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E_1930_Zeitung_Nr.087

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Ausgäbet Deutsch« Schweiz BERN, Dienstag, 14. Oktober 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« Halbjährlich Ff. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Iro Ausland unter Portoroschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern «olern nicht postamtlicli amtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bsstellung 30 Rappen. Postcheck-Re Posteheck-Reclmung eclmung 111/41 III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein Weg sia besserer Existenz Wir haben vor einiger Zeit in einem Artikel (es war anlässlich der Besprechung der . bündnerischen Hotelierstagung) geschrieben, dass man im Motorfahrzeug eines jener Mittel erblicken müsse, die sich die Menschheit in langem und zähem Ringen zur Sicherung einer vollkommeneren und würdigeren Existenz geschaffen habe. Damit wollten wir sagen, dass das Auto mit zu den technischen Errungenschaften gehöre, die eine allgemeine Besserung der Verhältnisse für die Menschheit gebracht haben. Unsere Auffassung der Dinge hat aber nicht allerorts Beifall gefunden: einige Tagesblätter haben hinter unsern Ausspruch ein grosses Fragezeichen gesetzt. Nicht etwa deshalb, weil sie die Sache so aufgefasst hätten, dass der Besitz eines Autos Vorbedingung einer würdigen und vollkommenen Existenz bilde. Der Sinn unseres Ausspruches war mit einigem gutem Willen nicht misszuverstehen und ist (soviel wir wissen) auch nirgends missverstanden worden. Sie bezweifelten vielmehr die Richtigkeit der von uns vertretenen Ansicht, dass der Fortschritt der Technik geeignet sei, die Menschheit besseren Zeiten entgegenzuführen. Da die Entgegnungen, die unser Artikel ausgelöst hat, nicht die ersten Angriffe gegen die Technik gewesen sind und wahrscheinlich auch nicht die letzten bleiben werden, sondern sich immer mal wieder Leute finden, die dank eines von einem irgendwo im Hause befindlichen zentralen Ofen mit Wärme gespeisten Heizkörper wohlig temperiert, beim ruhigen Scheine einer elektrischen Glühlampe neuester Konstruktion lange Abhandlungen über die unseligen Einflüsse der Technik schreiben, die sie dann mit dem nächsten Eilzug an eine dankbare Redaktion schicken, um sie mit Hilfe der neuesten und vollkommensten Modelle von Rotationspressen vertausendfachen zu lassen, glauben wir es nicht unangebracht, die Verdienste der Technik und speziell der Verkehrstechnik, etwas in Erinnerung zu rufen. An sich ist die Technik weder «gut noch böse», denn Technik bedeutet nichts anderes als das kunstgerechte Verfahren. Technik heisst die Kunst, innerhalb eines Bereiches menschlicher Tätigkeit so vollendet wie möglich zu handeln. Die menschliche Tätigkeit FEI) Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen v«n läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (42. Fortsetzung) Es war das letztemal, dass er den Gegenstand berührt hatte, bis zu der Zeit, da Mr. Estabrook zu uns ins Haus kam. Vom ersten Augenblick an merkte ich, wie die Dinge standen. Als ich den Ausdruck auf dem Gesicht unseres Kindes bemerkte, mit dem sie den ersten Mann betrachtete, für den sie eine Neigung empfand, und als ich ihn sah — bitte zu entschuldigen — wie er sie anstarrte, als wäre sie nicht wirklich, da wusste ich, dass der Tag nicht mehr fern war, an dem er sie uns fortnehmen würde. Und mir war recht weh dabei zu Mute. Es war mir wie ein Schreck in die Glieder gefahren, ich konnte es nicht allein ertragen und wollte meine Beobachtungen dem Richter mitteilen. Ich winkte mit Blick und Miene, ihn aufmerksam zu machen auf das, was vorging, denn wenn auch eine Mutter Falkenaugen