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E_1931_Zeitung_Nr.051

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 19. Juni 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 51 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freit« Monatlich „G»lh« Uste" Halbjihrflcn Fr. &.-, Jährlich Fr. 10.—. 10.-. Im Ausland unter Portojrnschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern ufern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.34 Telegramm-Adresse» Autorevue, Bern Das Verkehrsgesetz vor dem Nationalrat Nochmals lebhafte Debatten um den Arbelts- und Ruhezeitartikel, die Höchstgeschwindigkeit und den Fussgängerartikel. — Ein «Königswort» des Parlaments wird eingelöst. — Gesamtabstimmung ergibt 125 annehmende und 6 verwerfende Stimmen. . Am Dienstag der dritten Sessionswoche nahm der Nationalrat die Beratung der zurückgelegten Artikel wieder auf, womit die Schlussetappe der Lesung eingeleitet wurde. Die Arbelts- und Ruhezeitbestimmungen, worüber die Konrmissionsreferenten schon zu Beginn deT Session Bericht erstattet hatten, gehören zum Art. 17 über die Betriebssicherheit. Sie bilden dessen neuen Absatz 3 und haben nach dem von der Kommissionsmehrheit vorgelegten Entwurf folgenden Wortlaut: «Bis zum Erlass eines einschlägigen Bundesfesetzes sichert der Bundesrat durch Bundesratsbeschluss allen berufsmässigen Motorfahrzeugführern eine angemessene Ruhezeit und stellt für die Motorfahrzeugführer der gewerbsmässigen Personentransportunternehmungen sowie für die Motorfahrzeugführer, die dauernd oder vorwiegend mit dem - Gütertransport beschäftigt sind, den Betriebsverhältnissen angepasste Bestimmungen über Arbeits- und Präsenzzeit auf. Der Bundesratsbeschluss unterliegt der Genehmigung der Bundesversammlung. > Materiell entspricht dieser Text dem alten, tn der Frühjahrssession behandelten, der damals der Abstimmungstaktik der Sozialdemokraten zum Opfer fiel. Ganz neu ist dagegen folgender Absatz 4 : « Zum Zwecke der Durchführung der Kontrolle über die Handhabung der Vorschriften des Absatzes 3 und der Wahrung der Nachtruhe kann der Bundesrat auf dem Verordnungswege für schwere Motorlastwagen des Gütertransportes ein Nachtfahrverbot einführen. » Im Namen einer aus fünf Mitgliedern besiehenden Kommissionsminderheit beantragte Dr. Gafner (Bern) eine abweichende Fassung des 3. Absatzes. Die Aenderung lag in der Ersetzung der Worte «den Betriebsverhältnissen angepasste Bestimmungen über Arbeits- und Präsenzzeit» durch die Worte « (regelt) die zulässige Dienstzeit am Lenkrade*. Ferner beantragte er namens einer aus acht Kommissionsmitgliedern bestehenden Minderheit die Streichung von Absatz 4. In der Begründung verwies der Sprecher darauf, dass der neue Text der Minderheit mehr bringt als der alte : nämlich neben der Sicherung der Ruhezeit noch die Regelung der Dienstzeit am Lenkrade, womit alles berücksichtigt sei, was zum Schütze des Strassenverkehrs und der FussgängeT zur Verhütung von Unfällen — entstanden durch jj_i_i Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. 6. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (18. Fortsetzung) Er riss sie an sich und küsste sie, dass ihr die Sinne schwanden vor süssem Weh. Und rollend erhob sich eben der Loboruf aus der Tiefe des Tales, brauste über sie hinweg und brach sich an den Felsenwänden, wild, machtvoll, triumphierend! Moran Hess Betty frei und trat einen Schritt zurück. «Ich will's nicht wieder tun, doch nun V weisst du, dass du mein bist. Hörst du den Ruf? Nie noch habe ich eine Gefährtin gehabt, ich habe lange Jahre gewartet, bis die Rechte kam. Du hast mir deine Liebe geschenkt, mehr braucht es nicht. Zu lange habe ich einsam in der Wildnis gelebt und vielleicht habe