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E_1933_Zeitung_Nr.106

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BERN, Dienstag, 26. Dezember 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 106 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISE: Erscheint jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoznschlag. M(en> nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für poslamUlche BwteUanc 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechnung 111/414. Telephon 25.222 Teleeramm-Adresse: Antorevne, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle od*r deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Aukland 60 Ct*. Grdssere Inserate nach Seitentarit. Inseratenscnlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Vermehrte Verkehrs- und Fahrsicherheit In letzter Zeit mehren sich in unserem Lande die Stimmen, die durch Einführung verschärfter Verkehrsbestimmungen der Entwicklung des Automobilismus neue Hindernisse in den Weg zu legen versuchen. Mit all den offenen oder mehr noch versteckten Bahninteressenten, den notorischen Automobilgegnern und den noch mittelalterlichen Verkehrszuständen huldigenden Opponenten, wollen wir uns nicht auseinandersetzen. Diesen Kreisen auch nur die einfachsten neuzeitlichen Verkehrserfordernisse plausibel zu machen, ist verlorene Liebesmüh. Hingegen möchten wir zu den leichthin in Presse und kantonalen Parlamenten hingeworfenen Vorwürfen an die Adresse der Automobilisten Stellung beziehen. Unser 31att hat von jeher mit aller Entschiedenheit gegen die Uebertragung einzelner bedauerlicher Vorkommnisse auf die gesamten Automobilistenkreise Stellung genommen. Ununterbrochen haben wir anderseits auf die Forderung grösserer Verkehrsdisziplin hingewiesen und Ungehörigkeiten seitens der Automobilisten frank und frei aufgedeckt. Wir sind die letzten, welche Verstösse einzelner Fahrer gegen die geschriebenen und ungeschriebenen Verkehrs- und Anstandsregeln verschweigen oder beschönigen möchten. Dagegen wehren wir uns mit allen Kräften gegen das heute beliebte Prinzip der Verallgemeinerung. Der grössere Teil unserer Automobilisten bemüht sich nach Möglichkeit, den Strassenverkehr so flüssig als möglich zu gestalten und irgendwelche Anstände zu vermeiden. Für das Recht der Strassenbenüt^ung zahlen sie jährlich nicht unerhebliche Extravergütungen. Dessen ungeachtet, führen sich oft viele andere Strassenbenützer derart auf, wie wenn das freie Verfügungsrecht über die Strasse nur ihnen zustehen würde. Die Hauptangriffe konzentrieren sich heute auf die Freigabe der Geschwindigkeitsgrenzen durch das neue Verkehrsgesetz. Statistisch ist noch keineswegs nachgewiesen, dass eine Vermehrung der Verkehrsunfälle auf dieses Zugeständnis zurückgeführt werden kann. Im Gegenteil lässt sich da und dort, so in Zürich, nachweisen, dass trotz erheblicher Verkehrszunahme, eine rückläufige Bewegung der Unfallkurve verzeichnet werden kann. Uns will eher scheinen, dass durch die Verbilligung der Automobile, speziell durch die auf den Markt ge- [ ^^H ^^H^ C^l ^H P^l P^H ^^If I^E^t^J Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (35. Fortsetzung) Eberhard schien ein wenig geknickt. «Das ist sehr bedauerlich,» sagte er. «Der Herr Gesandte hat mir Hoffnung gemacht, dass ich mir in Paris eine erträgliche Position schaffen könnte! Ich bin in Russland zum Tode verurteilt. In Bukarest habe ich mit der Herausgabe eines französischen Blattes den Rest meines Geldes verloren, und in Deutschland bin ich mit knapper Not dem Konzentrationslager entgangen. Ich habe aus der Schweiz verschwinden müssen, nachdem einige Verhaftungen erfolgt waren, die