Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.033

E_1931_Zeitung_Nr.033

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 17. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. _ N° 33 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bnebetnt Jeden Dienstag and Freitag Monatlich «Gelbe Liste" Ktibjlhrtteh Fr. S.-, jährlich F*. 10.—. Im Autland unter Partonnehlag, urfern nicht pottamtlleb bestellt. Zuschlag für postamtlieh« Baatellung SO REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. PostchecU-Rechnuna HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Gnmdwsile oder deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cth Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlus« 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Fussgänger und Verkehrsgesetz Neben der Eingabe des Bauernverbandes fst dem Nationalrat während seiner Frühjahrssession auch eine Petition einer Zürcher Fussgängergruppe zugegangen. An und für sich war diese nur zu begrüssen, war es doch auf diese Weise möglich, sich ein genaues Bild der von Fussgängerseite formulierten Wünsche und Anträge zu machen. Dazu ist freilich zu bemerken, dass diese Zürcher Gruppe keineswegs die geschlossene Meinung der Fussgänger zu vertreten in der Lage war, da es praktisch eben unmöglich ist, diese Kategorie der Strassenbenützer zusammenzufassen. Die von der Gruppe aufgestellten Anträge können also in keinem Falle auch nur annähernd die Mehrzahl dieser Interessenten umfassen.' Die Eingabe scheint vom Nationalrat nicht unbeachtet gelassen worden zu sein, sind doch auf alle Fälle drei der Begehren in den erfolgten Abänderungen berücksichtigt worden, worunter allerdings die Streichung des sogenannten Fussgängerartikels 34 fällt, der die übrigen Strassenbenützer nie werden zustimmen können. Die von Dr. H. Hasler, welcher der Expertenkommission angehörte, und Prof. Dr. Frey unterzeichnete Schrift, verdient auch in Automobilistenkreisen studiert zu werden- Zwar scheinen die Verfasser nicht gleicher Meinung zu sein, haben sie doch Gesuche um Bekanntgabe ihrer Petition kurzerhand unbeantwortet gelassen! Einleitend wird erklärt, der Fussgänger erwarte vom Gesetz, dass es für den Verkehr Bestimmungen aufstelle, die den Fussgänger an Leben und Gesundheit schützen, ein Standpunkt den die Motorfahrzeugbesitzer, welche letzten Endes auch wieder Fussgänger sind; ohne weiteres teilen. Wir werden nur den Schlüssen nicht folgen können, welche die Petitionäre ziehen, weil dieser Schutz kurzerhand ausschliesslich auf Kosten der übrigen Strassenbenützer erfolgen soll, ohne dass auch die übrige FEUILLETON Unser neuer Roman Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) Unser neuer Roman «BIitz> wird aus dem geheimnisvollen Zauberreich «Ramosis» die Leser in fremde Gebiete führen, die noch den ganzen Reiz des Neuen bergen. Während es in unserm letzten Roman um den Menschen und seine vielvorschlungenen Schicksale ging, die sich vor einem farbig-bunten Hintergründe abspielten; wird diesmal — ein besonderes Novuml — ein Wolfshund «um Held der Erzählung. Die Geschiente dieses eBlitzes» a-aca nur annähernd skizzieren zu wollen, hiesse dem gan« eigenartigen Roman seine wesentlichste Eigenschaft rauben — seine ständige Spannung. Selten erlebte der Leser mit grösserem Interesse das Werden seines «Helden», dieses einzigartigen Wolfshundes, in dem Raubtier und Haustier eine höchst glückliche Mischung ergeben. Blitz, das furchtbare Raubtier der Wildnis, wandelt sich in den Händen sympathischer Menschen zum treuesten Genossen, der ihnen Helfer aus tausend Gefahren wird. H. G. Evarts, der bekannte englische Schriftsteller, setzte «Blitz» als Träger der Handlung ein, in der sich jedoch ebenfalls das menschliche Schicksal in allen Arten auswirkt. Wie Evarts es verstand, «Blitz> zum Helfer, Verteidiger und sogar Rächer zu machen, dass er immer da auftaucht, wo man ihn als letzte Hilfe braucht, das verdient allein die Lektüre dieses spannenden Romanes. Selten noch fieberte der Leser aufrichtiger mit als bei den abenteuerlichen Kämpfen zwischen Hund und Mensch, Naturkraft und Menschenlist. Die packende Erzählung rollt sich vor einem gigantischen Bergeinöden Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Die Petition der Fussgängergruppe. Hintergrunde ab. Die riesigen Nordamerikas, die unendlichen Gruppe etwas dazu beitragen würde. Der beste Beweis dafür liefert die Forderung nach Streichung des Art. 34. Die Eingabe behauptet von ihm, «er schränke die Bewegungsfreiheit so stark ein, dass im Unfallprozess auch der sonst vorsichtigste Fussgänger rechtlich ins Hintertreffen kommen könne.» Nun enthält aber der umstrittene Paragraph nur die dem vorsichtigen Passanten schon selbstverständlichen Mindestforderungen, sich an die Strassenseite zu halten, Trottoirs zu benützen und die Strasse vorsichtig zu überqueren. Weniger kann wohl kaum verlangt werden. Stellen wir übrigens diese Bestimmungen der Summe von Vorschriften gegenüber, welche dem Motorfahrzeugführer aufgebürdet werden, so ergibt sich Immer noch eine äusserst einseitige Belastung für Automobilisten und weitgehende Entlastung der Fussgänger. Gerade weil das Leben des Strassenbenützers geschützt werden soll, muss der Kopf- und Gedankenlose veranlasst werden, auch seinerseits seine fünf Sinne zusammenzunehmen. Es überrascht wohl nach dem Vorangegangenen nicht, dass auch der Artikel betrt der Geschwindigkeiten einer Kritik unterzogen wird und zahlenmässig begrenzte Grtstempi gewünscht werden. Zur Erhärtung dieser Notwendigkeit wird die eidg. Statistik der Strassenverkehrsunfälle zitiert. Bei deren Durchsicht ist aber wohl der Abschnitt übergangen worden, der sich mit den Unfallsursachen befasst und ergibt, dass nur 23% der Unfälle auf übersetzte Geschwindigkeit zurückzuführen waren. Wir sind uns darüber einig, dass auch dieser Prozentsatz noch erheblich reduziert werden könnte. Das Resultat sollte aber doch endlich einmal die grundfalsche Meinung, die Mehrzahl der Unfälle sei auf Geschwindigkeitsübertretungen zurückzuführen, zu Fall bringen. Es sei nur im Vorübergehen auf die vorzügliche englische Statistik über Hochebenen und die tiefen Täler, in denen noch ein ursprüngliches Leben pulst, erfüllen den vorzüglich geschriebenen Roman. Der Leser erhält einen wunderbar belebten, natürlichen Einblick in die grossen Zusammenhänge der Tierwelt. Wir sind überzeugt, mit diesem einzigartigen Tierroman unsern Lesern eine sehr wertvolle Lektüre vermitteln zu können, die in hohem Masse ihrem Interesse begegnen wird. Die Geschichte «Blitz» in ihrer Eigenart ist dazu angetan, jedesmal ungeduldig die Roman-Fortsetzung herbeizuwünschen. Die Red. Erstes Kapitel. Lange Zeit erzählte man sich im Norden allerlei Seltsames von einer verlorenen Herde. Die wenigen, die noch an diese Fabel geglaubt hatten, waren tot, und nun wusste keiner die Sache recht zu deuten. Eines steht aber fest: Die letzte grosse Büffelherde war vor vielen Jahren zur Zeit der Frühjahrswanderung gegen Norden gezogen und nicht mehr wiedergekehrt. Vergeblich warteten die Felljäger Jahr um Jahr auf den Herbst, der ihre Rückkehr bringen sollte. Auch die grossen, grauen Büffelwölfe waren plötzlich aus den Ebenen verschwunden, als hätte sie der Erdboden verschlungen. Vielleicht gab das den Anlass zu der Fabel von der verlorenen Herde, die eines Tages auf der Suche nach neuen Weideplätzen wieder erscheinen würde. Doch der Büffel war auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Jahrhunderte hindurch hatte er die Ebenen bevölkert und jetzt war er ins Gebirge hinaufgeflüchtet, um im «Land der vielen Flüsse» letzten Halt zu machen. Dort oben hatten sich die Herden in kleinen Gruppen durch die Hochtäler zerstreut, und auf Schritt und Tritt gaben gebleichte Knochen auf den grünen Almen Zeugnis