ich etwas von ihrer Lebensphilosophie angenommen. Ich will diese Liebe festhalten, die du mir geschenkt hast, und gibt es kein anderes Mittel, dich festzuhalten, so werde ich dich verteidigen, wie es Blitz täte, der eben gerufen hat. Gegen alle Welt will ich um dich kämpfen, ebenso entschlossen wie ein Raubtier um sein Weibchen.» Uebermüdung der Motorfahrzeugführer — getan werden müsse. Der Mehrheitstext gehe zu weit und trage Elemente ins Gesetz hinein, die als Fremdkörper nicht hineingehören. In der Praxis sei die Ruhezeitfrage schon geregelt. Zum Beweise dessen wies der Redner auf das Ruhezeitabkommen zwischen dem Verband Schweiz. Motorwagenbesitzer und der Schweiz. Berufschauffeure- Vereinigung (1927) hin, das eine tägliche, zusammenhängende Ruhezeit von zehn Stunden vorsieht, sowie auf den Gesamtarbeitsvertrag zwischen dem Verbände Schweiz. Brauereien und dem Verbände der Handels-, Transport- und Lebensmittelarbeiter, der eine elfstündige Nachtruhe gewährleistet. Es sei nicht einzusehen, warum der Gesetzgeber über diese Verständigung hinausgehen solle. Der Text der Mehrheit gehe über den eigentlichen Gesetzeszweck hinaus und sei darum abzulehnen. Das Nachtfahrverbot. Gegen diese neue Bestimmung machte der Minderheitsvertreter in erster Linie geltend, dass dadurch die Unfallsgefahr auf der Strasse wesentlich erhöht werde, weil die Verkehrssicherheit gerade eine Verkehrsteilung bedinge, nicht aber eine Verkehrskonzentration auf die Tagesstunden. Auch verleite der Ausfall von einem Drittel der vierundzwanzigstündigen Fahrzeit naturgemäss zu raschem Fahren, um gewisse Transporte in 16 Stunden bewältigen zu können. Würde das Nachtfahrverbot nur zu Kontrollzwecken in bezug auf die Durchführung der Ruhezeitbestimmungen dienen, so hätte die Mehrheit konsequenterweise auch die Personentransporte einem solchen Verbot unterstellen müssen. Offenbar wollte man aber nicht mit den Fahrten der Postautos und der konzessionierten Autogesellschaften in Differenzen geraten. Ist aber die Nachtruhe deT Strassenanwohner der wahre Grund, dann sollte konsequenterweise im Interesse der Nachtruhe der Bahnanwohner auch der Eisenbahnverkehr in der Nacht untersagt werden. In der Debatte über diese beiden Bestimmungen erklärte Grimm namens der sozialdemokratischen Fraktion sofort das Desinteressement seiner Partei am Gesetz, falls der Minderheitsantrag angenommen werde, während Bratschi den Ausführungen des Vierzehntes Kapitel. Es gibt kaum ein Tier, das von der Natur nicht mit ganz besonderen Eigenschaften oder Fähigkeiten ausgestattet wäre, durch die es sich für den Kenner scharf von jedem anderen unterscheidet. Besonders kennzeichnend ist da die oft recht eigentümliche Art, in der das Tier sich und seine Jungen vor jeglicher Gefahr zu schützen weiss. Moran und nicht minder Blitz hatten in dieser Richtung mancherlei gelernt und gerne plauderte Moran mit Betty über die wunderlichen Rätsel, die die Natur dem ernsten Forscher zu lösen gibt. Das Mädchen sass auf seinem Lieblingsplatz, dem Felsenvorsprung über der Schlucht, und sann über die Ereignisse der vergangenen Nacht. Von Zeit zu Zeit nahm sie Morans Glas und suchte die Gegend nach Wild ab. Durch all die merkwürdigen Dinge, die sie aus Morans Munde gehört hatte, war ihr Interesse an der Tierwelt lebhafter geworden. Sie war eine gelehrige Schülerin, und viele Kleinigkeiten, vorher bedeutungslos für sie, sah sie nun in neuem interessanten Lichte. Ein Rudel Elchkühe graste friedlich in einer Waldlichtung. Betty wunderte sich nicht, dass bei den zahlreichen Kühen kein einziges Kalb zu sehen war. Wusste sie doch, dass die Kälber stets ruhig hinten im schützenden Minderheitsreferenten zum Nachtfahrverbot entgegentrat. Er verwies auf den