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E_1931_Zeitung_Nr.054

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 30. Juni 1931 Geifoe Liste Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint laden Dienstag und Freite« Monatlich „G«n>» IJrte" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonttchlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION! Breltenratnstr. 97, Bern totern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllche Einteilung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Ttttframm-Adressei Autorevu«, Bern Die automobilistische liefert noch keinen Ausweis, der uns die sichere Verteilung von «Dividenden » oder; weniger buchhaltungsmässig ausgedrückt, die baldige Erfüllung wichtiger automobiüstischer Forderungen auf Ende des Jahres erwarten lässt. Es wurden zwar einige Aktiven eingebracht, die uns redlich freuen können. Zu diesen zählt vor allem die abgeschlossene Genfer Konvention über die internationale Vereinheitlichung der Verkehrssignale, an deren Zustandekommen den schweizerischen Delegierten kein geringes Verdienst zukommt. Dann haben einzelne Kantone zur Milderung der Arbeitslosigkeit und zur rascheren Modernisierung ihres Stnssennetzes ausserordentliche Kredüe genehmigt, welche nicht verfehlen werden, das Wirtschaftsleben auf ihre Weise zu frukti- Hzieren. Die Strassenfachmänner haben sichjüngst über die Erfahrungen der Schneeräumungsarbeiten im vergangenen Winter, für welche nur wenige Kantone rechtzeitig und in genügendem Masse sorgten, ausgesp ochen. Es ist zu erwarten, dass kommende Winter die kantonalen und städtischen Stras enbehörden besser gerüstet finden. Für die frühzeitige Oeffnung der Alpenpässe haben sich mehrere Kantone und weitere Verkehrsinteressenten mit anerkennenswerter Energie eingesetzt und hier dürfte eine bessere und rechtzeitige interkantonale Verständigung dem Strassenverkehr erhöhte Dienste leisten. Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (19. Fortsetzung) Sechzehntes Kapitel. Behutsam war der Fremde an die Hütte herangeschlichen. Der von Fichtennadeln und verwestem Laub bedeckte Boden machte seine Schritte unhörbar. Die Tür stand offen und er lugte hinein. Das letzte Flackern des verlöschenden Feuers beleuchtete die Bank, auf der das Mädchen in seine Decken gewickelt schlief. Sie war allein; er trat ein. Beim ersten Schritt, den er machte, öffnete sie die Augen. Sie glaubte, Moran sei aus irgend einem Grunde gekommen, sie zu wecken. Vielleicht war Vater Kinney endlich eingetroffen. Da sah sie, dass es ein Fremder war. Der Mann trug die Kleidung eines Westlers, die aber geradezu auffallend neu war. Seinem breitrandigen Hut sah man es an, dass er erst wenige Tage getragen worden war. Sogar des Mädchens ungeübter Blick erkannte sofort den Oestler, der sich für einen Ausflug ins Gebirge lächerlich vornehm ausgestattet hatte. Der Hut beschattete sein Gesicht, aber seine blosse Anwesenheit in der Hütte machte sich fühlbar wie die Berührung des Bösen. Jetzt erkannte sie ihn — und gellend schrie sie auf. «Clark! Clark Moran! Blitz! Blitz!» Doch schon war* er neben ihr, setzte sich auf die Bank und streckte die Arme aus, um sie an sich zu ziehen. Semesterbilanz «Keine Aufregung, mein Schatz!» sagte er. «Niemand kann dich hören. Die lange Jagd hat ein Ende und nun beginnen unsere Flitterwochen. Etwas spät zwar, aber dafür sollen sie um so süsser sein!» Sie sah, dass er bewaffnet war und fürchtete für Morans Leben, wenn sie nochmals riefe. Sie stiess ihre Fäuste gegen seine Brust, die Decke fiel zu Boden und mit rohem Griff riss der Mann