von diese Materie hingewiesen, die sich ausschliesslich auf Gerichtsurteile stützt und für die drei letzten aufeinanderfolgenden Jahre einen Durchschnitt von 15% für Verkehrsunfälle wegen zu raschem Fähren ergibt: Es kann zudem nicht genügend darauf hingewiesen werden, dass der Gesetzentwurf in Artikel 25 immer noch unzweideutige Vorschriften enthält, die es zum vorneherein verhindern, dass «die tolle Autoraserei gesetzlich gestattet wird », wie es in der Eingabe heisst. England hat als letztes Land die Geschwindigkeitsmaxima aufgehoben. Ueber die Auswirkung dieser Neuerung erhielten wir von einem Korrespondenten folgende Aufschluss-Ausführungen: «In England hat man seit einem Vierteljahr praktische Erfahrungen gesammelt. Das englische Strassenverkehrsgesetz, das seit dem 1. Januar in Kraft ist, hat gleichfalls auf die Aufstellung einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit verzichtet und es liegen' über die Auswirkungen dieser Neuerung die Berichte von über tausend Experten des grossen Automobilverbandes € Automobile Association» sowie von über tausend Polizeipatrouillen vor Diese Berichte, die auch den Verkehr während der Osterfeiertage umfassen, lauten, der grossen Tageszeitung « News Chronicle » zufolge, durchwegs günstig. Das Blatt fasst die Schlussfolgerungen der Berichte wie folgt zusammen: ,ÄHe Strassenbenützer, in geringerem Masse auch die Fussgänger, haben der Aufforderung des Verkehrsministers, den Strassenverkehr sicherer zu gestalten, Folge geleistet. Die Führer von Motorfahrzeugen zeigen in immer zunehmendem Masse Verständnis für die. Verantwortung, die ihnen das Gesetz durch Abschaffung der Maximalgeschwindigkeit auferlegt hat. Die gegensoitige Rücksichtnahme hat bei den Benutzern von Motorwagen, Motorrädern, Lastwagen und Fahrrädern ausserorden fliehe Fortschritte gemacht. Fahrt-und Richtungszeichen werden deutlicher und häufiger gegeben, auch von den Tramwagenführern. Bei Strassenecken und Strasscnkreuzungen auf de-n Lande wird durchwegs vorsichtig gefahren: in den grossen Städten ist gleichfalls ein Fortschritt festzustellen, nur wird dort beim Einfahren aus den Seitenwegen in die Hauptstrassen zu wenig Vorsicht angewandt. Unvorsichtiges Vorfahren kommt seltener vor. Die Abschaffung der Geschwindigkeitsgrenze hat die Reisegeschwindigkeit im allgemeinen etwas erhöht, doch wird in dicht bevölkerten Gegenden und durch die an den Hauptstrassen gelegenen Dörfer langsamer gefahren als früher. Warnungszeichen an der Strasse werden besser beachtet, nur beim Stationieren auf Regionalstrassen werden die Vorschriften zu wenig befolgt ihrem Todeskampf im tiefen Schnee des Hochgebirges. — Unten im Tal aber warteten die Büffeljäger auf die sagenhafte Rückkehr der verlorenen Herde. Allmählich trieben die Viehzüchter ihre Pferde und Rinder auf die verlassenen Weideplätze des Büffels, und jedes Jahr drangen Die Rücksichtnahme der Motorfahrzeuglenker auf ein- und aussteigende Trampassagiere hat grosse Fortschritte gemacht.' Das klingt freilich anders als die Kassandrarufe, die man in der Schweiz zu hören bekam! » Dem Entwurf wird zum Vorwurf gemacht, er stamme von einer Expertenkommission, welche «kein getreues, proportionales Interesse der Verkehrsinteressenten» geboten habe. Wenn aber damit gesagt sein soll, die Vertretung der Motorfahrzeugbesitzer habe überwogen, so sei daran erinnert, dass sich die Kommission aus 31 Herren zusammensetzte, von welchen nur 12 direkte oder indirekte Automobilinteressen vertraten. Die übrigen 19 Herren gruppieren sich aus Bahnkreisen, aus technischen und juristischen Beratern und aus massgebenden Regierungs- und Polizeibeamten, denen sicher keine automobilistische Interessenpolitik zugeschrieben werden kann. In welch unbekümmerter Art dem Motorfahrzeughalter oder -besitzer Verpflichtungen auferlegt werden möchten, erhellt auch der Antrag nach Streichung der Bestimmung, wonach