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E_1931_Zeitung_Nr.098

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Ausgrabe: Deutsche Schweiz BERN. Dienstag, 1. Dezember 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 98 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Fntteg Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ufern nicht postamtiicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuns II1/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle Ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzetgen aus dem Ausland 60 Gtfc Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Fragen des Tages Automobil und Fremdenverkehr Die letzten über den Verkehr fremder Automobile in der Schweiz bekannt gewordenen Zahlen zeigen, dass bis Ende Oktober 165 295 ausländische Wagen in unser Land zu vorübergehendem Aufenthalt eingereist sind. Gegenüber dem Vorjahre bedeutet dies eine Zunahme von 11529 Fahrzeugen. Angesichts des sich im Hotelgewerbe diesen Sommer geltend gemachten Gästeausfalles kommt die sen Zahlen doppelte Bedeutung zu. Sie zeigen, dass der Autoreiseverkehr nicht nur der Krise und allen Widerwärtigkeiten, wie deutsche Ausreisegebühr etc. zu trotzen vermochte, sondern sich ungeachtet aller wirtschaftlichen Hemmungen sogar stetig noch steigerte. Er hat damit eine Vitalität gezeigt, die für die Hotellerie bedeutungsvoll ist und ihr einen deutlichen Fingerzeig gibt, in welcher Richtung sie ihre Anstrengungen bezüglich Propaganda etc. weiter unternehmen Soll. Was es für unser Hotel- und Gastgewerbe bedeutet, wenn in zehn Monaten 165 295 Automobile zu kürzerem Aufenthalt in die Schweiz einreisen, illustriert schon ein ganz einfaches Rechenexempel, das auf Minimalergebnisse abstellt. Wir dürfen unbedingt annehmen, dass jedes Fahrzeug mit wenigstens zwei Personen besetzt war und diese Gäste allermindestens einen Aufenthalt von drei Tagen genommen haben.- Dies ergibt für die Hotellerie schon rund eine Million Fremdenhächte und bringt unserem Lande Einnahmen von wenigstens 25 Millionen Franken. Wie gesagt, handelt es sich hier um eine hohe Ueberschlagsrechnung, die nur die untere Grenze für die wirtschaftliche Bedeutung dieses Fremdenstromes andeutet. Es wird fachkundigeren Mitarbeitern vorbehalten bleiben, das Ergebnis des ausländischen Autotourismus für die Schweiz für das zu Ende gehende Jahr genau festzulegen. Bei Betrachtung dieser Ergebnisse wirken die Auslassungen eines eingefleischten Autophoben, der unbelehrbar und unversöhnlich ist, geradezu grotesk. Wir meinen den irgendwo in Graubünden domizilierten Dr. A. U I 1. L TON Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet. Roman von Oskar Sonnlechner. (8. Fortsetzung) Ein mir nicht unbekanntes Kapitel heimischer Nationalökonomie rollte sich vor meinen Augen ab. Wie hatte der Vizegespan einmal gesagt? Von der Theiss bis an die Weissen Karpathen gehörte einst alles den Szökys, aber es ist immer weniger geworden. Jeder von uns hat dazu beigetragen. «Und Ihnen lasst der Gyuri bäesi sagen, bis dass er zurückkommt, sollen Sie unterdessen die Besuche in der Nachbarschaft machen. Wer das ist, soll ich Ihnen sagen. Nur zum gnädigen Herren von Tolnay sollen Sie nicht fahren, da fahrt er selbst mit.» «Warum das?» «So hat der Gyuri b&csi gesagt.» Mechanisch bewegte er den Kopf von links nach rechts, ich sah ihm an, er wusste nicht recht, was er sagen solle, oder er wollte es nicht. Zwei Stunden später hatte mir Pinkas Katzenstein zwei Wagenpferde und einen Kutschierwagen verkauft. Dazu das Geschirr und alles Putzzeug. Zu einem Preis, wie er wenigstens behauptete — so gut wie gea,schenkt. • Auf dem halben Heimweg kehrte er nochmals um und versicherte mich noch auf Unfall. Bei so hitzigen, jungen Pferden könne man nie wissen... Und