Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.084

E_1933_Zeitung_Nr.084

BERN, Dienstag, 10. Oktober 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N" 84 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiaft für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag *Monatlieh „Gelbe Utf" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlich« Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon 23.222 Telegramm-Adreu*: Autorevue, Bwn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hoha Giundxetle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarif. iBseratencehtass A Tage vor Erscheinen der Nummern Fragen der Zeit Wiederum das Konkurrenzproblem! Im August 1933 hat sich die Zahl der von den S. B. B. beförderten Personen gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um rund 400,000 vermindert, währenddem bei den Einnahmen daraus ein Rückgang von 14,834,780 um 7% auf 13,781,000 eingetreten ist. Von Jahresanfang an bis Ende August erreichte der Einnahmenverlust auf dem Personenverkehr 4,7%, verglichen mit 1932. Diese Zahlen werden nun von offizieller Seite wie folgt kommentiert: « Dieser plötzliche Rückschlag muss umso mehr zu Bedenken Anläse geben, als das Wetter für den Reiseverkehr ausserordentlich günstig war. Es besteht kein Zweifel mehT, dass das ungünstige Ergebnis auf die Automobilkonkurrenz zurückzuführen ist. Bisher konzentrierte sich die Aufmerksamkeit, die man dem Konkurrenzproblem Bahn- Auto schenkte, fast ausschliesslich auf den für die Eisenbahnen in erster Linie lebenswichtigen Güterverkehr .. Das Augustergebnie mahnt aber zum Aufsehen. > Das sind verdächtige Töne. Hatten die Bahnen früher für ihre Ausfälle im Güterverkehr den Lastwagen verantwortlich gemacht, so wird nun diese Taktik auch auf das Personenauto übertragen und ihm die ausschliessliche Schuld an der Verringerung der Frequerizzahlen und Einnahmen zugeschoben. Sollte das ein Versuchsballon von Seiten der Bahn sein, sojlte dieses leichte Geplänkel gar als Vorbote eines Kampfes Bahn-Personenauto gedeutet werden müssen? Weiss man bei den S. B. B. nichts von einer Weltkrise? In dieser Krise aber steckt letzten Endes der Kern allen Uebels. Erinnern wir doch daran, was Herr Bundesrat Pilet-Golaz bei der Behandlung des Ge- ;chäftsberichtes der S. B. B. im Nationalrat sagte: «Les raisons par lesquelles les C.F.F. souffrent, sont des raisons generales et ne tiennent pas ä... des circonstances speci- F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (13. Fortsetzung) «Wir?» Das Licht in Mercedes Blick erlosch; sie senkte den Kopf. Dann sagte sie, sich plötzlich zusammenraffend: «Ja. Wir! Ich kann mich nicht von dir mitschleppen lassen — ich muss arbeiten. Das ist mir Lebensbedürfnis. Ich will es tun, ohne dich zu beunruhigen und ohne dich zu kränken. Aber du tnusst Vertrauen zm mir haben. Wir lieben uns. Aber wir müssen auch Kameraden sein, die ihren Weg zusammengehen, solange es möglich ist. Es wird, es muss der Tag kommen, der uns auseinanderreisst, der Tag, an dem eins von uns beiden fällt. Wir vollen uns schwören: wenn das geschieht — der andere geht weiter. Wir haben unsere Arbeit zu tun und dürfen nicht nur an uns allein denken. An uns allein zuletzt! Wir müssen dem Geschick dankbar sein für jede Stunde, die wir zusammen verleben dürfen, aber dieses Zusammenleben darf nicht der Inhalt unseres Daseins sein. Ich liebe dich sehr. Aber — wenn du Unglück haben solltest: ich glaube, ich würde meinen Weg weitergehen, ohne mich umzublicken. Ich