fakultativen Charakter der Bestimmung. Wenn die Arbeitgeber die Arbeitszeitbestimmungen erfüllen, werde der Erlass des Verbotes gar nicht nötig sein. Von besonderer Bedeutung sei das soziale Moment: den Chauffeuren eine wirkliche Nachtruhe zu ermöglichen. Man müsse auch den im Akkord fahrenden Chauffeuren, die möglichst viel verdienen wollen, die eigene Ueberanstrengung verunmöglichen im Interesse der allgemeinen Verkehrssicherheit. Mit der Zeit von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr abends sei der Güterverkehr — wie bei der Bahn — auch auf der Strasse gut zu bewältigen. Einen so massierten Tagesverkehr haben wir nicht in der .Schweiz, als dass deT Ausfall des Nachtverkehrs eine gefährliche Uebersteigerung des ersteren mit sich bringen könne. Die Haltung des Bundesrates. Bundespräsident Häberlin empfahl zu Absatz 3 Annahme des Mehrheits-, zu Absatz 4 aber Annahme des Minderheitsantrages. Er setzte zunächst auseinander, weshalb der Bundesrat seine frühere, vermittelnde Lösung aufgegeben habe: weil eine wesentliche Voraussetzung dahingefallen sei (die kommende Gewerbegesetzgebung wird keine Regelung der Arbeitszeit der Chauffeure bringen) und es sich herausgestellt habe, dass auch in der Privatindustrie mit blossen Ruhezeitbestimmungen nicht auszukommen sei. Der Vorzug der von der Mehrheit vorgeschlagenen Regelung bestehe in ihrer Anpassungsfähigkeit an die Betriebsverhältnisse, die ausdrücklich vorgesehen wird, womit sich auch die Minderheit befreunden sollte. Das Nachtfahrverbot habe — weil nur fakultativ gefasst — keine grosse Bedeutung. Auch wenn es abgelehnt werde, behalte der Bundesrat die Kompetenz, auf Durchgangsstrassen die erforderliche Verkehrsregelung zu treffen. Er werde aber kaum zu einem Verbot des Nachtverkehrs greifen, weil er mit der Minderheit eine Entlastung des Tagesverkehrs für wünschbar erachte. Auch referendumspolitische Rücksichten geböten die Streichung des Nachtfahrverbotes. — Der Bauernvertreter Reichling (Zürich) lehnte das NachtfahTverbot als «Druck- und Drohmittel > gegenüber den Arbeitgebern ab und empfahl auf der ganzen Linie die Minderheitsanträge. Nachdem noch die Referenten der Mehrheit zugunsten ihres Textes gesprochen hatten, wurde Absatz 3 mit grossem Mehr nach Vorlage der Mehrheit angenommen und Absatz 4 mit 90 :50 Stimmen gutgeheissen. Dickicht lagen. Es war das auch eine der merkwürdigen Geschichten, die sie von Moran erfahren hatte. Ein Elchkalb gibt nämlich keine Witterung von sich, und der Coyote, der unter allen Tieren der Wildnis den schärfsten Geruchsinn hat, wird in einer Entfernung von wenigen Fuss an einem neugeborenen Kalb vorbeilaufen, ohne etwas zu merken. Dabei muss man wissen, dass der Coyote eine Maus auf hundert Yard zu wittern vermag. Wenn das Bergschaf über die Almen oberhalb der Baumgrenze wandert, so hebt sich das blendend weisse Vlies der Lämmer scharf von dem satten Grün ihrer Weideplätze ab. Ueberlässt das Mutterschaf die Jungen sich selbst, so haben sie es bereits gelernt, sich dem Terrain anzupassen und sich nur in dem weissen Felsengeröll zur Ruhe niederzulassen, wo nicht einmal das durchbohrende Auge des Adlers sie zu erspähen vermag. In ähnlicher Weise schützt sich das Kalb des Schwarzschwanzbockes durch seinen gefleckten Rock, der im Sonnengesprenkel unter dem Blättergewirr des Waldes fast verschwindet. Die Böcke wandern hauptsächlich während der Jahreszeit, die bei den Weissen «Indianischer Sommer» heisst und von den Indianern selbst treffend als die Zeit des «kurzen blauen Mondes» bezeichnet wird. Ein bläulicher Dunst liegt in diesen Tagen INSEIVnOMS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odet deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 00 Ctfc