Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.080

E_1931_Zeitung_Nr.080

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 29. September 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. - N" 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Encbeint Jeden Dienstag und Fnltaf Monatlich „GMb* List«** Halbjihrlieb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portowisehlag, totem nicht postamtlicb bestellt. Zusehlag für postnmtliche Bsitelluns 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Reebnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adrem: Autorerue, Bern Die starke Zunahme des internationalen Äutomobilreiseverkehrs in den letzten Jahren und die vermehrten Anstrengungen für die Schneefreihaltung der wichtigern Durchgangsstrassen in den Voralpen haben dazu geführt, dass der Automobilreiseverkehr in der Schweiz auch im Winter stetig anwächst. Dadurch nimmt auch die Inanspruchnahme der Eisenbahnen für den Transport der Autos durch die Alpentunnels immer grössere Dimensionen an. Selbstverständlich spielt hiebei die Strenge des Winters stets eine sehr bedeutende Rolle, da bei starken Schneefällen, wie dies beispielsweise dm Winter 1930/31 der Fall war, der Eisenbahntransport von den weiter talwärts gelegenen Verladestationen aus auf einem merklich längern Eisenbahnweg vorgenommen werden muss, was entsprechend erhöhte Transportkosten verursacht. Dass dann viele Fahrer von der Durchführung der geplanten Autoreise absehen, ist nicht zu verwundern. Trotzdem die Transportkosten für die Spedition der Autos per Bahn durch die Alpentunnels sehr hoch angesetzt sind, ein Punkt, auf den wir noch zurückkommen werden, so hat dieser Transport bereits einen Umfang angenommen, wie es wohl die wenigsten erwartet hätten. Ueber die bezüglichen Frequenzzahlen orientieren nachstehende Angaben betreffend die in der Zeit vom 1. Oktober 1930 bis 30. Juni 1931 transportierten! Automobile: St. Gotthard 3664 Stück, Simplon 653 Stück, Albula 130 Stück, Lötschberg 20 Stück, somit total 4467 Stück. Dabei ist zu beachten, dass es sich letztes Jahr um einen sehr strengen Winter handelte, wo beispielsweise beim Gotthard der Transport lange nicht von Göschenen aus, sondern schon von Erstfeld aus vorgenommen wurde, was bei einem Frachtansatz von ca. Fr. 90.— schwer ins Gewicht fiel. Die Zahlen zeigen nun deutlich, dass für diese Bahntransporte von Autos der St. Gotthard die vorherrschende Linie ist, dank seiner verhältnismässig kleinen Transportstrecke und der dadurch bedingten niedrigen Transportkosten. Simplon und Albula spielen hier eine ganz nebensächliche Rolle, nicht zu reden vom Lötschberg, der eben zu sehr unter den hohen Tarifen leidet. ' Automobiltransport per Eisenbahn «Typ Evelin» Autosportroman von Karl SchmidL (15. Fortsetzung) XII. Wieder am Bernardino. Am Startplatz war schon reges Leben. Der Beginn des Rennens war auf acht Uhr festgesetzt. Der «Kock out» stand bereits breit und drohend auf dem Platz. Unter Holms Leitung wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Frank stand müssig daneben und harrte in gespannter Erwartung des Gegners. Doch er Hess auf sich warten. Das Rennen begann. Einer der Sportwagen nach dem andern wurde abgelassen und flitzte davon. «Herr Hörn!» hallte plötzlich eine Stimms über dem Platz. «Ja.» «Sie werden ans Telephon gebeten.» «Wer ruft an?» fragte er am Telephon. «Hier ist Sealson!» klang die Antwort zurück. «Wie, Sie sind es, Sealson? Was wünschen Sie von mir?» «Kommen Sie in unsere Garage! Haben Sie Zeit?» «Ja, — wie? Was soll ich dort? Es ist doch nicht üblich ....» «Kommen Sie, Hörn! Sie werden schon sehen warum!» Von den 3664 