der Halter nicht belangt werden kann, wenn das Fahrzeug ohne sein Verschulden von einem Dritten eigenmächtig gebraucht worden ist. Also sogar für Strolchenfahrer und Diebe soll der Automobilist gutstehen! Zum Schaden, den der. Besitzer durch den Missbrauch selbst erleidet, soll er auch noch für die Untaten, eines Diebes büssen. Im Ernst wird wohl niemand eine derartig übertriebene und ungerechte Haftung verlangen können. Wir können leider an dieser Stelle den weiteren Wünschen dieser Fussgängergruppe augenblicklich nicht näher treten. Teilweise bewegen sie sich leider in ähn- 'licher Richtung, wie die Vorgenannten, zum Teil handelt es sich um Verlangen, die sicher auch den Motorfahrzeugbesitzern als gerechtfertigt erscheinen, die aber ihrem Wesen nach in die Verordnung gehören. Die Petition hat auf alle Fälle das Verdienst für sich, mit ihren Forderungen gezeigt zu haben, über welchen Teil der Materie in Fusssrängefkreisen noch Unklarheit oder unbegründete Besorgnisse herrschen, womit der Diskussion und Aufklärung der genaue Wee gewiesen wird. h sie weiter gegen die Berge vor, bis sie an deren Ausläufer herangekommen waren. in dieser Gegend zu schaffen — Ash Brent. Plötzlich kamen riesige Wölfe vom Gebirge herab und hausten schrecklich unter im Freien verbringen, wurden auch Moran Wie die meisten Menschen, die ihr Leben dem Vieh. Es waren Kerle, mächtiger als und Kinney im Laufe der Jahre mit den die sibirischen. Die Farmer hielten sie für nächtlichen Stimmen der Bergwelt vertraut eine neue furchtbare Rasse und gaben ihnen und befreundet. Einen Laut aber gibt es, der den Namen «Lobo». Schnell war ein Ver- den Menschen stets wieder erschaudern lässt, nichtungskrieg organisiert und für die Erlegung dieser Ungeheuer wurden Prämien ausgesetzt, die bald die Höhe von hundert Dollars für den Skalp erreichten. Dadurch war ein neues Tätigkeitsfeld geschaffen und es dauerte nicht lange, so zogen Wolfsjäger von Beruf mit Gift, Falle und Schiessgewehr gegen diese Ueberlebenden einer verschwindenden Rasse zu Felde. Ein solcher Wolfsjäger war Vater Kinney. Er war hieher in die « Badlands » gekommen, um eine Familie von Lobos aufzuspüren, die, wie er anzunehmen guten Grund hatte, in einem Umkreis von vierzig Meilen rings um seine Frühjahrsstation ihr Unwesen trieb. Auch Clark Moran war dieser Familie auf der Spur und lagerte in seiner Nähe. Die beiden hatten einen Pakt geschlossen, der für Kinney zweifellos günstig war. Falls einer von beiden die Wolfshöhle ausheben sollte, hatte Moran ein lebendiges Wolfsjunges zu bekommen, Kinney hingegen die ganze Prämie. Moran hatte viel über dieses Lobos nachgedacht und war zu der Ueberzeugung gelangt, dass man es hier mit den alten Büffelwölfen zu tun hätte, die vor Jahren der verlorenen Herde gefolgt und nun auf ihre alten Jagdgründe zurückgekehrt waren. Moran und Kinney lagen in ihre Decken gewickelt, zehn Meilen voneinander entfernt. Noch ein dritter machte sich zur selben Zeit mag man ihm auch in tausend Nächten gelauscht haben. Da drückt man sich fester in sein Lager, fühlt ein kaltes Rieseln über den Rücken laufen, und ein übermächtiges Gefühl der Verlassenheit überkommt den Menschen, wenn von fernher das langgezogene Geheul des Lobo ertönt. Solch ein Lobo erhob jetzt seine Stimme und die drei Menschenkinder in den öden « Badlands» empfanden zu gleicher Zeit ein plötzliches Straffwerden der Muskeln und ein Prickeln der Haut. Dem schrecklichen Ruf folgte Totenstille, als ob jedes Lebewesen im Freien sich scheute, das Schweigen zu brechen und so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das war kein harmloser Geselle, kein Brummler aus dem Norden, das war efn alter Hundelobo auf heimatlichem Boden! Jetzt erscholl der Antwortruf der Wölfin. Kinney und Moran hoben sich halb vom Lager, um besser zu lauschen. Sie begann mit einem heiseren Schrei und ging dann in das Tremolo des Coyoten über.