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E_1930_Zeitung_Nr.102

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 5. Dezember 1930 Unsere Winternummer Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 102 BESTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zenfralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Volkswirtschaft und Automobil Neben vielen anderen macht die Generaldirektion der Schweizer. Bundesbahnen in ihrer kürzlich veröffentlichten Broschüre « Bundesbahnen und Automobil » dem Auto den Vorwurf, die Handelsbilanz unseres Landes ungünstig zu beeinflussen. Es kann nun allerdings nicht bestritten werden, dass die ausländische Automobilindustrie einen weit grösseren Nutzen aus der Motorisierung des schweizerischen Strassenverkehrs gezogen hat, als die einheimische. In den Jahren 1922 bis 1929 sind rund 65,000 ausländische Automobile und nahezu 29,000 Motorräder in die Schweiz eingeführt worden, deren Importwert insgesamt ungefähr 500 Millionen Franken ausmacht. Noch weniger kann bestritten •werden, dass die Automobilbetriebsstoffe: Benzin, Oele und Fette aus dem Auslande bezogen -werden müssen. Es stimmt auch, dass demgegenüber die Ausfuhr von schweizerischen Automobilen geringfügig ist. Es ist aber vollständig falsch, diese Zahlen einfach miteinander zu vergleichen und daraus schliessen zu wollen, dass die Entwicklung des Automobilismus für die Volkswirtschaft unseres Landes schädlich und deshalb zu bekämpfen sei. Wir haben in der Schweiz im Gegenteil alles Interesse, diesen rein merkantilistischen Standpunkt, der sich in den letzten Jahren in einer allgemeinen Nationalisierung der Wirtschaft und einem damit in Zusammenhang stehenden verschärften Protektionismus geltend macht, anzukämpfen. Freilich wäre es erfreulicher, wenn die Schweiz der günstige Boden für die Entwicklung einer ausgedehnten Automobilindustrie nnd ein an Erdölquellen reiches Land wäre. Wenn dies nicht der Fall und auch nicht zu ändern ist, so wird der Schaden nicht dadurch gut gemacht, dass man dem Transportmittel, das sich als eines der vorteilhaftesten und günstigsten erwiesen und in ungeahnter Weise Handel und Industrie belebt hat, die Pforten des Landes verschliesst. F E U I L L E T O N Ramosi Roman von V. Williams. Aus dem Englischen übersetzt von Otto Element. Unser neuer Roman: Die Geheimnisse der «Blauen Wand» haben Sich gelöst! Unsere Leser sind, wie wir aas zahlreichen Zustimmungen erfahren konnten, mit grosser Anteilnahme dem wechselvollen Schicksal der Hauptgestalten der Geschichte gefolgt. Unser neuer Roman, ein glänzend geschriebener Unterhaltungsroman des englischen Schriftstellers V.Williams, führt die Leser wieder in ganz neue Bereiche. Aegyptens Zauber umgibt uns in dieser klar und fes-könnenselnd geschriebenen Geschichte, die Mysterien längstvergangener Zeiten wehen noch in die Tage der Neuzeit hinüber, in denen die Handlung spielt. Man erhält einen tiefgehenden Einblick in das Milieu der Schmuggler von ägyptischen Altertümern, die teils aus Geldgier, teils aus religiöser Inbrunst kein Mittel scheuen, um alle ihnen hinderlichen Gestalten aus dem Wege zu schaffen. Ueber ganz Europa erstreckt sich das Netz dieser weitverzweigten Organisation, an Es sind keine zehn Jahre seit jener Zeit verflossen, da der Automobilfahrer vor den Wintermonaten akuten Widerwillen in sich trug. Die kalten Monate -vom November an bis in den März hinein, in denen nasser Nebel, kalter Regen oder gar dichter Schneefall das Fahren auf den Strassen schwierig gestaltete, veranlassten damals fast ohne Ausnahme die Ueberwinterung der ausser Betrieb gesetzten Automobile. Nur ganz we- unverzagte Pioniere des kümmern, ersah man ausnige Automobiles Es ist seltsam, dass sich die Direktion der Schweizer. Bundesbahnen plötzlich zum Protektor der schweizerischen Automobilindustrie macht, und ihre Förderung und Erhaltung durch einen wirksamen Zollschutz fordert. Sie tut, als ob ihr sehr viel daran gelegen wäre, dass durch einen erhöhten Zollschutz