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E_1931_Zeitung_Nr.044

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 26. Mai 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag nnd Freitag Monatlieb „Gelbe Liste" HalhJIhrlleb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portosmeblag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bein sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche B&tellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 T«legramm-Adresse: Autoreyue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundielle Ode» deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 00 CUr Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenscliluss 4 Tage vor Erscheinen der Xummern Unsachliche Berichterstattung Wir müssen leider immer wieder die Erfahrung machen, dass mancherlei Publik'ationsorgane (die löblichen Ausnahmen bestätigen nur die Regel) sich nicht gerade mit grossem Verständnis und ausgesprochener Freundlichkeit den automobilistischen Fragen widmen. Bei besonderen Anlässen wie Ausstellungen und Veranstaltungen wirft man sich ein automobilistisches Mäntelchen um und pickt die Rosinen zusammen. Handkehrum wird wieder Mitteilungen Raum gewährt, die in ihrer Sachlichkeit oder Richtigkeit sehr zu wünschen übrig lassen und im grossen Publikum nicht gerade das Verständnis für die modernen Verkehrsmittel fördern. Ein typisches Beispiel dafür ist eine kürzlich verbreitete ag.-Meldung, die sich mit den zürcherischen Strassenbauten befasst. Die dortige Baudirektion hat in ihrem Jahresbericht eine Aufstellung veröffentlicht, aus welcher hervorgeht, dass aus dem Fonds für Hauptverkehrsstrassen innerhalb der letzten zehn Jahre über 18 Mill. Fr. für Strassenbauten aufgewendet worden sind. "Wer nun die Mitteilungen des Baudepartementes näher durchgeht, wird ohne weiteres feststellen, dass dieser Fonds ausschliesslich aus den Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern und Benzinzollanteil, der ja auch wiederum die Fahrer belastet, geäufnet wird. Diese ausschlaggebende Tatsache wird aber stillschweigend übergangen und dem Publikum einfach die frappante Zahl von 18 Mill. Fr. Ausgaben vorgesetzt. Gerade über die Strassenausgaben von Kantonen und Städte und die für deren Deckung aufgewendeten öffentlichen Mittel besteht in weiten Kreisen ein tiefeingewurzelter Irrtum, den systematisch aufzuklären für die Presse eine einfache Sache wäre. Das Publikum hört und weiss meistens nur, wie sehr der Posten Strassenbau in den einzelnen Budgets Jahr für Jahr anwächst. Allgemein herrscht der Glaube vor, es seien diese Mehrausgaben gleichbedeutend mit einem entsprechenden Generalangriff auf öffentliche Gelder, die aus den laufenden Steuern eingebracht werden. Die gewaltigen Sonderleistungen, welche dem Motorfahrzeughalter zugemutet werden und aus denen zu einem grossen Teil der Strassenbau finanziert wird, übergeht man stillschweigend. Dass diese grundfalsche Meinung von der staatlichen und damit der Allgemeinheit Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (11. Fortsetzung) Immer wieder wurde sie von Schrecken gepackt, wenn nachts der wilde Schrei in der Schlucht erscholl. Tagsüber trieb ihre Ruhelosigkeit sie aus der Hütte; sie machte lange Streifzüge mit Blitz, erkletterte die beherrschenden Höhen, von wo aus sie die ganze Umgebung überblicken konnte. Anfangs kundschaftete sie die unmittelbare Nachbarschaft aus und erst eine Woche nach ihrer Ankunft in der Hütte wagte sie sich weiter auf neues Gebiet. Eines Nachmittags wanderte sie flussabwärts. Die Schlucht erweiterte sich nach und nach, bis sie allmählich — ungefähr eine M«ile unterhalb der Hütte — im rechten Winkel in eine andere überging. Hier