glaube es wenigstens. fiquement helvetiques.» Ebenso klar lautet sein Ausspruch: «Les deficits que nous enregistrerons aux C.F.F. sont dus aussi ä la crise et pas seulement ä la concurrence de ^automobile.» Gerade in den letzten Tagen hat Bundesrat Musy bei der Eintretensdebatte zum Finanzprogramm im Nationalrat eine ähnliche Feststellung, nur allgemeineren Charakters, gemacht: dass die Krise, in welcher die Bundesfinanzen stecken, durch die Depression der Weltwirtschaft bedingt sei. Die ehrlichen Aeusserungen unseres fiisenbahnministers finden ihre Bekräftigung auch in den Betriebsergebnissen der S.B.B. Von 1923—1930 stieg die Personenfrequenz von 87,777,657 auf 127,911,307, die Einnahmen vermehrten sich innert dieser Zeitspanne von 127,163,161 Franken auf 159,120,836 Fr. Das Jahr 1930 brachte hinsichtlich der Zahl der beförderten Personen wie in bezug auf die Einnahmen daraus die Höchstziffern. Mit dem Einsetzen der Krise von 1931 an sanken sowohl die Erträgnisse als auch die Frequenzzahlen des Personentransportes. Noch zu jener Zeit dachte wohl niemand daran, das Personenauto für den Ausfall — er betrug gegenüber 1930 immerhin 23 Millionen — verantwortlich zu machen, sondern man erklärte die Verschlechterung der Situation richtigerweise mit der Krise, welche die ganze Welt erfasst hat. Noch eins sei in diesem Zusammenhang unterstrichen: Von 1923 bis 1930 stiegen die Gesamteinnahmen der S. B. B. von 348 auf Man wird uns möglicherweise entgegenhalten, dass der grosse Gesellschaftswagen 391 Millionen Fr., d. h. um 12,6%, währenddem der Ueberschuss der Gewinn- und Ver-volustrechnung 1930 bloss 1,5 Mill. Fr. betrug. Ein Blick auf die Programme der Gesell- allem der Bahn Passagiere wegnehme. Bei einer derart zugespitzten Situation schaftswagen-Unternehmungen lehrt aber, musste dem geringsten Verkehrsrückgang dass sie, ihre Fahrten zum grössten Teil in ein Verlust auf dem Fusse folgen. Nun —er die Berge ausführen, über die Alpenpässe ist auch tatsächlich eingetreten, er wird im wo keine Bahn konkurrenziert werden kann. Personenverkehr vom Januar bis zum Au-Der Gesellschaftswagen ist populär, weil er gust dieses Jahres mit 7% ausgewiesen, gemessen am Ergebnis von 1932. «Das Personenauto ist schuld daran», sagen die Bahnen. Aber den Beweis dafür erbringen sie nicht. Vielleicht aber hält man den Moment für gekommen, auch den Personenwagen «in seine Schranken zu weisen». Und doch sind diese Rückschläge, sofern man sie den Realitäten entsprechend als Auswirkungen der Krise wertet, nichts Aussergewöhnliches. Man hat sie kommen sehen und Herr Bundesrat Pilet-Golaz konnte schon im Dezember 1932 sagen: «J'ai bien peur que d'iciune annee le ciel de nos C. F. F. ne soit completement noir.» Noch etwas anderes kommt hinzu. Herr Generaldirektor Schrafl hat seinerzeit bei der Erörterung der Lastwagenkonkurrenz darauf hingewiesen, dass «zahlreiche Transporte ohne das Motorfahrzeug überhaupt nicht durchgeführt würden und dass das Siehst du — das gleiche verlange ich auch von dir ! Unglück haben — das bedeutet für jedes von uns den Tod. Darüber sind wir uns doch lange klar. Der Verdacht eines französischen, eines englischen, eines russischen Offiziers genügt, uns vor die Gewehrläufe zu stellen. Müssen wir zusammen sterben — ich würde es als ein letztes Glück ansehen. Aber wenn uns das nicht vergönnt ist... Wir haben darüber noch nicht gesprochen. Nimm an, ich werde verhaftet — was würdest du tun?» «Ich würde versuchen, dich zu befreien!» «Dann kann ich nicht mit dir