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E_1930_Zeitung_Nr.104

E_1930_Zeitung_Nr.104

Ausgabe: Deutsche Schweiz RFRN Fiwtfler. 12. rWvxemher 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 104 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bfclblihrlieh Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portowrachlag, lotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Arbeit schafft Brot und Zufriedenheit 1 Wir haben in unserem Artikel «Arbeitsbeschaffung > in Nr. 20 der « A.-R.» auf das wichtige Problem hingewiesen, welches heute durch die Arbeitslage an uns herantritt. Es ist nun selbstverständlich, dass wir punkto Arbeitsbeschaffung nicht nur unsere Bundesbahnen in Anspruch nehmen können. Jedenfalls müssen die Kantone und Gemeinden recht tatkräftig mithelfen. Ganz speziell was die Ausführung von Strassenunterfüh- 'rungen anbelangt, könnten sie den Bundesbahnen unter die Arme greifen, sofern sie beim Plangenehmigungsverfahren ihr Begehren auf das Notwendigste beschränken oder bei verlangten Aenderungen oder Erweiterungen sich angemessen daran beteiligen würden. Die Generaldirektion der Bundesbahnen weist nicht mit Unrecht darauf hm, dass die Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten in erster Linie Aufgabe des Staates, der staatlichen Behörden, des Bundes und der Gemeinden ist. Wie soll Arbelt beschafft werden ? Gestützt auf die Bundesratsbeschlüsse vom 19. September 1930 ist ja das Volkswirtschaftsdepartement eingeladen worden, die Frage zu prüfen, ob und in welcher Weise eine dauernde systematische Verteilung der Öffentlichen Aufträge anzustreben sei. Nun sind wir uns wohl bewusst, dass unsere oberste Landesbehörde unter öffentlichen Arbeiten eTSt in letzter Linie an den Ausbau der Strassen gedacht hat, weil letztere ja, wie bereits erwähnt, nicht unter die Befugnisse des Bundes fallen. Allein auch hier, glauben wir, wäre ein gangbarer Weg zu finden. Vor ein paar Jahren, als eine ähnliche Arbeitslosigkeit wie die jetzige unser Land bedrohte, ist man in grosszügiger Weise an die Elektrifizierung der Bundesbahnen als Notstandsarbeiten herangetreten. Heute, nach kurzer Zeit, da die Strasse in den Mittelpunkt der öffentlichen Verkehrs interessen getreten ist, dürfte in analoger Weise an den Ausbau unserer Strassen herangegangen werden. Wir möchten nur einmal noch darauf hinweisen, welche Anstrengungen die meisten europäischen Staaten in dieser Beziehung machen. In Italien wird am Ausbau der Strassen in fieberhafter Weise gearbeitet, am FJE IU Ramosi Roman von V. Williams. Aus dem Englischen übersetzt von Otto Element. (»» Fortsetzung) Bisheriger Inhalt des Romans: Vier Diamantenfcändler treffen in Frankreich zwecks Unterhandlungen mit dem geheimnisumwobenen Ramosi zusammen. Aronstein und Seaton, zwei dieser Vier, sitzen mit der Amerikanerin Jon Averil auf der gleichen Hotelterrasse in Monte Carlo, als plötzlich ein Schuas fällt und ein Unbekannter tot aus der Telephonkabine getragen wird. Die Amerikanerin fährt gleich mit dem nächsten Dampfer nach Aegypten. Hier trifft sie auf dem Schiff den Engländer Crodock, einen seltsamen Menschen. « Erlauben Sie ! » sagte er dann und schritt durch die Halle auf ©inen hochgewachsenen Mann zu, der ihnen den Rücken kehrte und die Schiffsanzeigen las. Sie wechselten ein paar Worte. Darauf entfernte sich der Fremde, ohne sich umzublicken und der andere kam resigniert zu Joan zurück. « Es nützt nichts! Mr. Cradock will nicht tauschen. Wir werden übermorgen in Neapel sein, gnädige Frau