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E_1933_Zeitung_Nr.070

E_1933_Zeitung_Nr.070

BERN, Dienstag, 22. August 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste' 1 Halbjährlich Fr. 5—, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, »otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Beleuchtung von Automobilstrassen Während in vielen Ländern mit allen Mitteln versucht wird, das Strassennetz den veränderten Verkehrsverhältnissen durch Erstellung von Nur-Autostrassen, oder durch grosszügigen Ausbau bestehender Strecken anzupassen, ist der parallel gehenden Frage der Beleuchtung dieser Strassen bis heute vielfach nur untergeordnete Bedeutung zugemessen worden. Der rasch ansteigende Strassenverkehr, die durch die technische Entwicklung des Motorfahrzeuges ermöglichte Zunahme der Geschwindigkeiten, vor allem aber der in ungeahnter Weise sich ausbreitende Autotourismus schaffen hinsicht- Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. Unser neuer Roman. Der Roman « Rufe aus dem Dunkel » hat unsere Leser, soweit wir dies an Hand mündlicher und schriftlicher Versicherungen feststellen konnten, in vollstem Masse befriedigt. Doppelt wirkte die Tragik des Schlusses durch die von uns seinerzeit erwähnte Tatsache von dem erschütternden Ende seines Verfassers, des bekannten deutschen Schriftstellers Karl Strecker, der in seinen alten Tagen aus seelischer und materieller Not zum Brandstifter wurde, seine furchtbare Verirrung im Gefängnis büssen musste und dann als gebrochener Mann anfangs dieses Jahres gestorben ist. Uns konnte nur die unbestrittene Qualität des Werkes zum Abdrucke veranlassen, mit dem Menschen Strecker hatten wir nicht zu rechten. Des grenzenlosen Mitleids und Bedauerns weitester Kreise durfte der alte Mann immer versichert sein. Von dem Wege, unsern Lesern nur wirklich gehaltvolle, dennoch der Spannung nicht entbehrende Romane zu bieten, gedenken wir auch in Zukunft nicht abzuweichen. Im Gegenteil — mit der Veröffentlichung des Romanes « Der geheime Kampf » haben wir uns ein Werk ganz besonderer Art gesichert, das von vornehorcin des Beifalls unserer Leserschaft sicher sein dürfte. Es stellt in gewisser Hinsicht einen Sonderfall dar und behandelt ein nicht sehr bekanntes Gebiet mit einer geradezu atem raubenden Eindringlichkeit. «Der geheime Kampf » führt weit weg aus dem bürgerlichen Milieu des letzten Romans, aus der Behaglichkeit und satten Ruhe einer friedfertigen Welt in die Abenteuerlichkeit und Gefahren der internationalen N lich der künstlichen Strassenbeleuchtung vollkommen neue Probleme. Die bei uns noch weitverbreitete, landläufige Ansicht, dass Aufwendungen grösserer finanzieller Mittel für derartige Versuche nutzlos seien, da jedes Automobil seine eigene Beleuchtungsanlage mit sich führe, wird widerlegt auf Grund der von verschiedenen Seiten, und speziell in Italien und Amerika gesammelten Erfahrungen. Erinnern wir uns nur einmal an eine nächtliche Autofahrt bei dichtem Strassenverkehr, wie dies regelmässig an Sonntag-Abenden in der Nähe unserer grössern Städte zu beobachten ist. so weiss jeder Automobilist aus eigener Erfahrung, dass-durch das ununterbrochene Abblenden ein gewisser Unsicherheitsfaktor in den fliessenden Verkehr hineingetragen wird, der sich bei nassen Asphaltstrassen direkt zu einem Gefahrenmoment steigern kann. Die lichtaufsaugenden Strassenbeläge führen bei grosser Verkehrsdichte, wie dies öfters, beispielsweise durchs Sihltal von Zug nach Zürich, durchs Aaretal von Thun nach Bern, oder durchs Rheintal von Stein nach Basel zu beobachten ist, nicht nur für den Automobilisten, sondern auch für den Fussgänger und Radfahrer zu teilweise recht kritischen Situationen. Schon bei normalen Verkehrsstrassen im Weichbild der Städte wird heute der Strassenbeleuchtung weit mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Hinsichtlich der Platz- und