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E_1933_Zeitung_Nr.022

E_1933_Zeitung_Nr.022

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Montag, 13. März 1933 4. Salon - Nummer Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N» 22 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern . Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inspratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Genf, den 11. März 1933. Wieder stand heute Genf im Zeichen der traditionellen Salon-Sternfahrt. Das betriebsame Strassenbild, das durch den Salon merklich an Intensität gewonnen hat. wurde heute Nachmittag mit den 29 Wagen belebt, die nach einer langen Fahrt über und über bestaubt und durch besondere Markierung kenntlich gemacht, mit Ungeduld durch die \jtrassen der Völkerbundsstadt drängten, dem Ziel beim Autosalon entgegen. Wer geglaubt hätte, die ungünstigen Zeiten würden dieser eng mit der Tradition des Salons verwachsenen touristisch-sportlichen Veranstaltung den Todesstoss geben, sah sich angenehm enttäuscht. 29 Fahrer hatten sich für die Konkurrenz gemeldet, und alle trafen heute zwischen 14 Uhr 30 und 17 Uhr 30 beim Ziel in Genf ein. Letztes,Jahr betrug die Zahl der Angekommenen nur 27. Der Nennungserfolg darf um so mehr befriedigen, als diesmal ein ganz neues Reglement der Sternfahrt neue und noch ungewohnte Wege wies, so dass mit Sicherheit angenommen werden kann, dass die in Wirklichkeit sehr leichten Bestimmungen Ueberängstliche von der Teilnahme abgehalten haben. Das allgemeine Urteil der Konkurrenten lautete für diese neue Art der Durchführung durchaus günstig, wenn auch zu sagen ist. dass die Organisatoren bei solchen Anlässen nie auslernen werden und immer wieder Erfahrungen sammeln können, die sich das nächste Mal nutzbringend verwerten lassen. Allgemein sagte die freie Wahl der Route, die bis jetzt immer vorgeschrieben war, den Teilnehmern zu, ganz begreiflicherweite, denn dem eigentlichen Begriffe einer « Sternfahrt » kommt man so noch näher. Sehr viel Verwirrung und übereilte Befürchtungen schaffte die von den Organisatoren ausgeheckte Ueberraschung» trotz den angekündigten mindestens drei geheimen Kontrollen, die sich erst bei der Durchfahrt bemerkbar machen sollten, eine einzige zu schaffen. Gleich nach der Ankunft in Genf hatten die Fahrer zur Geschmeidigkeitsprüfung anzutreten, die dieses Jahr zum erstenmale in Genf durchgeführt wurde. Eine srosse Menschenmenge wohnte längs dem Quai Charles-Page den Konkurrenzen bei. Zuerst hatten die Wagen hundert Meter langsam zu kriechen, darauf sofort 100 weitere Meter in schnellstem Tempo zu absolvieren. Die an und für sich interessante Konkurrenz scheint zum mindesten noch einiger ergänzender Bestimmungen zu bedürfen, um absoluten Wert für sich beanspruchen zu können. Das Wetter meinte es mit den Sternfahrern überaus gut. Während über dem Mittelland am Morgen noch ein bedeckter Himmel hing, heiterte es gegen den Nachmittag hin immer stärker auf, so dass die Konkurrenten in Genf bei schönstem Vorfrühlingssonnenschein einliefen. Die Strässen waren alle trocken und meistenteils in befriedigendem Zustand. Der Sieg fiel diesmal Herrn W. Petermann auf Chrysler aus Moutier zu. Nicht zuletzt verdankt dieser Fahrer seinen Erfolg auch dem guten Resultat, das er bei der Geschmeidigkeitsprüfung erzielte, und mit dem er seine schon gute Position noch verbesserte. Der Megevet-Becher, den die Sektion Bern des A.C.S. diesmal zum dritten Male verteidigte, ging erneut in ihren Besitz, in dem er jedoch nun definitiv verbleibt. Alles in allem darf man wohl sagen, dass auch die Sternfahrt 1933 sich ihren Vorgängern würdig anreiht, und wenn nun erst der Der Sport am Salon 1933 Die Sternfahrt nach Genf am Samstag (Von unserm bo.