vereinigte sich der Fluss mit einem anderen Wasserlauf. Das Mädchen erstieg eine Kuppe und gewann Ausblick in ein breites Tal. Ein plötzlicher Sturmwind fegte über die Höhe; sie suchte Schutz unter einem überhängenden Felsen. Es begann in Strömen zu regnen, Blitz und Donner wüteten so schreck- übertragenen Bürde der Strassenunkosten durch unvollständige Meldungen, wie die vorgenannte nur erhärtet wird, ist einleuchtend. Sogar manche Redaktion hat sich dadurch irreleiten lassen und die Mitteilung unter einem entsprechenden Titel der Oeffentlichkeit serviert. Die Unkenntnis über das Verhältnis zwischen Ertrag der Motorfahrzeugsondersteuern und staatlichem Aufwand für Strassen Ist aber nicht nur Gemeingut des « kleinen Mannes». Sogar das Bulletin einer führenden schweizerischen Bankunternehmung stösst in das gleiche Hörn und jammert im Zusammenhang mit einer Würdigung der S.B.B.- Betriebsergebnisse, dass « neben dem Zoll auf Benzin, dessen Ertrag nur einen Bruchteil der Ausgaben für den Unterhalt der kantonalen und kommunalen Strassen deckt, die Automobilisten sozusagen keine andere Belastung auf sich nehmen müssen!» Ausgerechnet eine Bank, deren Aufgabe sorgfältigste Behandlung und Berücksichtigung zahlenmässiger Unterlagen ist, jässt sich herbei, derart oberflächlich mit den bedeutenden Ergebnissen der Automobilsondersteuern umzuspringen! Wir wollen diesem Zahlenspezialisten — dem wir übrigens kaum eine Vermögensverwaltung zu ähnlicher Interpretation unterbreiten möchten — nur wenige Zahlen aus früheren Publikationen der « Automobil-Revue » _ent-, gegenhalten! Das Sekretariat der schweizerischen Strassenfachleute publiziert alljährlich eine äusserst sorgfältig bearbeitete Zusammenstellung über Aufwendungen und Einnahmen der Kantone für ihr Strassenwesen. Die letzte Uebersicht befasst sich mit dem Jahre 1928 und ergibt bei 42,4 Mill. Fr. Ein^ nahmen aus Verkehrsabgaben, Benzinzoll und Subventionen, Gesamtaufwendungen im Betrage von 52 Mill. Fr. *) Im Jahre 1929 strichen Bund und Kantone 65 Mill. Fr., im Jahre 1930 79 Mill. Fr. ein. Wenn auch die Strassenaufwendungen mit diesen Erträgnissen Schritt gehalten hären, so dürfte doch ohne weiteres daraus er sichtlich sein, dass die Motorfahrzeugbesitz' r auf dem direkten Weg der Verkehrssteuer oder dem Umweg des Benzin- und Fahrzeugzolles dem. Staate annähernd die Totalleistung für Strassen ersetzen. Eine Zwischenfrage, angesichts der vorangehenden Zahlen, die dem Bankjournalisten *) Die Ergebnisse pro 1929 sind soeben bekannt geworden. Siehe an anderer Stelle dieses Blattes! scheinbar entgangen sind: Wenn auch der Motorfahrzeugverkehr nicht für den Strassenbau bis auf den letzten Heller aufkommt, ist das so ungerecht? Hat der Staat zur Zeit der Feudalherrlichkeit des Fuhrwerks nicht auch Aufwendungen für die Verkehrswege gemacht und hat der Fuhrhalter dafür je einen Cent an Extrasteuern entrichtet? Sind diese Posten nicht ein nationales Guthaben, an denen indirekt der letzte Bürger sein wohlverstandenes Interesse hat? Gerade in der jetzigen Zeit, da das eidg. Verkehrsgesetz zur Diskussion steht, dessen Schicksal noch ungewiss erscheint, ist es ein dringendes Gebot aller Publizisten, durch Mitteilungen irgendwelcher Art nicht noch mehr Verwirrung in die öffentliche Meinung zu - tragen. Aufklärung, sachliche Richtigstellung tut not, denn Verständnis für die modernen Verkehrsprobleme und Unvoreingenommenheit gegenüber dem kommenden Gesetz wird bestimmt allen Kreisen und nicht nur den Automobilisten zugute kommen. Darum endlich einen Schlussstrich unter die obengeschilderte Art der Berichterstattung! b. Der Jahresbericht des Schweizerischen Autostrassenvereins legt Zeugnis ab von der regen Tätigkeit dieses