Betty an sich. Plötzlich sprang er auf, sein Gesicht wurde, totenbleich. Ein grauenerregendes Geheul erscholl aus der Tiefe der Schlucht. Beim ersten Schrei des Mädchens war Moran in die Höhe geschnellt, hatte die Decken beiseite geschleudert und hastig nach seinem Gürtel gegriffen, der ihm als Kopfkissen diente. Während er zur Hütte stürzte, riss er die schwere Pistole aus dem Halfter und liess den Gürtel fallen. Der Mann in der Hütte hatte sich noch nicht von seinem ersten Schreck über das Lobogeheul erholt, als bereits Moran hinter ihm stand. Trotz der düsteren Beleuchtung erkannte er sofort dieses hübsche, von Lastern entstellte Gesicht — es war Luther Nash. Eine kalte Angst würgte seine Kehle bei dem plötzlichen Gedanken, Nash müsse die Ursache sein, weshalb Betty sich ihm nicht geben wollte. Dass sie unter seinen Einfluss geraten war, wie so viele andere vor ihr! Und doch zitterte kein Ton der Erregung in seiner Stimme, als er zu sprechen begann: «Hallo! Herr Nash! Was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches? Erzählen Sie!» Seine Worte klangen ruhig und gemessen. Und gerade diese unheimliche Beherrschung liess das Mädchen jetzt auf einmal die ganze 'Wahrhaftigkeit seiner Beteuerung erkennen, INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm höh« Grundieile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Imerat(Mischlus9 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Daneben aber finden wir im Halbjahreiausweis Posten, die der grössten Aufmerksamkeit und Beachtung durch alle Automoblisten bedürfen. Im Vordergrund steht der Entwurf zum eidg. Verkehrsgesetz, den der Nationalrat kürzlich verabschiedet hat. Trotz den heroischen Bemühungen des Bundespräsidenten und Vaters des Gesetzes und der energischen Vertretung unserer Interes en durch eine leider noch viel zu kleine Gruppe von Automobilisten im Rate, hat der Entwurf viel von seinem ursprünglichen Kleid eingebüsst und es hätte wenig gefehlt, so wäre das Gesetz schon heute für uns referendumsreif geworden. Wohin eigensinnige Kantonsbrötelei und Mangel an weitsichtiger Verkehrspolitik führen, haben uns noch vor Torschluss die Kantone Uri mit seinem Austritt aus dem Konkordat und Schwyz mit seinem unverständlichen Nachtfahrverbot eindringlich gezeigt. Die Einführung von zwei internationalen Ausweisen an Stelle des bisherigen einzigen Dokumentes beleuchtet in grellsten Farben die dringende Notwendigkeit nach besserer internationaler Zusammenarbeit im Sinne einer Vereinfachung der Reisevorschriften und- Ausweispapiere. . ~ " So kann uns das Ergebnis des ersten Semesters keinesfalls restlos erfreuen oder befriedigen. Dass das zweite Halbjahr den Aktivsaldo etwas verbessere, ist unsere Erwartung und unser Wunsch. Dessen Erfüllung hängt in beträchtlichem Masse von der Haltung der Automobilisten selbst ab. Sie erreichen ihr Ziel nur als geschlossene Phalanx und mit der Unterstützung einer eigenen, einflussreichen Presse. Es geht nicht an, die eigene Sache durch Lauheit zu gefährden oder nur den Nutzen aus den erfolgreichen Bemühungen anderer zu ziehen. Seit 26 Jahren steht die «Automobil-Revue neben den Verbänden im Dienste der automobilistischen Sache, welche sie als einziges unabhängiges Organ von einer neutralen Warte aus mit am besten wahren kann. Zu den ersten treuen Anhängern unseres Blattes, die als Pioniere der Verkehrsinteressen heute noch zu unseren besten Freunden zählen, ha ben sich Tausende von neuen Abonnenten gesellt, welche uns den Ausbau des Blattes er möglichen und uns eine stets erweiterte Interessensphäre geöffnet haben. Aber es stehen noch viele abseits, die glauben, ihre Verpflichtungen der AutomobÜgemeinde gegenüber seien mit der Bezahlung der Verkehrssteuern erfüllt. Sie alle konnten sicher nicht blind und achtlos an all den Anstrengungen vorübergehen, welche die Verbände und die Fachpresse jahraus, jahrein machen müssen. Wir rechnen bestimmt mit neuem Zuzug aus diesem Lager. Die «Automobil-Revue* bearbeitet jedes Gebiet des • Automobilwesens, steht mit ihrem «A.