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E_1930_Zeitung_Nr.077

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Ausgäbet Deutsche Schwelt BERN, Freitag, 12. September 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 77 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjahrlich Fr. 5.—, jährlich Fr. tO.—. Im Ausland unter Portosuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Ureltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Rationelle Autotransporte Ein neues Verkehrsprojekt In der «Automobil - Revue » haben wir schon var längerer Zeit über die Wichtigkeit einer, die beiden Städte Basel und Zürich verbindende Automobilstrasse geschrieben und darauf hingedeutet, dass die Entwicklung des Automobilismus zwangsläufig nach dem Ausbau alter Strassen und nach den Anlagen neuer Strassen rufe. Eine zuwartende und zögernde Politik hat sich ganz besonders im Verkehrsleben noch nie fruchtbar auswirken können. Man ist gewöhnlich zu spät gekommen und hat dabei das Nachsehen gehabt. In erfreulicher Weise nimmt nun der Zürcher Verkehrsdirektor Dr. A. Ith das Problem neuerdings auf, indem er in allererster Linie den Ausbau der Autostrasse Basel- Zürich über den Bözberg befürwortet und darauf hinweist, wie daran nicht nur die Kantone Baselstadt, Baselland und Zürich, sondern auch der Kanton Aargau, dessen bedeutendes Zentrum Brugg damit zu einer Drehscheibe des modernen Verkehrs für das äargauische Gebiet werden könnte, ein wirtschaftliches Interesse haben. Das rasche 'Aufstreben der beiden Städte Basel und Zürich bringe einen stark steigenden Austausch- Eigenverkehr mit sich und fördere ganz besonders den Fremdenverkehr, der besonders auf der Strecke Basel-Zürich, trotz der schlechten Strassenverhältnisse, zunehme. Der zürcherische Verkehrsdirektor bringt aber auch die Binnenschiffahrt mit dem Lastwagenverkehr Basel-Zürich in Zusammenhang. Er hat dabei nicht danebengegriffen, denn tatsächlich ist es so, dass die Güter, welche auf dem Wasser nach Basel transportiert werden und im Basler Rheinhafen auf die Eisenbahn und eventuell in Zürich von der Bahn wiederum auf den Lastwagen umgeladen werden müssen, sich ausserordentlich stark verteuernd geltend machen und dass eine stark ins Gewicht fallende Verteuerung der Frachtspesen durch eine Umladung in Basel direkt auf den Lastwagen umgangen werden könnte* Dieser rationelle Automobiltranspart, der selbstverständlich Einsparungen an Betriebsstoff, Material und Arbeitszeit bedingen würde, verlangt aber in Die blaue Wand Von Richard Washbarn Child. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen Von läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (32. Fortsetzung) Ja, ich glaubte selbst, ich war gefeit, wie sie's nannte. Mir schien, als hätte meiner Eltern grosse Liebe zueinander an Wärme für mich nichts mehr übrig gelassen; denn drei Jahre waren vorübergegangen, und ich hatte mit keinem Gedanken an Liebe zu einem Manne gedacht. Und als sie dann kam, da huschte sie nur so vorüber wie der Schatten eines vorbeifliegenden Vogels, der an der Mauer auftaucht und wieder verschwindet, aber den man darum doch nicht vergisst. Ich denk mir, so geht's allen — reich und arm, hoch oder niedrig: Wir sehen den Schatten von dem, was sein könnte — und husch ist's wieder fort, als sollte das heissen, dass wir noch mal in einer andern Welt zu leben hätten, und dass wir in diesem anderen Leben noch Zeit genug vor uns haben, wo sich für jeden Kopf eine Schulter findet, an die er sich lehnen kann und die ihm bestimmt ist, und eine Hand, die er fassen kann! Na, mag das sein, wie es will, geschehen ist die Sache also in dem Winter, als wir in Venedig