gehen,» sagte sie tonlos. «Aber was sollte ich denn tun?» «Fliehen! Dich selbst so rasch als irgend möglich in Sicherheit bringen!» «Du verlangst Unmögliches, Mercedes!» «Bist du dein Leben mir schuldig oder deinem Vaterland?» Eberhard schwieg. «Siehst du! Und darum hättest du die Pflicht, dich nicht für mich zu opfern, sondern dich für dein Vaterland zu erhalten!» Mercedes war aufgestanden. «Versprich mir, dich nicht umzusehen, wenn mich mein Schicksal ereilt!» «Ich — verspreche es!» «Schwöre mir!» «Ich schwöre es dir!» «Bei deiner Liebe zu mir!» Lastautomobil hauptsächlich in Gegenden Verwendung finde, die von den Bahnen nicht bedient würden». Wort für Wort gilt das auch für den Personenwagen. Der Gedankengang, dass durch den Umfang, welchen heute der Verkehr mit Personenautos angenommen hat, die Bahnen eine Frequenzeinbusse erleiden, dass somit umgekehrt die Zahl der Bahnpassagiere wachsen müsste, wenn die Konkurrenz des Personenautos ausgeschaltet wäre, scheint uns einen Trugschluss zu enthalten. Eine Erschwerung der Existenzbedingungen hätte lediglich zur Folge, dass so und soviele Wagen ausser Be? trieb gesetzt, dass so und soviele Fahrten einfach unterbleiben würden. Mag sein, dass, wie Herr Bundesrat Musy am letzten Freitag vor dem Nationalrat ausführte, die Personenautomobile in der Schweiz heute ebensoviele Sitzplätze aufweisen wie der gesamte Wagenbestand aller schweizerischer Bahnen. Aber damit ist noch nicht bewiesen, dass mit einer Reduktion besagter Autositzplätze den Bahnen geholfen wäre, dass alle diejenigen, die dadurch betroffen würden, ihr Heil in der Bahn suchen und ihr zuströmen würden. Sie wollen das Auto, gerade wegen der Vorteile, die es bietet. der Bahn gegenüber alle Annehmlichkeiten des Autos bietet: Billigkeit, Bequemlichkeit, Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der Fahrtteilnehmer. Auch die Post weiss sich diese Vorteile zunutze zu machen und organisiert neben ihren normalen Kursen noch Extrafahrten, wobei mitunter bis zu fünf Alpenpässen pro Tag berührt werden. Tut aber ein privater Gesellschaftswagen dasselbe, dann ist es nicht dasselbe. Rund 163,000 ausländische Automobilisten sind vom 1. Januar bis 31. August dieses Jahres in die Schweiz eingereist. Erst kürzlich hat Herr Bundespräsident Schulthess den Satz geprägt, dass die Schweiz ihre Interessen im Fremdenverkehr, namentlich gegenüber dem Ausland, zu wahren wissen werde. Wie würde es ich damit reimen, dass gerade der Verkehr mit Personenautos in Fesseln gelegt würde? Unsere Hotellerie liegt am Boden und wird vom Bund gestützt. Soll «Bei meiner Liebe zu dir!» Mercedes ergriff seine Hand. «So können wir zusammengehen: erst unsere Aufgabe, dann wir » Eberhard zog sie in die Arme und küsste sie auf die weisse Stirn. Es war wie ein Gelöbnis. Seltsames Gelöbnis zweier Liebender, einander in der Gefahr zu verlassen! «Und du wirst Vertrauen zu mir haben?» Eberhard senkte den Blick. «Ich — will Vertrauen zu dir haben!» Vor dem Ton dieser Antwort erlosch das Leuchten in ihrem Blick. Seltsame Menschen! Geheime Kämpfer! Kämpfer gegen eine ganze Welt und — gegen sich selbst... Am anderen Morgen trug sie der Zug nach Norden. 