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E_1931_Zeitung_Nr.024

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 17. März 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. - N° 24 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Enebelnt Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" HalbJIhrtich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Porttnmehlag, »olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 30.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern m Der Goldstrom des Benzinzolls 1930 Der Bund wird au! die Ostern den Kantonen wiederum ein schönes Geschenk auf den Tisch legen. Rund neun Mill. Franken, ein Viertel des Benzinzoll-Ertrages des Jahres 1930, erhalten die Kantone quasi als Entschädigung für ihre Kosten an neugebaute und reparierte Strassen. Die grössten Kuchenschnitten erhalten die Kantone Zürich (1,04 MilL Fr.), Bern (1,25 Mill. Fr.), Graubünden (0,65 Mill. Fr.), Waadt (0,98 Mill. Fr.), Sankt Gallen (0,52 Mill. Fr.), Aargau (0,51 Mill. Franken). Unter der halben Million stehen alle übrigen Kantone. Die kleinste Quote erhalten die Kantone Glarus (111 000 Franken), Obwalden (95 000 Fr.), Nidwaiden (54 000 Franken). Die übrigen Beträge belaufen sich zwischen 110 000 und 450 000 Fr. Wir fügen nachstehend die genaue Verteilungsübersicht bei: Verteilung des Benzinzolles 1930. Zürich 1044506 Fr. Bern 1254040 Luzern 236 765 Uri 169 411 Schwyz 126 697 ObwaJden 95 343 Nidwaiden 54 546 Glarus 111 846 Zug 148 056 Fteiirarg 283 139 Solothurn 256 589 Baselstadt 285 881 Baselland 255 519 Schaffhausen 114 623 Appenzell A.-Rh. 138 695 Appenzell I.-Rh. 35 240 St Gallen 527 111 Graubündon 651 067 Aargau 510 836 Thursati 451920 Tessin 427 029 Waadt 985 717 Wallis 415 052 Neuenburg 210 309 Genf 200 931 Totale VeTteiIun?ssTimmD 8 996 808 Fr. Der Verteilungsschlüssel ist dazumal, als die Benzin-Debatte im Nationalrat wogte, nicht ganz glücklich gefunden worden. Im allgemeinen sind die Bergkantone mit ihren kostspieligen Alpenstrassen zu kurz gekommen. Allein man wird sich vorläufig damit abfinden müssen, da nirgends Lust vorhanden ist, an diesem Verteilungsschlüssel irgendwelche Feile anzulegen. Man weiss, dass, wenn es um eine Kuchenverteilung geht, die Kinder der Mutter Helvetia sehr ungeduldig und unwirsch, ja sogar zänkerisch werden können. Der Kantönligeist lässt sich leider auch in unserem Zeitalter nicht ganz aus der Welt schaffen, und da der Egoismus eine ganz unausrottbare menschliche Eigenschaft ist, behält er auch seine Stärke, besonders dann, wenn es sich ums Teilen handelt. Unser Postulat Vielleicht dürfte doch in absehbarer Zeit das lange von uns verfochtene Postulat näher ins Auge gefasst werden, wonach der heutige Benzinzoll-Viertel in eine Benzinzoll- Hälfte verwandelt werden sollte. Das fiskalische Brünnlein, das sich Herr Finanzdirektor Musy hat sichern können, fliesst" in erfreulicher Weise. Es hat sich bereits ausgewachsen zu einem recht ansehnlichen Bächlein, das jährlich viel mehr Millionen in die eidgenössische Staatskasse fliessen lässt, als man dies vor wenigen Jahren zu ahnen gewagt hätte. Mit dieser Finanzquelle hat das eidgenössische Finanzdepartement bereits verschiedene ausgetrocknete Bundesstellen neu beleben und alimentieren können. Das früher einige Millionen betragende Ergebnis ist heute bereits auf 36 Mill. Franken Jahreseinnahmen gestiegen. Steigende Zolleinnahmen aus dem Autoverkehr. Gleichzeitig steigerten sich die