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E_1931_Zeitung_Nr.102

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AU \ u Die R-odaktioa; Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 15. Dezember 1931 Mit Autler-Weihnachten Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 102 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Es Bneheint Jeden Dienstag and Freilag Monatlich „Galbe List«** Harnjahrlleh Fr. f>.~, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portasraehlag, toiorn nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllcbe Bestellung 30 REUAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnung II1/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telesramm-Adresie: Autorevue, Bern Das Verkehrsgesetz im Kreuzfeuer der Beratungen Seitdem der zweite Entwurf zu einem eidgenössischen Verkehrsgesetz das schützende Forum seines bundesrätlichen Paten und Vaters verlassen hat und den Attacken und Kritiken der beiden Räte ausgesetzt wurde, hat er ein wechselvolles und peinliches Schicksal erfahren. Peinlich deshalb, weil es ihm akkurat wie dem verlorenen Sohne ging, der von Stufe zu Stufe sank und immer mehr herunter kam, je länger er vom Vaterhause weg war. Wechselvoll darum, weil sich immer wieder hoffnungsvolle Ansätze zu einer Besserung seiner geschwächten Konstitution zeigten, die aber meistens nur von vorübergehender Dauer waren. Die hauptsächlichsten Aenderungen durch die Räte. Schon die Beratung im Nationalrat hat das Gewand des Entwurfes arg mitgenommen, so dass das junge Wesen schon in beträchtlich verwildertem Zustand bei den gestrengen Herren Ständeräten eintraf. Erinnern wir nur kurz an die wesentlichen Aenderungen in der Bestimmung über Arbeits- und Ruhezeit. Das Gesamtgewicht der Lastwagen wurde von 12 auf 11 Tonnen vermindert, die Ladebreite von 2,35 m auf 2,20 m reduziert. Der ausdrückliche Vortritt des Motorfahrzeuges vor den anderen Strassenbenützern wurde fallen gelassen. Die in der Dämmerung vom Felde heimkehrenden Fuhrwerke brauchen nicht beleuchtet zu sein. Der Fussgänger-Artikel wurde ursprünglich ganz gestrichen, nach dessen Wiedereinführung aber die Verpflichtung, auf die Zeichen der Fahrzeugführer zu achten, aufgehoben. Dagegen wurden einige Artikel über die Haftpflicht und Versicherung durch Zugaben gewürzt. Die Haftpflicht des Halters wurde über Personenverletzungen hinaus auch auf Sachschaden ausgedehnt. Die Befreiung von der Ersatzpflicht wurde erschwert, indem nicht nur das Verschulden eines Dritten, sondern dessen grobes Verschulden nachzuweisen ist. Dergestalt abgeschwächt kam der Entwurf im Ständerat in die Kur, der nun bei der versuchten Bereinigung Bürste und Schere so stark ansetzte, dass das Gewand, anstatt ausgebessert zu sein, dem verlorenen Sohn des Bundesrates in Fetzen vom Gerippe hing. Der Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet. Roman von Oskar Sonnlechner. (12. Fortsetzung) «Ich will dir einen guten Rat geben, mein Sohn, lasse dich von dem Szöky nicht ins Schlepptau nehmen.» «Warum, Herr Oberst?» Warum? Wie soll ich dir das erklären?» Der Oberst nagte nachdenklich an der Unterlippe. «Warum? Man hängt sich an keinen Menschen, dessen Lebensweg bergab geht. Er ist hierzulande keine vereinzelte Erscheinung, er ist nur einer von den vielen, die sich selbst dem Untergang weihen. Er ist der Typus einer grossen Gesellschaftsklasse, die, verblendet durch eingebildete Vorrechte der Geburt, glaubt, es sei ihre Bestimmung, durch Nichtstun ihre höhere, menschliche Berufung zu erfüllen. Nichts gilt ihnen entehrender wie arbeiten. Nur mit einem füllen sie dieses vornehme Nichtstun aus. Politik! Damit täuschen sie sich selbst eine Arbeit vor, die keine ist. Die Vaterlandsliebe, mein Sohn, ist eine Nebenbeschäftigung, aber kein Beruf. Und wenn sie zum Beruf wird, dann ist sie Geschäft und nichts anderes. Geschäft zur Erhaltung angeborener, persönlicher Vorrechte. Am liebsten würden sie aus den wahren und edlen Empfindungen der Menschen Ständerat nahm seinerseits die folgenden Aenderungen vor: Die Altersgrenze für das Führen von schweren Motorwagen, deren Festsetzung der N.