-R.-Service» den Lesern in allen automobilistischen Fragen ostenlos zur Verfügung und hat ihre Spalten immer für die wertvolle Mitarbeit der Leser offen. Technik, Wirtschaft, Sport, Touristik und Unterhaltung werden mit gleicher Sorgfalt berücksichtigt, weshalb das Blatt nicht nur als Fachorgan gilt, sondern auch Familienzeitung geworden ist. Je grösser unsere Leserschaft im kommenden halben Jahre, m so besser die Aussichten, auch von unserer Stelle aus an der Verbesserung der automobilistischen Jahresbilanz mitwirken zu können. Redaktion und Verlag der « AütomobU-Revue ». Es gibt immer Leute, die die Wahrheit gerne auf den Kopf stellen, speziell auf dem Gebiete des Verkehrswesens. Erst kürzlich wurde in der Tagespresse wiederum eine Notiz verbreitet, die auf die steigende Einfuhr von Benzin und Benzol in die Schweiz hinwies und dabei den an das Ausland entrichteten Betrag als «Tribut» bezeichnete. Nun ist es ja wahr, dass sich die Einfuhr von Benzin und Benzol von 1926 bis 1930 mehr als verdoppelte. Währenddem die Einfuhrquote im Jahre 1926 noch 26000 Tonnen betrug, ist sie im Jahre 1930 auf fast 160 000 Tonnen gestiegen. Sollen wir deswegen jammern und verärgert oder neidisch" von einem an das Ausland entrichteten Tribut schwatzen? Wir glauben kaum. Die zap?hmende Einfuhr kann jeden vernünftig Denkenden höchstens erfreuen, werden doch Benzin und Benzol jedenfalls zum geringsten Teil für Vergnügungsfahrten eingeführt, sondern dienen in erster Linie unserer einheimischen Arbeit und unserer einheimischen Produktion. Dabei hat die vermehrte Einfuhr von Benzin und Benzol jedenfalls auch noch eine andere erfreuliche Ursache. Sie ist unbedingt auch dadurch begründet, dass eine immer grössere Zahl von ausländischen Automobilen in die Schweiz einfährt oder sie durchquerten, ein Beweis dafür, wie gerade das Automobil zur erhöhten Fremdenfrequenz beigetragen hat. Die 40 Mill. Fr., die hierfür ins Ausland abwandern, werden jedenfalls durch den zunehmenden Fremdenstrom reichlich eingedeckt. Wir haben aber nicht nur 40 Mill. Franken an Benzin und Benzol ausgegeben, als er geschworen hatte, sie nötigenfalls zu verteidigen wie ein Raubtier sein Weibchen. Bevor Nash noch antworten konnte, war eine graue Gestalt auf der Schwelle erschienen und sprang zwölf Fuss weit geradewegs nach seiner Kehle. Der Mann fuhr zurück und warf beide Arme hoch, um sein Gesicht zu schützen. Dieser Schritt rückwärts und die Weite des Sprunges hatten zur Folge, dass Blitz sein Ziel verfehlte und seine Zähne bloss einen Aermel der Lederjoppe zerfetzten. Ehe er zu einem zweiten Sprunge ansetzen konnte, ja bevor noch seine Füsse den Boden wieder berührten, donnerte Morans warnender Befehl in seine Ohren. Die Ernsthaftigkeit des Tones schloss jede Täuschung aus. «Blitz! Leg' dich, Blitz!» brüllte er. Mit gesträubtem Haar stand Blitz vor Nash und nur Zoll für Zoll wich er widerwillig zurück, gebändigt durch die strenge Eindringlichkeit in seines Herrn Stimme. Er sah, dass Betty unverletzt war, und verstand, dass Moran ihm verbot, diesen Mann zu töten. Aber er wusste auch, dass der Fremde ihrer aller Feind war. Dann sah er, dass Morans Waffe