und wenn... > «Ist das dort Mr. Cradock?» Schon rannte Joan, bebend vor Empörung davon, der verschwindenden hohen Gestalt nach. Aber es schien, dass sich ihr ungalanter Reisegefährte auf dem Schiff weit besser auskannte als sie. Sie verlor ihn in den Irrgängen des unteren Decks bald aus den Augen. Niedergeschlagen- langte sie endlich, von Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Cfelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die rasche Motorisierung des Verkehrs hat Bund und Kantonen nicht nur vermehrte Aufgaben gebracht, sondern sie besitzen ein von Jahr zu Jahr sich steigerndes, ganz erhebliches finanzielles Interesse an der gesunden Entwicklung des Motorfahrzeugwesens. Zolleinnahmen von Motorfahrzeugen, Zubehör und Benzin bringen heute dem Bunde Millionen von Einnahmen, während anderseits die Kantone aus den Motorfahrzeugsteuern und -gebühren alljährlich ganz gewaltige Summen einheimsen. Auch heute hält in verschiedenen Kantonen die Tendenz, die Steueransätze noch heraufzusetzen, an, trotzdem ihnen schon aus dem stark zunehmenden Motorfahrzeugbestand Jahr für Jahr ansehnliche Mehreinnahmen zukommen. Aber der Appetit wächst auch hier beim Essen und als lukrative Finanzquelle ist das Motorfahrzeugwesen auch den weniger verkehrsfreundlichen Kantonen immer noch gut genug. /. Der Bund. Der Bund schöpft seine besonderen Motorfahrzeugeinnahmen, wie schon erwähnt, aus den bezüglichen Zollbeträgen, die auch für das Jahr 1929 ein starkes Anwachsen verzeigen. Die Einnahmen aus dem Benzinzoll stellen sich in den letzten zehn Jahren wie folgt: einem hilfsbereiten Steward auf den richtigen Weg gewiesen, bei ihrer armseligen Kabine an. D 5 lag zusammen mit D 7 und dieser beinahe gegenüber in einer kleinen weissen Sackgasse. Die Tür von D 7 war geschlossen, aber als sie zögernd davor stehen blieb, hörte sie, dass sich drinnen jemand bewegte. Mit raschem Entschluss klopfte sie kräftig an. «Herein!» rief eine tiefe Stimme. Ein Mann stand am Bett mit dem Rücken zu ihr und packte einen Handkoffer aus. Die Kabine gefiel Joan auf den ersten Blick. Sie war bedeutend grösser als die ihrige und sehr kühl, denn die Luke stand weit offen und man sah draussen, nun schon ziemlich fern, die Lichter von Monte Carlo auf einem nachtdunkeln Hintergrund. «Curtis,» sagte der Mann, «wer ist das Frauenzimmer, das mich aus meiner Kabine verdrängen...» In diesem Augenblicke wandte er sich um und die Worte erstarben ihm im Munde. Joan erkannte den schlanken Unbekannten, der sie aufgefangen hatte, als sie auf der Laufbrücke zu Fall gekommen war. Ob das Erkennen gegenseitig war, konnte sie nicht feststellen, denn der Mann verzog keine Miene. «Ich bitte um Entschuldigung!» sagte er steif. «Ich dachte, es wäre der Steward. Wünschen Sie etwas?» Er hatte den Mantel abgelegt und trug einen abgetragenen Stoffanzug, dessen Hosen an den Knien durchgedrückt waren. Seine schweren, braunen Schuhe waren derb und schlecht geputzt. Trotzdem hatte er das Aussehen und die Sprache eines Angehörigen bester Kreise. Brenner und Gardasee haben wir Tausende von Leuten an der Arbeit gesehen. Oesterreich, das an finanziellen Mitteln nicht reichgesegnete Land, verkennt die Wichtigkeit guter Strassenbauzüge keineswegs. Schweden ist daran, sich ein modernes Strassennetz zu schaffen. In Frankreich stösst man auf die gleichen Bestrebungen. Diese verschiedenen Strassennetze verlangen die. Verbindung durch die Nachbarstaaten. Erst wenn üie Schweiz die notwendigen Verbindungsstücke herstellt, werden sie zu internationalen Strassenzügen. Ist sich unser Land dieser hohen Aufgabe nicht bewusst, so werden wir in wenigen Jahren vom modernsten Verkehrsmittel umfahren werden. Es bedeutete dies für unsere Volkswirtschaft Millionenverluste. Wir weisen in diesem Zusammenhange nur auf die stetig anwachsenden Summen hin, welche die einreisenden Automobile in Bund, Kantone und Motorfahrzeuge 78,8 Millionen Franken Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr 1920 Fr. 117.554.