-R. dem Bundesrat überlassen wollte, wurde auf 22 Jahre fixiert. Dies, obwohl die Rekruten des M.W.D. ihre Schule, gleich wie die anderen angehenden Milizen, mit 20 Jahren zu bestehen haben, nach deren Absolvierung aber für fast zwei Jahre wieder ohne die Möglichkeit wären, einen Lastwagen zu führen. Die Gewichtsgrenze wurde so beschnitten, dass bei Verwendung von Anhängern der gesamte Zug das Gewicht von 15 Tonnen nicht überschreiten dürfe. Die vom Nationalrat zugestandene obere Grenze von 13 Tonnen, welche auf dem Verordnungswege für Spezialwagen hätte dekretiert werden können, wurde auf 12 Tonnen reduziert. Die Warnungen der schweizerischen Lastwagenindustrie, welche mit Hilfsbetrieben mehrere tausend Arbeiter beschäftigt und die auf die für sie schwerwiegenden Folgen einer übermässigen Beschränkung des Ladegewichtes hingewiesen hat, blieben unbeachtet. Spezialfahrzeuge und ein beträchtlicher Teil des staatlichen Lastwagenparkes weisen ein Eigengewicht von 6—7 Tonnen auf. Wenn nicht mit einer Nutzlast von wenigstens 5 bis ö.Tonnen gerechnet werden kann, so wird der, Betrieb bereits in seiner Wirtschaftlichkeit beeinflusst. Besonders kritisch war der Entschluss, auch für Personenfährzeuge wiederum Höchstgeschwindigkeiten einzuführen. Ebensosehr gab die Streichung der Bestimmung zu berechtigten Bedenken Anlass, wonach die dauernde Verkehrseinschränkung auf bestimmten Strassenstrecken der bundesrätlichen Genehmigung bedarf. Damit würde der kantonalen Willkür und Selbstherrlichkeit wiederum Tür und Tor geöffnet. Die Haltung der Verkehrsinteressenten. Wir haben, nachdem der Entwurf so «gestriegelt und gebürstet» die beiden Räte passiert hatte, auf die Unannehmbarkeit eines solchen Gesetzestorsos hingewiesen und erklärt, dass die Verkehrsinteressenten eher noch den höchst unbefriedigenden bisherigen Zustand mit dem veralteten Konkordat auf sich nehmen, als einem Gesetz zuzustimmen, das unter der falschen Flagge des Fortschritts für Heimat und Vaterland eine Aktiengesellschaft machen und sich selbst zu Generaldirektoren ernennen. — Siehst du, mein Sohn,» setzte er seine Betrachtungen fort, «das ist so ziemlich die einzige Beschäftigung der hohen Herren hierzulande. Sie langweilen sich. Die Güter verwaltet der Jude, die Jagden der Forstmeister, der Trainer den Rennstall... mit irgend etwas muss man sich zerstreuen, und da ist es so bequem, vor oder nach einer Partie Bac im Klub, mit einer Zigarre im Klubsessel, das Vaterland zu retten. Man lässt sich zur Erfüllung angeborener Vorrechte ins Abgeordnetenhaus wählen, wird Minister und Geheimer Rat Seiner Majestät des Königs, und an dem Tag, an dem man vom Ministerfauteuil heruntersteigt, schmeisst man seinem Herrn die Fenster ein. Alles zum Wohl des Vaterlandes! Vergiss nicht, mein Sohn, ich bin ein alter Soldat...» «Ich glaube aber, Herr Oberst, der eigentliche Trieb ihrer Handlungen ist ihre wirklich unbegrenzte Liebe zum Vaterland.» «Diese bestreite ich nicht, im Gegenteil. Aber dass bevorzugte Menschenklassen als einzige Lebenstätigkeit diese in Pacht nehmen ... zur Ausfüllung ihrer Langeweile Berufspolitiker spielen ... nichts anderes zu tun haben, wie ununterbrochen das Vaterland zu retten... das geht nicht in meinen Schädel hinein. Es ist bedauerlich, dass eine geistig so hochstehende Menschenklasse sich zu nichts Besserem berufen fühlt wie zur Politik? Was heisst Politik? Seine zufriedenen tatsächlich zum Rückschritt führt. Die massgebenden Verbände haben in wohldokumentierten