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E_1933_Zeitung_Nr.054

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 27. Juni 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Eneaetot Jeden Dtawtaf and PMMUI MonotHeh „Gelbe Lkte" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozraehl totem nicht postamtlich bestellt. Zusehlag for postamtUetM Bertellung REDAKTION «. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 .. Telegramm-Adre«»i Autorevu«, Bern Bergrennen Rheineck-Walzenhausen Dem dritten Lauf für die schweizerische Automobilmeisterschaft ist wiederum der traditionelle Erfolg beschieden. — H. Stuber fährt auf Bugatti die beste Zeit des Tages. — O, Zwimpfer auf Chrysler Sieger der Touren wagen. — J. Viilars auf Alfa Romeo der Schnellste der Sportwagen. — Fünf neue Klassenrekorde. Es ist schon so, wie der Vertreter der Gemeinde Walzenhausen am Bankett erklärte : Zwischen der an der Rennstrecke wohnenden Bevölkerung und der Veranstaltung hat sich mit den Jahren ein freundschaftliches Verhältnis gebildet, auf das niemand mehr verzichten möchte. Die Konkurrenten, welche Jahr für Jahr wiederkommen, sind für die Anwohner zu alten Bekannten geworden. Unter den Organisatoren und den verschiedenen Hilfskräften herrscht bestes Einvernehmen und der Verkehr mit Behörden und Publikum wickelt sich in aller Freundschaft 'ab. Es sind eben erfreulicherweise immer wieder die nämlichen, bewährten Kräfte am F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (25. Fortsetzung) Mit fröhlichem Glockengeläut kam nach dem Mittagessen ein Schlitten vorgefahren. Jäh brach das Läuten ab, als der Schlitten an der Gartenpforte hielt, nur hin und wieder, wenn eines der schmucken Pferde sich bewegte, erscholl vereinzeltes Klingen. Georg, der das hübsche Gespann bestellt hatte, packte, froh wie ein Kind, das Mütterchen in einen neuen Pelz, in Fusssack und Fuchsdecke mit seitwärts herabhängenden Ruten, nahm, neben ihr sitzend, selber die Zügel, und fort ging es in schlankem Trabe mit lautem Klinglingling die bewaldeten Hügel um das hübsche Städtchen auf und ab zur Chaussee nach Heiligendamm. Die alte Frau, deren welke Wangen die frische Winterluft leicht gerötet hatte, schien um dreissig Jahre verjüngt vor Freude. Dass sie solche Tage noch erleben, vor allem, dass sie diese Herrlichkeiten der Welt wieder sehen durfte, hatte sie in der Einsamkeit ihres dürftigen Witwenheims sich nicht mehr träumen lassen. Die weissblau gestreiften Pferdedecken flogen in der Schwebe über den dampfenden Rücken, in gleichen Farben nickten die Rosschweife über den silberblanken Schellen, und lustiges Werk, die ihre Funktionen seit langem gründlich und genau kennen, so dass sich die Vortage und das Rennen selbst mit einer Selbstverständlichkeit und althergebrachten Routine abwickeln, die niemand mehr aus dem Gleichgewicht bringt. Dass diese wohltuende Tradition auch auf die Fahrer und das Publikum übergeht, ist ganz gegeben und so braucht es der Sektion St. Gallen-Appenzell des A.C.S., welche für das Rennen verantwortlich zeichnet, weder um die Nennliste noch um den Besuch von Seiten der Bevölkerung und der übrigen Sportfreunde bange zu sein. Für die Appenzeller ist das eben «ihr» Rennsonntag, den keiner missen möchte, und wer nicht schon auf Grund der gutunterhaltenen Strassen von ihrem Verständnis für das Automobilwesen überzeugt ist, der vermag sich am Rennen selbst ^ein Bild davon zu machen. Zudem fühlt man sich unter den freundlichen Leuten, und der altbewährten Gastfreundschaft des Clubs so wohl, dass man immer wieder gerne den Weg in jenen schönen Zipfel unserer Ostmark nimmt, von wo aus ein prächtiger Rundblick das Auge gefangen hält. Der dritte Lauf für die Meisterschaft hatte, trotz aller Popularität der Veranstaltung, doch auch seine kleine Vorgeschichte, und da diese für die Wandlung symptomatisch ist, welche nun auch der Automobilsport durchmacht, so sei kurz darauf hingewiesen. Angeregt durch das Entgegenkommen anderer Clubs, sowie die im Auslande üblich gewordenen Startprämien, haben .manche