11. Der Wiborger Bahnhof in St. Petersburg, oder, wie es jetzt hiess: in Petrograd, war von Militär vollkommen abgesperrt. Die Reisenden, die ankamen, mussten sich, obwohl sie doch (an der Grenze bereits genau kontrolliert worden waren, eine Durchsuchung gefallen lassen, im Vergleich zu der die Grenzkontrolle in den westlichen Ländern ein Scherz war. Die russische Heeresleitung war nämlich überzeugt, dass die Niederlagen in Galizien ausschliesslich dem Verrat zuzu- ihr jetzt der Grund ganz unter den Füssen weggezogen, soll dem kaum mehr versteckten Ruf der Bahnen nach Erschwerung des Personenautoverkehrs Gehör gegeben werden? Halten wir uns doch einmal das Beispiel Italiens vor Augen! Währenddem von Jahresanfang bis Ende August 1933 637,000 Fremde mit der Bahn in das Land kamen, brachte das Automobil im gleichen Zeitabschnitt 950,500 ausländische Gäste. Rund 470,000 Fremde mehr als im Vorjahr hatten in den ersten acht Monaten 1933 Italien besuch. Ein Erfolg, der aber nicht nur auf ausschliesslicher Bahnpropaganda beruht, sondern der noch zu einem grösseren Teil dem grosszügigen, weitblickenden Ausbau der Strassen für den Autoverkehr zu danken ist. Italien hat richtig erkannt, dass heute Bahnund Autoverkehr gefördert werden müssen. Das eine tun und das andere nicht 'lassen, sollte auch bei uns die Losung sein. Immerhin, die Bahnen geben mehr oder weniger offen selbst zu, dass sie um eine Anpassung ihres Betriebes an die heutigen Verhältnisse nicht herumkommen werden, dass also auf ihrer Seite Unzulänglichkeiten bestehen. Womit sie selbst ihre Behauptung abschwächen, der Verkehr mit Personenautos trage die alleinige Schuld am Rückgang der Frequenzen und Einnahmen. Auf der einen Seite wird der Einführung des Leichtbetriebes das Wort geredet, auf der anderen hat ein Prominenter der Privatbahnen für die Erkenntnis Ausdruck gefunden, dass der Bahnbetrieb noch schmiegsamer gestaltet werden, dass er seine Starrheit und Schwerfälligkeit überwinden müsse. Das sind bedeutsame Geständnisse der Eisenbahnkreise, die unserer Feststellung recht geben, dass das Automobil sich heute beim Publikum nur deswegen seines Zuspruchs erfreut, weil es Vorzüge aufweist, welche die Bahnen nicht haben und nicht haben können. ZB Strassenprobleme am Wallensee. Letzten Freitag, den 6. Oktober, tagte in Zürich unter dem Vorsitz von Ständeratspräsident Laely (Ohur) das Aktionskomitee für den Bau einer Wallenseestrasse. Der Vorsitzende orientierte einleitend die rund 30 anwesenden Regierungs- und Verbandsvertreter über den Stand dieser Aktion, sowie über die vom Arbeitsausschuss seit der letzten Sitzung des Aktionskomitees unternommenen Schiritte und Massnahimen, Vor allem schreiben waren, dem Verrat durch Spione, die anscheinend über ganz Russland verbreitet waren. Die Petersburger Polizei genügte den Militärs nicht mehr; sie nahmen die Untersuchung in eigene Hände. Der Industrielle Andre Pigeot aus Toulouse wartete bereits seit zwei Stunden, mit etwa vierzig Menschen in einem kleinen Zimmer zusammengepfercht, auf den Augenblick, da er gerufen werden sollte. Seinen Pass und sein Gepäck hatte man ihm abgenommen; seine Frau aber drängte man, zusammen mit anderen Frauen, in einen Raum, der wohl ebenso aussehen mochte wie dieser hier: vier nackte Wände, ein paar Bänke, auf die man sich nicht setzen mochte, weil sie entsetzlich verschmiert aussahen, und einige Dutzend Ungeduldige, die darauf brannten, endlich freigelassen zu werden. «Monsieur Pigeot!» «Hier!» «Folgen Sie mir!» Der Industrielle wurde über einen langen Korridor in einen grossen Raum geführt, wo ausser einer Anzahl von höheren und Subalternoffizieren sich auch noch ein paar Menschen befanden, die offenbar eben auf Herz und Nieren durchforscht wurden. Andre Pigeot sah seine Frau in einer Ecke sitzen; sie nickte ihm lächelnd zu. Ein Major sass an dem Tisch, vor den An-