Eingaben diesen Standpunkt ebenfalls vertreten. Die Eingaben der Strassenverkehrsliga und des T. C. S. stellten fest, dass der Entwurf einige der wichtigsten Minimalanforderungen an ein tatsächliches und modernes Verkehrsgesetz nicht enthalte und zum grössten Teil nur eine weitere einseitige Belastung und Bevormundung des Motorfahrzeuges vorsehe, ohne die Möglichkeit zu einer allgemeinen Verkehrsregelung und besseren Verkehrsdisziplin zu bieten. Die Verbände gaben deshalb die Erklärung ab, dass es ihnen nicht möglich sei, den Entwurf in seiner jetzigen Form anzunehmen. Die bisherige Entwicklung in der Dezembersession. Mit grösstem Interesse und spannender Erwartung haben deshalb die 130 000 Motorfahrzeugführer, samt den 40 000 organisierten Radfahrern, und mit ihnen einsichtige Kreise und Behörden der weiteren Entwicklung entgegengesehen, welche die Dezember-Session der Bundesversammlung bringen musste. Nachdem der Strolchenfahrt-Artikel mit dem mageren Mehr von einer Stimme im Ständerat endlich unter Dach gebracht worden war, ging der Nationalrat wieder an die Arbeit, um die Differenzen zu beraten. In unserer letzten Ausgabe haben wir die hauptsächlichsten Ergebnisse kurz zusammengefasst und möchten nochmals näher auf diese eintreten. »^.Das Recht der Kantone, von sich aus verkehrseinschränkende Bestimmungen für gewisse Strassenstrecken zu dekretieren, wird ihnen belassen, jedoch gemäss Antrag der Kommissionsmehrheit eine Rekursfrist von 30 Tagen eingeräumt, während welcher Beschwerde gegen solche Bestimmungen beim Bundesrat geführt werden kann. Damit ist also prinzipiell die durch das Gesetz angestrebte Vereinheitlichung der Vorschriften auf eidgenössischem Boden durchbrochen und der neuerliche Kompromiss nur ein magerer Kitt, dessen Dauerhaftigkeit wohl angezweifelt werden darf. In der Frage der. Gewichtsgrenzen für schwere Motorwagen hält der Nationalrat an seiner Fassung fest, wonach für Spezialfahrzeuge ein Maximalgewicht von 13 Tonnen durch den Bundesrat zugelassen werden kann. Dann wird auch der ständerätliche Zusatz der Beschränkung des Gesamtgewichtes von Lastwagenzügen auf 15 Tonnen gestrichen. Hier hat also der Nationalrat mehr Rückgrat gezeigt, ohne allerdings den INSEnTlONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundteile ode» deren Baum 45 Ctt. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Austand 60 CU. Grossere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehlus» 4 Tage vor Erscheinen der Kammern Wünschen der Lastwagenbesitzer und der einschlägigen Industrie voll gerecht zu werden. Die Diskussion wurde erwartungsgemäss besonders rege bei der Behandlung des Art. 25, der die Geschwindigkeit regelt. Nachdem auch Bundespräsident Häberlin wieder eingegriffen hat und Befürworter und Gegner neuerdings zum Worte gekommen sind, beharrt der Rat auf Fallenlassen der Höchstgeschwindigkeit, womit bekanntlich keineswegs einer «schrankenlosen Freiheit» der Weg geebnet wird, wie dies die Anhänger des alten Systems glauben machen möchten. Das Stimmenverhältnis bleibt sich in der Abstimmung gleich wie seinerzeit im Juni, wo der Artikel mit 75:37 Stimmen angenommen wurde, gegen 82:41 in der jetzigen Session. Endlich hält der Nationalrat auch an der Vorschrift über die Beleuchtung von überhängenden Lasten fest, laut welcher eine generelle Verpflichtung zur Kenntlichmachung und Beleuchtung besteht, welche der Ständerat nur bei Lasten, die mehr als 2 m überragen, vorschreiben wollte. In zwei Hauptpunkten hat der Nationalrat also sich nicht beeinflussen lassen und den Wünschen der Verkehrsinteressenten Rechnung getragen. Man wird diese Haltung dankbar anerkennen, um so mehr als die bisherigen Verhandlungen die Motorfahrzeugführer immer pessimistischer stimmen mussten und man schon das kleinste Entgegenkommen als «grossen» Erfolg