eine eigene lebensfähige Automobilindustrie ins Leben gerufen werde. Wir haben Mühe, an diese Uneigennützigkeit zu glauben. Wie wenig sich die Bundesbahnen in Wahrheit um das Wohl der gesamten Volkswirtschaft einer Bemerkung von Direktor Schrafl an der Pressekonferenz, die anlässlich der Herausgabe der Kampfschrift gegen das Auto stattfand: Als er während der Diskussion von einem Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht wurde, welche grossen nnd stets wachsenden Einnahmen der Bund aus (Schluss Seite 2) teuer dieser Amerikanerin geschildert sind, das lässt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben! In den zauberhaften Landschalten des alten Landes Aegypten, in Luksor, bei den Pyramiden, in Kairo, dann wieder in Cannes und Nizza vollendet sich das Schicksal dieser schönen und ernsten Frau, und gleichzeitig werden alle die unentwirrbar scheinenden Knoten glänzend gelöst. Der ganze Roman ist von selten starker Spannung erfüllt, blutvoll geschrieben und erfüllt von dem raschen Pulsschlag des Lebens in jenem Lande, in dem die Geschichte spielt. Die Uebersetzung ist tadellos und entspricht dem hervorragenden Unterhaltungs-Roman in jeder Weise. Wir glauben, mit dem Roman «Ramosh unseren Lesern eine vorzügliche Lektüre bieten zu Die Red. * • * Brüllend wie ein heranbrausender Zyklon raste das grosse, weisse Automobil durch die nächtliche Einsamkeit. Wie ein Trichter erstreckte sich vor ihm die schnurgerade französische Landstrasse, von hohen Pappeln eingesäumt, die sich unter peitschendem Regen bogen und schüttelten. Das jagende Hämmern der Maschine übertönte das Tosen des Sturmes. Schwarz war die Nacht. Treibende Wolken verdeckten Mond und Sterne und der tief herabhängende Regenhimmel schien auf den Wipfeln der vorbeifliegenden Bäume zu lasten. Am Steuer hüpfte und zitterte im Rhythmus der Be- Hessen es sich nicht verdriessen, den im Sommer so unentbehrlichen Wagen über die nassen und gefährlichen mit Schnee oder Kot bedeckten Strassen auch bei vermehrten Gefahren zu lenken. Wenn sie auch zähe Opfer bringen mussten — denn Kälte und Nebel in Verbindung mit den winterlichen Gefahren setzen dem Automobilisten tüchtig den Sturm gefahren, schweigend und unpersönlich, wie die verlassene leblose Gegend, die sie umgab. Aber nun minderte sich die Geschwindigkeit, und das grosse, weisse Auto stolperte langsam über die Löcher des Fahrdamms. «Wir biegen hier ein», sagte der Fahrer auf Englisch, aber mit italienischem Akzent. «Haben Sie die Güte, Signor Seaton, die Schutzscheibe ein wenig abzuwischen! Unter den Bäumen ist's so finster wie am Höllentor!» Aus dem Hintergrund hörte man eine tiefe Stimme: «Schon da, Monsieur Lucca?» «Jawohl, Mr. Aronstein!» " «Gott sei Dank! 'Ich und Nachbar Ismail sind beinahe erfroren.» «Es ist eine Nacht zum Umkommen», bemerkte der Mann neben dem Lenker, nach rückwärts gewendet. «Ich hoffe sehnlichst, dass Simopulos Whisky im Hause hat.» «Amen!» antwortete inbrünstig die Stimme aus dem Hintergrund, und wieder verfiel die Gesellschaft in tiefes Schweigen. Der Wagen klomm eine schmale Allee hinan, deren triefende Zweige beinähe ein Dach bildeten. Zur Rechten zeigte sich zwischen Granitsäulen ein offenes Tor. Auf den Säulen stand der Name: «Villa Scarabee». Ein Kiesweg schlängelte sich über eine Böschung mit verstreuten Palmen und Pinien. Unerwartet leuchtete aus der höllischen Dunkelheit ein glimmendes Pünktchen, und plötz- deren Spitze der geheimnisvolle Ramosi steht, hinter den kein noch so schlauer Gegner kommt. Eine junge Amerikanerin, in deren Gegenwart eine dunkle Erinnerung aus der Ver-wegung eine hockende Gestalt, die Hände weisses Haus mit grünen Fensterläden. lich sah man im Lichte der Scheinwerfer ein gangenheit spielt, sucht in Aegypten Vergessen von ihren Gedanken, sie kommt, ohne Augen auf den gelben Lichtkegel vorangechen des Motors, als das Auto hielt. Eine leicht auf dem tanzenden Rad, die bebrillten Jäh, fast schmerzlich verstummte das Po- es zu ahnen, in Verwicklung mit dem gefährlichen