durch den St. Gotthard transportierten Autos entfielen im Nord-Südverkehr 1220 Wagen auf die Einladestation Göschenen und 416 auf Erstfeld. Die dazwischen liegenden Stationen wiesen nur ganz geringe Kontingente auf: Amsteg 24, Gurtnellen 20 und Wassen vier Wagen. In der Südnordrichtung dominiert Airolo mit 1945 von total 1980 Wagen, Faido verzeigt 22, Biasca 8, Bellinzona 4 und Lavorgo ein Auto. — Es ergibt sich hieraus recht deutlich, dass die Südseite des Gotthard von Airolo ab fast den ganzen Winter hindurch fahrbar ist und dass Faido als Verladestelle nur ganz ausnahmsweise für die Tage sehr starken Schneefalles in Betracht kommt. Anders ist es auf der Nordseite! Die Strecke Erstfeld- Göschenen ist oft längere Zeit unpassierbar. Hier sollte nun der Kanton Uri, die nötigen Vorkehren treffen, um mit Hilfe einer Schneeschleudermaschine die Strasse bis Göschenen den ganzen Winter hindurch offenzuhalten. Dadurch erhielte der Autotransport durch den St. Gotthard eine sehr wertvolle Förderung und dürfte erheblich an Umfang gewinnen. Der Simplon krankt schon längst daran, dass der Transport per Eisenbahn auf der langen und teuren Strecke von Brig bis Domodossola vorgenommen werden muss, während doch auf der Südseite.die Strasse von Iselle bis Domodossola fa.st,den ganzen Winter passierbar wäre. Im Winter 1930/31 wurden 310 Autos in der Nord-Süd- und 343 Wagen in der Süd-Nordrichtung transportiert. Der Reale Automobile Club d'Italia ist gegenwärtig bemüht, von der italienischen Regierung die Erlaubnis zum Verlad in Iselle zu erhalten, was bis anhin aus militärischen Gründen stets verweigert worden war. Kann einmal der Transport auf die bedeutend kürzere Strecke Brig-Iselle konzentriert werden, so wird der Eisenbahntransport von Autos durch den Simplon einen gewaltigen Aufschwung nehmen, besonders wenn sich dann auch die Lötschbergbahn zu einer Tarifherabsetzung für diese Transporte verstehen kann. Der Albula verzeigte für den Winter 1930- 1931, abgesehen von den ziemlich respektablen Transportkosten, vornehmlich auch aus «Gut, ich komme!» Er machte Holm eine kurze Mitteilung. Der fragte erstaunt: «Was soll das heissen? Was wollen die Leute?» «Weiss ich das?» antwortete Frank achselzuckend und ging. Am Tor der Garage erwartete ihn Sealson mit ernster Miene. Frank drückte ihm herzlich die Hand. «Wir stehen uns heute leider als Gegner gegenüber, Herr Sealson.» «Nein,» antwortete dieser mit ärgerlicher Stimme, «Sie werden billig siegen, Herr Hörn. Wir werden nicht starten.» «Wieso? > fragte Frank überrascht. «Kommen Sie!» Er führte ihn zu dem Wagen. Einige Mechaniker standen mit verlegener Miene herum. Der schwarzlockige Marcello Albani lehnte an der Seitenwand und fluchte zornig. Sealson hob die Motorhaube auf. «Hier!» Frank warf einen Blick auf den wohlbekannten Motor. Erschrocken wandte er sich zu Sealson. «Sabotage?» «Ja, Herr Hörn, hundsgemeine, rohe, bornierte Sabotage mit ein paar Hammerschlägen. — Das wollte ich Ihnen zeigen. Und nun siegen Sie als Ehrenmann!» Wilde Gedanken zogen Frank durch den Sinn, als er zum Startplatz zurückkehrte. Es war die gemeine Tat eines schurkischen Menschen. Mit brutaler Gewalt war das Werk von Fleiss und Genie zerstört worden. dem Grunde keine allzu hohen Kontingente transportierter Autos, weil der Julier im Herbst ziemlich lange offen ist und die Regierung des Kantons Graubünden seit zwei Jahren für eine möglichst frühzeitige Oeffttung im Vorsommer besorgt ist. Im Winter 1930/1931 wurden von Tiefencastel 5, von Filisur 1, von Bergün 12, von Preda 43, von Bevers 64, von Samaden zwei und von St. Moritz drei Autos spediert. Wird nun der Julier, wie dies von der