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E_1933_Zeitung_Nr.032

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Aufgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 11. April 1933 Mit Autler-Ostern Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste* 4 Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, solero nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Schweizerische Tagesfragen Ein neuer Schlag gegen das Lastauto. Mitten in die Unterhandlungen zwischen den Bahnen und den Automobilverkehrsinteressenten platzt die Mitteilung, dass der Verband Schweiz. Transportanstalten am 17. März beim Finanzdepartement das Verlangen gestellt hat, es sei der Zollansatz auf Schweröl zu erhöhen. Begründet wird dieses Begehren mit der Konkurrenz der Lastwagen zu den Nebenbahnen. Das Vorgehen der Bahnen ist unerhört. Bisher waren die Zölle da, einmal um dem tigung geben kann. Vernünftiger als eine illusorisch und beginnt jetzt schon auf unsere schweizerische Wirtschaft zurückzufalnalrat Tobleri anlässlich der letzten Gene- Zollerhöhung wäre die von Herrn alt Natiolen. Die ausländische Industrie bringt Fahrzeuge bei uns auf den Markt, die bei 4,5 Ton- Rückerstattung eines Teils des Benzinzolls ralversammlung der A. S. P.A. verlangte Bund zur Erfüllung seiner Aufgaben die nötigen Einnahmen zu schaffen, dann um die nen Eigengewicht eine Tragfähigkeit von 6 an die Inhaber schweizerischer Wagen. Im einheimische Wirtschaft vor der unerträglichen Konkurrenz des Auslandes zu schützen. Tonnen haben und bei denen unter Verwendung eines besonders leicht gebauten An- schon lange und die deutsche Reichsregie- Aiuslande kennt man solche Bevorzugungen iVir kennen aber keinen Fall, wo die Zölle hängewagens 10 Tonnen in einer Fahrt abgeführt werden können. Bisher konnte dieerleichterungen für die Besitzer von einheirung hat erst in den letzten Tagen Steuer- dazu verwendet worden wären, die Konkurrenz des einen inländischen Unternehmens ser Konkurrenz, die durch das Automobilgesetz gezüchtet worden ist, mit dem be- Schweiz dagegen soll mit aller Gewalt die mischen Fahrzeugen beschlossen. In der gegen das andere zu unterbinden. Gegen solche Praktiken werden wir uns mit aller Energie zur Wehr setzen. Es ist ein starkes Stück triebsbilligen schweizerischen Dieselwagen einheimische Industrie vernichtet werden, einigermassen begegnet werden. Wird das nur weil die Bahnen für sich dabei einen von den Nebenbahnen, im gleichen Augenblick, wo ihnen von den eidg. Räten eine Schweröl für den Dieselbetrieb verteuert, so kleinen Vorteil zu ergattern erhoffen. hört die Konkurrenzfähigkeit der schweizerischen Fabriken ganz auf und zu den bereits tement diesen kleinlichen Vorstoss zurück- Wir erwarten, dass das eidg. Finanzdepar- Hilfsaktion bewilligt wird und wo sie nach weiterer Bundeshilfe rufen, nach einer Hilfe, durch das Automobilgesetz arbeitslos gewordenen 500 Angestellten kommen weitere Wirtschaft zulässt. Wir wollen eine Verweist und keine neue Erschwerung unserer die von der Wirtschaft bezahlt werden ständigung mit den Bahnen und haben dies muss, in dieser Weise gegen einen schweizerischen Wirtschaftszweig vorzugehen, der zum Ausdruck gebracht. Wir werden dabei seit zehn Jahren immer und immer wieder genau gleich wie die Bahnen seine Existenzberechtigung hat, der in Form von Steuern oder nach der Verständigung das Wasser auch Opfer bringen. Den Versuch, uns jetzt der Allgemeinheit Einnahmen verschafft und durch Erhöhung der Zölle auf den Trieb- Hunderte von Angestellten beschäftigt Unbegreiflich ist aber das Vorgehen der Nebenbahnen auch im Hinblick auf die schwebenden Unterhandlungen. Wir wissen wohl, dass diese Unterhandlungen nicht allen Bahndirektoren in den Kram passen, da iele von ihnen nicht nur eine gesetzliche Regelung des gewerbsmässigen Strassenverkehrs, sondern auch eine Unterbindung des Werkverkehrs wünschen. Es hat nun ganz den Anschein, als ob der Verband der Transportanstalten die Unterhandlungen durch sein Vorgehen stören wolle, um dann seine Pläne auf dem Wege einer Kraftprobe verwirklichen zu können. Man täusche sich aber bei den Nebenbahnen nicht, die gegenwärtige Zeit ist nicht günstig für Monopolgelüste. Sollten sie die Unterhandlungen wirklich zum Scheitern bringen, so dürfte noch mancher Bahn das Leben sauer werden, bis ein neuer Verfassungsartikel und