Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.061

E_1931_Zeitung_Nr.061

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 24. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE ÄUTOMOF IL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Diensten und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« HaTbJthrlleh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoxoschlag, Kjfcrn nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recbnung 111/414. Telephon Bollwerk 89.34 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Strassen und Fremdenverkehr Wir tun uns in der Schweiz viel zugute auf unsere Naturschönheiten, die jahraus, jahrein ein Anziehungspunkt für Tausende von fremden Gästen sind. Wir sind nicht mit Unrecht stolz auf die anerkannte Organisation der Fremdenindustrie, das erstklassige Hotelgewerbe, die moderne Anlage der Kurorte, die wertvolle Arbeit der Verkehrsvereine und Kurdirektionen in propagandistischer Hinsicht. Mit der Umschichtung des Fremdenverkehrs, der, bedingt durch den internationalen Autotourismus immer mehr die Strasse an Stelle der Schiene für seine Reisen beansprucht, dämmert auch vielerseits die Erkenntnis für die Bedeutung dieser Verkehrswege auf. Manche Kantone haben in dieser Beziehung schon Erfreuliches geleistet und weitere sind auf dem besten Wege, Versäumtes nachzuholen. Trotz aller bisherigen Anstrengungen, die wir rückhaltlos anerkennen, ist aber eine Hauptgruppe unserer Strassen, die Alpenrouten, aus mancherlei Gründen im Hintertreffen geblieben. Nicht nur ist im Bau von Alpenstrassen seit Jahren ein völliger Stillstand eingetreten, sondern die von unseren Altvordern mit grossem Weitblick erstellten Strassenzüge über den Alpenwall haben bei weitem nicht in ihrem weiteren Ausbau von den Fortschritten der Strassenbautechnik profitiert, wie dies erfreulicherweise für viele Ueberlandstrassen des Mittellandes schon der Fall ist. Dieser Tatsache können wir uns nicht entziehen und keine Vogel-Strauss-Poütik würde über die Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen. Wer darüber im Zweifel sein sollte, der fühle einmal den Puls der internationalen Meinung und lasse sich durch ausländische Urteile belehren, wenn ihm die nationale Kritik nicht genügen sollte. Gerade das ausländische Urteil ist für den Erfolg der schweizerischen Verkehrswerbungen in anderen Ländern mitbestimmend, denn selbst die gerissenste Propaganda wird lahmgelegt, wenn sich dort abfällige Stimmen äussern und mehren. Erst vor wenigen Tagen erschien im « Daily Telegraph », einer der angesehensten Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (26. Fortsetzung) «Ich sehne mich noch mehr nach dem Mädchen als du, alter Bursche!» sagte Moran zu Blitz. «Geh!» Blitz eilte hinweg, hinein in die wachsende Dunkelheit. Erst als die Nacht sogar die Umrisse des gegenüberliegenden Schluchtrandes verdunkelte, verliessen die beiden Männer ihren Posten. Sie kehrten nicht zu ihren Pferden zurück, sondern machten einen weiten Bogen, der sie in die Nähe der Mündung des Atlanticflusses bringen sollte. Mühsam bahnten sie sich ihren Weg zwischen den zahlreichen Schluchten und zufällig gelangten sie auf einen Pfad, der sie in die gewünschte Richtung führte. Plötzlich blieben beide Männer wie auf Verabredung stehen. Aus dem Dunkel' rief sie eine Stimme an. Moran kannte sie — Nash stand vierzig Fuss vor ihnen! Seine Gestalt hob sich verschwommen und undeutlich vom Rande der Felsen ab, nur die Silhouette des breitkrempigen Hutes zeichnete sich scharf ab. Unwillkürlich krampfte Moran seine Finger um Kinneys Arm. «Nash!» flüsterte er. «Brent! Bist du es, Brent?» rief die heisere Stimme. «Ich wollte dir entgegengehen und verlor den Weg. Die Pferde sind unten im Tal. Ich wollte mich da oben orientieren und Zeitungen Englands mit bestsituiertem