mir zu denken gaben. Nun bin ich hier. Sie brauchen mich natürlich nicht — was soll ich tun?» Der Chefredakteur schien die Lage dieses armen Russen sehr wohl würdigen zu können. «Ich brauche Sie nicht — zumindest habe ich nicht gerade auf Sie gewartet. Nicht wahr, das begreifen Sie doch? Aber damit ist nicht gesagt, dass sich keine Beschäftigung für Sie finden Hesse. Wenn es nicht gerade journalistisch sein muss...!» «Gewiss nicht!» beeilte sich Eberhard zu sagen. worfenen Altwagen, Personen in den Besifz von Motorfahrzeugen gelangen, die in keiner Weise über die nötigen Charaktereigenschaften verfügen, dass man sie ohne weiteres mit ihrem Fahrzeug auf die Menschen loslassen kann. In keiner Weise wollen wir damit etwa die Auffassung vertreten, dass das Automobil nur von einer privilegierten Klasse benützt werden könne, sondern es soll sich noch viel mehr als bisher zum Volksverkehrsmittel entwickeln. Voraussetzung dafür aber ist strengste Diszipliniertheit aller Fahrer. Wer aber namentlich an einem Sonntag etwas aufmerksam die zirkulierenden Automobile beachtet, der wird einen schönen Prozentsatz von Wagen feststellen können, die in eine Gerümpelkammer gehören und welche unter dem Einfluss des neuen Automobilgesetzes hoffentlich bald von der Bildfläche verschwinden. Prüft man dann noch die Sonntagsfahrer und die mitgeführte Menschenfracht ebenfalls näher, dann kann man oft daraus Schlüsse ziehen, welche deutlich auf die Gefahrenquellen des Strassenverkehrs hinweisen. Mit der zunehmenden Verkehrsdichte auf Ueberland- und Stadtstrassen, speziell auf Routen, wie wir sie in unseren Gebirgsgegenden antreffen, kann nur die gewissenhafteste Verkehrsdisziplin aller am Strassenverkehr interessierter Kreise die Gefahrenherde reduzieren. Mancher Automobilist wird aber die berechtigte Frage stellen, was die grösste Aufmerksamkeit auch nützt, wenn es noch andere Strassenbenützer gibt, die sich keinen Pfifferling um Sicherheit und Anstand kümmern. Im Nachstehenden wollen wir weniger die einzelnen Benutzer der Strasse daran erinnern, wie sie sich unter den heutigen Verkehrsverhältnissen zu benehmen haben, sondern darzustellen versuchen, dass seitens der Automobilisten und der Automobilindustrie keine Mittel gescheut werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Solange nicht die gesamte Bevölkerung, wie in den verkehrsdichtern Ländern Amerika, Grossbritannien und Frankreich, völlig auf den Automobilverkehr eingestellt ist, werden wir stets mit höhern Unfallquoten zu rechnen haben. In diesen Staaten ist jedermann in irgendeiner Weise am Autoverkehr interessiert, und vor allem wissen ihn alle als Wirtschaftsfaktor ersten Ranges zu schätzen. Bei uns tritt hingegen noch in manchen Kreisen «Sie sagten vorhin, Sie hätten Bern verlassen müssen, weil Verhaftungen erfolgt sind, die Ihnen zu denken gaben. Ich bin über diese Verhaftungen unterrichtet. Standen Sie in Beziehungen zu den Verhafteten?» «Allerdings. Wenigstens zu einigen von ihnen.» «Gut. Wir brauchen uns ja nicht deutlichei auszusprechen. Es gibt natürlich in ähnlicher Art auch bei uns zu tun, wie Sie sich denken können. Der Herr Gesandte empfiehlt Sie sehr warm. Ich bin gern bereit, Sie mit Leuten bekanntzumachen, die sich für Sie interessieren werden. Welche Sprachen sprechen Sie?» «Russisch selbstverständlich, Englisch, Italienisch, Spanisch und ein wenig Deutsch und Holländisch.» «Ausgezeichnet. Man wird Sie sehr gut gebrauchen können, und wenn Sie Ihren Vorteil wahrzunehmen verstehen, wird es Ihnen bei uns recht gut gehen. Wollen Sie heute abend in das Caf6 Luxembourg am Elysee kommen?» «Gern!» Am Abend lernte Eberhard eine ihm neue Art