Verbandes. Bekanntlich ist anlässlich der Hauptversammlung in Ölten das Schema für ein Netz von Fernverkehrsstrassen bereinigt worden. Diese verbinden, dank ihrer Anschlüsse im Auslande, wichtige fremde Zentren, wie Frankfurt, Stuttgart, München, Mailand, Turin, Lyon, untereinander. Das Schema sieht drei Transversalen Nord-Süd für den Verkehr Deutschland-Italien, drei Transversalen West-Ost für den Verkehr zwischen Frankreich und Oesterreich, sechs Diagonalen Nord-West für die Verbindung Deutschland-Frankreich, sechs Diagonalen West-Süd für den Verkehr Frankreich-Italien, zwei Diagonalen Süd- Ost für die Verbindung Italien-Oesterreich und zwei Diagonalen Ost-Nord für den Verkehr zwischen Oesterreich und Deutschland vor. Als wichtigste Einfalltore in der Schweiz figurieren Basel, Genf und Chiasso und als : qualifizierte Verkehrsknotenpunkte sind Lausanne, Bern und Zürich ausersehen, wo je ein gutes Dutzend wichtige Ueberlandstrassen sich vereinigen. Die gewaltigen Fortschritte des Autotourismus lassen es als notwendig erscheinen, dass man sich auch mit den vom Tourismus gewählten Heeresstrassen näher befasst. Mussolini hat, wie in der «A.-R.» gemeldet wurde, ein besonderes staatliches Untersekretariat für Tourismus geschaffen, das dem Regierungschef direkt unterstellt ist und sich bestimmt in weitgehendem Masse mit den Autostraden befassen wird. Diejenige von Mailand nach den italienischen Seen, welche eine Länge von 84 km aufweist, hat rund eine Million Lire pro Kilometer gekostet und über 4000 Arbeitern während eines Jahres Verdienst geboten. 800 bis 1000 Motorfahrzeuge benützen nunmehr täglich diese Strasse und entrichten eine Gebühr zwischen 10 und 75 Lire. Von Mailand aus führt eine 49 km lange Abzweigung nach Bergamo als erstes Teilstück der durchgehenden Linie Mailand-Venedig. Die ersten Kilometer der Strada Mailand-Turin sind letztes Jahr in Angriff genommen worden. Auch im Zentrum und im Süden der Halbinsel hat die Autostrasse sich Heimatrechte erworben. Seit Ende 1928 verbindet eine 22 km lange Autostrasse Rom mit seinem Seebad Ostia, eine weitere gleichartige Route verbindet Neapel mit Pompeji, welche von dort nach Salerno weitergeführt werden soll. In der Toscana ist eine: Autostrada im Bau von Florenz aus nach Viareggio, die im Verlauf ihrer 90 km Länge verschiedene hochinteressante Kunstbauten aufweisen wird. So wird sie z. B. unter dem hochgelegenen Serravalle in einem 300 Meter langen Tunnel durchgeführt. Der Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes wird der europäischen Union, welche dieser Tage in Genf getagt hat, einen Bericht unterbreiten, in welchem Vorschläge zur Milderung der internationalen Arbeitslosigkeit gemacht werden. Einer der Vorschläge befasst sich mit der Schaffung eines grossen interstaatlichen Strassennetzes. Darüber lesen wir in diesem Bericht folgendes: «Es wäre wohl zweifellos verfrüht und anmassend, heute schon für Europa ein festes Programm für internationale Bauarbeiten aufzustellen. Immerhin haben gewisse Projekte bereits genauere Formen angenommen, welche als Beispiele in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollen. Eine der Ideen ist die Schaffung eines grossen internationalen Strassennetzes. Gewiss hat Europa zahlreiche und gut ausgebaute Strassen. Einzelne der europäischen Strassennetze dürfen zu den vorbildlichsten der Welt gezählt werden. Dürfte man es aber angesichts des heutigen Automobilverkehrs und seiner weiteren Entwicklungsmöglichkeiten wagen zu behaupten, dass ein einziges dieser Strassennetze jetzt und für längere Zeit lich, dass sogar der Hund ängstlich wurde. in das Unwetter hinausgestürzt, um in sei- tollen Wut das erstbeste Lebewesen zu Schwarz geworden, das sie