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E_1933_Zeitung_Nr.080

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BERN, Dienstag, 26. September 1933 wnnmer 20 Cts. Jfcgang - No 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe List«" Halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozusehlag, Mfera nicht porUmtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION o. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 2&222 Telegramm-Adresset Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. lateratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Aktuelle Probleme Der winterliche Nord-Süd-Verkehr. Def Allg. Detitsche Automobil-Club, der gegen 200 000 Mitglieder zählt, hat sich kürzlich offiziell danach erkundigt, wie es mit den Bestrebungen für die Offenhaltung einer schweizerischen Nord-Süd-Route während des kommenden Winters stehe. Es wurde hiebei geltend gemacht, dass die deutschen Automobilisten diesem Projekt wegen des Durchreiseverbotes durch Oesterreich besonderes Interesse entgegenbringen, weil es für sie von spezieller Wichtigkeit wäre, eine den ganzen Winter durchgehend passierbare Nord-Süd-Verbindung durch die Schweiz mit Italien zu besitzen. Der sonst stets offene Brenner kommt für die Deutschen, solange das Durchreiseverbot durch Oesterreich besteht, nicht in Betracht, so dass sie auf einen der schweizerischen Verbindungswege angewiesen sind. Von diesen scheidet der Gotthard, der wohl in erster Linie in Frage käme, aus, •weil eben der Bahntransport durch den Gotthardtunnel nicht zu vermeiden, solcher aber viel zu teuer ist, um für starke Frequenzen in Betracht zu kommen. Es würde sich diesen Winter den S.B.B, eine einzigartige Gelegenheit bieten, durch Schaffung eines verbilligten Einheitstarifes und Rationalisierung der Transportmöglichkeiten diesen •wichtigen internationalen Nord-Süd-Automobilverkehr an sich zu ziehen und für spätere Jahre zu sichern. Leider fehlt aber bei den zuständigen Organen der S. B. B. hiefür jedes Verständnis, wie sich dies letztes Jahr bei der Konferenz mit den Clubs deutlich gezeigt hat, so dass denn auch eine Ausnützung der günstigen Gelegenheit von dieser Seite nicht zu erwarten ist. Bleiben die Bündner Uebergänge Julier— Maloja, Bernhardin und Lukmanier. Auf Anregung des Verkehrsvereins Pro Blenio hat erst kürzlich mit den eidgenössischen Instanzen eine Begehung der Lukmanierstrasse stattgefunden, um festzustellen, ob diese nach Vornahme der nötigen Verbauungen den ganzen Winter hindurch offen gehalten werden könnte. Die Verkehrsinteressenten bejahen dies in positivster Weise. Ist dies wirklich der Fall und kann ohne allzu grosse Mittel F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (9. Fortsetzung) Am Abend hörte er einen Wagen auf dem holperigen Pflaster vorfahren — er vermochte es nicht, sich zum Fenster zu schleppen — er wusste ohnedies, was geschah. Die nächsten Stunden waren die Hölle. Als Mercedes zurückkehrte, war es ihm unmöglich, sie in ihrem Zimmer aufzusuchen. Er vermochte kaum, einen klaren Gedanken zu fassen. Leise pochte es an seine Tür. Mercedes trat ein. 8. Eberhard stand mühsam auf und ergriff ihre Hand, die sie ihm entgegenstreckte. «Du kommst...» Mercedes legte den Finger an die Lippen, aber sie lächelte. «Frage mich nichts! Es muss dir genügen, wenn ich dir sage, dass die Gefahr diesmal vorübergegangen ist!» «Diesmal!» Sie senkte den Kopf und entgegnete nichts. Da riss er sie in seine Arme und küsste sie wie ein Verzweifelter. «Wie ich dich darum liebe!» sagte sie leise, als er sie wieder freigegeben hatte und