hat, so ist doch ein Vater oft blind, und ich dachte: Nun ist er fortgegangen, ohne dass ich ihm ein Wort hab' sagen können. Ich ging erst in die Küche hinunter und dann in die dunkle Waschküche, damit mich die Köchin nicht sehen sollte. Ich zog mir die Schürze über den Kopf und weinte aus Angst wie eine alte Närrin. Da hörte ich plötzlich die Gartentür gehen. Es bestehen heute bereits soviele internationale Instanzen, die sich als Spitzenorganisationen mit den internationalen Verkehrsfragen beschäftigen, dass man eigentlich etwas mehr positive Resultate, d. h. Verbesserungen im internationalen Automobilreiseverkehr erzielen sollte. Es scheint nun, dass sich in letzter Zeit die Permanente Kommission für Verkehrs- und Transitfragen des Völkerbundes etwas intensiver all dieser Probleme annehmen will. Es ist an dieser Stelle kürzlich bereits über deren Demarchen berichtet worden, die sie für die Einführung der allgemeinen Steuerfreiheit für ausländische Motorfahrzeugbesitzer für vorübergehende Aufenthalte in fremden Staaten unternimmt. Die genannte Kommission hat nun neuerdings einen Anlauf unternommen, indem sie an ihrer letzten Session beschlossen hat, den Völkerbundsrat zu veranlassen, die Einberufung einer europäischen Konferenz für die Besprechung verschiedener dringender Strassenverkehrsfragen zu veranlassen. Es soll sich hiebei um die Behandlung der nachstehenden Probleme handeln: «Die Frau ist wieder da!» sagte ich zu mir. «Die fremde Frau! Sie fühlt auch, dass hier was nicht gut geht. Sie kommt wieder!» Ich fühlte, wie mir das Herz klopfte, während ich ins Dunkel hinausstarrte und mir die Tränen aus den Augen trocknete. Ein paar Minuten vergingen, ehe ich erkannte, dass es der Richter war, der näher kam. Er war zurückgekommen, um zu hören, was ich ihm zu sagen hätte, und ich glaube fast, er regte sich über das, was er zu hören bekam, ebenso auf wie ich selbst. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie seine Stimme zitterte, als er mir erzählte, dass er die Geschichte von Juliannas Geheimnis niedergeschrieben hätte. Nur dass ich darum wusste, hatte er verschwiegen. Sie sollte es nach seinem Tode lesen. Und ich erinnere mich auch, wie ich mir vornahm, es mit Gottes Hilfe zu verhindern, dass das Dokumente dem Kinde je in die Hände käme, Bis auf den heutigen Tag weiss ich nicht, wie weit meine Liebe zu ihr ging. Aber dass mein Vorsatz mir dennoch misslang, das wissen Sie ja. Ebenso wie Sie ja die Geschichte ihrer Ehe kennen und wissen, wie glücklich sie war, ehe dieses Neue und Furchtbare, was es auch immer sein mag, in unser Leben trat. Freilich, Mr. Estabrook, Sie sehen nur, wie Ihre Frau sich verändert hat. Sie fragen sich nur, was mit ihr geschehen sein mag, und weshalb man Sie aus Ihrem eigenen Heim vertrieben hat. Aber bedenken Sie, ich habe sie als Kind in meinen Armen gehalten. Ich sah, wie sie sich zur Frau entwickelte, so frei von Schuld und Fehl wie nur irgend jemand auf der Welt. Ihnen mag das alles als Geheimnis scheinen, Herr, aber ich sage Ihnen, kann sich aber in Gebieten bewegen, die iür das allgemeine Wohl von keinerlei Bedeutung sind, kann asozial sein oder direkt gegen die Allgemeinheit gerichtet, antisozial sein. Wenn wir von den technischen Errungenschaften sprachen, die den Menschen zu einer besseren Existenz verhelfen sollen, so dachten wir selbstverständlich nur an die Technik, die um der Wirtschaft willen gepflegt wird, die dazu dient, die Beschaffung, Aufbewahrung und Verteilung der Güter zu erleichtern. Die andern Zwecken dienende Technik oder den Missbrauch der technischen Internationale Motorfahrzeug-Verkehrsfragen 1. Vereinheitlichung der Signalordnungen der verschiedenen Länder. 2. Besteuerung ausländischer Motorfahrzeuge. 3. Beseitigung der Niveauübergänge und deren Sicherung. 4. Behandlung der nichtgelöschten oder verlorengegangenen Zolldokumente (Trirjtyks, Grenzpassierscheinhefte, Acquits ä ' caution). 5. Internationale Regelung des Kraftwagen- Gütertransportes. 6. Unterstellung von Motorfahrzeugen unter den Völkerbund. Ueber die Vereinheitlichung der Strassenverkehrssignale hat die obgenannte Kommission des Völkerbundes bereits vor ca. 2 Jahren eine Instruktion herausgegeben. Differenzen, die in letzter Zeit mit den Signalordnungen einzelner Länder eingetreten sind, die etwas andere Signale vorsehen (siehe Schweiz), haben nun dazu geführt, diese Frage vor einem erweiterten, internationalen Plenum nochmals zur Sprache zu bringen. Die Anstrengungen der Kommission betreffend die Besteuerung ausländischer Motorfahrzeuge gehen dahin, dass alle Staaten ausländischen Automobilisten einen steuerfreien Aufenthalt für eine gewisse, einheitliche Zeitperiode gewähren. Die Frage der Niveauübergänge soll in der Weise behandelt werden, dass in allen Ländern weitgehende Anstrengungen unternommen werden, die gefährlicheren Niveauübergänge möglichst rasch zu beseitigen. Ausserdem sollen für die ausreichende Bezeichnung Jjer Niveauübergänge einheitliche Signale aufgestellt werden. Die internationale Regelung des Kraftwagensystems ist besonders von amerikanischer Seite gewünscht worden, wo man besonders der Vereinheitlichung der Ausmasse der Containers seit langem das Wort spricht. Ein bezüglicher, durchgeführter Wettbewerb dürfte hier interessante Resultate ergeben haben. Von besonderem Interesse wird die Unterstellung von Motorfahrzeugen unter den Völkerbund sein. Die Strassenverkehrskommission des letzteren hat in Aussicht genommen, dass bei allfälligen Konflikten zwischen Völkerbundsstaaten, es dem Völkerbund erlaubt sein solle, zu dessen Beilegung beliebig Autos zu requirieren, um Truppentransporte etc. vornehmen zu können. Es handelt sich somit hiebei um eine mehr politisch-rechtliche Angelegenheit, die weniger ausgesprochene Strassenverkehrsprobleme betrifft. s. mir ist es ein zehnmal grösseres Geheimnis, und ich weiss nicht mehr wie Sie, trotzdem ich in diesen fürchterlichen Tagen in dem verlassenen Haus ganz allein mit ihr gewesen bin. Keiner von den anderen Dienstboten war da und über allem lag eine Grabesstille. Hat es etwas mit Monty Cranchs tollem Blut zu tun? hab' ich mich gefragt und mit dieser Frage kamen hundert andere. Die Frage hab' ich mir schon vorgelegt, als sie sich den Arm verletzt hatte und dann, als ihr Befinden besser wurde und sie doch wie im Traum herumging mit den stillen Gedanken und dem verängstigten Gesicht. Stundenlang pflegte sie damals bei Nacht am Fenster zu sitzen und in den Park hinauszusehen, wie Sie wohl noch wissen. Und bei Tage, wenn Sie fort waren, hab' ich sie manch liebes Mal auf ihrem Bett liegend gefunden, ganz in Schmerz und Tränen aufgelöst. Und ich legte mir wieder die Frage vor, als' sie eines Nachts — es war vor vier Wochen — sacht in mein Schlafzimmer kam, mit nackten Füssen. Wie ein Geist. «Margaret!» sagte sie flüsternd, «ich kann meinen Mann nicht wecken. Ich habe nicht den Mut. Komm du doch mit mir nach vorn ans Fenster.» «Sofort!» sagte ich. «Was gibt's denn?» «Ach, ich weiss nicht genau!» rief sie. «Komm, komm rasch. Er ist wieder da!» Ich war dann vorsichtig mit ihr durch die kalte Diele geschlichen und beide knieten wir hinter dem Fenstersims nieder. Die Strasse war vom Mond beleuchtet. Die Schatten der Bäume bewegten sich langsam hin und her. «Da! Jetzt! Hinter dem Laternenpfahl INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, fnseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Mittel