waren. Madame Welstoke war gerade auf ihrem Höhepunkt angelangt, hatte 'ne Unmenge Geld und gab grosse Diners für die Gesellschaft um sie 'rum, die aus etwas merkwürdigen Leuten bestand — alte Männer, die erzählten, wie sie beinah etwas Grosses erster Linie eine gut ausgebaute Strasse, welche die gegenwärtigen zahlreichen Gefälle und Gegengefälle, die vielen Rampen des Bözbergs und den schlechten Zustand der Fahrbahn, die mangelhaft ausgebauten Kurven etc. nicht mehr kennt. Es ist des weitern hervorzuheben, dass die mächtig aufstrebende Stadt Zürich durch eine gute Automobilstrasse viel direkter mit der Binnenschiffahrt verbunden werden könnte. Es ist vorauszusehen, dass mit dem Ausbau der Kraftwerke am Rhein von Basel bis nach Eglisau und an der Aare bis Brugg die Binnenschiffahrt auch bis Brugg weitergeführt werden kann, wogegen der Ausbau der Wasserrinne von Brugg bis Zürich immer nach sehr problematisch bleiben dürfte. Eine etwa 32 Kilometer lange Automobilstrasse Brugg-Zürich, die bis in das Industriegebiet der Stadt reichen würde, dürfte für absehbare Zeit hinaus vollständig genügen und den wirtschaftlichen Bedürfnissen am besten dienen. So glauben wir auch, dass eine gut ausgebaute Automobilstrasse Basel- Zürich nicht nur mannigfaltige notwendige Verkehrsverbesserungen mit sich bringen würde, sondern dass sie, dazu angetan wäre, bedeutende., wirtschaftliche Fragen zu fördern, wirtschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen und damit ,die Grundlage zu einem neuen gedeihlichen Aufschwung grosser schweizerischer Gebiete zu bieten; Zum Schlüsse dürfen .wir wohl hervorheben, dass die Automobilstrasse auch für die internationalen Eisenbahn-Knotenpunkte, für Zürich als auch für Basel, einen guten Zubringerdienst herstellen könnte, indem sie für den Reisenden Zeit- und Geldersparnis bedeutete und auf raschestem Wege Verbindungen herzustellen vermöchte, die heute herzustellen nicht mehr in der Macht der Bundesbahnen liegen. geworden wären, und die aussahen, als lief ihnen der Sekt aus den Augenwinkeln; dabei hörte man ihnen aus den zerbrochenen Stimmen die liederlich verbrachten Jahre an. Dann gab es da dicke, mit Schmuck beladene Frauen, deren Einkommen aus Alimenten oder Abenteuern herrührte, und Männer in mittleren Jahren, Amerikaner, die aus irgend welchen besonderen Gründen von Neuyork oder Philadelphia fortgemusst hatten; und die redeten von Zinsfuss und pfiffen Melodien, die in den Siebziger jähren in den Vereinigten Staaten populär gewesen waren. Die hatten auch ab und zu ein Wort übrig für meine weissen Schultern. « Gib acht, dass du nicht zu viel redest,» pflegte die Alte zu sagen. «Du machst ja einen sehr guten Eindruck mit dem bisschen Rouge und einer hübschen Frisur; nur halt' deine grossen Hände unterm Tisch, wenn's irgend möglich ist. Und vor allem, hör gut zu, und sei auf deiner Hut, wenn die Unterhaltung sich um Musik und Literatur dreht. Schweigen können ist auch eine Art von Bildung. » Sie hatte mir den Mangel an «feiner Erziehung », wie sie's nannte, so oft vorgehalten, dass, als mal für mich der rechte Augenblick zum Reden kam, mir die Worte in der Kehle stecken blieben und nicht herauswollten. Zu jener Zeit hatte ein Franzose, namens Es kann wohl sein, dass diese Strasse, wie noch manch' andere kommende, der Eisenbahn eine gewisse Konkurrenz schaffen könnten, aber letzten Endes darf immer und immer wieder nicht vergessen werden, dass unsere Verkehrswege, heissen sie so oder anders, nur als Hilfsmittel für unsere Wirtschaft betrachtet werden müssen und dass schlussendlich dasjenige Hilfsmittel obenauf schwingen wird, das dank seiner Billigkeit und seines rationellen