aufregung. Und da sah sie auf zu mir; Ueberraschung und Furcht standen deutlich auf ihrem Gesicht geschrieben. Fortsetzung siehe Autler-Feierafcenet