Strassenbeleuchtung in unsern Städten und Ortschaften ist die seitens der Produzenten elektrischer Energie unternommene Initiative zur vermehrten Verwendung dieser Beleuchtungsmögliehkeit sehr wohl zu verspüren. Dem einheimischen Fahrer fällt dies aber gar nicht besonders auf, und erst wenn er z. B. durch Deutschland oder Österreich fährt, bemerkt er dort im Verhältnis zu schweizerischen Ortschaften zum Teil noch erheblich schlechtere Beleuchtungsverhältnisse. Aber auch im Auslande ist man bestrebt, nach Möglichkeit in den grösseren Ortschaften die künstliche Beleuchtung auszubauen. Beinahe ausschliesslich mit der starken Zunahme des Automobilverkehrs begründet, wird durchwegs eine Verstärkung der früheren Werte der horizontalen Beleuchtungsstärke gefordert, wobei man generell von der Erwägung ausgeht, dass auch an der dunkelsten Stelle noch eine gewisse Mindestbeleuchtung vorhanden sein muss, um dem Auge eine bestimmte Sehmöglichkeit zu geben. Hierbei ist aber zu bemerken, dass der Automobilist auf beleuchteten Strassen nur mit abgeblendeten Scheinwerfern fahren darf, eine Vorschrift, die oftmals gezwunge» nermassen übertreten werden muss, indem die Strassenbeleuchtung so ungenügend ist, dass die Stadtlampen der Fahrzeuge nicht ausreichen, um die nötige Helle zu schaffen. Zur gefahrlosen Erreichung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten, und wenn nur mit den kleinen Lampen beleuchtet •werden soll, haben somit die für den Stadtverkehr verantwortlichen Organe auch eine entsprechende Beleuchtung zur Verfügung zu stellen. Wenn also für Städte. Vororte und Ortschaften die Beleuchtungsfrage höchstens in einer Steigerung der Lichtintensität zu suchen sein dürfte, wobei die Anbringung von blendenden oder wandernden Beleuchtungsanlagen, die den Fahrer stören können, vermieden werden muss, stellt sich die Frage auf den unbeleuchteten Landstrassen in einem Kriegsspionage. Zugegeben, viele Spionageromane und -filme versuchten schon bei der grossen Masse Eindruck zu erwecken, dennoch steht unser Roman in gewisser Hinsicht einzig da. Er führt in zentrale Tiefen und enthüllt Wirklichkeiten, wo andere phantasierten. Er hat denn auch die Ehre gehabt, seinerzeit von verschiedenen staatlichen Nachrichtenstellen inhaltlich genauer nachgeprüft zu werden, weil man allfällige Entdeckungen befürchtete. Der Name Philipp Klein ist nur ein Pseudonym für einen interessanten Verfasser, der sich in den Dingen, von denen er mit einer geradezu lähmend wirkenden Spannung erzahlt, gut auskannte. Dem Leser enthüllen sich Hintergründe des Krieges, von denen er kaum ahnte; in wildem Wirbel wird er durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Russland, Bulgarien, Rumänien und Frankreich geführt. Die ganze unglückliche Kriegszeit ersteht, mit realistischen Tönen gemalt, mit aller Deutlichkeit aufs neue. Trotzdem erst 15 Jahre seit dem Weltkrieg verflossen sind, ist alles bereits Geschichte geworden. Was damals brennende Aktualität, strenges Geheimnis war, ist heute Dokument aus interessanter, weltgeschichtlich grosser Zeit. So ist auch dieser Roman nichts anderes als literarische Gestaltung im Rahmen einer bemerkenswerten Epoche — aber nichts mehr. Wir möchten ausdrücklich betonen, dass der streng objektive Wunsch nach fesselnder Lektüre bei der Wahl dieses Werkes allein ausschlaggebend war und deshalb alle Feststellungen für uns lediglich literarischen Charakter haben. Irgend eine Parteinahme ist selbstverständlich ganz ausgeschlossen, würde auch dem Charakter unseres Blattes widesrprechen. Der Roman dürfte lediglich die Sinnlosigkeit und Furchtbarkeit eines modernen Krieges aufzeigen. Er wirbt in seiner ganzen Haltung indirekt für Verständnis und Menschlichkeit — Ziele also, wie sie die eines jeden sind. Schon aus diesem Grunde allein rechtfertigt sich die Veröffentlichung dieses mit knappem, sachlichem Stil geschriehenen, von