Leserkreis, eine Serie von kritischen Betrachtungen eines vielgelesenen Reisekorrespondenten, der sich mit den Reise- und Verkehrsverhältnissen in verschiedenen mitteleuropäischen Staaten befasst. In einem an führender Stelle publizierten Artikel über den Autotourismus in den Alpen, tritt er auch näher auf die schweizerischen Verhältnisse ein. Seine sachlichen Ausführungen beweisen nicht nur eine genaue Kenntnis unserer Alpengebiete, sondern sind auch jeder tendenziösen Polemik fremd, wie man sie gelegentlich in Boulevardblättern finden könnte. So spricht sich der Verfasser sehr anerkennend über unsere Hotels aus, deren Komfort, guter Führung und Sauberkeit er volles Lob zollt. Einzig eine gewisse Eintönigkeit, resp. Gleichartigkeit der Menüs in Hotels verschiedener Gegenden veranlasst ihn zu einer kritischen Bemerkung. Seine Schilderung der Alpenstrassenverhältnisse lassen wir wohl am besten wörtlich folgen. Er äussert sich darin wie folgt : «Die schweizerischen Strassen sind im allgemeinen gut und vorzüglich angelegt. Die höhergelegenen Strassen aber nehmen die Autobereifung stark her, da die wenigsten mit einem künstlichen Belag versehen sind. Das Fahren ist sehr ermüdend wegen der zahlreichen Kurven und besonders zufolge der beträchtlichen Enge der Bergstrassen. Bei der Ausarbeitung eines ReiseproKrammes für die Schweiz soll man sich ja vergegenwärtigen, 1 däss hundert Meilen fast einen Tag beanspruchen und an Aufwand für den Fahrer ebensoviel bedeuten, wie zweihundert Meilen oder mehr bei uns zu Hause. Viele der Alpenrouten sind sehr gewunden und führen oft unmittelbar an steilen Abstürzen vorüber. Eine beruhigende Strassensicherung in Form eines kleinen Mäuerchens oder eines •der Talseite entlang, aus losen Steinen aufgeschichteten Schutzes, fehlt meistens. Es berührt eigenartig, dass die Schweizer, welche doch sonst den Fremden so entgegenkommen und riesige Summen für den Ausbau eines technisch hervorragenden Eisenbahnnetzes ausgaben, so wenig dsfür aufwenden, um ihre Bergstrassen auch den Fremden vertraut zu machen. Der Mangel an Zutrauen aber erweckt Abneigung.» Diese Kritik wird vielleicht mancherorts nur sehr ungern entgegengenommen werden, aber sie enthält doch ein gutes Korn Wahrheit. Das Eisenbahnnetz ist vorzüglich ausgebaut worden, keine Ausgaben wurden ge- dir Lichtsignal geben.» Ein Weilchen war es wieder still. Als die Stimme abermals hörbar wurde, zitterte darin ein Ton von Angst. «Warum antwortest du nicht? Ich bin auf den falschen Weg geraten, glaube ich.» Moran spürte, wie Kinney sanft seinen Arm frei machte und einen Schritt zurücktrat. «Alles in bester Ordnung, Nash,» antwortete der Alte seelenruhig. «Du bist auf dem richtigen Weg!» Kinneys Büchse krachte in Morans Ohren. Die Gestalt vor ihnen warf die Arme empor, schwankte einen Augenblick lang, dann war sie verschwunden. Die beiden Männer hörten einen dumpfen Aufschlag — der schwere Körper war durch das Dickicht des Nadelgehölzes hundert Fuss tief in eine Schlucht hinabgestürzt. Stumm setzten die beiden Freunde ihren Weg fort. Sie hatten verabredet, beim Ausgang der Schlucht auf Harmon zu warten. In der Nähe angekommen, tappten sie vorsichtig etwa hundert Yard weiter, als Moran Kinneys Arm berührte und beide stehenblieben. Es war eine stockdunkle Nacht. Mit untergeschlagenen Beinen setzten sie sich zu Boden und kaum hatten sie sich niedergelassen, da hörten sie aus einem nahen Gebüsch das aufgeregte Schnauben eines Pferdes. Draussen im Dunkeln hörte man einen Mann ärgerlich fluchen. «Die Pferde sind wie verhext!» rief die Stimme. «Hier ist es schwärzer als in der Hölle. Machen wir Licht!» Ein zweiter Mann brummte zustimmend und beide gingen geradewegs in der Richtung auf Kinney und Moran zu. Diese erhoben sich schweigend und zogen sich bis an die Felswand zurück. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. i Grössere Inserate nach Seitentaril. tnserntenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern scheut. Diese Politik war berechtigt zur Zeit Bern, St. Gallen, Graubünden, haben erfreulicherweise den richtigen Weg beschriften der Blüte und des unbestrittenen Monopols der Eisenbahnen. Aber dem Umstand, dass und besondere Millionenkredite für das der moderne Reiseverkehr neue Wege geht Strassenwesen zur gleichzeitigen Milderung und zu einem beträchtlichen Teil von der der Arbeitslosigkeit zur Verfügung gestellt. Schiene abgekommen ist, wird viel zu wenig Aber es könnte in dieser Beziehung noch ein- soviel unternommen werden, insbeson- Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht mit Un-marecht wundert sich der Fremde darüber, dass man im Reiseland par excellence demStrassenwesen nicht mit der nämlichen Grosszügigkeit gegenübersteht, wie dies der Schiene gegenüber im ausgesprochenen Zeitalter der Eisenbahn der Fall gewesen war. Es fehlt freilich zum Teil nicht an dieser Erkenntnis und dem Wunsche, das Strassenwesen dem heutigen Fremdenverkehr anzupassen. Denken wir nur an das Strassenbauprogramm, das kürzlich Graubündens Grosse Rat genehmigt hat. Aber wenn mancherorts auch der gute Wille vorhanden wäre, so fehlt es meistens an den nötigen Mitteln. Gerade die Gebirgskantone, welche die Strassenhoheit über die Alpenstrassen ausüben, sind finanziell am wenigsten gut bestellt und die sich daraus ergebende Notwendigkeit der äussersten Sparsamkeit mit den öffentlichen Geldern zwingt zu einer oftmals falsch angebrachten Sparpolitik. Der Bund hat sich leider zum grössten Teil am Strassenwesen desinteressiert. Seine Subventionen reichen mit den kantonalen Mitteln zusammen kaum über den normalen Unterhalt des Strasserinetzes hinaus. Es muss zwar der Tagkom- 1iien, da man zuständigenorts doch einsehen wird, dass der jetzige Benzinviertel verdoppelt und zur « Benzinhälfte »; werden muss. Aber zwei Umstände sollten Bund und Kantone ganz besonders zu einer aktiveren Strassenpolitik veranlassen: die Arbeitslosigkeit und die Fremdenindustrie. Einerseits wird über zunehmeiide Arbeitslosigkeit geklagt und Mittel und Wege gesucht, um die Verdienstlosen zu unterstützen. Anstatt durch Bereitstellung ausserordentlicher Kredite für Notstandsarbeiten, vorab für den dringend notwendigen Strassenbau für Verdienstmöglichkeiten zu sorgen, fällt man immer wieder in das doppelt verwerfliche System der Auszahlung von Unterstützungen zurück. Einmal wollen die rechtschaffenen Arbeiter gar kein Almosen und auf der anderen Seite wird dadurch nur die Arbeitsunlust hochgezogen. Einzelne Kantone, wie Ein Streichholz flammte auf, schimmerte rötlich zwischen den Fingern einer Hand, die es schützte, und warf ein schwaches Licht über ein stoppeliges Gesicht. Kinney tastete mit den Händen die Wand hinter sich ab und bekam etwas über Kopfhöhe eine vorspringende Felskante zu fassen. Er stemmte seinen Fuss gegen die Wand und zog sich zu dem Vorsprung hinauf, der kaum mehr als zwei Fuss breit war. Die beiden Burschen unten brachen trockene Aeste für ein Feuer, und unter dem Schütze dieses Geräusches erkletterte auch Moran die Felskante, auf der sich beide flach zu Boden warfen. Zum Glück wurden sie von den tief herabhängenden Zweigen einer Tanne gedeckt. Ungefähr fünfzig Fuss vor ihnen sprang ein Feuer auf. Als es stärker wurde, konnten sie feststellen, dass es inmitten einer kleinen Lichtung entzündet worden war. Die Zweige der umstehenden Nadelbäume trafen sich gerade oberhalb des Feuers und bildeten gleichsam ein Dach. Einige Männer ritten eben die Schlucht herab, banden ihre Pferde unter den Bäumen fest und gesellten sich zu den beiden am Feuer. Sie hatten kaum Platz genommen, als wieder andere erschienen, die in zerstreuten Gruppen, zu zweit oder