Maschenwerk dieser unheimlichen innern sassen noch drei vermummte Gestalkeit strömte über den kotbespritzten Wagen. richtet. Neben dem Lenker und im Wagen- Tür öffnete sich und eine Fülle von Hellig- ägyptischen Verbrecher, und wie nun dieten, aber sie sprachen nicht und rührten sich In der geöffneten Tür stand ein Herr im merkwürdigen und mysterienhaften Aben- nicht. So waren die vier Stunden lang durch Smoking. EVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Autofahren im Winter zu — so wurden sie stets auf eigene Art belohnt. Das Fahren im Nebel und in der winterlichen Landschaft hat eben Reize, die wir erst kennenlernen müssen. Wie der Skiläufer oder Bob-Begeisterte, der längst sich über die Tücken winterlicher Unbill hinwegzusetzen verstand, so haben die Sportnaturen unter den Automobilisten die innern Werte einer Winterfahrt schätzen gelernt. Wir sprechen hier nicht von den Notwendigkeiten, auch im Winter das Auto zu benützen, Notwendigkeiten, die sich aus dem gesteigerten Tempo des Erwerbslebens ableiten lassen. Diese Forderungen setzen wir, ebensogut wie den Willen, diese Forderungen zur Durchführung zu bringen, als selbstverständlich voraus, denn die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung des Automobilverkehrs zu jeder Jahreszeit und bei jeglicher Witterung wird von niemandem bestritten. Man male sich übrigens einmal aus, welche Folgen das vollständige Ausbleiben des automobilen Winterverkehrs für die Erwerbswirtschaft unseres Landes haben würde. Nicht nur Industrie, Handel und Gewerbe hätten empfindlich zu leiden, sondern auch die Bahnen (man spricht ja jetzt gerne von den Bahnen!) würden einen starken Rückgang ihres Güterverkehres konstatieren müssen. Das Automobil ist heute Allgemeingut. Davon wird man sprechen dürfen, ohne dass man in den Verdacht kommt, einer Verstaatlichung des Autoverkehrs die Wege zu ebnen. Freie Entwicklung ist eine Grundbedingung für das Gedeihen des Automobilismus. Freiheit kann selbstverständlich nicht zugleich Schrankenlosigkeit bedeuten. Jeder überzeugte Automobilist weiss, dass er auf das Volksganze und auf andere Verkehrsmittel bestimmte Rücksichten nehmen muss. Er ist auch bereit, seinen Steuerbatzen zu entrichten, fordert aber gleichzeitig die Anerkennung des Automobils und das Entgegenkommen des Staates im Strassendienst, so auch für den Winterverkehr. (Sohluss Seite 2) «Da sind Sie endlich!» war sein Gruss, «Er wartet schon seit neun Uhr auf Sie!» Er bewillkommnete jeden einzelnen der vier Reisenden, die mit steifen Gliedern dem Auto entstiegen. «Alle Wetter! rief Aronstein, ein dicker, grosser Mann mit kleinen Augen und einer fleischigen Nase, «das war eine tolle Fahrt! Hoffentlich haben Sie einen guten Tropfen gegen die Nässe, Bruder Simopulos!» «Aber keinen von Ihren verfluchten Schnäpsen!» warf Seaton ein. Sein schwerer Mantel war aufgegangen und enthüllte die Eleganz seiner Erscheinung. Ein Monokel blitzte ihm im Auge. «Aber nein!» antwortete der Mann im Tor. «Ich habe drinnen eine Kiste Vorkriesswhisky, der es verdient, getrunken zu werden. Nur herein, meine Herren, Sie werden bald warm werden! Lassen Sie den Wagen, wo er ist, Lucca, es geschieht ihm nichts!» Er tat sehr zuvorkommend, sehr beflissen und lächelte mit dem Diensteifer eines Menschen der seiner selbst nicht ganz sicher ist. Trotzdem er, bis auf einen kleinen Schnurrbart, glatt rasiert war, trat sein Bartwuchs so stark hervor, dass die untere Partie seines gelblichen Gesichts wie in einen violetten Schatten getaucht schien. Geschäftig schritt er in das Haus voran. Die vier Männer Hessen ihre Ueberröcke in der von Mimosenduft erfüllten Vorhalle und betraten ein grosses Zimmer, wo bereits der Tisch zum Abendbrot gedeckt war. Man gruppierte sich um den offenen Kamin, in dem die Olivenholzscheite leise knisterten. «Ich habe den Diener zu Bett geschickt», erklärte der Hausherr, «und hoffe, dass niemand auf Förmlichkeiten hält. Hier ist Strassburger Pastete, Hummermayonnaise, (Fortsetzung siehe Seite 21)