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E_1933_Zeitung_Nr.105

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BERN, Freitag, 22. Dezember 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 105 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enehalnt laden Dtamtaa and Freitag Monatlieh „Gvlbc Ucte" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portornschlaf. toten nicht postamtlleh bestellt. Zuschlag für postamtliche BMtallumf 20 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Rappen. PoitehecU-Rechnune 111/414. TelapboB 28.223 Tttecranuii-Adresse: Antorevue, Barn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; dir Anzeigen aus dem Ausland 60 Ott. Grauere Inserate nach Seltentarit. Inseratenschlti» 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Zur Anpassung der Automobile an das neue Verkehrsgesetz. In Nummer 95 der «Automobil-Revue> haben wir uns eingehend mit der Anpassung der Automobile an die Bestimmungen der Vollziehungsverordnung zum neuen Verkehrsgesetz auseinandergesetzt. Wie bekannt, läuft die Toleranzfrist für die Anpassung am 31. Dezember ab. Durch unsere Ausführungen glaubten wir, die Unklarheiten in der Interpretation der Gesetzesbestimmungen, wie sie immer wieder anzutreffen waren, wenigstens bis auf einen geringen Rest aus der Welt geschafft zu haben. Allerhand Zuschriften, Anfragen und Beobachtungen lehren uns jedoch, dass nach wie vor viele Punkte als unabgeklärt empfunden werden. Wir sehen uns deshalb veranlasst, nochmals auf die Materie zurückzukommen. Vorweg möchten wir zum Ausdruck bringen, dass zum grossen Teil an den Unklarheiten und der herrschenden Unsicherheit die Art der Abfassung mancher Gesetzesbestimmungen schuld ist. Man kann dem. Justiz- •und Polizeidepartement den Vorwurf nicht ersparen, die Vollziehungsverordnung zum eidgenössischen Verkehrsgesetz unvollständig und zu wenig präzisiert herausgebracht zu haben. Während man von der Vollziehungsverordnung eine scharfe Präzisierung der allgemeinen Gesetzesbestimmungen erwartet hatte, brachten manche Artikel der Verordnung nur die Notwendigkeit zu nochmaligen Interpretationen mit sich. Schon diese Notwendigkeit allein hätte zweifellos vermieden werden sollen. Schlimmer aber ist es, dass das Justiz- und Polizei- •departement die Interpretation zum grossen Teil bisher den Experten der Verkehrsämter fiberliess, ohne für deren rechtzeitige Sanktionierung und Bekanntgabe besorgt zu sein. Die wenigen, bis heute vom Justizund Polizeidepartement veröffentlichten Interpretationen genügen jedenfalls zur allgemeinen Abklärung des Gesetzes, wie sie jetzt nach Ablauf der Anpassungs-Toleranzfrist erforderlich wäre, nicht. Wohl haben die Experten der Verkehrsämter in zahlreichen Konferenzen die Materie vorläufig unter sich zu bereinigen versucht. Solange jedoch die von den Expertenkonferenzen ausgearbeiteten Interpretationsvorschläge nicht sanktioniert sind, haben sie auch keine unbedingte Gültigkeit. Der Automobilist weiss deshalb in manchen Fällen nicht, ob er sich lediglich «Allerdings! Ich wundere mich, dass Sie noch frei sind!» «Ich wundere mich auch. Aber ich fürchte, man hat bei Stein Papiere gefunden — Stein ist ja so unvorsichtig! Und wenn ich nicht heute noch die Schweiz verlassen kann, wird es morgen vielleicht zu spät sein!» «Ja — verzeihen Sie! — was kann ich denn dazu tun?» «Das Visum, Exzellenz!» «Sie wollen nach Frankreich?» «Bleibt mir denn eine Wahl? Exzellenz — ich bitte dringend um das Visum für mich und — Georgette Ernano! Glauben Sie mir — es liegt auch in Ihrem Interesse, dass ich verschwinde!» «Ist das