dritt, auftauchten, bis schliesslich fünfzehn Männer rund um das Feuer versammelt waren. Den beiden Lauschern entging kein Wort, das unten gesprochen wurde. Es war die Rede von der Möglichkeit, dass ihr Schlupfwinkel aufgefunden würde und alle vertraten die Ansicht, dass ihr gegenwärtiger Plan der beste wäre, nämlich die Nacht durchzureiten und sich hierauf in kleinen Gruppen in die Berge zu zerstreuen. Nach dere, als es sich bei den Strassen um eine Kapitalanlage auf lange Sicht handelt, die volkswirtschaftlich eine bessere Rendite verspricht als jeder Bankzins. Ferner gilt es, der Fremdenindustrie Rechnung zu tragen. Sie lernt diesen Sommer leider wieder Zeiten kennen, wie man sie endlich überwunden zu haben glaubte. Die allgemeine wirtschaftliche Depression und in jüngster Zeit noch die deutsche Notverordnung haben die Lage geradezu kritisch gestaltet. Es gilt deshalb, mit allen Mitteln die Fremden, welche unser Land immer noch besuchen können und wollen, heranzuziehen und ihnen Reise und Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Nachdem letztes Jahr schon über 160,000 Touristen mit dem Auto eingereist sind und man erwarten darf, dass diese Zahl sich von Jahr zu Jahr steigere, haben wir alle Veranlassung, uns dieser Kunden anzunehmen. Der Zustand der Strassen in den in Reiseprojekte einbezogenen Gebieten wird aber für die definitive Wahl der Route ausschlaggebend sein. Wie sehr das Strassenwesen für den Fremdenverkehr mitbestimmend ist, zeigt uns die Entwicklung dieses Zweiges der Volkswirtschaft in einigen anderen euronäischen Staaten. Spanien, Ungarn, die Tschechoslowakei wurden bis vor drei, vier Jahren von Automobilisten überhaupt nie besucht, weil man für seihen Wagen und den Komfort der Insassen bei den primitiven oder vernachlässigten Wegverhältnissen fürchten musste. Alle diese Staaten haben seither ungeheure Anstrengungen im Strassenbau gemacht und Spanien hat Strassen, wie sie für viele sogenannte modernere Staaten ein Vorbild sein könnten. Und die Folge: der Fremdenstrom, der Autotourismus nimmt ständig zu. Einer sagt es dem andern, dass die Schönheiten Granadas und Sevillas, die Reize der ungarischen Pussta ungeschmälert genossen werden können, weil man diese Stätten bequem und sicher auf tadellosen Strassen erreichen kann. kurzer Zeit, wenn die Verfolger abgezogen wären, könnte man dann wieder zur «Höhle» zurückkehren. Sie warteten bloss auf Brent und Nash, bevor sie ihre nächtliche Flucht beginnen wollten. Die zwei Männer auf dem Felsvorsprung bekamen Dinge zu hören, die das Blut in ihren Adern erstarren Hessen. Beide hatten mit Bestimmtheit angenommen, Nash und Brent hätten auf eigene Faust einige Stunden früher als die übrigen fliehen gewollt, und Nash habe dabei den Weg verloren, wofür auch sein unerwartetes Auftauchen auf dem Höhenrücken sprach. Wenigstens hatten sie geglaubt, dies aus seinen Worten schliessen zu dürfen. Was sie jetzt zu hören bekamen, zwang sie zu einer ganz anderen, weitaus schlimmeren Deutung der Worte, die Nash vor Kinneys Schuss gesprochen hatte. Er hatte Brent überredet, zur Hütte zu gehen, Moran zu töten und das Mädchen mit Gewalt fortzuschleppen. Nash selbst sollte inzwischen die Pferde übernehmen, an einem bestimmten Punkte auf Brent warten und auch ein drittes Pferd für das Mädchen mitbringen. Einige der Männer lachten über den Feigling, der in solcher Sache einen anderen schickte, anstatt selbst zu handeln. Moran überdachte noch einmal die Gründe für Nash' plötzliches Erscheinen in dieser Nacht. Das Ereignis mit seinem schrecklichen Abschluss war klar bis in die letzte Einzelheit. Wohlbedacht hatten Nash und Brent auf ihrem Weg zur Hütte die Talsohle vermieden und sich vorsichtig auf den Höhen gehalten, Nash hatte sich in seiner Unerfahrenheit in den Wäldern verirrt und im nächtlichen Dunkel die verabredete Stelle