GrOssere Inserate nach Seltentarif. Inseratenschlus* 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Die Höchstgeschwindigkeit Ganz unnötigerweise beschloss der Rat hierauf, auch noch auf Art. 26 (Höchstgeschwindigkeit) zurückzukommen, wozn der Bündner Bossi einen neuen Antrag zu begründen wünschte. Die Folge war eine vollständige Wiederholung der früheren Debatte zur längst entschiedenen Frage, ob Höchstgeschwindigkeiten vorgesehen werden sollen oder nicht. Der Entwurf verpflichtet den Bundesrat bekanntlich nur, für schwere Lastwagen solche Begrenzungen festzusetzen. Für die andern Motorfahrzeuge tonn er es tun. Der Antrag Bossi ging nun dahin, für das Durchfahren von Ortschaften ein Maximaltempo von 35 Stundenkilometern vorzuschreiben. (Es war das bereits die vierte Antragsversion, die der Bündner Konservativ« im Laufe der gesamten Gesetzlesung zu diesem Artikel vorgelegt hatte!) Fünf Redner unterstützten den Antrag mit den hinlänglich bekannten Ausführungen über den Zusammenhang von Fahrgeschwindigkeit und Unfällen, über «Autoraserei > und die Notwendigkeit des Fussgängerschutzes. Deutlich war aus diesen Voten die Tendenz ersichtlich, dass überhaupt eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung für die verschiedenen Fahrzeugkategorien das Beste wäre. Dieser Auffassung traten Walther (Luzern), Bratschi (Bern) und Bundespräsident Häberlin nachdrücklich entgegen. Die* Verkehrssicherheit hänge mit der Fahrgeschwindigkeit weniger zusammen als gemeinhin angenommen werde. Worauf es ankomme, sei, die Geschwindigkeit jeweils den gegebenen Verkehrsverhältnissen anzupassen. Das werde durch Art. 25 in ausreichender Weise vorgeschrieben, der alle Garantien biete. Der Antrag Bossi sei schon deshalb unannehmbar, weil in grösseren Ortschaften stellenweise gerade im Interesse der Verkehrssicherheit viel schneller gefahren werden müsse. Eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung sei in den Verkehrszentren gar nicht durchführbar. Ueberhaupt solle man beim früher gefassten Beschlüsse bleiben und mit den Automobilisten den Versuch wagen, auf die Höchstgeschwindigkeiten zu verzichten. Gehe es nicht, dann habe der Bundesrat ja noch immer die Möglichkeit deT Regelung in der Hand. Bundespräsident Häberlin gab aber seiner bestimmten Ueberzeugung Ausdruck, dass es gehen werde ! Darauf beschloss der Rat mit 75 :37 Stimmen, unter Ablehnung des Antrages Bossit am Entwurf festzuhalten. Es bleibt also beim Verzicht auf die Höchstgeschwindigkeit. Im über allen Hügeln, der Salbei auf den offenen Hängen färbt sich blaugrau und passend fügt sich das blauschimmernde Herbstkleid des Bockes in diese Farbentöne. Bei jedem Tier hat irgendein Sinn die Oberhand und auf diesen einen «Uebersinn» verlässt es sich in erster Linie. Die Antilope der weiten offenen Ebene hat Geruch und Gehör, die nicht über das normale Mass hinaus entwickelt sind, dafür aber wunderbare, allsehende Augen. Ihr Rücken trägt weisse, borstige Haare, die sich sofort aufrichten, wenn sie Gefahr wittert. Auf diesen weissen Flecken funkelt die Sonne und in wenigen Augenblicken wird durch das ungewöhnliche Signal, das von Rudel zu Rudel blitzt, auf Dutzende Meilen in der Runde jede Antilope gewarnt. Der Bär lebt meist in dem niederen Gehölz düsterer Bergschluchten und ist so kurzsichtig, dass er einen Menschen, der ruhig dasteht, schwerlich von einem Baumstumpf unterscheiden könnte. Auch das Gehör kann ihn im Stiche lassen, aber auf seinen Geruchsinn kann er sich ruhig verlassen, der sofort auf jede noch so schwache Reizung antwortet. Droben, oberhalb der Baumgrenze, auf den schwindelnd hohen Gipfeln lagert das Bergschaf, überschaut die Gegend mit seinen weitblickenden Augen und spottet aller Versuche