— 1921 > 876558. — 1922 * 4.631.467.— 1923 » 5.502.628.— 1924 » 10.629.064. — 1925 » 15.572.637. — 1926 » 16.677.929. — 1927 » 20.762.004.— 1928 • 26.017.061.— 1929 » 32.204.712. — Es ist nun zwar festzuhalten, dass dem Bund seit 1927 nicht mehr das Total der Benzinzolleinnahmen verbleibt, indem 25% derselben, plus ein fixer Betrag von 250,000 Franken für den Ausgleichfonds, den Kantonen zukommen. Immerhin ist dem Bund im Jahre 1929 noch ein Nettoerlös aus Benzinzolleinnahmen von nicht weniger als 23,032,204 Fr. verblieben. Dem Motorfahrzeugbesitzer erwächst hieraus kein indirekter Nutzen, indem dieser Betrag nicht für Strassenbau oder" -unterhalt, sondern für andere Zwecke des Bundesh4ushaltes verbraucht wird. Aber auch die ZoHeiftnahmen aus der Einfuhr von Motorfahrzeugen und Zubehör ha- ,ben beträchtlich zugenommen. Betrugen dieselben im Jahre 1928 noch 20,393,916 Franken, so sind sie nun im Jahre 1929 um fast weitere 2,5 Millionen Franken auf total 22,760,870 Franken angewachsen. Dem Bund sind also im Jahre 1929 aus dem Motorfahrzeugverkehr total 45,793,074 Franken zugeflossen, eine Summe, die deutlich zeigt, welch grosses Interesse der Bundeshaushalt heute an einem erfreulichen Prosperieren des Motorfahrzeugverkehrs besitzt. //. Die Kantone. Gegenüber den Jahren vor 1929 ist letztes Joan fühlte, wie ihr das Blut in den Kopf choss. «Ich kam, um Ihnen zu sagen, dass ein Irrtum bei der Zuteilung der Kabinen unterlaufen ist. Diese gehört mir. Ihre ist D 5 gegenüber. Sie müssen mir D 7 überlassen!» «Doch wohl kaum,» erwiderte er ruhig. «Dies ist wirklich meine Kabine, der Geschäftsführer wird es Ihnen bestätigen. Ich sagte ihm bereits, dass ich nicht daran denke D 7 aufzugeben. Ich bedaure!» Er entnahm dem Koffer sein Pyjama und legte ihn aufs Bett. Ein schmaler Goldschuh stampfte ungeduldig auf den Teppich. «Meinen Sie im Ernst, dass ich in einer Kabine ohne Fenster schlafen soll?» Es gelang ihr nicht, das leise Zittern ihrer Stimme zu verbergen. Sie war wütend und dem Weinen nahe. «Ich habe den Schiffsplan nicht eingeteilt,» antwortete der Mann und stellte das Rasierzeug auf den Waschtisch. «Das ist nicht anständig von Ihnen,» platzte Joan heraus. «Ich habe noch nie in einem fensterlosen Zimmer geschlafen. Sie eignen sich in meiner Abwesenheit meine Kabine an und... und...» Der Mann am Bette hörte ein leises Aufschluchzen. Er blickte nun doch noch einmal auf, sah ihr vom Wind zerzaustes Braunhaar, sah das zorngerötete Gesicht, die verdächtig glänzenden Augen — « und wenn ich Sie bitte, sie mir zu überlassen, so weigern Sie sich?» INSERTIONS-PHEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. Jür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Scitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern unserem Lande zurücklassen. Die weitere Entwicklung hängt vollständig vom Ausbau unseres Strassenwesens ab. Ganz besonders zentrale Verbindungen sind heute noch nicht erschlossen. Es fehlen uns die Prageistrasse, die Sustenstrasse und damit die grossen Verbindungslinien, welche die Ostsdiweiz mit