eine Drohung?» «Ich verstehe nicht...» «Drohen Sie mit Enthüllungen?» «Ich? Aber, Exzellenz!» In der gleichen Nacht fuhren Eberhard und Mercedes der französischen Grenze zu. Mit ordentlichem Notizen vom Tage E U I L L ET O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (34. Fortsetzung) Visum und ausserdem mit an den Wortlaut der Vollziehungsverordnung zu halten hat oder ob für ihn auch schon die Gesetzesauslegung, wie sie den Experten des Verkehrsamtes vorliegt, Gültigkeit hat. Folge: Unsicherheit sowohl seitens der Automobilisten wie auch seitens der Experten. Vergrössert wird die Unordnung noch dadurch, dass — ebenfalls infolge mangels einheitlicher Richtlinien — offenbar auch die Experten in mancher Hinsicht noch verschiedener Auffassung sind. Das Verkehrsamt X bezeichnet Anordnungen als richtig, die vom Verkehrsamt Y als falsch taxiert werden. Das Verkehrsamt Q macht Vorschriften, die auch mit der besten Lupe in keinem Artikel der Vollziehungsverordnung aufzufinden sind. Eine vierte Instanz lässt Dinge durch, die der Vorschrift der Vollziehungsverordnung widersprechen, weil es sich zur Ansicht berechtigt fühlt, dass die Vorschrift doch praktisch nicht durchgeführt werden kann. Selbst damit hat es nicht sein Bewenden. Praktisch kann sehr leicht der Fall eintreten, dass ein Fahrzeug vom Verkehrsamt- als gut befunden, jedoch von der Polizei beanstandet wird. Massgebend; sind für die Polizei nur die Vollziehungsverordnung und die (bis jetzt spärlichen) Interpretationen des Justiz- und Polizeidepartementes. Der Polizist beurteilt en gros, der Experte en detail. Stimmen die beiden Auffassungen nicht überein, so überlässt man es dem Automobilisten, die Sachlage abzuklären, um eine Busse zu vermeiden. Ursache des Uebels auch hier: Mangel an einheitlichen, leicht verständlichen allgemein gültigen Vorschriften. Wir sind uns bewusst, dass bei der gegenwärtigen Vielgestaltigkeit der Automobiltechnik die Vereinheitlichung der mit der Fahrsicherheit in Zusammenhang stehenden Ausrüstung kein leichtes Problem darstellt. Um so mehr erfordert seine Lösung aber den Beizug kompetenter Personen, um so grössere Bedeutung muss seiner richtigen Lösung entgegengebracht werden. Eine genaue Abklärung und sachkundige Fassung der Bestimmungen ist nicht zuletzt auch deshalb sehr erwünscht, weil sie manchem Automobilisten unnötige Ausgaben ersparen könnte. Es darf nicht übersehen werden, dass die Anpassung der Wagen unter Umständen mit grossen Kosten verbunden ist und speziell den Besitzern älterer Wagen fel vielleicht durch Vorweisung des Empfehlungsschreibens des Gesandten bannen können, aber er tat es nicht; so musste sich gleich jetzt herausstellen, wie der Gesandte in Wirklichkeit zu ihm stand. Als die Bestätigung der Echtheit der Visa eintraf, war der Zug längst weg, und Eberhard und Mercedes hatten Gelegenheit, sich sechs Stunden lang eine französische Grenzstation anzuschauen. «Ein Römer würde umkehren!» sagte Eberhard. Mercedes lächelte. «Ich bin nicht abereinem Empfehlungsschreiben an den Chefredakteur des « Matin ». 24. Eberhard und Mercedes verliessen Bern beide mit einem Gefühl der Erleichterung. Diese letzten Wochen, so erfolgreich sie auch waren, bedeuteten für beide eine Qual. Mercedes hatte, obwohl oder weil sie als die Freundin des Russen Naschtschenko galt, die Bekanntschaft einer Reihe von Leuten gemacht, die zum diplomatischen Korps der Entente gehörten. Als Sängerin in einem Lokal von etwas zweifelhaftem Ruf, durfte sie eine Einladung, nach der Vorstellung mit dem und jenem noch eine Flasche Wein zu trinken, nicht ablehnen, und sie konnte