von Menschen kennen. Horcher. Diese Leute hatten überall da zu sein, wo sich ein internationales Publikum zusammenfand. Sie hatten auf die Gespräche zu achten, die geführt wurden, hatten Verbindungen mit der Fussgänger und Velofahrer eine rückständige, verkehrsfeindliche Einstellung zutage, die dem Automobilisten mitunter das Leben nicht so leicht macht. Allmählich beginnt es aber auch hier zu dämmern, indem man dem Fussgänger und dem Velofahrer ebenfalls- bestimmte Verkehrspflichten auferlegt. Durchgeht man die letzten Polizeiberichte, so geht daraus die betrübende Tatsache hervor, dass viele zum Teil schwere Verkehrsunfälle auf übermässigen Alkoholgenuss zurückzuführen sind. Wenn aber ein Fahrer innert wenigen Tagen zweimal aus diesem Grunde von seinem Vehikel heruntergeholt werden muss, so zeugt dies von mangelnder Verkehrskontrolle. Im Hinblick auf das Ansehen des gesamten Autowesens ist unbedingt mit bedeutend grösserer Schärfe gegen derartige Fahrer vorzugehen. Die unter den Automobilisten noch befindlichen rücksichtslosen und disziplinlosen Elemente, deren Treiben bei den heutigen Geschwindigkeiten und Verkehrsdichten nicht mehr geduldet werden kann, müssen schonungslos ausgemerzt werden. Wer sich nicht an die Verkehrsordnung gewöhnen will, gehört auch nicht auf die Strasse, wobei aber keine Unterscheidungen zwischen Automobilisten, Radfahrern, Fuhrleuten und Fussgängern gemacht werden dürfen. Seitens der Autoindustrie wurden keine Aufwendungen gescheut, tim vor allem die Fahrsicherheit und damit auch diejenige des Verkehrs zu erhöhen. Die Tendenz der Automobilbauer geht dahin, ebenfalls die billigen Wagen mit denjenigen Einrichtungen zu versehen, die grösste Sicherheit gewähren, wobei allerdings diese Mehraufwendungen durch einfachere Ausstattung zu kompensieren versucht wird. Es seien im Nachstehenden nur die hauptsächlichsten Massnahmen erwähnt, die seitens der Konstrukteure in letzter Zeit zur Erhöhung der Verkehrs- und Fahrsicherheit ergriffen wurden. In erster Linie sind alle diejenigen Einrichtungen zu erwähnen, die auf eine Verminderung der Ermüdung des Fahrzeuglenkers hinauslaufen, wie leichte und ohne körperliche Anstrengungen zu bedienende Lenkung, Bremsung und Schaltung. Durch Einführung der Servobremsen kann man auch schwere Wagen bei hoher Geschwindigkeit ohne besondere Anstrengung abbremsen, so dass auch den weiblichen Automobilisten die Handhabung der Bremsen keine besondere Mühen mehr bereitet. Auch die leichte Zugänglichkeit Fremden anzuknüpfen und zu unterhalten, hatten sich in das Vertrauen ihrer Zufallsbekannten einzuschleichen und ihre Wahrnehmungen einer bestimmten Stelle mitzuteilen. Diese bestimmte Stelle war ein Herr, der zwar keine offizielle Stellung bekleidete und anscheinend keinen Titel hatte, aber offenbar in Beziehungen zu dem Nachrichtenbureau des Kriegsministeriums stand. Was hier getrieben wurde, nannte man Gegenspionage; Hauptzweck vwar es, verdächtige Fremde an das Messer zu liefern. Der Dienst wurde sehr gut bezahlt, besonders, wenn er von Erfolg war, wenn es gelang, irgendeinen unvorsichtigen armen Teufel zu Fall zu bringen. Natürlich waren diese «Gegenspione» auch provokatorisch tätig. Eberhard empfand: das war ungefähr die niederträchtigste Art von Menschen, die es überhaupt gab. Es fiel ihm nicht leicht, dem Haupt dieser Gesellschaft, dem Monsieur d'AIlancourt, die Hand zu geben, aber es musste wohl sein, und er musste es noch dazu als einen besonderen Glücksumstand betrachten, dass er vom Zufall in diese widerliche Gesellschaft geführt wurde; er lernte sie so wenigstens kennen und vermochte sich vor ihr zu schützen, indem er ihr angeblich diente. Mercedes war — eigentlich gegen den Willen Eberhards — mit in das Cafe Luxembourg gekommen. Sie rechnete damit, dass sie mit der Bedienungsorgane, d. h. der Anbringung von Signalkontakten und Abblendvorrichtung am Lenkrad, trug wesentlich zurFahTsicherheit bei. Eine nicht zu unterschätzende Sicherheitskomponente hat die Einführung des Tiefrahmens gebracht, weil durch diese Konstruktion der Schwerpunkt tiefer zu liegen kommt, wodurch die Haltung des Fahrzeuges, namentlich in Kurven, erheblich verbessert wurde. Durch gleichzeitige Tieferlegung des Motors kann der Gesamtschwerpunkt des Wagens noch weiter nach unten verlegt werden, was einzelne Konstrukteure durch Einführung der Schwingachsen zu erzielen versuchen. Nicht ohne Etinfluss auf die Fahrsicherheit ist auch eine gute Federung, da Qualitativ hochstehendes Federmaterial ermöglicht, dass die Räder fest an der Fahrbahn haften und sich der Strassenbeschaffenheit eng anschmiegen, was nicht ohne Einfluss auf Lenkung und zuverlässiges Bremsen bleibt. Der Einbau hydraulischer Stossdämpfer trägt in hohem Masse zu einer Verbesserung der Federung bei, können doch Stossdämpfer vom Führersitz aus reguliert werden, um den Lauf des Wagens entsprechend der Belastung, der Geschwindigkeit und des Strassenzustandes einzustellen. Daneben verfügen wir noch über eine ganze Reihe von Neuerungen, durch welche die Fahrsicherheit indirekt erhöht wird, wodurch der Fahrer in die Lage versetzt wird, sich vollständig auf die Strassenvorgänge zu konzentrieren. Zu diesen Einrichtungen ist das moderne Getriebe zu rechnen, das ohne besondere Aufmerksamkeit den Getriebewechsel gestattet. Im weiteren sind zu erwähnen die Richtungsanzeiger, das Stopplicht, die Rückblickspiegel und die Scheibenwischer. Auch auf dem Gebiete der Beleuchtung sind in letzter Zeit ganz besondere Fortschritte zu verzeichnen, wobei dem Problem der Abblendung die grösste Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Allerdings ist zu sagen, dass diese Seite noch nicht durchwegs befriedigend gelöst ist. In Kenntnis dieser Mängel hat sich aber gerade der Automobilist zu bemühen, durch korrektes Verhalten bei Nachtfahrten mitzuhelfen, diese vorläufigen technischen Lücken zu überwinden. Der Autler-Felerabend In vermehrtem Masse wird auch der Glasfrage Interesse entgegengebracht, indem speziell bei Zusammenstössen durch Verwenerscheint als Silvester-Autler in der nächsten Ausgabe vom Freitag. veränderter Haartracht und nach einer mehrjährigen Abwesenheit auch dann nicht erkannt werden würde, wenn sie einem Bekannten aus früherer Zeit in die Hand lief. Eberhard hatte schwere Bedenken, aber Mercedes lachte ihn aus; seit sie sich in Paris befanden, wurde die geliebte Frau von einem beinahe krankhaften Betätigungsdrang gequält und wollte lieber alles riskieren, als untätig in ihrem Hotelzimmer sitzen und auf die Heimkunft Eberhards warten. Als die beiden spät abends in das Hotel zurückkehrten, fragte Eberhard: «Hast du diesen Herrn d'AIlancourt vielleicht früher schon einmal gesehen?» «Nein. Wie kommst du auf diese Idee?» «Es war so merkwürdig. Er schien von Anfang an gar kein besonderes Interesse an dir zu haben, aber ich ertappte ihn wiederholt dabei, wie er dich mit forschenden Augen musterte. Vielleicht hat er dich erkannt!» «Du siehst Gespenster! Du hast mein Bild aus jenen Zeiten gesehen und selbst zugeben müssen, dass heute auch nicht die geringste Aehnlichkeit zwischen mir und dem Bild besteht!» «Die Augen von solchen Bestien, wie dieser d'AIlancourt eine ist, sind sehr scharf. Hoffentlich hast du recht!» Eberhard arbeitete also als «Horcher». Allerdings mit sehr geringem Erfolg — für ei-