der Süd- und Westschweiz verbinden sollten. Diese wichtigen Probleme sollten am Kantönligeist nicht zerschellen. Es wäre deshalb überaus begrüssenswert, wenn beispielsweise von Seiten des Volkswirtschaftsdepartements die Initiative ergriffen würde, um mit der kantonalen Baudirektoren-Konferenz das grosses Problem eingehend zu studieren und sich auf ein gewisses systematisches Vorgehen zu einigen. Wir wissen sehr wohl, dass die dazu notigen Mittel gross sind. Aber jedesmal konnten die Summen aufgebracht werden, wenn es sich um ein grossangelegtes produktives Werk handelte. Mit dem Bau von Museen, von staatlichen Gebäulichkeiten aller Art ist es nicht allein getan. Diese Gebäulichkeiten alle, so notwendig sie sein mögen, bringen wenig Geld ein. Strassenbau als produktive Anlage. Die Strasse aber schafft Geld. Sie ist heute eine produktive Anlage, die sich 1 in grossartiger Weise verzinst. Ein Strassenanleihen des Bundes oder unter dem Protektorate des Bundes zugunsten des Ausbaues verschiedener Alpenübergänge wäre in dieser Hinsicht eine grosse eidgenössische Tat. Wenn auch heute wiederum die"Finanzlage des Bundes als kritisch bezeichnet und von verschiedener Seite mit voller Berechtigung nach dringenden Sparmassnahmen gerufen wird, so wäre eine solche Ausgabe noch lange nicht mit der sonst im Schweizerlande üblichen Subventionspolitik zu vergleichen. Die zur Verzinsung und zur Amortisation nötigen Gelder könnten du,rch die Automobilsteuer und durch einen Bruchteil des Benzinzolls in leichter Weise aufgebracht werden. Zudem würden Millionen, die heitte" sonst in unproduktiver Weise den Arbeftsjosenkassen zufliessen müssen, für produktive .Zwecke eine Aenderung eingetreten, frei, so dass wir mit unserer Behauptung wohl nicht fehl gehen, dass allein mit den Arbeitslosengeldern, welche Gemeinden, Kantone und Bund auszuschütten haben, wichtige und dringliche Bauten ausgeführt werden könnten. (Schluss Seite 2.) Jahr insofern als die sog. Alpenstrassentaxen verschwanden. Die direkten kantonalen Einnahmen resultieren somit nur noch aus den Motorfahrzeugsteuern und den Gebühren für Fahrausweiserneuerung, Ausstellung und Erneue- (Schluss Seite 2.) Er beugte sich vor und drückte auf die Glocke an der Wand. «Ich wusste nicht, dass von.einer Bitte die Rede war,» bemerkte er. Das Gesicht des Steward erschien an der Tür. «Curtis,» sagte der Mann am Bette, «es liegt eine Verwechslung der Kabinen vor. Die Dame übersiedelt hierher und ich nehme D 5. Bitte, lassen Sie sofort meine Sachen hinüberbringen!» Joan Averil sagte nichts. Der Steward, der seinen Aerger über die Arbeit zu nachtschlafender Zeit nur mangelhaft verbarg, begann Cradocks Habseligkeiten aufzulesen, während sich der enteignete Besitzer von D 7 kurz vor Joan verbeugte und stolz aus der Kabine schritt. Sie blieb zurück und blickte auf die blauen Kleidungsstücke auf dem Bett. Merkwürdigerweise kam ihr zum Bewusstsein, dass sie solche Männerpyjamas seit jener letzten Nacht nicht mehr gesehen, als Mark Averil sie vor vierzehn Monaten verliess, um die angebliche Geschäftsreise nach Chicago anzutreten, die in einer Bergschlucht so fürchterlich endete. Sie schauerte zusammen und blickte um sich. Am Waschtisch tanzte das Rasierzeug einen kleinen Shimmy. Alles in der Kabine bewegte sich zitternd und die offene Luke umrahmte nun einen runden, tiefschwarzen Fleck: Die «Aquatic» befand sich auf hoher See. * Joan Averil starrte über das schaumbedeckte, schieferblaue, winterliche Meer. Hinter dem Heck verschwanden die zerklüfteten