die Huldigungen, die ihr von allen Seiten entgegengebracht wurden, nicht so schroff zurückweisen, als sie es vielleicht hätte tun wollen. Und dann... Georgette Ernano konnte auf den Beruf nicht verzichten, den Mercedes Farere ausgeübt hatte; es war ihr so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie ihren Weg gehen musste. Es galt, diesen eingebildeten jungen Burschen ihre Geheimnisse zu entlocken. Es gelang ihr stets. Sie wusste, dass Eberhard darunter litt. Sie wusste, dass er fast jeden Abend in irgendeiner Loge des Edentheaters war, dass er ' ihr Lachen hören musste, wenn sie mit diesen Von den zahlreichen Anfragen, die im Anschluss an den Anpassungsartikel an uns gerichtet wurden, bezogen sich die meisten auf Beleuchtungsvorschriften. Wir erfuhren dabei, dass die Verkehrsämter einzelner Kantone die verschiedensten Auffassungen an den Tag legen. Es ist nicht unsere Sache, zu entscheiden, ob Scheinwerfer zur Erzeugung des Abblendlichtes eine zweite Lampe aufweisen, Schlusslampen und Stopplichtlampen an Stelle eines gefärbten Abschlussglases ein anderweitiges gefärbtes, transparentes Material haben dürfen, ob die Nebellampe gelb leuchten muss oder nur gelb leuchten darf; denn über all diese Punkte schweigt sich die Vollziehungsverordnung aus. Wir können den betreffenden Fragestellern nur raten, sich nach den Verfügungen ihrer zuständigen kantonalen Instanzen zu richten. Solange sich der Besitzer darauf stützen kann, dass der Wagen vom Verkehrsamt seines zuständigen Kantons als richtig befunden wurde, können ihm auch die Behörden eines andern Kantons nichts anhaben, selbst im Fall, dass die Vollziehungsverordnung falsch interpretiert worden wäre. Allerdings könnte eventuell, eine prozessuale Abklärung erforderlich sein. * Unter allen Umständen wird natürlich der Fahrer, der es mit der Anpassung.seines Wagens ernst genommen und diesen Ernst dadurch dokumentiert hat, dass er den Wagen, sei es durch einen der automobilistischen Verbände oder durch eine Garage prüfen Hess, bei etwelchen Beanstandungen von vornherein auf mehr Entgegenkommen rechnen dürfen als jener, der es einfach darauf ankommen lässt, ob die mit der Kontrolle beauftragten Polizeiorgane etwas zu bemängeln haben. Wie man uns versichert, sind die blasierten Kavalieren beisammensass, von denen einer über die Weltlage besser unterrichtet sein wollte als der andere. Er sprach nicht darüber, dass er von Eifersucht gequält war, wenn sie mit anderen Männern sich unterhielt — und auch sie vermied es, diese Dinge zu berühren. Vielleicht, dachte sie, wird er doch dazu kommen, mir unbedingt zu vertrauen! So war etwas Fremdes, Unausgesprochenes zwischen ihnen, obwohl sie sich mit aller Glut des Herzens liebten, und darum empfanden sie es beide als eine Erlösung, aus diesen Verhältnissen herauszukommen. Aber sie verhehlten sich auch nicht, dass sie sich jetzt auf einen Boden wagten, der weitaus gefährlicher war als der der neutralen Schweiz. Eberhard hatte zwar erreicht, dass der Gesandte ihm die Visa und ein paar empfehlende Zeilen gab, — aber er gewann den Eindruck, als ob der Diplomat ihm nicht recht traute. Es war ja das Netz nicht über alle Vertrauensleute Steins zusammengezogen worden, noch nicht, aber es Kontrollorgane instruiert, in Fällen, in welchen man bona fide geteilter Meinung oder unsicher sein kann, vorerst nur aufzuklären oder Verwarnungen auszusprechen. Anderseits ist es vollauf am Platz, wenn mit aller Schärfe gegen Fahrer oder Wagenbesitzer eingeschritten wird, welche die neuen Bestimmungen offensichtlich missachtet haben. Im folgenden seien kurz nochmals einige