Betriebes zur Zufriedenstellung wirtschaftlicher Bedürfnisse sich als vorteilhafter erweist. Q Völkerbund und Verkehr. Neue Resolutionen. Im Hinblick auf die begonnene Tagung des Völkerbundrates fasste die Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes Resolutionen und Berichte ab, die für den Landverkehr von Bedeutung sind. Die Kommission schlägt in erster Linie die Einberufung einer europäischen Konferenz vor, die über ein internationales Abkommen zur Vereinheitlichung der Strassenverkehrssignale Beschluss zu fassen hätte. In zweiter Linie würde der Abschluss einer Konvention über die Besteuerung ausländischer Motorfahrzeuge Traktandum dieser Konferenz sein. Als drittes Verhandlungsthema schlug die Kommission dem Völkerbundsrat eine Einigung der Zollbehörden zur Erleichterung der Nachprüfung von nichtgelöschten oder verloren gegangenen Fahrbewiliigungen für den internationalen Verkehr vor. Alle drei Beschlüsse sind geeignet, dem internationalen Autotourismus, der in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung nahm, noch stärkeren Impuls zu geben. Wir haben alles Interesse, an einer beförderlichen Behandlung dieser Gegenstände durch eine europäische Konferenz nach Kräften mitzuhelfen. Ein Bestreben, auf das wir seit Jahren immer und wieder hinweisen müssen, das Bestreben zur schrittweisen Abschaffung der Niveauübergänge, wird uns durch den Bericht der Verkehrskommission bestätigt. Damit wird auch auf internationalem Boden die Gefährlichkeit der Niveauübergänge erkannt und den Massnahmen zur sukzessiven Abschaffung dieser Gefahrenquellen internationale Sanktion verliehen. Wir wissen wohl, wieweit sich die Abschaffung der Niveauübergänge als rein finanzielle Frage entpuppt; wenn man sie genauer betrachtet, können wir aber aus naheliegenden Gründen Stimmung war; und dass diese Stimmungen kamen, ist nicht zu verwundern. Für einen aus meinem Stande, der von Rechts wegen acht bis zehn Stunden täglich arbeiten müsste, ist eine Woche Nichtstun ein Missgeschick, das er in anderem Sinne oft herbeigewünscht hat und das er doch selten richtig schätzt, wenn es da ist. Wie wenig hab' ich an jenem Abend, von dem Sie noch hören sollen, daran gedacht dass alles, was da geschah, eine so grosse Bedeutung für Julianna Colfax haben sollte! Ich wusste ja noch nichts von ihr, wusste nicht, dass sie in die grausigen Klauen des Wesens kommen würde, das uns seitdem wie ein Nachtgespenst verfolgt hat! Das Restaurant war langgestreckt und sah noch länger aus durch die goldnen Spiegel an den weissen Wänden und die Reihen leerer, vergoldeter Stühle. Ich fand einen Tisch in der Ecke. Ein Pärchen oder auch zwei waren da — zu früh oder vielleicht zu spät für den, Abendrummel; ich weiss das nicht mehr so genau. Ich weiss nur, dass durch das Holzgitter neben meinem Tisch der Ton von anplätscherndem Wasser hereinkam, ebenso wie ein leiser Wind, der mir den freien Hals kühlte, aber nicht den Kopf, der voll von Erinnerungen war an die alte Zeit im Garten der Eltern auf der Insel Wight — an den Gesang der Mutter und an das bunte Pastellbild meines Vaters, das so ernst aussah und Vorpin, ein Restaurant nicht weit vom Ca-übenale grande, das « Trois Folies » hiess. Wenn Kaminsims hing. dem alten, grünen Porzellan auf dem wir mit dem Essen bis ziemlich spät abends Ich glaube, was mich zuerst aufblicken warteten, konnten wir darauf rechnen, das Hess, war ein Krachen von zerbrochenem Lokal fast leer zu finden. Und sehr oft ging Glas und Geschirr und die Ausrufe der Kellner, die herbeigelaufen ich allein dorthin, wenn ich in gedrückter kamen. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile od« deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct«. Grössere Inserate nach Seitentarif. , Inserotenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern uns nicht enthalten, ständig vor dem Bau neuer Niveauübergänge zu warnen und auf die Notwendigkeit einer besseren Signalisierung der allergefährlichsten Niveauübergänge mit dem Drohfinger hinzuweisen. Unsere Bahnen haben übrigens bereits Schritte zur besseren Signalisierung von Uebergängen zu ebener Erde eingeleitet, Schritte, die in diesem und im nächsten Jahre zur Auswirkung kommen werden. Dennoch sehen wir einer internationalen Sanktionierung dieser Massnahmen mit besonderer Genugtuung entgegen. Es ist höchste Zeit, dem Gefahrenteufel am Niveauübergang energisch den Garaus zu machen. Der Völkerbund muss sich eine eigene Organisation und eigene Verkehrsinstrumente heranbilden, wenn er in Krisenzeiten seinen friedengebietenden Charakter zur Geltung bringen will. Die gleiche Kommission arbeitete daher einen Bericht über Autotransporte aus, die in Krisenzeiten auf geeigneten internationalen Verkehrslinien auszuführen wären oder sonst für den Völkerbund spezielle Bewandtnis haben würden. Ohne Zweifel kann das Automobil in bewegten Zeiten den Völkerbundsbehörden grössere Dienste leisten als die Bahnen, die eben in starkem Masse an die Schiene und an fahrplanmässige Forderungen gebunden sind. lt. Wie lässt sich die Zahl der Verkehrsunfälle herabsetzen? Eine Interpellation im Luzerner Grossen Rat. Am Montag, den 8. September, begründete Nationalrat Dr. Winiker im Grossen Rat des Kantons Luzern seine Interpellation über Massnahmen zur Verhinderung der Strassenverkehrsunfälle. Es ist ganz falsch, sagte er, sich mit den Verkehrsunfällen als einer unvermeidlichen Folge der Motorisierung der Strasse abzufinden. Wenn auch das Automobil zweifellos die Möglichkeiten der Gefährdungen vermehrt und der Zufall eine grosse Rolle spielt, so sollte es durch zweckmässige Massnahmen doch möglich sein zu erreichen, dass in Zukunft diese traurige Rubrik unserer Tageszeitungen ein wenig dünner ausfällt. Die grössere Zahl der Unfälle ist auf Unachtsamkeiten zurückzuführen, was schon dadurch bewiesen wird, dass trotz steter Erhöhung der Zahl der im Verkehr «Also hier ist's, wo man sich so gut amüsieren soll?» brüllte eine mächtige Stimme. «Aber es scheint, man muss selbst für die Unterhaltung sorgen!» Die Kellner waren um den Mann herum, so dass ich nichts von ihm sehen konnte. «Bah!» schrie er und begann wie ein Wilder zu lachen. «Ich bin Amerikaner! Ich bezahl', Ihr feige Bande! Da, hier! Fragt den Wirt, ob das den Schaden deckt!» Darauf folgte ein wüstes Geschimpfe in holperigem Französisch, in das sich italienicshe Brocken mischten. Die Kellner machten Platz, und der Amerikaner kam jetzt zum Vorschein. Ich hatte ihn mir grösser vorgestellt, aber wie er da den Mittelgang heruntergetorkelt kam, erschien er durch die Wucht seiner Schultern und die freie Haltung doch recht stattlich. Etwas höllisch Unbekümmertes war in ihm; in seinen schönen, lachenden, kühnen Augen — der Ausdruck eines Kindes, das sich närrisch freut auf alle möglichen, in Aussicht stehenden Belustigungen. «Bezahlen?» begann er wieder zu brüllen. «Ich bezahl', wie's mir passt! Leben? Ich leb', wie's mir gefällt! Platz da, Schüsseln und Teller! Ihr seid heute hier, morgen auf dem Kehrichthaufen! So geht's uns allen!» Dabei riss er ein zweites Tischtuch herab, dass alles Geschirr darauf in Splitter brach. «Kommt her! Da, nehmt!» Und er hielt eine Handvoll Banknoten in die Höhe. «Wieviel? Wieviel? Rasch! Ich sehe Spiegel da drüben! Ihr lügt, ihr Spiegel! Ich geh' ganz gerade! Ihr lügt!» (Fortsetzung siehe Seite 14)