bündnerischen Regierung vorgesehen ist, diesen Winter durchgehend offen gehalten, so wird natürlich dem Bahntransport durch den Albula keine praktische Bedeutung mehr zukommen, da durch den Julier der Ostschweiz eine durchgehend geöffnete Nord-Süd-Route offen steht. Nach dem der abnormal schneereiche und auf den höher gelegenen Strassen lang anhaltende Winter den Automobilreiseverkehr bei weitem nicht vollständig zu drosseln vermochte und trotz den Verkehrsschwierigkeiten insgesamt rund 4500 Automobile die Möglichkeit des Bahntransportes ausnützten, ist für kommende normale Winter eine noch grössere Beanspruchung der Eisenbahnen zu erwarten. Notwendige Voraussetzung erscheint uns allerdings vor allem eine Reduktion der Transportpreise, Verbesserung der Lade- und Auslademöglichkeiten und mög- INSERTIOJVS-PREIS: Die achtgespaltene 3 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cti. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO Cta. Grössere Inserate nach Seitentaril. InseratMisehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern allgemein verbindliche Beordnung der Transporte ist u. E. jedoch nicht durchführbar, da nach un- Erfahrungen weite Kreise der Autobesitzer lichst weitgehende Vereinfachung der not-serwendigen Transportformalitäten. Was dieauf die Aufgabe ihrer Fahrzeuge als Fracht- und Eilgut zu den gewöhnlichen Bedingungen und den Transportkosten anbetrifft, so erinnern wir daran, dass sich beispielsweise beim Gotthard 4pr Verlad Erstfeld-Airolo bei Frachtgut auf fo. 39.60, bei Gepäckgut auf Fr. 94.80, von Göschenen naöh Airolö auf Fr. 18.— resp. Fr. 41.60 stellt. Beim Simplon gelten für die Strecke Brig-Iselle folgende Ansätze: 22.40 Franken für Frachtgut und Fr. 52.60 für Eilgut. Für den Automobilisten ergeben sich natürlich die doppelten Beträge, indem jeweilen auch für die , Rückfahrt der Eisenbahntransport in Anspruch genommen werden muss. Gerade die Tatsache, dass bei der Organisation von Spezialtransporten, wie sie beispielsweise die Sektion ZüTich des A. C. S. mit Erfolg an die Hand genommen hat, jeweilen gleich ein halbes Hundert Wagen diese verbilligten Fahrgelegenheiten benützten, lässt erkennnen, dass für den Entschluss zu einem solchen Transport die Kostenfrage ausschlaggebend ist. Wir haben uns deshalb an den Kommerziellen Dienst der Bundesbahnen gewandt, um zu erfahren, ob An eine rasche Ausbesserung war nicht zu denken, das hatte ihm schon ein oberflächlicher Blick gesagt. Er erzählte sofort Hörn die Sache. «Lassen Sie mich den Wagen führen, Holm. Sie können es jetzt ruhig riskieren.» Holm lachte. «Meinetwegen! Dieser Maurus hat doch gar kein Glück!» Währenddessen warteten Maurus, seine Tochter und Dunker hoch droben in San Bernardino auf den Start der Rennwagen. Doch Viertelstunde um Viertelstunde verging, ohne dass der Ansager am Mikrophon das erlösende Wort sprach. Da kam Direktor Möller in eiligem Lauf. «Ein Telegramm von Sealson! Sie können nicht starten!» Dr. Maurus las: «Können nicht starten. Motor durch verbrecherischen Anschlag zerstört. Sealson.» Evelin biss sich auf die Lippen. «Wird das Rennen fortgeführt, Möller?» fragte Maurus. «Ja. — Doch nicht im vorgesehenen Rahmen. Die Sinnisfaerefahrer haben den Wunsch ausgedrückt, ausser Konkurrenz starten zu dürfen.» «Wer führt den Sinnisfaerewagen?» Möller sagte verärgert: «Es ist eine Schande für uns, aber es ist nun einmal so. Frank Hörn fährt.» Tiefe Niedergeschlagenheit hatte sich aller bemächtigt. Wer war der geheimnisvolle es nicht möglich wäre, die Tarife hauptsächlich für den Transport als Gepäckgut zu reduzieren. Wenn auch die Ansätze für Frachtgut erheblich geringer sind, so kommen