einbeziehen, hiesse den Rahmen der Diskussion überschreiten. Wir können aber schon hier vorwegnehmen, was sich weiter unten, ganz nebenbei aus unsern Ausführungen erweisen wird, dass nämlich selbst bei Berücksichtigung der zu gesellschaftsfeindlichen Zwecken geschaffenen oder missbrauchten Technik, die Gesamtbilanz doch noch zu ihren Gunsten ausfällt. Sobald wir die Technik in diesem engern Sinne auffassen, so scheint es eine Binsenwahrheit,- dass ihre Fortschritte zu grösserem Wohlstand führen; es liegt ja dann geradezu in ihrem Begriff, dass sie die für die Existenz der Menschen nötigen materiellen Mittel besser und sicherer beschafft, dass sie die menschliche Arbeit produktiver gestaltet, dass durch sie die Wirtschaftsmittel grösser werden, die Konsumtion reichlicher wird. Und dennoch ist dies, so paradox es erscheinen muss, immer wieder bestritten worden und wird auch heute noch bestritten. Die Einwände stützen sich hauptsächlich auf die Ueberlegung und die Feststellung, dass die neuere Maschinenentwicklung Arbeitern ihre hergebrachte Arbeitsgelegenheit und ihren Verdienst nimmt, und die Löhne zu drücken pflegt. So zum Beispiel hatte während der Periode der grössten technischen Entwicklung im letzten Jahrhundert der Durchschnittslohn eine sinkende Tendenz. Das kam aber nicht daher, wie man vielfach annahm und noch annimmt, dass die Maschine 1ie Arbeiter freisetzte, sondern war eine Fol- $e der damals einsetzenden massenhaften Zuwanderung landgeborener Proletarier in die Städte, die ihrerseits wiederum ihren Grund nicht etwa in der Einführung der landwirtschaftlichen Maschinen hatte (denn es ist erwiesen, dass die Landwirtschaft mehr Arbeiter braucht, je intensiver sie betrieben wird) und ebensowenig wie naive Moralisten heute noch glauben, in den Lockungen der Stadt, sondern in ganz andern Momenten, auf die wir hier nicht eingehen können. Die Einführung von Maschinen kann vielleicht in enger zeitlicher und örtlicher Beschränkung eine gewisse Arbeitslosigkeit mit sich führen, auf die Dauer wird ganz im Gegenteil die durch die Fortschritte der Technik gewachsene Industrie fähig sein, einen grossen Teil der Zuwanderer vom Lande aufzunehmen. In den Jahren 1882—1895 nahm die Zahl der von der Industrie beschäftigten Arbeiter in drüben!» sagte sie und packte meinen Arm. «Siehst du ihn?» «Wen denn?» stiess ich hervor. «Was ist denn? Ich sehe nichts.» «Er hat die Hände ausgestreckt!» rief sie. «Es ist nichts Lebendiges! Siehst du denn nichts?» «Gar nichts,» entgegnete ich. «Das hab' ich gefürchtet!» rief sie und lief davon und schloss mir die Tür ihres Zimmers vor der Nase. Und weiter war kein Wort von ihr herauszubekommen über jene Nacht. Etwa um dieselbe Zeit entdeckte ich, dass sie, wenngleich sie fast nie das Haus verliess, nach Messenger Boys telephonierte, sobald sie glaubte, dass ich ausser Hörweite war. Das hat meine Neugier nicht wenig beschäftigt, kann ich Ihnen sagen. Ich begann aufzupassen. Und da entdeckte ich, dass sie kleine Briefumschläge fortschickte und wieder welche zurückerhielt. Mir fiel wieder alles ein, was ich bei Mrs. Welstoke gelernt hatte, und ich nahm mir vor schlau zu sein wie ein Wiesel. Endlich bot sich die gewünschte Gelegenheit. Ich war ausgegangen, um Einkäufe zu machen und kam durch den Park zurück. Als ich in der Nähe des Hauses war, sah ich, wie ein Messenger Boy unsere Stufen herunterkam. Ich lief so rasch mich meine Beine tragen wollten, bis ich ihn eingeholt hatte. «Heda, Junge!» rief ich. Er drehte sich um und sah mich halb erschrocken, halb unverschämt an. «Da liegt ein Irrtum vor,» begann ich. «An wen sollst du den Brief da abgeben, hat die Dame befohlen?»