F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. (4. Fortsetzung) Georg sah ihn mit unbeweglichem Gesicht an. «Semper idem,» sagte er dann langsam. «Ist dies dein letzter Rettungsversuch, Tartüff? Lass dir eins sagen, schlimmer als die Cowboymoral mit Messer und Pistole ist die der hinterlistigen Vergiftung —» Er hielt inne und sah ihn aufmerksam an. «Was hast du denn, du wirst ja ganz blass?» «Ich blass?» Richard lachte. «Ich bewundere deine Einbildungskraft. Weswegen sollte ich blass sein?» «Merkwürdig, merkwürdig,» murmelte Georg, wie zu sich selber, ohne seinen spähenden Blick von Richards Gesicht zu wenden, das plötzlich gealtert schien. Offenbar lag ihm daran, seine Wahrnehmung auf den Bruder wirken zu lassen. «Was gehen mich denn deine Cowboys an,» warf der in gleichgültigem Ton hin. «Ich meinte natürlich,» erwiderte Georg langsam und leise, «keine wirkliche Vergiftung, es gibt ja auch andere, zum Beispiel bildlich: eine giftig wirkende Verleumdung!» «Anders habe ich es auch gar nicht aufgefasst, selbstverständlich nicht!» ein Konzessionsgesetz vom Volk angenommen worden sind. Wir drohen nicht gerne, hier aber muss mit aller Deutlichkeit gesagt werden, wie die Sachen liegen. Den Bahnen ist der erste Streich gegen das Lastauto mit dem Automobilgesetz und seiner Vollziehungsverordnung gelungen. Die Beschränkung der Maximalgewichte für Lastenzüge auf 16 t war für sie ein Erfolg. Dieser Erfolg wird aber für die Bahnen bereits" 2000. Die Nebenbahnen berichten immer von der durch das Auto verschlechterten Handelsbilanz. Ja glauben sie, die Handelsbilanz werde besser, wenn an Stelle einheimischer Lastwagen solche ausländischer Provenienz verwendet und statt des billigern Rohöls teures Benzin eingeführt wird? Da.s Schweröl wird nicht nur als Treibstoff der Lastautomobile, sondern in weit grösserem Umfang für den Antrieb stationärer Motore in der Industrie, in Elektrizitätswerken und vor allem bei den Zentralheizungen in den Fabriken, Hotels und Privatwohnungen verwendet. Soll dieses Oel auch verteuert werden oder will man zweierlei Recht schaffen und die Lastautobesitzer wieder in eine Sonderklasse von Bürgern zweiter Güte einreihen? Wollen endlich die Bahnen für sich eine Sonderbehandlung verlangen, wenn sie einmal zur Verwendung von Schienenfahrzeugen mit Dieselmotoren übergehen? Es wäre wünschbar, darüber Klarheit zu schaffen. Richtig ist, dass die Besitzer von Dieselwagen sich bisher in einer gewissen Vor- «So, so. Also was ich sagen wollte — richtig: Ueber ein halbes Jahr schon war ich in der ganz einträglichen Stellung, da wurde ich einmal nachts oder vielmehr frühmorgens, als ich Kasse machte, von zwei Gaunern, die darauf gelauert hatten, überfallen, schwer verletzt und beraubt. Ich lag sechs Wochen im Krankenhaus und erfuhr, dass inzwischen meine Stelle besetzt war. Damals schrieb ich in grösster Not noch einmal .eingeschrieben' an Vater und an dich. Den .Erfolg' kennst du ja. Schiller hat die Geschichte ein bisschen anders in seinem Franz Moor vorgeahnt.» «Das sind masslose Uebertreibungen,» wehrte sich Richard. «•Mutatis, mutandis, natürlich. Na also: ich tnusste wieder von vorne beginnen. Nach monatelanger Arbeitslosigkeit gelang es mir, bei einer Schauspielertruppe anzukommen, du weisst ja, ich war schon auf dem Gymnasium wegen meines mimischen Talents bekannt —» «Freilich, du wolltest immer die erste Rolle spielen.» «Drüben spielte ich meist Charakterrollen. Ich kann wohl sagen, dass ich Erfolg hatte. Leider machte die Truppe, von einem jüdischen Schauspieler aus Berlin geschickt geleitet, 1914, kurz nach Kriegsausbruch, pleite. Aber ich habe mich doch ziemlich vervollkommnet als Darsteller. Ich werde deine zugsstellung befanden. Diese Vorzugsstellung ist aber berechtigt durch den Umstand, dass sie in der jetzigen Krisenzeit Fahrzeuge einheimischer Fabrikation verwenden und dadurch helfen, eine schweizerische Industrie über' Wasser zu halten. Das ist produktive Arbeitsfürsorge und dazu sicher die billigste, die sich der Bund bisher geleistet hat. Was spielen die wenigen tausend Franken Einnahmen aus einem erhöhten Schwerölzoll für eine Rolle gegenüber dem Umstand, dass unsere Industrie, wenn auch in reduziertem Masse, ihren Arbeitern Beschäf- stoffen abzugraben, weisen wir aber mit allem Nachdruck zurück. Entweder arbeiten die Bahnen mit offenen Karten oder wir ziehen den Kampf bis zum Ende vor.