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E_1933_Zeitung_Nr.034

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 18. April 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N" 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Mate« Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, •otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Neuorganisation der Bundesbahnen. Das Post- und Eisenbahndepartement hat zur Begutachtung des Gesetzesentwurfes über die finanzielle Sanierung der S. B. B. durch den Bund eine aus 17 Parlamentariern bestehende Kommission bestellt. Es ist also zu erwarten, dass das Gesetz noch im Laufe dieses Jahres den eidg. Räten vorgelegt wird. Bekanntlich sieht der Vorschlag der Generaldirektion der S. B. B. die Uebernahme von 870 Mill. Fr. durch den Bund vor. Lehnt das Volk am 28. Mai die Anpassung der Gehälter der Bundesbahnen an den gegenwärtigen Stand der Lebenskosten ab, so sollen zur finanziellen Sanierung der S. B. B. sogar 1200 MiJl. Fr. nötig sein. Räte und Volk stehen in nächster Zeit vor schwerwiegenden Entscheidungen. Die Rechnung des Bundes schliesst mit einem gewaltigen Defizit ab. Dazu erklärt unser Finanzminister, dass neue Schulden nicht gemacht werden dürfen. Im Finanzhaushalt der Kantone und Gemeinden sieht es nicht besser aus. Ueberall Defizite, die früher oder später von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen. Statt der dringend nötigen Entlastung unserer schwer um ihre Existenz kämpfenden Wirtschaft wird man dieser also neue Auflagen überbürden müssen. Bei dieser misslichen Lage unserer öffentlichen Finanzen soll nun der Bund eine weitere Schuldenlast mit einer jährlichen Ausgabe von 40 bis 60 Millionen Franken übernehmen, für die wiederum die Wirtschaft aufzukommen hat. Der Bund hat die Garantie für das Kapital und die Zinsen der Bundesbahnen übernommen. Er hat also die Defizite zu tragen. Es stellt sich nun die Frage, ob damit unbedingt eine Kapitalübernahme verbunden werden nrass. Nicht ohne Grund befürchtet man, dass die von einem Teil ihrer Schulden entlastete Bahn in kurzer Zeit wieder in eine Schuldenwirtschaft hineingerät. Die Erfahrungen der Hetzten zehn Jahre mahnen da zu grösster Vorsicht. Es wird also vor allem nötig sein, dass die Organisation der Bundesbahnen grundlegend geändert wird. Dazu gehört F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Kar! Strecker. (6. Fortsetzung) Vom Tage Der Schuss dröhnte durchs Haus. Man hörte jetzt Geräusch im Oberstock, Stimmen, Türschlagen, eilige Schritte. Georg hatte eben noch Zeit, den Toten unter eine breite geschnitzte Bank an der Wand zu schieben, wobei er wiederholt auf Glasscherben trat. Dann eilte er zur Tür, durch die der Diener gerade herein wollte. Georg trat ihm auf der Schwelle entgegen, schloss die Tür hinter sich und hielt ihm seine blutende Hand vors Gesicht. «Die Katze ist toll geworden,» stiess er hervor, «hat mich gebissen, ich habe sie totgeschossen.» Blitzschnelle Ueberlegung wirbelte durch seinen Kopf. Was tun? Die Wahrheit sagen? Alles aufdecken? Für die schwerfälligen Hirne der Hausleute wäre das viel zu kompliziert. Sie würden es nicht verstehen, nicht glauben. Und dann: Der Tote mit der Kopfwunde — seine eigene Verkleidung, die Maske des Bruders — der Schuss — nein, nein, das gäbe zunächst — Mordkommission, Untersuchungsgefängnis — öffentlichen Skandal! Sein fein und gross angelegter Plan wäre vernichtet. Er musste zunächst einmal seine Rolle spielen. Während der wenigen Sekunden dieser Ueberlegung starrte Friedrich ratlos auf die blutende Hand. «Ach du lieber Gott! Ist es schlimm?» eine