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E_1933_Zeitung_Nr.011

E_1933_Zeitung_Nr.011

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 7. Februar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N« 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" HaJbjährUch Fr. 5—, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recnnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das ergiebige Zollobjekt Die Motorfahrzeug- Gleich einer Hydra erhält sich mit der nämlichen Zähigkeit im Publikum die Meinung, dass der moderne Strassenverkehr dem Staate aussergewöhnlich hohe Ausgaben, speziell für das Strassenwesen. gebracht hätte, ohne dass die besonderen Einnahmen aus dem Motorfahrzeugwesen auch nur annähernd einen entsprechenden Anteil zu decken vermöchten. Dabei ist allerdings zu sagen, dass diese irrtümliche Auffassung nicht etwa von ungefähr kommt, sondern von gewisser Seite immer wieder neu und systematisch genährt wird: Es gilt eben, mit allen Mitteln Stimmung gegen das Automobil zu machen! Dabei wird immer nur mit jenen Zahlen operiert, welche die Einnahmen der Kantone aus dem motorisierten Verkehr darstellen, während die sich daraus ergebenden Zollerträgnisse wohlweislich übergangen, oder mit der Erklärung abgetan werden, dass sie, wie alle anderen Zölle, einfach in die allgemeine Bundeskasse zu fHessen hätten, ohne Rücksicht auf deren Herkunft und ohne irgendwelche Zweckbestimmung. Nun sind freilich die Einnahmen der Kantone schon sehr beträchtliche, wie wir dies in Nr. 100 der A. R. eingehend dargelegt haben. Im Jahre 1931, für welche die letzten Ausrechnungen vorliegen, vereinnahmten die Kantone 29,3 Millionen Franken aus Motorfahrzeugsteuern und Gebühren, 1,06 Millionen Franken aus Bundessubvention für Alpenstrassen, 9,9 Millionen Fr. als Benzinzollanteil und 0,6 Million Fr. aus Bussen. Es ergibt dies einen Gesamtertrag von rund 41 Millionen Franken, der allein 1 schon wenigstens die Hälfte der kantonalen Ausgaben für das Strassenwesen zu decken vermag. Wenn auch die Einfuhrzölle, mit Ausnahme des an die Kantone weitergeleiteten Benzinzollanteiles, durch den eidgenössischen Finanzminister für andere als dem Strassenverkehr dienende Zwecke verwendet werden, so ändert das doch kein Jota an der Tatsache, dass die Gesamtheit der Motorfahrzeugbesitzer zusammen mit der einschlägigen Industrie, Gewerbe und Handel für diese dem Bundesfiskus zufliessenden Millionen aufzukommen haben. Da Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (14. Fortsetzung) Wir haben Gibraltar angelaufen und es zwei Stunden später wieder verlassen. Das Wetter ist milder und wärmer geworden, seit wir ins Mittelmeer gekommen sind. Die Sonne schien den ganzen Tag, und der Sonnenuntergang gehörte zu dem Schönsten, was ich je gesehen habe — ich musste an ein paar unsterbliche Zeilen von Browning denken. Grosse goldene, rote, purpurne Wellen, die hinter den Klippen aufwallten, es war wie ein vulkanischer Farbenausbruch, wie... aber ich verliere mich in Naturschwärmereien, und das passt weder zu meiner angenommenen Rolle eines englischen Landjunkers, noch zu meiner wirklichen eines Hochstaplers und Gesellschaftsfeindes, augenblicklich auf der Jagd nach einer gewissen Goldsendung von 100 000 Pfund... Nun ja, ob es nun zur Rolle passt, kommt, streng genommen, auf eins heraus. Denn diese Rolle scheint sich zu der verpfuschtesten von allen zu