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E_1931_Zeitung_Nr.005

E_1931_Zeitung_Nr.005

Ausgabe: Deutsche Schwer* BERN, Dienstag, 20. Januar 1931 Nummer 20 Cts* 27. Jahrgang. — N° 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS- PREISE: Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoaruschlag, toiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Gefährliche Niveauübergänge und unverständliche Kommentare Es lag nicht in unserer Absicht, nochmals 'den schweren Unglücksfall beim Pratteler Niveau-Uebergang aufzuwärmen. Das Unglück ist leider geschehen und kommentiert wurde es reichlich genug. Offensichtliche Nachlässigkeit eines Barrierenwärters trägt die Schuld an den Opfern und am Schaden. Eine irreführende Behauptung. Nun aber kommt in den letzten Tagen die schweizerische Mittelpresse und versucht mit teilweisem Erfolg einen Kommentar in die Presse zu lancieren, der im Interesse des Automobilismus nicht unwidersprochen bleiben darf. Wir wissen sehr wohl, dass wir die Abschaffung der Niveau-Uebergänge nicht über Nacht verlangen können. Die genannte Pressezentrale gibt an, dass durchschnittlich auf je 620 m ein Niveau-Uebergang, auf je 1110 m eine Ueber- oder Unterführung, auf je 400 m überhaupt eine Kreuzungsstelle entfielen. Wir wissen auch, dass die Bundesbahnen bis heute mit einem Aufwand von rund 100 Millionen Franken 845 Ueber- und Unterführungen riere schliesst oder sie aus Vergesslichkeit offen lässt, ist weder von der Schnelligkeit noch dem Gewicht, noch dem Eigengeräusch der Motorfahrzeuge abhängig. Hier gibt es nur eines, um solche Unglücke zu verhüten: Ein ausgesprochenes Pflichtbewusstsein aller Instanzen. Kommentare und Verdrehungen, die die Schuld dem Objekt und nicht dem Subjekt überantworten wollen, dienen weder den Intentionen der Eisenbahnen noch den Interessen des Automobils. Mithilfe der Kantone. Etwas anderes ist es mit der Beseitigung dieser grossen Gefahrenquelle, die «Niveau- Uebergang» heisst. Wir sind ebenfalls einverstanden damit, dass die Schweizerischen Bundesbahnen die Kosten der Beseitigung dieser Niveau-Uebergänge nicht ganz allein tragen sollten. Die Beiträge der Strasseneigentümer, d. h. der Kantone an diese Lasten waren jedenfalls zu klein. In Anbetracht der steigenden Einnahmen aus dem Automobilismus dürften die Kantone an die Unterführungsarbeiten ein Mehreres leisten. Die planmässige Ersetzung der verkehrsreichen Niveau-Kreuzungen durch Unteroder Ueberführungen sollte aber unbedingt in rascherem Tempo erledigt werden. Lep imstande sind, ja dass sogar die kantonalen Vermögen wieder gespiesen und Reserven neu angelegt werden können. Es ist deshalb unzweifelhaft, dass bei einer Mehrzahl von Kantonen Geld genug vorhanden wäre, um den Bundesbahnen in der Beseitigung von Niveau-Uebergängen tatkräftig an die Hand zu gehen. Es Hesse sich dies mit Notstandsarbeiten trefflich verbinden. Hierüber ist in der «Automobil-Revue» schon vor einiger Zeit ausführlich geschrieben worden. Es sollte unseres Erachtens ein Leichtes sein, heute die notwendigen Arbeitskräfte zu finden, um die noch vielen bestehenden Gefahrenquellen aus der Welt zu schaffen. Das hierfür verwendete Geld wäre besser angewandt, als wenn es sang- und klanglos in die grossen, nie zu stopfenden Arbeitslosenkassen verschwindet. Eine Zwischenlösung. Es gibt aber auch noch eine Zwischenlösung. Zwar sind wir nicht für Kompromisse, denn eine endgültige Gefahrenbeseitigung kann nur die Aufhebung der Niveaukreuzungen bringen. Wenn wir uns aber alle darin einig sind, dass die beschleunigte Ersetzung