wenn ich noch irgend etwas benötige Hoessli, der mit einer Zähigkeit und Vehemenz, die eineT besseren Sache würdig wäre, einen Windmühlenkampf gegen das Automobil ausficht. Wie verbittert der weltfremde Herr Doktor ist, mögen folgende Zitate aus seiner letzten Einsendung in der Bündner Presse belegen. Wir lesen dort: « Eine ganz eigentümliche Erscheinung dieses weltberühmten, neumodischen Vehikels besteht darin, dass es seiner Tätigkeit, ohne es zu wollen und zu empfinden, den deutlichsten Stempel des Privilegiums, dos unzweifelhaften Vorrechtes aufzudrükken vermochte. Drei Dinge beweisen dies mit aller wünschbaren Deutlichkeit. Das Auto hat das Vorrecht, alle Strassen von Grund aus aufzuwühlen und zu zerstören; es hat das Vorrecht, vor allem in den Dörfern in allen möglichen und unmöglichen Tonarten zu lärmen und zu brüllen, und es hat das wenig schmeichelhafte Vorrecht, stinkende Gase, die, stellenweise gerasu zur ständigen Plage geworden sind, ausströmen zu lassen. » c Leider müssen wir dem Postauto auch ein paar Zeilen widmen. Die Eidgenossenschaft hat eben einen Kredit von annähernd 500.000 Fr. für eine Garage, sagen wir lieber für eine Postwagenkaserne in Chur bewilligt. Man erstaunt darüber, solche Zahlen zu lesen. Das Land hat gar nichts von diesem Betriebe als etwas Bequemlichkeit; im übrigen handelt es sich um einen vollständig leeren Durchgangsverkehr, der dem Staat viel Geld kostet, ihm nichts einbringt, und wir können auch zuschauen. Das ist leider der Fluch, der auf der Schweiz lastet, ungeheurer Verkehr, aber keine Verdienstmöglichkeiten — ein vollständig «verkehrter » Verkehr! Zum Schluss: Das Auto ist ein tödliches Element der Zeit, und ein zerfallendes Gewerbe damit aufrichten zu wollen, ist vollständig aussichtslos. » Der Fehdehandschuh war aber nicht er* folglos geworfen worden und schon die Redaktion des « Freien Rhätier» belehrte den Einsender, wie sehr er auf verlorenem Posten kämpfe und wie isoliert er mit seiner Auffassung auch in Graubünden dastehe. Besonders wertvoll waren die Aeusserungen aus den Kreisen der dortigen Hotellerie selbst, die wohl am kompetentesten zur Beurteilung des Wertes oder Unwertes des Autotourismus sind. Es sollen einige der gewichtigen Argumente gegen die Behauptungen des Dr. Hössli angeführt sein : Die Hotellerie kann freilich nicht auf eine befriedigende Saison 1931 zurückblicken, aber es wäre völlig verkehrt, das Auto hiefür anzukreiden. Weltberühmte Fremdenorte wie zu gebrauchen, solle ich auf ihn ja nicht vergessen. 3. Die sengende Hitze eines Augusttages lag über den Feldern. Die leichte Schrotflinte über der Schulter, den Oberkörper nur mit einem dünnen Hemd bekleidet, die Hemdärmel über die Ellenbogen hochgeschlagen, den Halskragen weit geöffnet, stapfte ich durch Kartoffel, Rüben, Kukuruz. Alle zehn Schritte blieb ich stehen und wischte mir mit dem nackten Unterarm über die schweisstriefende Stirn. Das verdammte Hühnerschiessen war nie meine Freude gewesen. Lieber kroch ich auf allen vieren über eine senkrechte Wand einer Garns nach oder schnaufte eine Schutthalde hinauf, bei der man mit einem Schritt nach vorwärts verlässlich zwei Schritte nach rückwärts rutschte. Aber wenn es einem dabei einmal zu dumm wurde, dann entschädigte einen ein Blick über blauende Täler und himmelragende Riesen, das silberrieselnde Hüpfen eines Bergbaches, eine Blume am Weg für alle Mühe des Tages. Gar nicht zu sprechen von dem Taumel, der einem zum Herzen stieg, wenn der Knall des Kugelschusses im rauschenden Echo hin und her wogte. Das ist Jagd und Jägerfreude! Aber hier? Kartoffel, Rüben, Kukuruz, Kartoffel, Rüben, Kukuruz. Glasig zitternde Luft über ewig grau-grünem Einerlei. Hie und da als lichte Flecke das helle Leinen arbeitender slowakischer Bauern oder dunkelblaue und scharlachrote Tupfen der Wei.berkit.tel und Kopftücher. Die Zunge klebte wie ausgedörrt am Gau- Zermatt, die vom Automobilverkehr unberührt sind, haben nicht um einen Deut besser abgeschnitten. In den Jahren 1920 bis 1923, da Graubünden dem Automobil verschlossen blieb, hat das Hotelgewerbe keinesfalls besser abgeschlossen als heute. Im Gegenteil wies die Statistik nach Freigabe des Kantons bedeutend stärker frequentierte Sommermonate auf, bis die nunmehr akkut gewordene Krise einsetzte, die aber in der Weltwirtschaft und nicht im Automobilverkehr ihre Ursache hat. Die Autogäste sind für die Hotels ebenso wichtig und unentbehrlich wie die eigentlichen Kurgäste. Ohne sie hätte es in manchen Kurorten Graubündens in den letzten Jahren mager ausgesehen. «Wie würden die meisten Kurorte in Graubünden dastehen, wenn wir sie (die Autogäste) in den letzten Jahren nicht gehabt hätten? Hier sprechen Zahlen eine deutliche Sprache. Sie haben zu einem grossen Prozentsatz mitgeholfen, unsere Hotels zu alimentierem Unsere Behörden haben die heutige verkehrstechnische • Situation richtig erfasst, und in sehr anerkennenswerter Art und Weise haben sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den heutigen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung getragen. Warum haben unsere Nachbarländer in richtiger Erkenntnis der Tragweite des Automobilverkehrs jedes Jahr viele Millionen zu gegeben? Sie wissen, dass das Automobil viel Geld, Verkehr und grossen Verdienst ins Land bringt. Wir vollen uns selbst nicht täuschen und glauben, dasa die Automobilbesitzer ihre Wagen zu Hause lassen und ihre Chauffeure in die Ferien schicken werden, damit sie mit der schönen Eisenbahn herfahren können. Das tun sie jjewiss nicht, aber sie werden jene Gegenden meiden, die für den iiAutoverlebr gesperrt sind, ihre Ferien dort verbringen und ihr gutes Geld dort, lassen, wo sie, mit ihren bequemen Autos, unabhänig von jeder Bahn, hinkommen können. Sie werden aber auch in allererster Linie diejenigen Gegenden vorziehen, die über tadellose Autostrassen verfügen.» Es wird trotz diesen überzeugenden Argumenten wohl wenig Aussicht bestehen, Herr Dr. Hössli, dessen Motive ja sicher die lautersten sind, noch zu überzeugen. Er ist mit dem Widerwillen gegen das Auto alt geworden und wird mit der Hartnäckigkeit des Alters an seiner Idee festhalten. Aber vielleicht veranlassen ihn die Meinungsäusserungen der dortigen Hotellerie wenigstens dazu seine « Weisheit» für sich zu behalten, denn dass sie in der Oeffentlichkeit gerade das gegenteilige Echo findet ist nun genügend dokumentiert worden. Die Hotellerie aber und mit ihr die Behörden tun gut, wenn sie diese men. Hinter mir trabte Jan Szivak als Patronenträger mit meinen abgelegten Oberkleidern und den geschossenen Hühnern. Brrrrrr! rauschte ein Volk Hühner fast unter meinen Beinen aus den Kartoffelstauden auf. Piff! Paff! Auf den zweiten Schuss staubten die Federn eines Huhnes auf, das fliegend weiterschwankte, bis es fast hundert Schritt weit zu Boden ging. Brrrrrr! strich ein zurückgebliebenes Huhn nach rückwärts. Vergeblich riss es mich herum. Keine Patrone im Lauf. Im plumpen Trab hopste Jan Szivak durch die Kartoffeln auf den Platz zu, wo das angeschossene Huhn vermutlich liegen musste. Ich blieb stehen und sah ihm, mit der Hand die Augen beschattend, nach, wie er gebückt, Schritt für Schritt, den Boden absuchte, hie und da mit dem Fuss die Kartoffelstauden beiseite bog. Entweder fand er es nicht oder er streifte es sorgfältig in eine Deckung, um es später für sich selbst zu holen. Ich war aber in der Bruthitze des Tages zu ausgepumpt, um auch nur einen einzigen, überflüssigen Schritt zu machen. Im kleinen Schattenkreis eines armseligen Busches warf ich mich zu Boden und sah gleichgültig