nur ihre beiden Hände haltend, an ihrer Seite sass. Und in diesem Augenblick empfand er, wie seine Liebe für diese Frau in der Abschnitt Disentis—ORvone schneefrei gehalten werden, so hätte der Kanton Graubünden allerdings noch dafür zu sorgen, dass auch die Vorderrheintalstrasse Reichenau— Disentis durchgehend passierbar ist. Bis Ilanz ist dieselbe zwar, meist offen, während dies aber beim oberen Teilstück Ilanz— Disentis nur im Vor- und Nachwinter zutrifft. Auch die Bestrebungen für die Schneefreihaltung der Bernhardinstrasse sind neuern Datums. Die angestellten Untersuchungen dürften jedoch ergeben haben, dass die Verhältnisse hier ungünstiger liegen als beim Lukmanier und Julier. Gewiss waren die Teilstücke bis Thusis und von hier bis Splügen schon letzten Winter durchgehend fahrbar, aber die Hauptschwierigkeiten kommen erst mit der eigentlichen Bergstrecke ab Hinterrhein, wo die ohnehin schon ziemlich engen Kehren dem Fahrer selbst im Sommer erhebliche Schwierigkeiten bieten. Unvoreingenommen muss wohl der Variante Lenzerheide—Julier—Maloja hinsichtlich konstanter Schneefreihaltung zweifellos der Vorzug gegeben werden, und zwar speziell auch aus finanziellen Erwägungen. Bis TVIühlen ist diese leichte Nord-Süd-Verbindung stets durchgehend fahrbar, ebenso auch von Silvaplana bis Chiavenna. Und nach einer früher vom bündnerischen Baudirektor an' einer Versammlung des Schweiz. Autostrassenvereins in Zürich abgegebenen Erklärung dürfte die Offenhaltung des Abschnittes Mühlen—Silvaplana mit e'inem Kostenbetrag von ca. 20 000 Fr- möglich sein. Man sollte in Alt Fry Rätien dieses Problem raschestens an die Hand nehmen, denn die Verhältnisse liegen im Hinblick auf die deutsch-österreichische Spannung dieses Jahr ausserordentlich günstig; die Aussichten für einen starken deutschen Zuzug sind die besten. Und wenn die Julier—Maloja-Route dieses Jahr offen gehalten werden kann, so wird dies für die bündnerischen Wintersportgebiete beste Propaganda bilden und diesem Nord-Süd-Uebergang auch in den kommenden Jahren die nötige Publizität sichern. Die Gelegenheit ist heute eine einzigartige; dafür spricht das grosse Interesse der deutschen Automobilisten, die der Schaffung einer Winterverbindung durch die Schweiz grösste Bedeutung beimessen. Die Anfrage sein Herz eingebrannt war und nur mit dem Tode enden konnte. Und dass das Schicksal sie beide zusammengeworfen hatte, um sie mitleidlos zusammen zu vernichten. Eins durch das andere... Sie schwiegen lange. Dann begann Mercedes: «Ich weiss, was wir wissen müssen. Du kannst morgen berichten, dass die Nachricht aus Bern nach Rom gelangt ist. Der Journalist Johann Stein in Bern ist einer der rührigsten Agenten der Entente in der Schweiz. In seiner Hand laufen die Meldungen "zusammen, die aus Deutschland kommen. Weiter zurück lässt sich die Spur von hier aus natürlich nicht verfolgen: es ist Sache des Nachrichtendienstes in Deutschland selbst, die Sendungen an diesen Stein, die fast immer in amtlichen Umschlägen eintreffen sollen, an der Grenze anzuhalten und genau zu kontrollieren. Dann wird man unschwer feststellen können, wo die Korrespondenten des Ententedienstes sitzen. Wenn du willst, können wir in ein paar Tagen die italienische Grenze hinter uns haben!» «Ich muss Weisung aus Berlin abwarten, aber ich glaube wohl, dass unsere Tage hier gezählt sind!» Etwas wie eine leise Hoffnung wollte in Eberhard aufsteigen, aber es war nur ein Augenblick, in dem ihm die Zukunft heller, in einem freundlicheren Lichte erschien: er selbst verbannte den Gedanken aus seinem Herzen. Am anderen Morgen hörte