Spannung erfüllten Werkes, mit dem wir unsern Lesern eine besonders interessante Lektüre zu bieten hoffen. bo. I. Vor dem Kriegsministerium herrschte der übliche starke Verkehr. Die Berliner hatten es sich abgewöhnt, von der mehr oder minder grossen Ausdehnung des militärischen Wagenparks vor dem grauen Gebäude Schlüsse auf die Kriegsereignisse zu ziehen; vollkommen andern Gewände dar. Auf diesen Strecken sind die bekannten Abblendevorschriften zu handhaben, die, abgesehen von der Begegnung zweier Fahrzeuge, die Benützung des Fernlichtes gestatten. Mit der Zunahme der Geschwindigkeiten der Automobile hat bekanntlich der Bau von Lichtanlägen Schritt gehalten, so dass der Automobilist heute an Stelle der alten Karbidlampen mit ihren nur einige Meter weit reichenden Lichtkegeln und ihrer Betriebsunzuverlässigkeit über moderne elektrische Lichtanlagen verfügt, deren Fernlicht anstandslos auch für höchste Geschwindigkeiten ausreicht. Bis heute vermochte im grossen und ganzen diese Beleuchtungsart grösstenteils den seitens des Strassenverkehrs gestellten Anforderungen zu genügen. Mit der rapiden Zunahme des Automobilverkehrs, speziell im Umkreis der Städte, werden hinsichtlich der Strassenbeleuchtungstechnik eine Menge neuer Fragen aufgeworfen. Infolge der mit den häufigen Begegnungen verbundenen Abblendungen wird namentlich in der Nähe der Grossstädte immer mehr die Benützung des weitreichenden Fernlichtes verunmöglicht, Recht schwierig sind auch die Beleuchtungsverhältnisse in den meisten Strassenkurven. Im Gegensatz zu den geraden Strekken hat der Automobilist bei den Krümmungen mehr auf den Strassenrand und die Lage des Wagens zur Strassenwölbung zu achten. Da. die grosse Mehrzahl der Scheinwerferanlagen fest am Wagen montiert ist, sieht sich der Fahrer genötigt, seine volle Aufmerksamkeit auf ein Wegstück zu richten, das von den Scheinwerfern nicht beleuchtet man hatte in acht Kriegsmonaten herausgebracht, dass sich hier gewissermassen nur die Administration des Krieges befand, und dass die grossen Entschlüsse im Hauptquartier gefasst wurdea Automobile, die mit hohen Stabsoffizieren durch die regennassen Strassen flitzten, begegneten lange nicht mehr dem grossen Interesse, wie einst in der Zeit der Begeisterung; man hatte sich eben an den Anblick gewöhnt. Der grosse Krieg war fern, und wenn man ihn auch stündlich spürte, mitunter nichts weniger als angenehm: man war stumpfer geworden. «Grosse Offensive gegen Ypem», schrien die Zeitungsverkäufer aus. «5000 Engländer gefangen!» Ach Gott, ja — fünftausend Engländer: das war ja ganz schön. Aber allzuviel hatte das nicht zu bedeuten. Ein Fussgänger hatte sich durch das Gewühl der Strasse gewunden und stand nun vor dem Portal. Ein Zivilist. Mittelgross, schlank, das glattrasierte, hart geschnittene Gesicht von Sonne gebräunt. Er trug einen hellen Frühjahrpaletot und eine Mütze in gleicher Farbe, und machte, besonders hier, wo man fast nur noch Feldgrau sah, den Eindruck eines Ausländers. Vor einigen Monaten wäre er wahrscheinlich vom Publikum als fremder Spion totgeschlagen worden. Eine Gruppe von Offizieren, eben mit dem Auto gekommen, schritt rasch an ihm vorüber und verschwand im Dämmer des Treppenhauses. Der Zivilist wollte folgen. Der Portier trat ihm entgegen: «Bitte?» Der Zivilist griff an die Mütze. «Major Graf Hatzberg hat hier sein Bureau, nicht wahr?» Es klang laut und energisch — fast hätte der Portier «Zu Befehl!» gesagt. Er besann INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnmdzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössere Inserate nach Seitentarif, lnserntmsehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nammern wird, d. h. er muss voraus blicken, um den Krümmungsverlauf oder entgegenkommende resp. vor ihm liegende Fahrzeuge zu bemerken. Rückstrahler an Velos und Fuhrwerken kommen in Kurven selten voll zur Wirkung, weil