Fahrer ihre Anmeldung von einer Entschädigung in irgendeiner Form abhängig machen wollen. Tritt eine Organisation auf solche Vorschläge von Fall zu Fall ein, so ergibt sich unfehlbar eine unterschiedliche Behandlung der Konkurrenten, welche wiederum zu einer gewissen Misstimmung ,un-- ter diesen führt. Anderseits sind nun Startr Prämien, oder wie die Barentschädigungen benannt sein mögen, in der Schweiz offiziell noch nicht sanktioniert. Das Reglement besagt hierüber bestimmt nichts, sondern sieht im Gegenteil noch ein ansehnliches Nenngeld vor. Die gemachten Vorbehalte brachten das Rennkomitee anfänglich in eine gewisse Verlegenheit, welche dann durch eine sehr geschickte und durchaus korrekte Lösung restlos beseitigt werden konnte. Es wurde nämlich auf der Respektierung des Reglementes, d.h. der einheitlichen Zahlung des Nenngel; des beharrt, dagegen kam rnari den Fahrern in Form einer Reiseentschädigung entgegen, welche sich nach der zurückgelegten Distanz abstufte. Konkurrenten aus St. Gallen und der Enden hatten keinen Anspruch auf Deplazierungsspesen, während den Auswärtigen nach militärischem Vorbild ein ausgespro- chenes Kilometergeld guigeschrieben wurde. Dieser Ausweg dürfte bestimmt Schule machen, sofern sich die Organisatoren von Rennen in der nächsten Saison nicht überhaupt vom System der Nenngelder trennen können. Dieser Wandel mag allerhand finanzielle Konsequenzen haben und manchem Freund des Automobilsportes auch vom ideellen Standpunkt aus als bedauerlich erscheinen. An der Tatsache lässt sich nichts ändern, und nachdem das Ausland hier andere Usancen eingeführt hat, so werden wir uns dem anpassen müssen, wenn wir einerseits auf massgebende ausländische Beteiligung reflektieren und wenn anderseits unsere besten Leute nicht mehr auf fremden anstatt auf einheimischen Rennstrecken gesehen werden sollen. Ein weiterer Punkt gab' ebenfalls Anlass Echo weckte das Klingeln im schweigenden Winterwald. Als sie nach zweistündiger Fahrt heimgekehrt waren und Georg der 'Mutter aus dem Pelz half, fasste sie dankbar seine Hand: «Du sollst deine alte Mutter nicht so verwöhnen,» flüsterte sie ihm verschämt ins Ohr. Georg lachte. Er führte sie in die geheizte Glasveranda, den «Wintergarten», wo man von bequemen Sesseln aus den Sonnenuntergang beobachten konnte, der an diesem glasklaren Frosttage den ganzen Westhimmel in Gluten tauchte. «Jetzt, lieber Richard,» sagte die Mutter zärtlich, «möchte ich nur den Tag erleben, wo ich euch beide noch einmal umarmen kann. Mit jedem Arm einen,» lächelte sie, «so zusammen — und ihr beide in Liebe beieinander. Und immer gut zueinander. Ja, den Tag! Dann will ich gern sterben.» Ihre Stimme zitterte. Georg strich ihr in schmerzlicher Bewegung über die Hand. Seit Tagen kämpfte er mit sich, ob er der Mutter die ganze Wahrheit enthüllen sollte. Immer wieder scheute er davor zurück, weil er zugleich damit den Tod Richards zugeben musste. Er wollte ihr diesen Schmerz noch so lange wie möglich ersparen, zumal da sie jetzt in der Hoffnung, dass Georg am Leben sei, so froh geworden war. Ihm wurden die Augen feucht. Er stand auf, klingelte und fragte, wo denn der Kaffee bleibe. Der Diener brachte ihn schon und zugleich INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern H. ßtuber errang ia hartem Kampfe und trotz eines ihn schwer behindernden Sturzregens den Tagessieg. zu etwelchen Erörterungen. Es war die Frage des geschlossenen Parkes. Art. 55 des Nationalen Sportreglementes bestimmt, dass die Wagen nach der Abnahme in einen geschlossenen Park zu verbringen sind. Schon der erste Wunschzettel der Gruppe ziircherischer Rennfahrer, welcher letztes Jahr der N.S.K. eingereicht wurde, sah die Aufhebung dieser Bestimmung vor. Es sprechen in der Tat manche Gründe für die Aufhebung dieses Parkes, der übrigens nicht mit letzter Konsequenz respektiert wird, und den das Ausland überhaupt nicht mehr kennt. Da nun die Fahrer an den verschiedensten Orten und nicht gerade in nächster Nähe des offiziellen Parkes Quartier bezogen hatten, war die Garagierung mit