Ausschaltung des politischen Nebenregiments und eine grössere Selbständigkeit der Verwaltung unter genauer Abgrenzung der Kompetenzen und der Verantwortlichkeit. Die Reorganisation der Bahn muss aber erfolgen, bevor die finanzielle Sanierung durchgeführt wird. Die Allgemeinheit hat ein Anrecht darauf, die künftige Organisation der Bundesbahnen zu kennen, bevor man ihr die Uebernahme eines so ungeheuren Kapitals zumutet. Der Bundesrat hat von den Bahnen neben dem Sanierungsbericht einen weitern Bericht über die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Bahn und Auto eingefordert. Wie man vernimmt, unterhandeln die Vertreter der Bahnen und der Automobilisten über die Grundlagen einer Verständigung. Die bestehenden gewerbsmässig betriebenen Autounternehmungen sollen in den Astobetrieb überführt werden, während man den reinen Werkverkehr frei lassen will. Eine solche Lösung erweckt ebenfalls Bedenken. Uebernehmen die Bahnen den ge-Tarifabbau Ordnung in das Tarifwesen gevergünstigungen und durch einen allgemeinen werbsmässigen Lastwagenbetrieb, so schalten sie damit eine Konkurrenz aus, die bis- klares Programm über die künftige Organisabracht wird. Nötig ist also in erster Linie ein her der Wirtschaft gute Dienste geleistet tion der Bundesbahnen und über die Gestaltung der Verkehrsverhältnisse und der Tarife. hat. Nach dem eigenen Zugeständnis der S. B. B. hat die Konkurrenz des Autos sie zu Erst dann wird man eine finanzielle Hilfe verlangen können, die für unsere Wirtschaft auf Betriebsvereinfachungen und Taxreduktionen gezwungen, die sonst kaum gekommen wären. Bileibt der Werkverkehr frei, so ist alstellt. * • ' • Jahrzehnte hinaus eine drückende Last darlerdings eine gewisse Sicherheit dafür geboten, dass die in die Bahnorganisation eingegliederten Autobetriebe nicht zu einer Verteuerung der Transporte benützt werden Die in einer letzten Ausgabe aufgeworfene Werbung für den Autotourismus können. Es ist aber denkbar, dass die Bahnen die Autoorganisation als Kampfmittel ge- der Fremdenwerbung im Auslande unter be- Frage, was diesen .Sommer auf dem Gebiete gen den Werkverkehr benützen. Dies würde sonderer Berücksichtigung des Autotouristenverkehres vorgekehrt werde, sowie die Be- aber bedingen, die Taxen so niedrig anzusetzen, dass nicht nur die. Selbstkosten des sprechung der diesbezüglichen Projekte, haben in weiten Kreisen lebhaftes Echo gefun- Werkverkehrs unterboten, sondern auch für die zahlreichen indirekten Vorteile, die der den, das uns zeigt, welche Bedeutung diesen Besitz eines eigenen Fahrzeuges verschafft, Angelegenheiten glücklicherweise zugemessen ein Ausgleich geboten wird. Der Autobetrieb der Bahnen würde damit von Anfang kanntwerden der in Aussicht genommenen wird. Es war zu. erwarten, dass sich bei Be- an zu einem Verlustbetrieb, und es Jässt sich propagandistischen Massnähmen auch gleich voraussehen, dass der zu gewinnende Nenverkehr diese Verluste nicht zu decken ver- die Kritik zum Worte melden werde. Von den seither eingegangenen Korrespondenzen sei 1 möchte. Das kann aber nicht der Zweck der Verständigung und Sanierung sein. Beabsichtigt die Bahn nicht, diesen Weg einzuschlagen, sondern will sie den Autobetrieb zu Normaltarifen unter Deckung der Selbstkosten führen, so wird wie bisher eine Rückgewinnung des Werkverkehrs an die Bahn nur durch die Einräumung von Sondertarifen möglich sein. Damit wird aber nicht der Gesamtwirtschaft, sondern immer nur jenen Interessentengruppen gedient, die das Lastauto gegen die Bahn ausspielen können. Soll die Allgemeinheit aber eine neue Last von 40 bis 60 Millionen übernehmen, so