völlig umhüllte, war der milchigweisse Nebel zu tiefem Sein empfindliches Ohr schmerzte ihn beiner dem unaufhörlichen Krachen und schutzsuchend barg er seinen Kopf im Schoss des Das Mädchen gewann die Beherrschung Fuss weit zu sehen. töten, das ihm in den Weg trat. so dass sie ausserstande war, auch nur zwei Mädchens. Ihre eigene Angst wuchs bei diesem Benehmen des Hundes. hatte die nervöse Spannung der letzten Tage graute bei dem Gedanken, dass sie noch eine wieder und fühlte sich wohler; das Weinen Mühsam tastete sie sich vorwärts; ihr Das Gewitter an sich schreckte sie nicht gelöst und Blitz' Stimmung'änderte sich zugleich mit der ihrigen. Auch er war sobreit des Weges schienen Gefahren zu lau- gute Meile zu gehen hätte. Auf jedem Fuss- so sehr, aber sie hatte die Herrschaft über ihre überreizten Nerven verloren. Sie vergrub ihr Gesicht in des Hundes Fell und be- Allmählich legte sich das Unwetter, aus Schreckensnacht, die sie allein hatte vergleich besser gelaunt. ern; nicht besser war ihr zumute als in jener gann heftig zu schluchzen. dem Wolkenbruch wurde ein feiner Sprühregen, schwere, graue Wolken zogen über gesandter in der zweiten Nacht zu ihr gebringen müssen, ehe Blitz wie ein Gott- Blitz wurde von ihrem Weinen sonderbar ergriffen. Seine empfängliche und bildsame den Himmel und umhüllten Berge und Täler. kommen war. Aber damals hatte sie doch Natur, die allen Eindrücken der Aussenwelt Rasch hatte sich ein dichter Nebel gebildet, wenigstens ein Feuer gehabt. unterworfen war, antwortete sofort auf ihre einer jener milchweissen Gebirgsnebel, in den Sie hatte den Wind im, Rücken und erst ausserordentliche Gemütserregung und sein sich auch die wetterfestesten Leute nicht als sie in die Schlucht kamen, witterte Blitz ganzes Wesen war von Schmerz aufgewühlt. hinauswagen, wenn sie ihres Weges nicht plötzlich Gefahr. Sein Haar sträubte sich, Eine Zeitlang wimmerte er voll Mitgefühl, ganz sicher sind. er wollte nicht vorwärts. Doch das Mädchen doch diese Stimmung wurde bald von dem Als das Mädchen den Heimweg antrat, sah war nun des Weges sicher und eilte weiter. lebhaften Wunsche verdrängt, seine Herrin sie die Baumstämme schon auf wenige Fuss Blitz lief vor ihren Füssen hin und her, stiess zu trösten. Er wich einen Schritt zurück, nur in verschwommenen Umrissen vor sich. sie an und wollte sie von ihrer Richtung abdrängen. Erst als er knurrte, begriff sie, dass betrachtete sie angstvoll, dann hob er eine Es hatte den Anschein, als sei man in einem Pfote und berührte vorsichtig ihre Hände, Wald von Baumstümpfen, da die Stämme Gefahr drohte. die sie vors Gesicht geschlagen hatte. Zum schon in einer Höhe von zwanzig Fuss unsichtbar wurden. Blitz lief als Führer voran, Auch Stimmen hörte er. Einen Er witterte den Geruch von Menschen. erstenmal sah er ein Weib in Tränen, und Augenblick wie die meisten Männer stand auch er dieser Situation völlig hilflos gegenüber. Er hatte den Wunsch, ihr zu helfen — für sie zu kämpfen. Doch diesem unsichtbaren Feind war mit allem Knurren und bösem Schnappen nicht beizukommen. Hätte das Mädchen sich nicht bald beruhigt, er wäre Autostrassen In der Schweiz? unbeirrbar der Hütte zustrebend, und daskam ihr der Gedanke, Blitz habe die Nähe" Mädchen folgte unbewusst seiner Führung, des Raubtieres gewittert, dessen Schrei sie während sie selbst zu führen glaubte. Der in den letzten Nächten so oft gehört hatte. Nebel verdichtete sich; sein Weiss ging in Trotzdem eilte sie weiter. Ihr einziges Streben war, um jeden Preis die schützende Purpurrot über. Mit Schrecken bemerkte sie, dass die Nacht schon hereinbrach. Ehe sie Hütte zu erreichen. noch den Fuss des Steilhanges erreicht hatte, (Fortsetzung Im cAutler-Feierabend».)