-Berichterstatter.) Gutes Wetter begünstigt die nach einem neuartigen Reglement ausgefahrene Veranstaltung. — Alle 29 Gemeldeten angekommen. — Sieger W. Petermann (Chrysler), Moutier. — Die Sektion Bern des A.C.S. gewinnt den Megevet-Becher endgültig. Beweis für die Vorzüge des neuen Reglern entes geleistet ist. so darf man wohl im nächsten Jahre noch auf einen grössern Erfolg hoffen. Der Sektion Genf des A.C.S., die die Sternfahrt mit gewohnter Umsicht aufs beste organisierte, wird man für ihre Mühen Dank wissen. Ein Fahrtbericht. Allen, denen es nicht vergönnt war, selbst die Sternfahrt in allen ihren wechselvollen Phasen mitzumachen, sei auf diese Weise ein sehwacher Ersatz zu bieten versucht und die Teilnahme an der Reise eines der Sternfahrtwagen im Geiste ermöglicht. Der Berichterstatter hatte das « Glück in jenem Wagen sein Plätzchen zu finden, der die längste Strecke hinter sich zu bringen hatte. Bern schickt sich zu seinem gewohnten Tageslaufe an als wir uns bei der Kreuzung der Murten- und Freiburgstrasse treffen, alle in voller Kriegsbewraffnung. mit Karten, Bleistiften, Notizblöcken sogar mit einem Reissbrett samt Schiene — unc mit einem klaren Schädel. Wer noch nie eine Sternfahrt mitgemacht hat, wird sich nie vorstellen können, mit welcher Todesverachtung da gearbeitet werden muss. Vorbei die Stadt, schon hat uns die Strasse nach Luzern — das ist unser erstes Ziel — aufgenommen. Kaum ein Blick gilt dorn in morgendlichen Schleiern verhängten Märztag. Es steckt System in unserer Arbeit, jeder hat seine Aufgabe, und im übrigen «das Maul zu halten>, wie es auf bekannten Jass-Reglementen etwa empfohlen wird. — Der eine hat die Aufgabe, uns heil über Stock und Stein zu bringen, welcher Aufgabe er sich denn auch ausgezeichnet entledigt. Der Zweite bildet den Verbindungsmann zwischen dorn Rechnungsbureau hinten und dem Lenker. Die Augen auf seine krampfhaft gehaltene Stoppuhr geheftet, diktiert er sekundengenau die Zeit, zu der wir stets in den Ortschaften, einzulaufen haben. Hinten werden nach besonderem System die Zeiten nach den Streckenkilometern, die von der Karte abzulesen der Berichterstatter die Ehre hat, ausgerechnet. So geht es in munterem Tempo weifer, und Langnau ist erledigt, bevor wir auch nur einmal recht den Kopf gehoben haben. Zahlen schwirren, dass es einem buchstäblich übel werden kann. (Was denn auch bewiesen wurde . •) Noch liegt da und dort ein Häuflein Schnee, das im Hage schmilzt, wie schon bei Gottfried Keller zu lesen stand . Die Sonne kämpft über den Bergen eine wilde Schlacht mit den Nebeln aus, die wild durch die Täler treiben. Genau zur Zeit haben wir das Emmental durchfahren, und schon geht es dem Entlebuch zu. Langsam wird es heller. Bei Escholzmatt schiesst plötzlich ein Auto um die Ecke, uns entgegen, winkende Hände, lachende Gesichter: Die in Luzern Gestarteten hitten uns passiert. Längere Zeit scheint es, als sollte uns noch Nobel auf der Strecke bescheert werden, allein, wir fürchten zum Glück ohne Grund. Genau zur Sekunde streben wir Luzern zu, gerade ist es zehn Uhr. Viel Bewegung in der Stadt. Doch Rasten ist uns nicht beschieden, und schon geht es wieder dem Stadtausgang zu, Richtung Ölten. Vor Luzern befürchteten wir kaum eine Kontrolle, doch nun haben wir grosse Bedenken. Hinter jeder Ecke vermuten wir eine gelbe Fahne, die uns unvermutet in die Augen springt. Nichts — vergeblich büffeln wir uns den Kopf müde. Schon kommt rechts der Sempachersee, von Dünston überspannt, milchigblau. Es ist ein kühler Märzmorgen, aber trocken, ganz ideal für die Sternfahrt. Hie und da fliegt ein Scherzwort auf, das den Zauberbann der Zahlen durchbricht. Selten begegnet ans ein Wagen. In den Dörfern springen uns die Kinder nach; sie haben noch nie solch merkwürdige, mit Reissbrettern bewaffnete Autofahrer gesehen; auch das Sternfahrtzeichen fällt ihnen wohl auf. Es geht gegen 11 Uhr. Wir schlängeln uns durch das saubere Städtchen Sursee, gewinnen