zu werten hatte. Was ist von der jetzigen Fassung des Entwurfes zu halten? Deckt sich nun der Entwurf mit den hauptsächlichsten Vorschriften, welche wir gemeinsam mit den Verbänden als unbedingte Bestandteile eines auch nur einigermasseri akzeptablen Verkehrsgesetzes bezeichnet} haben? Wenn wir die Liste der Aendefunger mit der Wunschliste der Automobilisten,, die übrigens, seitdem der Rat den Entwurf ir den Händen hat, ganz wesentlich re'duzien worden ist, vergleichen, so müssen wir docl noch ganz erhebliche Differenzen und Ausfälle konstatieren. Erinnern wir nur an die durch nichts gerechtfertigte Ausnähme in de; Beleuchtungspflicht, welche den Bauern fü ihre Fuhrwerke bei einbrechender Dunkelhei gewährt wurde. Gerade die nicht unbeträcht liehe Zahl von zum Teil schweren Unfäller welche sich wegen Unkenntlichkeit der tier bespannten Fahrzeuge in den Abend- uni Nachtstunden ereigneten, sollten doch die ab solute Notwendigkeit der Beleuchtungspflich Nebenmenschen zur Unzufriedenheit erziehen, um von sich reden machen. Diese hohen Standesherren können die alten, hunnischen Zeiten nicht vergessen, in denen die einzelnen Adelsgeschlechter, mit dem Säbel in der Faust, nur eine Betätigung kannten, die dem strahlenden Glanz ihrer Geburt entsprach — Kampf um die persönliche Macht. Weit und breit Herren über Tod und Leben, widerspenstig selbst vor dem eigenen Landesfürsten, wenn der einzelne sich im Bereich seiner Macht beeinträchtigt fühlte, kriegerisch, herrschsüchtig, prunkliebend, unverträglich, streitsüchtig, lebten sie nur ihrem eigenen Willen. Herren vom Scheitel bis zur Zehe. Und es ist das Verhängnis vieler, stolzer Geschlechter, den Wandel der Zeiten nicht erkannt zu haben. Man ist heute nicht der Führer seines Volkes, wenn man sich zu seinem Berufspolitiker herabwürdigt. Gar oft ist es nichts anderes, wie die Verherrlichung persönlichen Strebertums. Die Liebe zum Vaterland ist oft nur ein Vorhang, hinter dem sich so manches verbirgt, das mehr mit der Liebe zu sich selbst zu tun hat. Hier und überall. Die Zeiten einer angeborenen oder ererbten Führerschaft eines Volkes sind vorüber. Und alle diese stolzen Geschlechter sind dem Tod geweiht, wenn sie nur in den Wandelgängen des Parlamentes zu treffen sind, an den Spieltischen ihrer Clubs, auf den Rednertribünen der Wählerversammlungen, aber nicht auf ihren Feldern, in ihren Waldungen oder hinter den Büchern ihrer Oekonomien. Das ist heute der Krummsäbel de Herrschaft! Jeder weiss, was er einstbesas: keiner weiss, was er besitzt.» Der Oberst war wieder vor mir steher geblieben und sah mir scharf ins Gesicht. «Die Menschen hier um uns herum,» fuli er fort, «sind in ihrer Weltanschauung vo uns so verschieden, dass wir mit ihnen in dt Tiefe des Herzens nie zusammenkomme Unterbrich mich nicht, mein Sohn, ich weis was du sagen willst, und gebe es zu — e sind nicht alle so. Zum Beispiel der Aladt von Takäcs, von dem ich dir erzählte. Mei Triospieler. Du wirst ihn ja kennenlerne Sieh dir seinen Besitz an, alles musterhaf Jus studiert, Landwirtschaft, und trotzdem i es in seinen Augen keine Schande, von frf bis abends überall zu sein. Auf seinen Rübei feldern, in seiner Brennerei, an der Drescl mäschine, Stallungen, dass einem alten Kava leristen das Herz im Leibe lacht, aber fi das Nationalkasino, für Wählerversammlu gen und Parlamentsschlachten, für den Ren: platz oder gar für Weibergeschichten hat keine Zeit. Und dabei kann er nachweise dass einer seiner Urahnen in den Kämpfi gegen die Türken geadelt wurde. Der Alad; arbeitet, und verliert nicht in einer Nacl was er in Jahren durch seine jüdischen Päc ter erworben, die sich durch Fleiss ben ehern, während der Herr zugrunde geht.» «Was aber soll das, Herr Oberst, mit de Gyuri bäesi zu tun haben?» Der Ober machte eine unwillige, abwehrende Han