sie wegen der bedeutend zeitraubenderen Verfrachtung nur wenig in Frage. Die Bahnverwaltung hat ihren abschlägigen Bescheid wie folgt begründet: « Es ist vor allem darauf hinzuweisen, dass die Bahnen hinsichtlich der Tarife an die bestehenden gesetzlichen Vorschriften gebunden sind. Diese sehen bekanntlich den Grundsatz der Einheitlichkeit für das ganze Netz der S. B. B. und die Gleichbehandlung aller Bahnbenützer vor. Demgemäss hätte eine Herabsetzung der Fracht, die heute für die Gopäckgutbeförderung der Reiseautomobile durch den Gotthardtunnel und auf anschliessenden Strecken erhoben wird, zur Folge, dass ein gleiches Zugeständnis allgemein gemacht werden müsste. Ein solches brächte jedoch bedeutende Ausfälle, die dermalen bei den bereits vorhandenen, zu einem bedeutenden Teil infolge der Autokonkurrenz entstandenen ungünstigen EinnahmenverhäHnissen nicht übernommen werden können. Eine ermässigto Einheitstaxe wäre auf alle Fälle nur unter der Voraussetzung denkbar, dass sie auf der in Betracht fallenden Strecke für alle Reiseautomobile angewendet werden könnte und die heute geltenden Fracht- und Eilguttaxen in Wegfall kämen, so dass die Einnahmen der Bahnen bei gleichem Verkehr nicht niedriger, sondern der eintretenden Beschleunigung der Transporte entsprechend eher etwas höher zu stehen kämen. Eine derartige, billigeren Frachtgut- und Eilguttaxen nicht verzichten würden und darin von der Aufsichtsbehörde wohl geschützt werden müssten. Bei dieser Sachlage sind wir leider zurzeit nicht in der Lage, auf Ihre Wünsche einzutreten. Die Angelegenheit soll aber im Auge behalten und zu gegebener Zeit neuerdings geprüft werden. ^ Wir können uns den obigen Ueberlegungen, insbesondere was die Ablehnung einer verbilligten Einheitstaxe anbetrifft, nicht ganz anschliessen, da uns nicht recht klar ist, warum die Automobilisten bei einer ermässigten Einheitstaxe dennoch auf der Anwendung der gewöhnlichen Taxe beharren würden, da diese, was die Eilgutbeförderung anbetrifft, wohl kaum günstiger sein könnte, sonst würde es sich bei einem neuen Ansatz eben nicht mehr um eine ermässigte Taxe handeln. Als besonders störend wird die Sonntagsgebühr von Fr. 10.— empfunden, welche der Kanton Uri für die Bewilligung des Ein- und Auslades erhebt. Der Kanton stützt sich dabei auf ein Gesetz betreffend Heiligung der Feind, der den Schlag geführt hatte. Jeder für sich sann dieser Frage nach, während unten die Strassen für die Durchfahrt des «Knock out» geräumt wurden. «Sinnisfaere kann es nicht gewesen sein!» sagte Möller plötzlich. «Warum nicht?» — Evelin hatte gefragt. «Sinnisfaere arbeitet nicht so roh,» antwortete der Direktor. «Sinnisfaere hat ein Interesse daran, uns zu besiegen, aber nicht daran, uns von dem Rennen auszuschliessen. Das Benehmen der Sinnisfaerefahrer beweist das übrigens auch.» Evelin zuckte die Achseln. «Telephonieren Sie Sealson, dass wir kommen, Herr Möller, — sobald der Rennwagen durch ist. Es kann doch nicht mehr so lange gehen.» «Meiner Schätzung nach immer noch eine halbe Stunde,» antwortete Möller, indem er sich erhob. Evelin lehnte am Geländer des Flachdaches und schaute traumverloren in die Ferne, über die zackigen Spitzen der blaugrauen Berge hinweg in das Blau des Himmels. Vor einem Jahre hatte Frank an dieser Stelle als Freund neben ihr gestanden, Frank Hörn, dessen Bild sich trotz Hass und Zorn und Verachtung immer tiefer in ihre Seele eingeprägt hatte, weil sie wusste, dass er sie liebte. Sie hatte ihn vernichten wollen, und er hatte sie besiegt. Er würde mit ausgestreckter Hand, der Gebärde des Siegers, die Menschenmenge begriissen, die ihn in fieberhafter Spannung erwartete.