Nash bedrohte. Sein Herr musste die Absicht haben, den Mann selbst zu töten. Blitz wich bis zu dem Mädchen zurück, das aufrecht auf der Bank sass und die Decke übergeworfen hatte. Dort stand er Wache. Sein gesträubtes Haar, die gefletschten Zähne und der geifernde Rachen Hessen das Mädchen zum erstenmal Blitz in seiner ganzen Wildheit kennenlernen. Moran nahm sein Gespräch mit Nash wieder auf und seine Stimme klang ebenso kaltblütig wie vorher. «Nun, Herr Nash, jetzt können Sie erzählen! Was führt Sie hierher?», Ein Tribut? sondern wir haben auch noch einen Benzinzoll, der für unsere Eidgenossenschaft ein hochwillkommenes Goldbrünnlein darstellt. Von den im Jahre 1930 eingenommenen 36,5 Mill. Fr. Benzinzoll sind immerhin 9 Mill. Fr. den Kantonen zugeflossen, unserer Ansicht nach, wie wir dies schon des öftern betonten, ein zu kleiner Betrag. Die Zeit wird auch da unseren Wunsch nach besserer Unterstützung der Kantone zur Tatsache werden lassen. Vielleicht ist der Augenblick nicht mehr so fern, da sich unsere oberste Landesbehörde dazu wird entschliessen müssen, ihnen nicht nur einen Viertel, sondern die Hälfte des Benzinzolls zufliessen zu lassen. Sei dem übrigens, wie ihm wolle, die 36,5 Mill. Fr., die der Eidgenossenschaft durch den Benzinzoll zugekommen sind, konnte sie wohl gebrauchen. Sie könnte diese Einnahme überhaupt nicht mehr vermissen. Auch aus diesem Grunde finden wir es lächerlich, einseitig von einem Tribut ans Ausland sprechen zu wollen. Interessant eist es vielleicht auch, in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass im Jahre 1926 die Vereinigten Staaten Amerikas noch 55 Prozent des schweizerischen Benzin- Bedarfs lieferten, während im Jahre 1930 der Anteil auf 30 Prozent zurückgegangen ist. Die Einfuhr aus anderen Lieferantenstaaten ist entsprechend angestiegen und wird unsere Export-Wirtschaft die Handelsbeziehungen zu diesen Ländern erleichtern. Unsere Produktion wird immer auf das Ausland angewiesen sein. Je mehr wir unsere Produkte über die Grenze fördern können, desto besser wird sich unser Volk in seiner Nash bebte am ganzen Körper vor Entsetzen über die Nähe des unheimlichen Tieres, das gewillt schien, ihn abermals anzuspringen. Gleichzeitig fühlte er, dass in Moran ein unerbittlicher Richter vor ihm stand. Mit Mühe gewann er seine Beherrschung wieder. «Halten Sie den Hund!» brachte er mit heiserer Stimme hervor. «Ich will nur mein gutes Recht. Sie ist mein. Ich bin hier, mein Eigentum zu holen.» «Mag sein, dass sie einst die Ihrige gewesen ist. Doch das gehört der Vergangenheit an. Ihr Anspruch ist verwirkt, jetzt ist sie mein.» Das Mädchen hörte in seinen Worten den Beweis dafür, wie ernst es ihm damals gewesen war, als er sie in seine Arme schloss und schwur, sie müsse ihm angehören ohne Rücksicht auf das, was früher einmal geschehen sei. Dieser Augenblick machte jeden Vorbehalt zunichte und jetzt erkannte sie erst, dass ihr Schicksal unzertrennlich mit dem Morans verknüpft war. «Wie kamen Sie auf den Gedanken, sie hier finden zu können?» fragte Moran. «Durch eine Zeitungsnotiz,» antwortete Nash. «Ich las von einem Mädchen, das in einer kleinen Stadt am Fusse des Gebirges aufgetaucht sei, eine Decke, etwas Wäsche und einen Touristenanzug gekauft und dann die Post nach Shoshone genommen habe. Zehn Meilen unterhalb der letzten Forststation habe sie den Wagen verlassen und sei seither verschollen geblieben. Die Zeitungen des Ostens nahmen diese Nachricht auf und sofort erriet ich, dass es sich da um mein reizendes Weib handelte, das mir durchgebrannt war.» Moran drehte sich um und des Mädchens