Eberhard kurz des A.D.A.C. ist min dusch den A.C.S. an die büodnerischen Behörden weitergeleitet worden. Möge es diesen mit Hilfe der doi 1 - figen Verkehrs- -and Hotelierinteressenten gelingen, das schon letztes Jahr geplante Projekt zu verwirklichen. Vielleicht lässt dann dieser Fortschritt bei den S. B. B. wenigstens die Erkenntnis aufkommen, dass sie wieder einmal eine grosse Gelegenheit, sich auf billige Weise neuen Verkehr zu sichern — verpasst haben. V verbilligte Bahntaxen und Autoverkehr. Als Mittel zur Belebung des Fremdenverkehrs nach der Schweiz haben unsere Transportunternehmungen während der Sommermonate den ausländischen Gästen Ermässigungen auf den Taxen eingeräumt, die sich zwischen 30 und 45 Prozent bewegen. Inwieweit der angestrebte und an sich löbliche Zweck erreicht worden ist, lässt sich schwer feststellen, auch wenn grosso modo die Zahl der Fremden gegenüber dem Sommer 1932 einen Zuwachs zu verzeichnen hat. Dazu trägt allerdings auch die nicht aus der Welt zu schaffende Tatsache bei, dass auch das Kontingent der während dieser Zeitspanne in die Schweiz eingereisten ausländischen Motorfahrzeuge, verglichen mit dem letzten Jahr, einen weiteren Sprung nach oben getan hat. In St. Moritz sind beispielsweise rund 50 Prozent der Gesamtzahl der Logiernächte dem Auto zu verdanken. Es wird niemand etwas dagegen haben, wenn die Bundesbahnen und die übrigen schweizerischen Transportunternehmungen nun auch die einheimische Bevölkerung noch mit einer ähnlichen Gunst beglücken und vom 30. September bis zum 9. Oktober eine « Schweizer Reisewoche » inszenieren. Das soll uns allerdings nicht hindern, die Frage in die Diskussion zu werfen, weshalb man massgebenden Ortes lediglich die eisenbahn-, schiff- und postautofahrende Menschheit gewisser Vorteile im Reiseverkehr als würdig erachtet. Bei allem Verständnis für eine derartige «Ankurbelung» des Reiseverkehrs, deren Nutzniesser schlussendlich doch unsere Hotellerie sein soll und aus deren bitteren Notlage wir uns kein Hehl machen, sucht man vergebens nach einer « Gleichschaltung » des Automobilismus. Dass zur Ausgleichung unserer Handelsbilanz der « Exportartikel » Fremdenverkehr — der einzige, der heute noch einigermassen nach dem Frühstück, während er eben seinen Bericht nach Bern chiffrierte, aus dem Zimmer der Wirtin lautes Schreien, das allmählich in ein ununterbrochenes, durch das ganze kleine Haus hörbares Weinen überging. Er hörte die Tür von Mercedes' Zimmer gehen, und nach einigen Minuten kam die geliebte Frau ganz verstört und bleich zu Eberhard ins Zimmer. «Oberst Faruccio hat sich heute nacht erschossen!» Eberhard vermochte zunächst kein Wort zu erwidern. Die Szene vom vorgestrigen Abend stand wieder vor ihm: der gebrochene Mann — «Sie sagen, ich könnte mich Ihnen nicht entziehen — das ist ein Irrtum!» Allerdings: es war ein Irrtum; nun hatte sich der Oberst ihm für immer entzogen! Er sah die Leiche vor sich liegen, das quittengelbe Gesicht noch gelber, ein kleines, rundes Loch an der Schläfe. Einen Augenblick quoll ein heisses Mitleid mit diesem armen Teufel in ihm auf, aber er drängte es nieder. «Weisst du etwas Näheres, Geliebte?» «Nein. Signora Felicia ist ganz ausser sich — man kann sie gar nichts fragen. Vielleicht hat der Oberst — ein Bekenntnis abgelegt!» Daran hatte Eberhard im ersten Augenblick nicht gedacht. Es war immerhin möglich, dass der Oberst im Tode das gutzumachen versuchte, was er im Leben gesündigt hatte. Dann fing die Situation an, verdammt unangenehm zu werden. Eberhard überlegte: «Ich ins-Gewicht fällt — allen anderen voran ge-