sie durch die schräge Wagenstellung ausserhalib des Lichtkegels liegen können. Besonders schlimm steht es, wenn Fussgänger in Kurven überholt oder gekreuzt werden müssen. In der letzten Zeit hat die Kurvenbeleuchtungstechnik vom Wagen aus einen Schritt vorwärts gemacht. Wir haben Konstruktionen im Auge, welche bis heute allerdings nur vereinzelt anzutreffen sind, bei denen die Stellung der Scheinwerfer vom Ausschlag der Steuerung abhängig ist. Besonders für Gebirgsländer, wie die Schweiz. Österreich, Oberitalien und Ostfrankreich, würde die allgemeine Einführung dieser beweglichen Scheinwerfer schon einen wesentlichen Fortschritt in der Kurvenbeleuchtung darstellen, können wir doch bei uns, auch im Mittelland oder im Jura, täglich, resp. nächtlich, zur Genüge erleben, welch gross© Unsicherheit bei einer rechtsgängigen Kurve ein unabgeblendetes Schemwerferlicht eines entgegenkommenden Wagens auszulösen vermag. Interessant dürfte die Feststellung sein, dass bei amerikanischen Automobilen diese Scheinwerferanordnung nur selten anzutreffen ist, da die Vereinigten Staaten infolge ihrer topographischen Beschaffenheit und ihres grosszügigen Strassenausbaues eine derartige Konstruktion weniger benötigen, als dies für Wagen bei uns zutrifft. In manchen Ländern, z.B. in den Niederlanden und Dänemark, in zunehmendem Masse aber auch bei uns, ist ferner die ausserordentlich grosse Zahl von Radfahrern zu berücksichtigen, die sich in einem Umkreis von 10 bis 20 km auf den Ausfallstrassen der Grossstädte bewegen. Am dichtesten ist der Fahrradverkehr zudem noch in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden, d.h. zur Zeit von Arbeitsantritt und Feierabend. Während die einem Automobil mit geöffneten Scheinwerfern entgegenkommenden Motorradfahrer oder Automobilisten häufig durch einschalten der eigenen Fernlichter zur Vernunft gebracht werden können, sind Radfahrer, Fussgänger und Pferdefuhrwerke einem rücksichtslosen Fahrer vollkommen ausgeliefert. Die zunehmenden Verkehrsunfälle durch Zusammenstoss von Automobilen mit Radfahrern weisen deutlich auf Gefahrenmomente hin, die vielfach durch eine zweckentsprechende Beleuchtungsart vermieden werden könnten. Um das Ueberhandnehmen von Unfällen unter solchen Verhältnissen zu verhindern, heisst es, entweder Abblendvorschriften einführen, di& eine Benutzung des ausreichenden Fernlichtes praktisch verunmöglichen, womit auch die Ver- sich aber noch im letzten Augenblick. «Jawohl. Es ist aber nicht gestattet, die Herren ohne vorherige Anmeldung aufzusuchen. Wollen Sie, bitte, sich in das Anmeldebureau hier links begeben!» Der Zivilist trat in einen grossen Raum, der vom Hofe her nur spärliche Beleuchtung empfing. Eine Anzahl Unteroffiziere sass an einfachen Tischen, anscheinend mit Schreibwerk beschäftigt. Ein Feldwebel trat ihm entgegen. «Sie wünschen?» «Ich möchte den Herrn Graf Hatzberg sprechen.» Der Feldwebel brachte ein Formular. «Wollen Sie hier diese Fragen schriftlich beantworten! Bitte, nehmen Sie Platz.» .Lieber Gott — welche Umstände', dachte der Zivilist, setzte sich und begann die Liste von Fragen zu studieren, die ihm hier vorgelegt wurden. Dann nahm er die Feder und beurkundete, dass er, Eberhard Hatzberg, geboren am 15. Mai 1880 auf Hatzberg in Schlesien, amerikanischer Staatsbürger, den Major Grafen Egbert von Hatzberg in einer rein persönlichen Angelegenheit zu sprechen wünsche. Der Feldwebel nahm das Formular entgegen und las es mit grosser Aufmerksamkeit. Dann sagte er: «Persönliche Angelegenheit? Das wird nicht gehen. Nach einer Verfügung Seiner Exzellenz sollen persönliche Angelegenheiten nicht in den Bureauräumen des Kriegsministeriums erledigt werden!» «Lieber Gott, was für Sachen! Es wird mir schliesslich doch noch gestattet sein, meinen Bruder in seinem Bureau aufzusuchen!» Der Feldwebel wurde ein wenig kleiner. «Verzeihung! Der Herr Graf haben seinen