gestalten, die ich in den kleinen Dramen meines Lebens innegehabt habe. Noch nicht einen Schritt näher dem Ziel! Alles in der Nähe des Krankenzimmers muss so still und ungestört sein, dass sogar die Nachtwache Order bekommen hat, sich an dem einen Ende des Korridors zu halten, um den Kranken drinnen nicht zu stören. und Brennstoff-Einfuhr crgiebt eine Bruttoeinnahme von 66 Millionen Franken. es die Eidgenossenschaft entgegen der vielfach im Ausland beobachteten Praxis nicht als notwendig erachtet, den grössten Teil der auf den Automobilisten und Motorradfahrern lastenden Sondersteuern vorab dem Strassenwesen wieder zugut kommen zu lassen, so kann sich die öffentliche Kritik, die Allgemeinheit trage zu hohe Strassenbaukosten, nur gegen dieses Verteilungssystem wenden. Die Motorfahrzeugbesitzer leisten an und für sich an Abgaben und Sondersteuern jährlich einen Betrag, der fast 100 Millionen Franken erreicht und damit die gesamten Aufwendungen für das Strassenwesen wesentlich übersteigt. Der Tribut, welchen das Automobil und Motorrad an die Eidgenossenschaft in Form von Zöllen entrichtet, lässt sich an Hand der von der Zollbehörde registrierten Importmengen leicht berechnen. Wie alljährlich, haben wir auch für 1932 diese Zahlen zusammengestellt, bedeuten sie doch für uns ein wertvolles und unumstössliches Argument gegenüber den Versuchen, das Motorfahrzeug 913a 913b 914a 914b 914c 914d 914e 914f 914g 518 522 1065b 924o 924d Positionen des Zolltarifes Motor-Zwei- und Dreiräder, ohne Lederüberzug . . . Motor-Zwei- und Dreiräder, mit Lederüberzug» . . . Automobile und Chassis im Stückgewicht von weniger als 800 kg Automobile und Chassis von 800 bis 1200 kg . . . . Automobile und Chassis von 1200 bis 1600 kg . . . . Automobile und Chassis über 1600 kg Karosserien aller Art für Automobile . . . . . . . . Traktoren ohne Karosserien Elektrokarren Schläuche, Röhren, ohne Gewebe- oder Metalleinlage (Reifen 70%) Schläuche, Röhren, mit Gewebe- oder Metalieinlage (Reifen 85%) Benzin und Benzol zu motorischen Zwecken . . . . Elektrische Apparate zum Anlassen, zum Zünden, zur Beleuchtung und Fahrsicherung für Motorfahrzeuge und Fahrräder, Scheibenwischer und andere Apparate, sowie Teile von solchen* Kilometerzähler für Motorfahrzeuge**. . . . . . . . Heute nachmittag war der Neffe auf dem Verdeck. Er sah blass und angestrengt aus und hatte hektische Flecken auf den Wangen. Ich stellte ihm ein paar höfliche Fragen nach dem Pastor — als ich dazu kam, denn die Damen des Schiffes umschwärmten ihn wie Bienen den Honig. Er drückte mir die Hand und murmelte etwas Unhörbares, dann riss er sich los und eilte wieder zu seinem kranken Onkel hinunter. Kapitän Selby war heute abend auf Besuch beim Pastor und blieb vielleicht eine Viertelstunde dort. Als er wieder heraufkam, hatte er grosse Tränen in den Augen — ja, wahrhaftig, der alte braungebrannte Seebär weinte. Er sah, dass ich ihn anstarrte und kam auf mich zu. «Ja,» sagte er, «ich weine, und ich schäme mich dessen nicht, Sir! Dieser Mann ist ein Heiliger, Sir, ein Heiliger, und wer das Gegenteil sagt, den will ich...» Er beendete den Satz nicht, sondern ging auf die Kommandobrücke. Herrgott, ich sage ja nicht das Gegenteil. Ich stimme sogar aus vollstem Herzen bei. Aber wenn der Pastor auch ein Heiliger ist, so gibt es eben-auch Augenblicke, wo Heilige sehr im Wege sein können. Zum Beispiel, wenn man auf dem Auslug nach 100 000 Pfund in gemünztem Gold ist und besagter Heiliger sich gerade den Raum neben ihrem Verwahrungsort zum Krankenzimmer aussucht... 25. Oktober (oder 26., ich weiss kaum mehr welcher). Nein, ich weiss es kaum, weiss kaum, ob ich bei Sinnen oder verrückt bin, wegen vermeintlich ungenügenden finanziellen Leistungen, im Volke immer wieder zu diskreditieren. Die Zusammenstellung ist auch in anderer Hinsicht noch von Interesse und verdient ein eingehenderes Studium. Ganz allgemein kann den Ergebnissen entnommen werden, dass sich der Ertrag für die Eidgenossenschaft neuerdings erhöht hat. Fassen wir nur das Nettoergebnis ins Auge, so ergibt sich mit 63,8 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahre eine Mehreinnahme von 2,2 Millionen. Diese ist nun allerdings unter der Auswirkung des schlechteren Geschäftsganges geringer als 1931, indem dazumal die Einnahmen um rund 5 Millionen höher waren als im vorangegangenen Fiskaljahre. Immerhin bedeuten diese rund 64 Millionen einen der Hauptposten in der eidgenössischen Zollabrechnung und lassen sich weder miss- noch wegdeuten. Die Einfuhrverminderung bei den Motorrädern hat sich natürlich auch in einem entsprechenden Rückgang des finanziellen Ertrages geltend gemacht. Bei der Einfuhr von Automobilen ist die,starke Zunahme von Wagen und Fahrgestellen im Gewicht von weniger als 800 kg bemerkenswert. Es deutet dies auf eine entsprechende Vermehrung des Kleinwagens hin, eine Erscheinung, die sich unter Menge in kg 1933 1931 282.847 14.371 737.829 5.379.926 4.412.392 1.854.226 19.221 1.054 84.387 23.645 3.430.027 204.255.182 74.447 503 * Erst seit April 1932 separat aufgeführt. ** Erst seit Juli 1932 gesondert aufgeführt. Bruttoertrag des Benzinzolles; b, Nettoertrag des Benzinzolles im Jahre 1931; c, auf zinzolles für 1932; d, Nettoertrag der gesamten Zolleinnahmen für 1931; INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern 489.524 17.388 445.422 5.798.065 5.377.924 2.333.225 27.339 8.696 118.607 24.122 3.273.344 181.894.140 ob ich schlafe oder wache. Ich habe eine Gespenstererscheinung gesehen, und habe ich keine Gespenstererscheinung gesehen, dann muss ich das Delirium haben. Meine Hand zittert, so dass ich dies kaum schreiben kann, und ich schreibe es nur, um zu versuchen, mich etwas zu beruhigen; mein Whisky ist ausgegangen. Ich stiess heute abend mit G. zusammen; das war der Anfang meiner Erlebnisse. Mit G., den ich seit unserer ersten Begegnung nicht mehr gesehen hatte und der heute abend womöglich noch schroffer und unangenehmer war als damals. Er kam geradewegs auf mich zu, ohne sich darum zu kümmern, ob uns jemand sehen konnte. «Nette Lustreise, das,» begann er. «Hat Ihnen die Seeluft gut getan? Und das Essen an Bord schmeckt Ihnen? Nette, verflucht nette Lustreise!» «Hören Sie, G.,» sagte ich. «Ich höre auf dem Ohr überhaupt nicht.» brüllte er. «Wozu sind Sie an Bord? Um mit den Damen zu flirten und Schach zu spielen — oder aus anderen Gründen? Haben Sie...» «G.,» sagte ich noch einmal und fixierte ihn, «nicht diesen Ton, wenn ich bitten darf! Sind Sie der Führer oder ich? Antworten Sie! Und was meinen Sie mit Ihren Insinuationen? Flirt und Schachspiel? Weiss Gott, Flirt interessiert mich weniger als irgendetwas auf der Welt, und Schach — missgönnen Sie mir ein paar Partien mit dem alten Geistlichen, der jetzt im Sterben liegt?» «Ja, im Zimmer neben unserem Geld,» rief dem Druck der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und der steuerlichen Sonderbelastung der Automobile, in den meisten Staaten geltend macht. Diese erhöhte Einfuhr von kleinen Wagen ist um so bedeutsamer, als der Import bei allen übrigen Gewichtsklassen zurückgegangen ist, was natürlich auch einen entsprechend verminderten finanziellen Ertrag zur Folge hatte. Die Einfuhr der Gummireifen und Schläuche kann nur annähernd ermittelt werden, da diese Waren in der Zollstatistik nicht separat aufgeführt sind, sondern mit anderen Gummifabrikaten in einer einzigen Rubrik vereinigt werden. Nach Angaben der Zolldirektion entsprechen aber die angenommenen Prozentsätze dem tatsächlichen Anteil der Motorfahrzeugbereifung an der unter den Positionen 518 und 522 errechneten Einfuhr. Weitaus die ertragsreichste Position ist diejenige für Benzin und Benzol. Die Einfuhr, welche sich im Jahre 1932 auf 204 Millionen kg stellte, hat somit innerhalb Jahresfrist neuerdings um 22 Millionen kg zugenommen. Hieraus ergibt sich eine Bruttomehreinnahme von 5.1 Millionen Franken. Wie aus den Legenden zur beigefügten Tabelle zu entnehmen ist, kann der Bruttoertrag von 46,9 Millionen Franken nicht ohne weiteres in Rechnung ge- Zollansatz Fr. 150 per 100 kg 150 per 100 kg 110 per 100 kg 130 per 100 kg 150 per 100 kg 170 per 100 kg 170 per 100 kg 120 per 100 kg 150 per 100 kg 10 per 100 kg 20 per 100 kg 23 per 100 kg 400 per 100 kg 500 per 100 kg Zollcrtrag in Fr. 1932 1931 424.270.50 21.556.50 811.611.90 6.993.903.80 6.618.588.— 3.152.184.20 32.675.70 1.264.80 126.580.50 2.364.50 686.005.40 46.978.691.86a 297.788.— 2.515.— 66.150.000.— 44.723.714.65o 63.895.023.45e 734.286.— 26.082.— 489.964.20 7.537.484.50 8.066.886.— 3.966.482.50 46.476.30 10.435.20 177.910.50 2.412.20 654.668.80 41.835.652.20a 63.548.740.40 39.933.781.01b 61.646.869.21d a. Grund der Ergebnisse von 1931 errechneter Nettoertrag des Bene, annähernder Nettoertrag für 1932. G. «Haben Sie da keine Gelegenheit, so will ich am höchsten Ast baumeln! Die Wache geht nicht mehr da, niemand geht mehr da, die Luft ist rein — und Sie, Sie tun nichts!» Ich starrte ihn an. Wahrhaftig, daran hatte ich nicht gedacht! Ich hatte die Okkupation des Krankenzimmers durch den Pastor immer als ein Hindernis betrachtet. Aber G. hatte recht, daran war nicht zu zweifeln! Es brauchte kein Hindernis zu sein, im Gegenteil! Im Gegenteil! • «Morgen oder übermorgen,» fuhr G. in derselben unerträglichen Weise fort, «sind wir in Malta. Da soll der Alte ans Land und dann kommt wieder die Wache, darauf können Sie Gift nehmen. Jetzt ist seit vier Tagen keine Wache gegangen, aber Sie...» «Schweigen Sie, G.,» rief ich, ernstlich durch die Frechheit seines Auftretens gereizt. «Sie können überzeugt sein, dass ich die Sache schon erwogen habe... und heute abend noch wird ein Besuch im Zimmer neben dem Pastor gemacht werden.» Damit wendete ich mich ab, um mich nicht weiter zu ärgern. Und heute nacht gegen 1 Uhr (also vor einer Stunde, glaube ich) begab ich mich auf meine Expedition. Ich war so angekleidet wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten, dunkler Pyjama und Filzpantoffeln, es ist dies ein Kostüm, das keine Aufmerksamkeit erregt und in dem man in neun Fällen von zehn unbemerkt vorbeischlüpfen kann. Mit einiger Vorsicht gelang es mir auch, alle Begegnungen auf dem Wege zum Korridor zu vermeiden, wo der Verwahrungsraum