der Kreuzungen durch Unterführungen nur bei Bereitstellung erhöhter finanzieller Mittel durch Bund und Kantone möglich ist, so brauchen wir deswegen doch nicht die Hände schicksalsergeben in den Schoss zu legen und mit orientalischem Es ist ans auch bekannt, dass die Bahnen es an Instruktionen gegenüber ihrem verantwortlichen Personal nicht haben fehlen lassen. Wir geben zu, dass heute der Posten raialisrnus die noch zu erwartenden Unglücksfälle hinzunehmen. Wenn stark fre- eines Barrierenwärters ein verantwortungsvoller ist, bei dem es nicht mehr angeht, ratung des Benzinzollverteilungsschlüssels, quentierte Niveaukreuzungen in absehbarer der scheiterte der Versuch anlässlich der Be- stundenlang gedankenlos in die Welt zu die Kantone an der Finanzierung der Unterführungsbauten stärker in Anspruch zu neh- darf auf alle Fälle deren erstklassige Signa- Zeit noch nicht beseitigt werden können, so sinnen. Aber die folgende Behauptung der Schweizerischen Mittelpresse müssen wir mit aller vielleicht gerade wegen der allgemeinen den Zuges durch optisch-akustische Signale men. Immerhin wird man erneut, trotz oder lisierung und Kennzeichnung des herannahen- Entschiedenheit zurückweisen. Sie schreibt Krise, an die kantonalen Hoheiten gelangen verlangt werden. Die Erstellung derartiger nämlich wörtlich folgendes: «Tatsächlich müssen. Sicherungsanlagen wird nur einen bescheidenen Bruchteil des Betrages erheischen, der haben die Schnelligkeit, das Gewicht und das Der Ausdruck «Krisenzeit» wird heute grosse Eigengeräusch der Motorfahrzeuge stetsfort im Munde geführt. Wenn die Geschäfte augenblicklich ein wenig flauer Unterführung ausgelegt werden muss. In später einmal für den Bau einer Ueber- oder Verhältnisse geschaffen, die die geordnete 'Abwicklung des Eisenbahnbetriebes gefährden.» Krisenlage und trägt damit zur Beunruhigung moment auf ein vernünftiges Minimum her- gehen, so spricht man von einer grossen der Zwischenzeit kann aber das Gefahr- Das ist nun wirklich der Gipfel der Unverblümtheit und eine Verdrehung der Tat- unnötigerweise viel bei. Die Krise ist in der lichen Irrens durch die automatisch wir- der Gemüter und des ganzen Erwerbslebens abgesetzt und die Möglichkeit des menschsachen, welche uns unverständlich ist. DerSchweiz glücklicherweise nur teilweise und kende Signalanlage grösstenteils ausgeschaltet werden. Auf diese Weise wäre wenig- Eisenbahnbetrieb wird niemals durch das in geringerem Umfange zu konstatieren als Automobil gefährdet, sofern das Eisenbahnpersonal seiner Pflicht voll und ganz nachgehoben werden, dass die Kantonsfinanzen bis es an einer Kreuzung zur Unterführung im Ausland. Ganz besonders darf hervorstens etwas getan und die lange Wartezeit, kommt Ob der Barrierenwärter seine Bar- heute wieder eine normale Lage aufzuweisen reicht, in ihrer Gefährlichkeit wesentlich Ramosi erstellt haben. Roman von V.Williams. 'Ans dem Englischen übersetzt von Otto Klement. (Deutsches Recht bei Georg Müller in München.) (10. Fortsetzung) Eine Gruppe von eingeborenen Musikanten auf der Galerie — eine Violine mit nur einer Saite, ein Dudelsack und eine Trommel trug arabische Musik vor, die ungeübten Ohren, infolge ihrer wenigen Noten und der ewigen Wiederholung des Themas, unheimlich klingt, aber trotzdem doch durch ihren betonten Rhythmus eine sonderbare Anziehungskraft ausübt. Dann kamen die Tänzer. Zuerst ein geschmeidiger Jüngling, der sich auf den Marmorfliesen drehte, während er einen Stock in den verschränkten Händen hielt. Ihm folgte ein lustiger schwarzer Sudanese, der auf seinem Wollschädel eine brennende Lampe balancierte und den berühmten Lumpentanz vorführte, indem er den Körper hin und her warf, zu dem «Gebet für die Lampe», das die Musikanten aus voller Erscheint Jeden Dienstag und Frcltaq Monatlich „Gelbe Liste» REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Kehle mitsangen. Und zuletzt gab es tanzende Frauen, die mit flatternden Gazeschleiern bedeckt waren. Eine Pause entstand. — Der Geiger legte sein Instrument beiseite. Der Dudelsack dröhnte misstönend, pfiff dann ein schrilles Motiv aus zwei oder drei Noten und hielt dabei leise und klagend einen Begleitton fest. Mit heiserer, gutturaler Stimme fiel der Geiger ein. Er war ein schöner Bursche, mit blitzenden Kohlenaugen und regelmässigen Zügen, in ein schlohweisses Gewand gekleidet. Das, was er hören Hess, war kein Gesang, es war ein Schwall von Leidenschaft durchzitterter Deklamation, die bei ihm am Ende jedes Verses, wenn der Dudelsack sein einfaches Motiv wieder aufnahm, ein Zittern und Keuchen auslöste. Die Gäste hatten ihr Mahl beendet und sassen beim Sekt, während die nubischen Mamelucken Körbe mit Orangen, Trauben und Feigen herumreichten. Allmählich erzwang sich das Temperament des Sängers die Aufmerksamkeit der Gäste; das Gespräch verstummte, und es trat Stille ein. «Was trägt er denn vor?» flüsterte Joan dem Prinzen zu, der neben ihr sass. Die leidenschaftliche Stimme schwieg. Joan war tief bewegt. Die Töne des Dudelsacks wimmerten durch den sternhellen Garten. Den Blick auf das dunkelglühende Gesicht des Sängers geheftet, achtete sie nicht «Eine Liebesklage. Wenn Sie ihm zusehen, werden Sie ihm ganz gut folgen auf ihre Umgebung, achtete auch nicht auf können!» den zunehmenden Druck der tastenden Hand, Der Sänger hockte auf der Türschwelle. die ihren Arm hinaufkroch und nicht auf das Sein Profil hob sich von dem Licht des aufsteigenden Mondes ab. Er hatte sich um- des Prinzen. Glitzerlicht in den unbeherrschten Augen gewandt, um zu der Gestalt seiner Phantasie Quäle mich nicht, Bamba, denn ich bin zu sprechen. Seine Augen lohten und seine Stimme bebte von der Glut seiner Gefühle. Mit leiser, tief ergreifender Stimme begann der Prinz zu übersetzen: «0 du mit den schwarzen Augen, höre meinen Schmerz! Bei Nacht und bei Tag verzehre ich mich in Sehnsucht nach dir! Der Ochse am Pflug, das Kamel am Wasserrad sind nicht trauriger als ich. Ich suchte dich am Teiche, aber du gingst an mir vorbei. Ich wollte dein Gesicht am Fenster schauen, aber du blicktest nicht heraus!» Die Klage verstummte, und der Dudelsack pfiff seine karge Melodie. Joan fühlte eine heisse Hand auf ihrem nackten Arm. Die Augen des Prinzen brannten, rötlich glühend, auf ihrem Antlitz, während er weitersprach: «Wenn ich auf dem Felde arbeite, o Bamba, mit den schwarzen Augen, gräme ich mich um dich. Mittags kann ich nicht essen, in der Nacht liege ich wach und weine vor Verlangen nach dir. Oh, Sonne meines Herzens, gib mir ein Zeichen, gib mir ein Zeichen deiner Liebe! Du!» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit od« deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CM» Grössere Inserate nach Seitentarif, taseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern heabgemindert. Da die schweizerische Industrie in der Herstellung solcher Apparaturen äusserst leistungsfähig ist, so wäre auch in volkswirtschaftlicher HinsiiSit dieso Zwischenlösung wertvoll. ©• Signalisierung der Niveauübergänge. Wann und wie gelangt die bundesrätliche Verordnung zur Durchführung? Der Verkehrsunfall von Pratteln. hat wie« der einmal die Gemüter erregt und die öffentlich« Aufmerksamkeit auf die bundesrätliche Verordnung zur Signalisierung der Niveauübergänge gelenkt. Wir veröffentlichen nachstehend die Zuschrift eines Ingenieurs, der den Wunsch ausspricht, die roassgebenden Organe des schweizerischer* Eisenbahndepartements möchten sich irr» heutigen Zeitpunkte über den Stand der Signalisierung der Niveauübergänge bei den, S.B.B, wieder einmal äussern: «Dem Strassen- wie dem Bahnbenützef drängt sich diese Frage auf, nachdem sich in rascher Folge die Unglück© an den Bahn* kreuzungen aneinanderreihen. Die einzelnem Unglücksfälle an diesen Gefahrstellen sind in der Presse geschildert und amtlich unter* sucht worden. Was wurde aber zu deren Abhilfe effektiv getan? Mit Beschluss vom 7. Mai 1929 hat der» Bundesrat auf Antrag des Eisenbahndeparw tements eine Verordnung über deri Abschlusa und die Signalisierung der Niveauüber-« gänge der Eisenbahn mit öffentlichen Strassen und Wegen erlassen, welche bezweckt, die sämtlichen öffentlichen Niveauübergänge im ganzen Lande den Strassenbenützem klar und einheitlich kenntlich zu machen; diese Verordnung ist am 1. Juni 1929 in Kraft getreten. Die endgültig gutgeheissenen Signale, welche sowohl in der Tagespresse als in der Fachpresse einlässlich geschildert wurden, haben sich als betriebssicher bewährt. Seit Inkrafttreten dieser Verordnung jedoch merkt man praktisch; wenig von der Kennzeichnung der Bahnübergänge, sei es durch optisch-akustische Signalisierung oderKenntlichmachung durch Kreuzsignale. Eine rühmenswerte Ausnahme machen einige Nebenbahnen mit der Aufstellung von Kreuzsignalen. Woran liegt es aber, dass bei den S.B.B. keine Vorkehren zur Sicherung dieser Ge- ein Mann, furchtbar im Zorn. Lass mich kein Fremder mehr sein zu dir, du mein Augenlicht! Ich habe meiner Mutter gesagt- Vermähle mich mit Bamba oder ich sterbe! Aber wenn ich sterbe, o Bamba, mit den schwarzen Augen, sollst du zuerst mein Schwert fühlen!» Schrill erhob der Jüngling bei dieser Drohung die Stimme, reckte die Hand empor und brach mit einer jähen Geste ab/ Der Dudelsack schwieg. Leises Murmeln erhob sich, Händeklatschen. «Eine erstaunliche Leistung!» lobte Graf Beifort, dessen Blicke an Nadja Alexandrowna hingen. «Nur im Orient versteht man die Kunst, zu Heben,» murmelte sie. Ihre Smaragdaugen schienen das stolze Profil des Violinspielers zu verschlingen, der noch immer unbeweglich auf der Türschwelle kauerte. «Wundervoll!» seufzte Joan und wandte sich zu Hussein. Der Prinz atmete schwer und ein gespannter Zug lag auf seinem blassen Gesicht. Verstohlen löste er seine Hand von ihrem Arm und lächelte gezwungen. «Er hat seine Sache gut gemacht!» meinte er und warf dem Geiger ein Bündel Banknoten hin. Auf seinen arabischen Zuruf trabten die Musikanten, die Sänger und Tänzer davon. Seinen Sessel zurückstossend, sagte der Prinz mit belegter Stimme: «Die Luft ist milde, trinken wir den Kaffee draussen unter den Palmen!» Schweigend gingen sie, als ob der Zauber der Nacht einen Bann über sie gebreitet hätte, nach dem Garten hinaus. Die Mus'k hatte Joan merkwürdig unruhig gestimmt Noch zitterten ihre Nerven im Rhythmus des Trommelschlages. Die Angst aus der Stimme des Sängers rührte sie tief. Seltsamerweise hatten sie die edlen, von Leidenschaft durchbebten Züge unvermittelt an ein anderes Gesicht erinnert, das auch von Schmerz zerwühlt war, und an tiefblaue Augen, die sich vorwurfsvoll auf sie richteten. In ihr wogte ein Gefühl grenzenloser Einsamkeit und Verlassenheit. Friedlich und still lag der Garten. Atemlos schien er im silbernen Mondlicht auf ihr