nach meinem zweibeinigen Jagdhund, der noch immer mit gesenktem Kopf hin und her schob. Dieser verfluchte Katzenstein! In Anbetracht der kommenden Hühnerzeit hatte er mir einen Vorstehhund angetragen, und nach seinen Schilderungen hatte ich ihn ungesehen gekauft Die Höhe des Kaufpreises war mir einmal aus der Praxis gewonnene Kenntnis über die Bedeutung des Automobilverkehrs auch konsequent in all ihren weiteren Bemühungen um die Erhaltung des Rufes der Schweiz als Reiseland berücksichtigen und verwerten. Kleinliche Methoden der Automobilbekämpfung. Wie dem «Freien Räiier» zu entnehmen ist, figuriert auf der Traktandenliste des bündnerischen Grossen Rates ein Rekurs der Berninabahn gegen den Kleinen Rat. Es handelt sich dabei um die Anfechtung eines Entscheides, den der Kleine Rat zugunsten von drei Bauern in Brusio, dem äussersten Zipfel des Puschlav, getroffen hat. Diese drei Landwirte betrieben seit Jahren einen intensiven Gemüsebau auf ihrem Lande und haben früher Saison für Saison ihre Produkte mit eigenem Fuhrwerk nach dem Engadin gebracht, wo sie diese stets, an ihre nämliche Stammkundschaft abliefern konnten. Der mühsame Transport mittels Pferdefuhrwerk war aber bei der grossen Hitze oder den schweren Gewitterstürmen keine Kleinigkeit und man kann es wohl verstehen, als sich diese drei wackeren Landsleute die Vorteile des Motorfahrzeuges zunutze machten. Sie wagten einen Teil ihrer Sparbatzen und kauften sich gebrauchte kleine Lieferungswagen, auf deren Chassis sie ältere Personenwagenkarosserien montierten. Damit sind die Fahrzeuge unbedingt als Personenwagen anzusprechen, und den Besitzern ist es deshalb freigestellt, darin zu transportieren, was ihnen beliebt. Darin sahen aber die Leiter dt,' Berninä* Bahn einen nicht statthaften Warentransport und eine entsprechende Beeinträchtigung ihres Beförderungsmonopoles. Der Kleine Rat hatte zugunsten der drei Brusioner entschieden, und die Berninabahn will nun mit ihrem Rekurs erreichen, dass der Warentransport auch per Personenauto in ihrem Einzugsgebiet überhaupt verboten wird. Eine Korrespondenz des vorgenannten Blattes weist nun mit Recht darauf hin, dass die Bahn auch aus einem Totalverbot, wie es aber hoffentlich kaum erwartet werden muss, herzlich wenig Nutzen zieht, da die Bauern keineswegs in der Lage sind, die verhältnismässig geringen Quantitäten eigener Produk- eine sichere Gewähr, ein erstklassiges Tier zu bekommen. Dazu noch die Beteuerungen Katzensteins, die er sich verpflichtete, im Tempel feierlich zu beschwören. «Was für Fehler soll der Hund haben?»- wimmerte er entsetzt auf meine misstrauischen Fragen. «Was für Fehler? Der einzige Fehler, den der Hund für Sie hat, Sie müssen ihn Kassa im vorhinein bezahlen. Anders macht es sein jetziger Herr nicht. Wer das sei?» Er nannte mir den Namen eines angeblichen Oberförsters irgendwo an der Grenze von Ungarn und Patagonien. «Und dann — ist das ein Geld für einen erstklassigen Jagdhund mit einen Stammbaum wie ein Hunyady.» Tief beglückt ob des vierbeinigen Haupttreffers griff ich in die Tasche und zahlte. Kassa im vorhinein. Tags darauf schleifte ihn Katzenstein an einem Strick ins Haus, übergab mir das Wundertier mit einer tiefen Verbeugung, um infolge dringender Angelegenheiten sofort zu verschwinden. Sieben verschiedene Hunderassen waren auf den ersten Blick klar zu erkennen. Dass er ein erstklassiger Jagdhund, bewies sein Name. Er hiess Treff. Das war aber auch alles. Aber wie das Aeussere auch bei einem Tier täuschen kann! In der ersten Stunde sah ich bereits, er hatte eine tadellose Nase. Sofort hatte er neben der Küche die Speisekammer erwittert, und wenige Minuten später hatte er ein Diner von vier Gängen bewältigt. Einschliesslich einer halben Dose kalifornischen Obsts. Aber diese dürfte Jan