etwelchen Schwierigkeiten verbunden, ganz abgesehen davon, dass unter den Konkurrenten die Abneigung gegen diese Institution immer grösser wird. Es fiel daher aus ihrer Mitte der Vorschlag, auf Freigabe des Parkes. Der Club erachtete sich aber durch das in Geltung stehende Sportreglement als gebunden und konnte deshalb auf die Anregung von sich aus nicht eintreten. Präsident Walser vermochte ohne weiteres die Fahrer von diesem formell vollständig begründeten Standpunkt zu überzeugen und so verlief alles weitere in schönster Minne. Wohlverstanden richtete sich der eine Visitenkarte. «Ludwig Plath, Filmdirektor und -regisseur,» links unten stand Neuyork und rechts unten Hamburg, beide mit näherer Strassenbezeichnung. Georg zog die Augenbrauen zusammen, als er die Karte las. Der Herr sei vorhin dagewesen und werde sich erlauben, in einer Stunde wieder vorzusprechen, er sei im Logierhaus abgestiegen, «Aus Neuyork?» fragte die Mutter. «Ja, er stammt aber aus der Mark. War drüben, glaube ich, ein skrupelloser Dollarmacher, der die hochfliegendsten Pläne, aber immer Pech hatte.» «Da bringt er vielleicht Nachricht von Georg?» «Hoffentlich,» sagte Georg. «Uebrigens, weshalb hast du eigentlich das Bild Georgs wieder vom Schreibtisch genommen, Mama?» Die Mutter schwieg. Georg lächelte über die schier mädchenhafte Verlegenheit, mit der die alte Frau nach einer Antwort suchte, während sie ein Stückchen von ihrem Pfannkuchen brach. «Sieh mal, Richard,» begann sie dann, «ich habe doch von dir kein Bild aus jener Zeit. Ich habe von dir überhaupt kein ordentliches Bild. Und da dachte ich > «Ja, denke nur,» sagte der Sohn und neigte sein Gesicht zu ihr, «ich sei Georg und stelle das Bild ruhig wieder hin.» «Soll ich?» fragte die 'Mutter aufblickend, Vorschlag keineswegs gegen die Organisation in Rheineck selbst, mit der gewiss sämtliche Konkurrenten auf bestem Fuss stehen, wie dies von jeher der Fall war. Man hatte vielmehr die prinzipielle Frage im Auge, die aber gewiss nicht mitten in der Saison entschieden werden kann. Die N.S.K. wird wohl Gelegenheit erhalten, sich bei Beratung des nächstjährigen Reglementes auch mit diesem Paragraphen zu befassen. Das Training verlief im üblichen Rahmen. Die anhaltende Regenperiode hatte der Strasse im obern Teil ordentlich zugesetzt. Die Strassendecke (Fortsetzung Seite 3.) Mitteilung. An Stelle des « Autler-Feierabend», der dem Thema Strandbad gewidmet sein sollte, legen wir der heutigen Ausgabe angesichts der unerfreulichen Witterung die Spezialseite über die Karosseriepflege bei. Diese war für die kommende Freitag-Nummer vorgesehen und ist daher vordatiert. Wir hoffen, dass dieser Tage endlich wirkliches Strandbadwetter einkehrt, womit auch die Sonderausgabe der Unterhaltungsbeilage ihr Erscheinen rechtfertigen würde. Red. und helle Freude leuchtete über ihr Faltengesicht. «Sieh mal, Mama, da du uns nicht beide zugleich bei dir haben kannst, wenigstens zurzeit noch nicht, so muss du immer beide in dem einen liebhaben, der gerade hier ist. Willst du das?» Sie umfasste ihn weinend mit beiden Armen, ein Tropfen fiel auf sein Gesicht. Georg wurde weich. «Diese Träne,» sagte er sich, «wird mich segnen! Der Mutter Seden, so heisst es ja wohl, baut...» «Den Kindern» — raunte heimlich der quälende Mahner wieder. Georg wehrte sich trotzig gegen diese unnützen Gedanken. Anders hätte seine Mutter niemals mehr dies Glück gefunden. Er schüttelte sich heftig, als könne er den Quälgeist abwerfen, und durchmass mit langen Schritten das Zimmer. Die Mutter folgte ihm fragend mit den Augen. Plötzlich sagte sie: «Dein Fuss hat sich wohl sehr gebessert? Du hinkst ja gar nicht mehr!» Erschrocken blieb Georg stehen. Er lachte. «Ja, denke dir, das habe ich dir noch gar nicht erzählt. Ich war in Berlin bei einem berühmten Spezialisten, der hat ein wahres Wunder fertiggebracht. Er hat mittels Sehnendurchschneidung und Ueberpflanzung die Sache wieder beinahe in Ordnung gebracht. Sieh da: ich gehe wie ein Gesunder!» «Ist denn das so schnell gegangen? Musste das nicht lange heilen?»