Zolleinnahmen aus dem Automobilverkehr ganz wesentlich, so dass heute dem Bunde netto die schöne Summe von 50 Mill. Fr. auf dem Rücken der Automobilinhaber zukommt. Es wundert uns nur, ob Herr Bundesrat Musy mit seinem vorgesehenen Tabakzoll usw. ebenso gute Erfahrungen wird buchen können. Der Schweizer ist in seiner Art meistens gutmütig. Er lädt eine Last nach der andern auf sich, sozusagen ohne Wimpernzucken und ohne Murren. Er gewöhnt sich sehr rasch an die ihm auferlegten Opfer. Woher eigentlich der Bund das Recht nahm, über die kantonalen Automobil steuern hinaus, die neben den vielen übrigen Zollabgaben bestehen, dem Automobil weitere Leistungen aufzuerlegen, dürfte wohl niemand recht wissen. Interessant ist die Tatsache schon, dass die Gemeinden und Kantone für den Strassenunterhalt aufzukommen haben, währenddem der Bund hierin absolut nichts zu leisten hat als das Benzinzollviertel den Kantonen auszuteilen. Seine Organe im Gegenteil, wir nennen die Militärverwaltung, ganz besonders aber die Post, benutzen diese kantonalen Strassen in ausserordentlichem Masse, ohne, besondere Abgaben den Kantonen hierfür entrichten zu müssen. Wir wollen jedoch mit der Eidgenossenschaft hierüber nicht rechnen. Wir sind ja nicht nur eifrige Automobilisten, sondern auch gute Schweizer, und da verstehen wir es sehr wohl, dass unsere Eidgenossenschaft Geld und immer wieder Geld braucht. Unserer Eidgenossenschaft geht es nämlich ganz gleich wie ihren Kindern. Man bürdet hier, wie einem Lastesel, jeder Session neue Lasten auf. Heute hat der Bund bereits mit einem Aufwand von 400 Mill. Fr. den Totalaufwand sämtlicher Kantone und Gemeinden erreicht. Er ist auch der eigentliche Finanzmann der Kantone geworden. Die Selbständigkeit unserer 25 Stände ist in finanzieller Hinsicht schon seit Jahren zur Utopie geworden. Ohne Bund könnten unsere Kantone gar nicht mehr existieren. Den Kantonen bleibt nur noch die direkte Steuer überlassen, währenddem der Bund auf alle übrigen Gebiete die Hand gelegt hat. Der Bund ist auf die indirekten Fiskalquellen angewiesen. Eine wichtige eidgenössische Fiskalquelle. Eine der wichtigsten und besten ist, wie gesagt, der Benzinzoll geworden. Es ist deshalb gar nicht mehr an dessen Wegfall zu denken. Immerhin ist in erfreulicher Weise die beständige Zunahme dieses Geldstroms zu registrieren. Es liegt deshalb wohl im Interesse der Eidgenossenschaft selbst, alles zu tun und nichts zu unterlassen, um sich diese wichtige Einnahmequelle nicht zu verstopfen. Eine dem Automobil gegenüber nur einigermassen unfreundliche Haltung könnte unerwartete und unangenehme Folgen nach sich ziehen. Mötorfahrzeugbesitzer und Strassenkosten. Dabei ist allerdings zu betonen, dass die Auslagen der Kantone für den Strassenbau sich derart erhöht haben, dass tatsächlich mindestens 50 Prozent des Benzinzollertrages den Kantonen abgeliefert werden sollte. Es ist dies nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch ein Gebot zwingender Notwendigkeit. Vorerst wird man im eidgenössischen Finanzministerium davon nichts wissen wollen. Wir begreifen dies. Nach und nach aber wird man doch vom hohen Geldsack herunterrutschen müssen und den Kantonen das zukommen lassen, das ihnen von Rechts wegen gehört. Die Motorfahrzeugbesitzer bringen durch die Zölle auf Benzin und Motorfahrzeuge sowie Zubehör heute schon einen Betrag auf, der vollständig für die Deckung der gesamten Strassenbaukosten genügen würde, sofern die Einnahmen zweckentsprechend Verwendung fänden. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oaew deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wenn einmal die genauen Zahlen über die Aufwendungen der Kantone und Gemeinden für die Strassen pro 1930 bekannt sind, wird es an der Zeit sein, den Punkt 20 der Schlussfolgerungen der Bundesbahnbroschüre « Caveant Consules» zu widerlegen, worin die Behauptung steht, der Automobilverkehr decke nur 63 Prozent der Mehrausgaben der Kantone und Gemeinden für das gesamte Strassenwesen (rund 73 Mill. Franken). Unsere Forderung, man möchte den Kantonen, in Anbetracht der ständig steigenden Einnahmen, aus den Automobil- und Benzinzöllen mehr zukommen lassen, ist durchaus nicht verfrüht. Allen Kantonen, die sich um den Bau neuer Strassen und die Verbesserung der bestehenden Durchgangsstrassen ehrlich bemühen und den entsprechenden Finanzaufwand grosszügig in die Wege leiten, gebührt eine angemessene Entlastung durch den Bund, der eben einen Löwenanteil seiner Einnahmen aus dem Autoverkehr für andere Zwecke verwendet. D Schema des schweizer. Fernverkehrstrassennetzes. Der Schweizerische Autostrassen verein hielt gestern nachmittag in Ölten eine Mitgliederversammlung, zu der auch die Presse geladen war Als Hauptthema stand das Schema eines Netzes von Fertrverkehrsstrassen zur Behandlung, worüber wir schon früher in kiirzen (Zügen orientiert haben. Nachstehend veröffentlichen wir den Wortlaut des einleitenden und aufschlnssreichen Referates von Herrn Ingenieur Fritz Steiner, Bern. Red. Der § 1 der Statuten umschreibt den Zweck unseres Vereins wie folgt: «Der Verein zum Studium des Ausbaues des schweizerischen Hauptstrassennetzes (Schweiz. Autostrassen - Verein) hat zum Zwecke, durch Studien und durch Vorschläge bei den Behörden dahin zu wirken, dass dem wachsenden nationalen und internationalen Automobilverkehr ein zweckmässig angelegtes Hauptstrassennetz zur Verfügung gestellt wird. Er macht sich im besonderen auch zur Aufgabe, die Schaffung reiner Autostrassen in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht zu prüfen.» Es sollen demnach in erster Linie Studien angestellt und Vorschläge gemacht werden für die Verbesserung des Hauptstrassennetzes der Schweiz. Die Festlegung dieses Hauptstrassennetzes bildet somit die erste Aufgabe unseres Vereins. Erst wenn dieses Hauptstrassennetz bestimmt ist, kann es auf seine Zweckmässigkeit untersucht und können konkrete Vorschläge gemacht werden. Ramosi Roman von V.Williams. Aus dem Englischen fibersetzt von Otto Element. (26. Fortsetzung) «Das ist nicht gerade die richtige Ausrüstung für eine Klettertour,» scherzte er. «Aber ich werde sie so umsichtig wie möglich handhaben. Hallo, die Tür ist erbrochen!» Wildes Gebrüll aus dem Raum über ihnen verriet es. Cradock gab ruhigen Tones ein paar Verhaltungsmassregeln. «Strampeln Sie nicht unnütz mit den Beinen, aber halten Sie sich mit Händen und Füssen von der Mauerwand ab!» Behende und vorsichtig Hess er sie hinunter. Die Schärpe schnitt durch den Silberstoff ihres Kleides in die Haut, aber es dauerte nicht so lange, so stand Joan auf der Erde und starrte zu der hohen, dunklen Gestalt ihres Beschirmers empor. Cradocks lange Beine, die in bauschigen weissen Hosen steckten, erschienen jetzt über dem Dachrand, und wenige Sekunden später landete er in kühnem Sprunge neben ihr. Joans «chlanke, kühle Finger berührten sein Handgelenk, als er sich aufrichtete. Er suchte das Ziel ihrer ängstlichen Blicke: Aus einem Fenster über ihnen lugte ein dunkles Antlitz im gelben Lampenlicht durch das zerbrochene Holzgitter herab. «Schauen Sie nicht hinauf!» gefbot Cradock leise. «Ihr Gesicht leuchtet weiss aus der Finsternis.» Er zog sie sachte in den feuchten, dunklen Schatten im Schütze der Mauer. Dann sah er sich prüfend um. An drei Seiten war der kleine Hof von glatten Wänden umgeben; aber gerade ihnen gegenüber wurde die Eintönigkeit der Mauern von einer winzigen Tür unterbrochen. Sie war niedrig und verwittert, eine zwerghafte Tür, die überdies auch durch ihre ungehobelten Bretter etwas von dem runzligen und mürrischen Aussehen eines Zwerges erhielt. Der Hof war klein, rechtwinklig und muffig, wie eine Mistgrube, von schweren, warmen Gerüchen und üblen Ausdünstungen des Araberviertels verpestet. Kehricht lag auf dem schmutzigen Pflaster umher, und als Cradock dies bemerkte, zeigte sich zum erstenmal Besorgnis in seinen Mienen. Ein dumpfer Aufschlag, dem bald ein zweiter, ein dritter folgte, erschütterte die Mauer hinter ihnen. Dem Rate ihres Gefährten folgend, hielt Joan den Kopf gesenkt, aber sie wusste, dass ihre Verfolger vom Balkon auf das flache Dach herabsprangen. Glücklicherweise lag der Hof völlig im Dunkel. Cradocks Lippen berührten sie am Ohr. «Warten Sie!» raunt© er ihr zu. Er schlich zu der kleinen Tür an der Gegenseite und tastete nach der Eisenklinke. Sie war versperrt. Zu seinen Häupten vernahm er das Geräusch blosser Fasse, die auf den Dächern umherliefen. Plötzlich erschien ein weisser Turban über der Stelle, an der Joan hockte — tauchte auf und verschwand. Mit Windeseile rannte Cradock über den Hof zurück. «Wir müssen uns gedulden!» flüsterte er. Innerlich dankte er Gott, dass die Nacht nicht mondhell war. Aber wenn die Wolken sich teilen sollten, jene Wolken, die einstweilen die Sterne so barmherzig verhüllten, dann waren sie rettungslos der Entdeckung preisgegeben. Ein heller Triumphschrei von oben — und blendender Lichtschein erhellte die Finsternis um sie her. Ein Araber stand am Giebel des Hauses und schwang eine Fackel in der Hand. Er wies gestikulierend nach unten und grölte nach seinen Genossen. Im selben Augenblick fühlte Cradock einen leisen Druck am Arm. «Sehen Sie — oh, sehen Sie doch!» Er folgte der Richtung von Joans Zeigefinger: Die Zwergentür jenseits des Hofes stand offen... Als Joan Averil am Ende dieser ereignisreichen Nacht ins Bett kroch, jagten chaotisch die Erinnerungen durch ihr fielberndes Hirn. Es war ein Schauertanz fürchterlicher Gestallten. Lange lag sie wach und sah die Sterne über dem Hotelpark vor der nahenden Morgendämmerung erblassen. Sie dachte an ihre Flucht durch die Zwergentür, über einen dunklen Gang, den ihre erregte Einbildung mit lauernden schwarzen Ungeheuern bevölkert hatte, an den grossen, verödeten Hof, und schliesslieh, an ihr heimliches Entschlüpfen durch ein Tor auf eine stille Gasse. Rings um sie her war die Nacht von Stimmengewirr und dem Tumult zusammengerotteter Haufen durchtobt. Aber die Gasse — sie entsann sich dieser Einzelheit genau, sah Cradocks Kopf mit dem Turban aus dem Tore lugen — die Gasse war leer! Dann folgte ein endloses, schweigendes Laufen durch Nebengässchen und schmale Strassen — sie im schwarzen Ueberkleld ihres Begleiters, das er abgestreift hatte, um ihr Silberkleid zu verhüllen, und Cradock an ihrer Seite in einer weissen Bluse und den bauschigen Hosen der ägyptischen Bauern. Zottige Nachtwächter, auf ihre Stäbe ge-