muss ihr als Gegenwert eine allgemeine Taxermässigung eingeräumt werden. Das System der Vorzugstarife, an sich schon ungesetzlich, muss endlich einmal verschwinden und einer gesunden Tarifpolitik Platz machen. Die Wirtschaft muss, bevor das Sanierungsprojekt von den eidg. Räten behandelt wird, auch über diese Punkte Klarheit fordern. Sie muss verlangen, dass die Verständigung mit den Autointeressenten nicht zu einer Erhöhung der Frachten oder zu einer weitern Durchlöcherung des Tarifsystems führt, sondern durch Aufhebung der Sonder- «Schnell Wasser!» rief Georg, ärgerlich über die Begriffsstutzigkeit des Verschlafenen. Es befand sich im Vorraum der Trinkstube eine Waschgelegenheit aus Marmor und Kupfer, zugleich zum Kühlen der Flaschen eingerichtet. Während Georg seine blutende Hand unter den strömenden Wasserhahn hielt und der Diener, im Begriff, Verbandzeug zu holen, die Tür zur Treppe öffnete, erschien auf der Schwelle Fräulein Mathilde Tölsch im Nachthemd, über das sie einen dünnen Schlafrock gezogen hatte, mit wirrem Haar und nackten Füssen. «Um Gottes willen, Herr Direktor!» rief sie schon draussen auf der Treppe — «Was ist los?» Als sie herein kam und das Blut sah, ,stiess sie einen gellenden Schrei aus. «Zu Hilfe! Mörder! Mörder!» «So schweigen Sie doch!» rief Georg wütend, der den Aermel zurückgestreift hatte und das Blut unter dem Wasserhahn abspülte. Die Wunde war leichter, als es dem vielen Blut nach erschien. Es waren eigentlich nur Schrammen von den Krallen, freilich so tief, dass die Risse noch immer stark bluteten. Friedrich war schnell mit Karbolwasser und Verbandzeug da, er wusch die Wunde und wickelte die Hand fest und kunstgerecht. Währenddessen war Mathilde, schreckensbleich und am ganzen Leibe zitternd, näher getreten. Sie war etwa zweiunddreissig Jahre alt, gross und schwer, mit regelmässigen, etwas verschwommenen Zügen und blassblauen Augen. Aber die dürftige Umhüllung liess eine stattliche Anzahl von weichen, gerundeten Gliedmassen sehen. «Für eine Hille Bobbe,» sagte sich Georg mit flüchtigem Blick, «ist sie immerhin hoch ansehnlich genug.» Mathilde hielt die fleischige Hand, an der ein dünner Ring steckte, vor die Augen. «Ich kann kein Blut sehen,» rief sie, ohne sich der Reihe von Gänsen und Hühnern zu erinnern, die sie schon sachkundig geschlachtet hatte. Sobald Georgs Hand in weissen Mullbinden säuberlich verwahrt war, trat sie näher. «Achott, Achott, was ist das für eine schreckliche Geschichte. Richtig doll geworden ist die Mimmi? Aber denn sind Sie auch — Herr Direktor!!» (dies grässliche .Herr Direktor', dachte Georg), «denn sind Sie ja angesteckt!» Die Hand vor den angstvoll geöffneten Mund gelegt, trat sie in die Flurtür zurück, als erwarte sie jeden Augenblick einen wütenden Biss von ihm. Georg war währenddessen in Sorge, dass ihn irgend eine Unachtsamkeit verraten könnte. Unbemerkt hatte er sich einen Blutfleck auf das rechte Augenlid gemacht. «Das ist ja Unsinn,» erwiderte er. «Aber das Biest hat mich am rechten Auge gekratzt; da blendet mich das Licht. Er hielt die gesunde Hand über das Auge. «Machen Sie es doch etwas dunkler, Friedrich!» Der Diener drehte die elektrischen Birnen bis auf eine aus. «Ih,» sprudelte Mathilde heraus, «da wäre am Ende doch die blaue Brille gut, die Herr Direktor sich damals im Winter vor den Schnee gekauft hat!» «Das ist ein Gedanke,» lobte Georg, «Friedrich —» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder. deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarit. lnseratensctüuss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern vorab die eines im Autotourismus