der Bestimmungen in Erinnerung gerufen und erklärt, die, wie zahlreiche Zuschriften zeigen, immer noch falsch oder ungenügend verstanden werden. Art. 13 der Vollziehungsverordnung verfügt, dass jedes Automobil auf der Vorderseite mit zwei weissleuchten- dürften nicht ohne reifliche Ueberlegung Ausgaben aufgezwungen werden, die sich ver- mit Positions- oder Markierlichtern zu komden Scheinwerfern ausgerüstet sein muss, die meiden Hessen. binieren sind, wenn ihr Abstand vom äussersten Fahrzeugrand mehr- als 40 cm beträgt. Uebersteigt der Abstand zwischen dem Rand des Scheinwerferglases und dem äussersten Fahrzeugrand 40 cm, muss also nachts die Breite des Wagens noch durch Markierlichter kenntlich gemacht werden. Als solche Markierlichter können die sogenannten Stadtlampen seitlich an der Windschutzscheibe oder dann Lampen gelten, die auf dem Kotflügel montiert sind. Sie müssen so angeschlossen sein, dass sie bei eingeschalteten Scheinwerfern zwangsläufig ebenfalls leuchten, gleichgültig, ob die Scheinwerfer mit Abblendlicht oder Fernlicht im Betrieb sind. Das Licht der Markierlampen muss weiss sein und darf nicht blenden. Gleichzeitig mit den Scheinwerfern dürfen die Markierlichter brennen, wenn wohl, nicht der Abstand zwischen dem äussersten Fahrzeugrand und dem Rand des Scheinwerferglases, jedoch derjenige zwischen dem Fahrzeugrand und der Scheinwerfer/m/te mehr als 40 cm beträgt. Das gleichzeitige Leuchtenlassen der Markierlichter und der Scheinwerfer ist verboten, wenn der letztgenannte Abstand unter 40 cm bleibt. Wir heben hervor: Der Abstand ist einerseits vom äussersten Fahrzeugrand aus (also nicht etwa immer nur vom .Kotflügelrand aus) und anderseits vom Rand des Scheinwerferabschlussglases (also nicht vom Rand des Scheinwerfergehäuses) oder von, der Scheinwerfermitte aus zu messen. Die Schaltung der Anlage muss ein für allemal so getroffen sein, dass nur die erlaubten Beleuchtungsarten zustande kommen können. Bei manchen Wägen sind dazu gewisse Anschlüsse zu ändern. m. Schweizerische Motorfahrzeugstatistik für das zweite und dritte Vierteljahr 1933. Die Einfuhr von Motorfahrzeugen ist nicht mehr frei, sondern nun gänzlich handelspolitischen Massnahmen unterstellt. Im März 1932 wurde der Bezug von Motorrädern aus dem Auslande kontingentiert, im September 1933 die Einfuhrbeschränkung auf die Personen-, Lastwagen sowie Traktoren ausgedehnt. Es besteht ein Unterschied in der zolKtechnischen Behandlung der Zwei- und Dreiräder einerseits, der Automobile anderseits. Die ein bestimmtes Einfuhrkontingent überschreitende Zahl von Fahrzeugen der erstgenannten Art muss den prohibitiv wirkenden Zoll von 500 Fr. per Stück (Normalsatz 150 Fr.) tragen (eigentliche Kontingentierung). war doch vielleicht auffällig dass gerade einer der häufigsten Besucher dieses Journalisten in Freiheit geblieben war. Der Gesandte mochte sich allerdings sagen, dass Naschtschenko doch nicht nach Frankreich gehen würde, wenn er ein schlechtes Gewissen hätte. Aber er war lange nicht so freundlich, so liebenswürdig gewesen wie bei früheren Besuchen, und dem Empfehlungsschreiben mochte vielleicht geheim ein anderes folgen, das zur Vorsicht mahnte. Jedenfalls: mit dem Ueberschreiten der französischen Grenze begaben sich Eberhard und Mercedes in eine Gefahrenzone allerersten Ranges. Aber zunächst war es ihnen/ gar nicht so einfach, diese Grenze zu überschreiten. Sie wurden angehalten. Aus irgendeinem Grunde schöpfte der Beamte, der die Pässe kontrollierte, Misstrauen. Er bezweifelte die Echtheit des Visums und Hess in Bern telephonisch anfragen. Eberhard hätte die Zwei-