wieder die offene Strasse und sind nach flotter Fahrt bald in Zofingen. Wieder vermuten wir überall Kontrollen, doch nichst zeigt sich. Schon ist die Kreuzstrasso in Aarburg überquert, als uns die S.B.B, plötzlich den grössten Streich spielt: geschlossene Barriere' Wir halten und — fluchen, was in Anbetracht He>brenzligen Situation zu verzeihen ist. Mehrere Minuten sind futsch, wir sind viel zu spät und ver muten doch bis Ölten noch eine Kontrolle! Schliessen wir verständnisvoll beide Augen und wenden den Blick vom Schnelligkeitszeiger weg. Ölten er reichen wir. noch mit leichter Verspätung. Aufgeregt hupt sich unser Wagen durch die Stadt, einer von uns rennt zur Kontrolle, findet sie nicht, und schon st die grösste Erregung. Endlich lässt sie sich fin- (Schluss Seite 2) Rekordaufmarsch des Publikums für das erste Rennen der Saison. Trotz vorzüglicher Leistungen werden die bestehenden Kategorierekorde nicht geschlagen. Maurer auf Voisin fährt die beste Zeit der Tourenwagen, Villars auf Alfa Romeo ist der schnellste bei den Sportwagen, und Stuber sichert sich auf Bugatti wiederum die beste Zeit der Rennwagen und des Tages. 1 Das Kilometer-Rennen mit stehendem Start (Von unserm bi.-Berichterstatter.) Genf, den 12. März 1933. Das Kilometerrennen. Nachdem bereits das letzte Jahr, allen pessimistischen Voraussagen zum Trotz, die Rennsaison einen flotten Auftakt in Genf nahm, so durfte man mit etwelcher Zuversicht dem diesjährigen Eröffnungsrennen entgegensehen. Die Organisatoren sahen sich in ihren Erwartungen erfreulicherweise nicht getäuscht und konnten trotz allen Schwierigkeiten mit einer stattlichen Nennliste aufwarten. Mit 28 Anmeldungen stand das Programm nur wenig hinter dem vorjährigen zurück, und wenn auch alte Bekannte auf der Liste fehlten, so waren andere in die Lücke getreten. Vor allem ist die Tatsache bemerkenswert, dass verschiedene Fahrer zum ersten Male antraten und es uns deshalb um den Nachwuchs nicht allzu bange zu sein braucht, um so mehr, als dieser die Feuertaufe recht gut bestand. Wenn die Anmeldungen gegenüber 1932 um weniges zurückblieben, so bekundete dafür das Publikum ein um so regeres Interesse, und mit begreiflicher Genugtuung konnte die Kontrolle und der Kassier einen beträchtlichen Zuwachs an Zuschauern und Einnahmen buchen. Das Wetter hatte abermals ein Einsehen und wenn auch keine lauen Frühlingsiliifte wehten, so konnten doch Zuschauer und Fahrer mit der Witterung zufrieden sein. Die kalte, trockene Luft scheint allerdings den Vergasern weniger zugesagt zu haben, denn anderswie lässt es sich kaum erklären, dass keiner der Kategorie-Rekorde dran glauben musste, nachdem sich die Strasse in . mindestens ebenso gutem Zustande befand, wie im Vorjahre. Das Training. Es ist, als würden sich Fahrer und Maschinen gleicherweise freuen, dass die Zeit der Winterruhe endlich vorüber ist, denn es herrscht eifriger Betrieb in der Morgenfrühe und keiner möchte den Probegalopp missen. Wenn Aufgabe und Strecke auch recht harmlos erscheinen, so muss doch allerhand dahinter stecken, sonst würden alte Routiniers vom Schlage eines Stuber, Zwimpfer, Kessler usw gewiss nicht ihre Zeit mit Trainingsfahrten verschwenden. Zugegeben, dass das Kilometerrennen wohl die beste Gelegenheit für Fahrer ist, die sich zum erstenmal an ein Rennen heranwagen, aber auch der erprobte Kämpe vermag durch genaues Studium der Strecke manchen Vorteil herauszufinden, der sich im entscheidenden Moment als Zeitgewinn auswirken wird. Die Uebersetzungsverhältnisse, das geeignetste Regime für den Motor beim Gangwechsel und was die Finessen alle mehr sind, auf die der Fachmann achtet, sind alles Faktoren, die mitzählen. Wenn sich die Organisatoren mit dem Rennen auch alle Mühe geben,' die anerkannt zu werden verdient, so hilft das doch nicht über die Tatsache hinweg, dass die Strecke keineswegs für diese Zwecke ideal genannt werden kann. Sie ist ein guter Notbehelf, mehr nicht. Kommt dann noch hinzu, dass die Strassenverwaltung zwar für das Reinigen und Kehren der Piste sorgt, die Sandund Kieshäufchen aber hübsch längs der Strecke liegen lässt, so heisst es für die Fahrer ein doppelt sorgfältiges Augenmerk auf die Strasse selbst zu richten. Das Training bot das übliche Bild. An interessiertem Publikum fehlte es nicht, und wer es auch noch so eilig hatte, um ins Geschäft oder die Schule zu kommen, der opferte doch einige- Zeit. um die bekannteren Wagen oder Fahrer an sich vorbeischneuzen zu lassen. Sohliesslich war das in Aussicht stehende Rennen und überhaupt die ganze Salon-Atmosphäre Grund genug, um eine ausnahmsweise Verspätung entschuldigen zu können ( Die kurzen Pausen benützten die Konkurrenten, um sich gegenseitig zu begrüssen und ihre Gedanken über die kommende Saison und persönlichen Pläne auszutauschen. Rasch war der kameradschaftliche und sportliche Kontait wieder hergestellt und man freute sich über jedes bekannte Gesicht, idas neu auftauchte. Freilich war der Aufmarsch nicht komplett und man vermisste diesen oder jenen Sportsmann, der zur schweizerischen Gemeinde der Rennfahrer gehört. Während einzelne durch Abwesenheit glänzten, kamen andere, so Dr. Karrer, zwar zu diesem ersten Rendezvous . aber ohne Wagen. Hoffen wir, dass sich die Reihen bald wieder schliessen und wir mit einer mindestens so gut beschickten das letzte Jahr rechnen dürfen. Die Tourenwagen. Saison wie Dem Rennen vorgängig machte Stuber noch eine eindrucksvolle Fahrt hors concours, da er das Samstags-Training nicht bestritten hatte, Maurer, heute wohl der älteste aktive Sportsmann der Westschweiz, eröffnete die Konkurrenz der Kategorie und fuhr auch gleich ein vorzügliches Rennen, über dessen Resultate man kaum im Zweifel sein konnte. Er galt schon an den Trainingstagen als ausgesprochener Favorit und holte sich sicher den ersten Preis. Maaror hat damit seinen letztjährigen Erfolg wiederholt, und wenn es ihm Zum Eröffnungsrundgang. Eine Begriissungsszene während des Eröffnungsrundganges. Zweiter von links: Bundespräsident Schulthess. Dritter von linke: Herr Marchand, Präsident des Organisationskomitees. (Photo Automobil-Revue.) auch nicht gelang, seine eigene Bestzeit zu schlagen, .so dürfen Fahrer und Marke mit dem Resultat mehr als zufrieden sein. Die Chrysler-Leute hatten einige Bedenken, sich am Kampf zu beteiligen, denn ihre Wagen waren kaum richtig in Europa gelandet und ausgepackt, als auch schon der Termin für Genf vor der Türe stand. Es ist eine undankbare Aufgabe, mit Maschinen, die weder richtig eingelaufen, nach fachmännisch ausreguliert sind, den Kampf aufzunehmen, und man hätte es den Fahrern nicht verdenken können, wenn sie auf den Start verzichtet hätten. Da aber der Genfer Kilometer bei der diesjährigen Meisterschaft mitzählt und Chryslerfahrer die feste Absicht haben, diese zu bestreiten, so entschlossen sie sich doch, an den Anmeldungen festzuhalten. Diese flotte sportliche Geste verdient alle Anerkennung, und sie wurde auch durch die erzielten Resultate gebührend belohnt, denn alle Konkurrenten der Marke haben sich gut gehalten und tapfer geschlagen. So landete Gübelin in der Klasse 3—5 1 einen glatten Sieg und behauptete damit seinen letztjährigen Erfolg. In die übrigen Plätze teilten sich drei Fordwagen, von welchen der von Blatter geführte besonders gute Figur machte. Die grösste Klasse der Kategorie bestritt IJwimpfer wiederum in Einzelgang und blieb nur um Sekundenbruchteile .hinter seinem letztjährigen Klassenrekord zurück. Mit 80,717 km hat er ein Mittel erreicht, das nach dem Vorbergesagten kaum zu erwarten war. Die Sportwagen. Hier war erstmals ein Singer bei den Kleinwagen vertreten, der ganz gute Figur machte, indem es dem englischen Fahrer Price auf alle Fälle