besonders versierten Fachmannes nachstehend wiedergegeben, in der Erwartung, dass diesen berechtigten Anregungen die verdiente Beachtung durch die massgebenden Instanzen zuteil werde. Die in Nr. 32 der < Automobil-Revue > veröffentlichte Mitteilung, wonach die Schweizerische Verkehrszentrale die Verkehrsvereine, die Sektionen des Schweizerischen Höteliervereins und einzelne Hoteliers eingeladen hat, gemeinsam mit der S.V.Z. eine Kollektivreklame für den Autotourismus in der Schweiz in der ausländischen Presse durchzuführen, hat wohl in weitesten Verkehrskreisen der Schweiz nur beste Aufnahme gefunden. Denn es ist höchste Zeit, dass von dieser Seite aus endlich etwas Propaganda für den Automobilreiseverkehr in der Schweiz entfaltet wird, sonst sind wir dann auch hier bald « abgefahren » und haben das Nachsehen, indem grosse Autotouristenkontingente in Konkurrenzgebiete des Auslandes abwandern. Zwei Punkte der in Aussicht genommenen Propaganda in der Auslandspresse verdienen aber besondere Beachtung, da solche sonst ihren Zweck nicht erfüllen kann. Einmal die Auswahl der in Betracht kommenden Zeitungsorgane ! Hier ist es unerlässlich, dass solche in enger Zusammenarbeit mit automobilistischen' Fachleuten vorgenommen wird,-denn Inserate in Pressorganen, die von in Betracht kommenden Automobilisten nicht gelesen werden; sind zwecklos. Besondere Beachtung muss hier der Fachpresse gewidmet werden, die aber sorgfältig ausgelesen werden muss. Und dann der Inseratenkopf ! Die Fassung, wie sie von der S.V.Z. vorgesehen und in der «Automobil-Revue» veröffentlicht worden ist, scheint wenig glücklich. Dass man die provisorische Einreisekarte als wichtige Einreiseerneuerung hervorhebt, ist ja ganz angezeigt, aber es gibt dann doch noch Vorteile, die die Schweiz aufzuweisen vermag, die den Autotouristen bedeutend mehr interessieren, wobei nicht zu übersehen ist, dass 66,718 Automobile im Jahre 1932 mit Triptyks oder Grenzpassierscheinheften eingereist sind und eben viele Automobilisten (besonders diejenigen, die einem Club angehören) wegen ihren Fahrten in andere Auslandsstaaten sowieso ein Grenzüassierschein- «Ach, lassen Sie den man bei sein Verbandzeug. Ick gehe schon. Sie liegt ja im Entree in der Spiegelschublade!» Nach kaum einer Minute kam sie mit der dunklen Brille wieder, die Georg sogleich aufsetzte. «Also ist weiter wirklich nichts zu befürchten, Herr Direktor? Mit Tollwerden und so?» «Keine Spur!» beruhigte sie Georg, bemüht, genau in der Art Richards zu sprechen. «Es ist natürlich keine richtige Tollwut. Nur so ein Wutanfall; sie lag auf dem Sofa — ich meine natürlich auf der Bank. Na ja, ich wollte mit ihr spielen. Und sie wollte niclit. Da schlug ich nach ihr, und wütend sprang sie nach meinem Gesicht. So kam das alles. Ist übrigens nicht gefährlich,» schloss er, ärgerlich, so viel sprechen zu müssen. «Soll ich noch was?» fragte Friedrich. Georg verneinte und schickte ihn zu Bett. Kaum hatte der Diener die Tür geschlossen, da trat Mathilde auf Georg zu, umfasste seine gesunde Hand mit beiden Händen und sagt« nach einem treuherzigen Augenaufschlag: «Richardchen, liebes Riching, was hab' ich für Angst um dich ausgestanden!» Hätte sie nicht, wie Trost suchend, bei den letzten Worten ihren Kopf an seine Brust gelegt, sie würde über das verdutzte Gesicht, das Georg machte,, noch verdutzter als er gewesen sein. «Verflucht!» sagte er sich, während er ziemlich ratlos auf den kräftigen Nacken unter ihrem kurzen Haar niedersah. «Diese Komödie! Das fehlte noch! Da gibt's Schwierigkeiten.» Um kein Befremden zu erregen, strich er ihr übers Haar und sagte: