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E_1934_Zeitung_Nr.002

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BERN, Dienstag, 9. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 2 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZBITUMG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint («den Dienstag and Freit«» Monatlich „Gelbe Liste« H«tt>JIhrlleh Fr. 5.—, jahrlieh Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznsehbtg, ••fern nicht poitamtlieh bestellt. Zuschlag für postamUiehe Bestellung 30 REDAKTION tt. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Posteheek-Reehnung 111/414. Telephon 2SJ223 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Für den Ausbau der Alpenstrassen Unter Zustimmung ausnahmslos aller am Strassenverkehr sowie am Fremdengewerbe interessierten Kreise hat die Schweizerische Strassenverkehrsliga — Ligue Routiere Suisse — eine Volksinitiative für den Ausbau unserer Alpenstrassen und deren Zufahrtslinien in die Wege geleitet. Das sich aus allen diesen Kreisen zusammensetzende Initiativkomitee hat die Unterschriftsbogen in Zirkulation gesetzt und bittet alle stimmfähigen Schweizerbiirger, die sich nach Prüfung des vorliegenden Volksbegehrens von dessen Notwendigkeit überzeugt haben, um ihre Unterschrift. Der Erfolg der Initiative wird zu einem grossen Teil über das Wohl und Wehe der schweizerischen Volkswirtschaft in den kom- ^rnenden Jahren entscheiden. Die 600 Millionen Franken Unterbilanz im Verhältnis von Einfuhr zu Ausfuhr können in der Hauptsache durch nichts anderes ausgeglichen werden als durch den Fremdenverkehr. Wenn dieser in seiner Gesamtheit seit einigen Jahren in katastrophaler Weise zurückgegangen ist, so weist einzig ein bestimmter Teil, nämlich der Automobilfremdenverkehr, andauernd eine erfreuliche Steigerung auf. Für dessen Bedeutung spricht die Tatsache, dass nach approximativer Berechnung von den Insassen der 200,000 Fremdenautomobile, die seit 1932 die Schweiz besuchten, über 7fr Millionen Franken in jenem Jahre in der Schweiz zurückgelassen worden sind, was auch das schweizerische Hotelgewerbe anerkannt hat. Ebenso hat dies die nationale Vereinigung zur Förderung des Reiseverkehrs in ihrem Jahresbericht festgestellt mit dem Satze: «Das einzig erfreuliche Ergeb- —nis 1932 ist der Aufschwung des Autotourismus, der zweifellos zur Milderung der Hotelkrise beitrug.» Die erste Fassung lautete sogar dahin, dass der Automobilfremdenverkehr 1932 die schweizerische Hotellerie «gerettet» habe. Je länger je mehr aber ist die Frequenz des schweizerischen Automobilfremdenverkehrs in Frage gestellt, ja direkt gefährdet, und zwar in doppelter Hinsicht. Erstens durch die Konkurrenz des gesamten uns umgebenden Auslandes, das seine Fremdengebietsstrassen mit der Aufwendung von Millionen und aber Millionen in vorbildlicher Weise aufs modernste ausbaut, seine Gaststätten diesen Verhältnissen noch mehr anpasst und erweitert und in Ausnützung dieser Tatsache mit geschickter Reklame den Automobilfremdenverkehr von der Schweiz abzuleiten sucht. Zweitens befinden sich die schweizerischen Strassen in dem die Fremden am meisten anziehenden Gebiet, nämlich in den Alpen, in höchst unzulänglichem, man darf sagen: gefährlichem Zustand, der den neuzeitlichen Anforderungen des Automobilverkehrs in keiner Weise mehr entspricht und wiederholt aus der Schweiz zurückkehrende Automobilisten in der Auslandpresse leider zur Warnung veranlasst hat: «Nie mehr auf schweizerische Alpenstrassen!» Selbstverständlich wird unter dem Ausbau der Alpenstrassen der Eisenbahnverkehr in keiner Weise leiden, sondern es handelt sich um die Heranziehung einer Klasse von Fremden, die sonst überhaupt nicht kämen. Der Vorsprung, den andere Alpenländer uns gegenüber erlangt haben und auszudehnen ständig bemüht sind, hat aber nicht bloss das Fernbleiben vieler ausländischer Automobilisten von der Schweiz zur Folge. Nein! Unzählige Schweizer, verlockt durch die wunderbaren ausländischen Alpen-'und Bergstrassen, richten ihre Ferienfahrten immer und immer wieder nach dem Ausland, trotzdem die dortigen Naturschönheiten an die landschaftliche Grossartigkeit der Schweizer Alpen nicht heranreichen. Dieser Zug nach der Fremde wird ganz bedeutend zurückgehen und damit unserm Fremdengewerbe eine statistisch gar nicht zu erfassende Mehreinnahme zufliessen, von dem Augenblick an, da unsere Alpenstrassen, die heute leider gemieden werden, den modernen Verkehrsansprüchen in Linienführung und Unterhalt gerecht werden. Aber nicht nur dem schweizerischen Automobilisten und Motorradfahrer sollen die schweizerischen Alpenstrassen wieder «erschlossen» werden, sondern auch den heute staubgeplagten und buchstäblich an die Wand gedrückten Radfahrern und Fussgängern. Für beide muss zugleich mit dem Ausbau des Alpenstrassennetzes die Möglichkeit zu neuer Wanderlust geschaffen werden durch die Angliederung von Radfahrstreifen und die Anlegung von Fusswegen abseits von der Strasse. Dass sich ohne Bundeshilfe dieses Ziel nicht erreichen lässt, ist selbstverständlich. Aber eine stärkere Heranziehung des Benzinzollertrages für den -Strassenbau rechtfer-f tigt sich schon allein durch den Zweck. Unzweifelhaft wird die Verbesserung unseres Alpenstrassennetzes sofort eine namhafte Steigerung des Automobilfremdenverkehrs zur Folge haben, und aus dieser resultiert zwangsläufig sofort eine Erhöhung unserer Benzinzolleinnahmen. Wenn ein mittlerer Tourenwagen auf 100 km 20 Liter Benzin verbraucht, so bezahlt der Besitzer für alle 100 km, die er auf unseren Strassen abfährt, in Form des Benzinzolles Fr. 3.— an die Strassenunterhaltungskosten (bei einem Car Alpin erhöht sich dieser Beitrag auf Fr. 8.50 für 100 Kilometer). Es wird also aus einer Steigerung des Automobilreiseverkehrs nicht nur unser Fremdengewerbe Nutzen ziehen, sondern dadurch auch ein Teil der vermehrten Auslagen für Strassenverbesserung wieder hereingebracht werden. In Anbetracht der ganzen Zeitlage ist aber der Ausbau unseres Alpenstrassennetzes nicht nur eine Lebensfrage für unser Fremdengewerbe, sondern volkswirtschaftlich nach anderer Richtung hin von tiefgreifender Bedeutung und erschliesst uns einen Weg, der uns der Lösung eines von Tag zu Tag schwierigem Problems entgegenführt: der produktiven Arbeitslosenfürsorge und Milderung der heutigen Krise. Tausende von Arbeitslosen, die heute durch ihre Untätigkeit körperlich und seelisch Schaden leiden, können beim Ausbau des Alpenstrassennetzes und der Zufahrtsstrassen unter günstigen klimatischen Verhältnissen nützliche Arbeit leisten. Millionen, die heute unproduktiv für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben werden, würden einem bleibenden Werke dienstbar gem-.cht. Den Auslagen für Arbeitslöhne werden in erheblichem Masse Einsparungen an Arbeitslosenunterstützungen gegenüberstehen und sich damit die effektiven Mehraufwendungen des Bundes für den Strassenbau bedeutend reduzieren. Auch in unseren Nachbarländern stehen fast alle Strassenbauaufwendungen im Zeichen der Arbeitslosenfürsorge. Dass etwas geschehen muss, daran zweifelt heute wohl niemand mehr. Das Wichtigste ist, dass rasch etwas geschieht, soll unser Land im Automobilfremdenverkehr nicht mehr und mehr abgefahren werden — zum Schaden unserer gesamten Volkswirtschaft. VU INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlusg 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Die Statistik des Autotourismus., Die in No 69 und 103 unseres Blattes aufgeworfenen Fragen in Bezug auf die von den Zollorganen geführte Statistik über die zu vorübergehendem Aufenthalt nach der Schweiz kommenden Motorfahrzeuge Hessen es als zweckmässig erscheinen, die geäusserten Wünsche und daran geknüpften kritischen Bemerkungen auch mit kompetenten Persönlichkeiten der Zollverwaltung zu besprechen. Eine Unterredung mit Herr Oberzollmspektor Häusermann brachte uns die Gewissheit, dass die Oberzolldirektion den Fragen des Fremdenverkehrs und dem Autotourismus im besondern ein anerkennenswertes und erfreuliches Verständnis sowie Interesse entgegenbringt. Bei der Beurteilung der Statistik muss vor allem von der Tatsache ausgegangen werden, dass es sich hier um eine vollständig freiwillige Tätigkeit der Zollverwaltung handelt, die weder im Pflichtenheft irgendwo vorgesehen ist, noch überhaupt zur Durchführung der ihr gestellten Aufgabe notwendig wäre. Aus rein internen Aufzeichnungen, die sioh entsprechend dem zunehmenden Reiseverkehr immer mehr erweiterten, wurde mit der Zeit die Uebersicht, welche jeden Monat der Öffentlichkeit zur Verfüsrcng gestellt wird. Die Beibehaltung und der weitere Ausbau dieser Verkehrsstatistik war nur deshalb möglich, als deren Anlage auf einfachsten Prinzipien beruht und die Organe an den Grenzstellen in ihren hauptsächlichsten Funktionen und Aufgaben nicht behindert Die Zollverwaltung wünscht sich nichts besseres, als dass ihre Aufzeichnungen über die Bewegung des Autotourismus auch weiteren Kreisen von Nutzen sein können. Eine Erweiterung derselben kann aber vorläufig nur in Frage kommen, wenn einmal nicht mehr Personal benötigt wird und anderseits die Grenzbeamten trotzdem ihre eigentlichen Funktionen ohne merkliche Zeiteinbusse ausüben können. Auf den Grad der Bereitschaft der im Grenzdienst tätigen Funktionäre muss die Zolldirektion grösstes Gewicht legen. Die ausländischen Gäste, und ganz besonders die Eidgenossen, welche ihre demokratischen Rechte speziell einem Beamten gegenüber gewahrt wissen wollen, sind in dieser Beziehung äusserst empfindlich. Wenn die Grenzabfertiguns: aus irgendeinem Grunde nicht in der nächsten Minute F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (38. Fortsetzung) Nun war also gekommen, was kommen musste. Es war kein Problem für Mercedes. Sie war sich auch klar, was sie tun musste. Hätte sie nur auf sich allein Rücksicht zu nehmen gehabt, so wäre das Einfachste gewesen, zu gestehen: Ja, ich bin Ata Bari, ich habe Spionage getrieben — macht, was ihr wollt.' Aber sie musste Eberhard schützen. Es bestand immerhin die Möglichkeit, dass man ihn nur verhaftet hatte, weil er mit ihr zusammenlebte. Dass man nicht die Spur eines Beweises gegen ihn besass. Darum musste sie leugnen. Sie wurde noch am Tage ihrer Verhaftung dem Major, der die Untersuchung führte, vorgeführt. Sie fühlte, dass in diesen kalten, grauen Augen kein Erbarmen stand. «Sie sind die Sängerin Ata Bari!» Mercedes nahm sich zusammen. «Verzeihung — das ist ein Irrtum. Ich bin die Sängerin Georgette Ernano.» «Es ist kein Irrtum, Madame! Ich weiss sehr genau, was ich sage. Sie sind die Sängerin Ata Bari. Ich werde Sie Zeugen gegenüberstellen, die Sie aus Ihrer früheren Tätigkeit in Paris noch erkennen. Sie waren wahrscheinlich schon vor dem Krieg, sicher aber seit Kriegsausbruch für den deutschen Generalstab tätig. Sie sind Ende 1914 aus Frankreich entflohen, haben sich vermutlich längere Zeit in Konstantinopel aufgehalten und tauchten dann zusammen mit dem sogenannten Naschtschenko in Bukarest auf. Dann kamen Sie über Deutschland — was sehr bezeichnend ist — in die Schweiz, und als Ihnen auch dort der Boden unter den Füssen zu heiss wurde, hatten Sie die Verwegenheit, nach Frankreich zu kommen. Sie haben hier Bekanntschaften mit französischen und fremden Diplomaten unterhalten und standen selbstverständlich fortlaufend im Verkehr mit dem deutschen Generalstab.» «Mein Herr — ich verstehe kein Wort von allem, was Sie mir sagen!» «Sie verstehen mich sogar ausgezeichnet. Sie haben geglaubt, dass über Ihre einstigen Affären bereits Gras gewachsen sei. Sie glaubten, dass man Sie nicht wieder erkennen würde, weil Sie sich das Haar abgeschnitten haben und sich überhaupt anders trugen als früher. Sie haben sich getäuscht. Man vergisst in Paris nicht so schnell, besonders nicht, wenn man es mit Feinden der französischen Nation zu tun hat!» «Ich bin nicht Ata Bari! Ich bin keine Spionin! Ich habe keine Beziehungen zum deutschen — wie sagten Sie? — zum deutschen Generalstab unterhalten. Ich finde es empörend, dass Sie eine schutzlose Frau derart zu verdächtigen wagen!» «Oh Madame! Ich werde sogar wagen, Sie erschiessen zu lassen, und mein Gewissen wird dabei vollständig ruhig sein. Ich will Ihnen sofort den Beweis liefern, dass Sie Ata Bari sind!» Der Major klingelte; zwei Frauen traten ein. «Führen Sie die Dame in das Zimmer nebenan, entkleiden Sie ihren Oberkörper und sehen Sie nach, ob sie unter der linken Brust ein dunkelrotes Muttermal hat!» Er wandte sich an Mercedes. «Sie erinnern sich, Madame, Sie haben gelegentlich mit entblösstem Oberkörper getanzt, in privaten Zirkeln wenigstens! Das rächt sich jetzt!» Mercedes fühlte eine eisige Kälte in den Schläfen. Aber ihr Puls ging nicht den Bruchteil einer Sekunde rascher als sie ruhig sagte: «Lassen Sie! Ich bin Ata Bari!» «Sehen Sie?» Der Major war aufgesprungen; er rief es triumphierend. «Das vereinfacht die Sache wesentlich. Sie brauchen jetzt nur noch zuzugeben, dass Sie Spionage getrieben haben, zusammen mit diesem angeblichen Russen, und alles ist in Ordnung!» «Das eben gebe ich nicht zu. Vor allem bestreite ich, dass Naschtschenko wusste, wer ich bin.» «Warum lügen Sie jetzt wieder?» «Mein Heer — ich will nicht, dass ein Unschuldiger durch mich zu Schaden kommt. Was mich erwartet, das weiss ich; mit oder ohne Beweis werden Sie mich erschiessen lassen. Meinetwegen — was liegt mir schon am Leben! Was war denn dieses Leben in den letzten Monaten? Ich nehme an, Sie sind unterrichtet. Wir haben gewissermassen von der Gnade dieses Schurken d'Allancourt gelebt —; ich bin überzeugt, er hat mich denunziert, weil er von mir nicht das erreichen konnte, was er wollte. Aber das ist gleichgültig. Wir befanden uns in keineswegs günstigen Verhältnissen. Sascha hat in der letzten Zeit ein paar Artikel geschrieben — davon lebten wir. Selbst wenn ich in dem Sinne hätte arbeiten wollen, wie Sie zu glauben scheinen — ich hätte es nicht können. Wie sollte ich von hier aus Verbindung mit Deutschland haben? Sie kennen die Unmöglichkeit doch selbst. Und dann war da doch Sascha. Ich habe ihn in Bukarest kennengelernt. Er ist ein Idealist. Er hat ein Vermögen geopfert, um für Ihre Regierung tätig zu sein. Er hat sich in Bern dazu dingen lassen, einen Anschlag auszuführen, der ihm mit neunzig Prozent Wahrscheinlichkeit das Leben kosten musste — dass es nicht dazu kam, war ein re'ner Zufall. Ausserdem hasst er Deutschland. Ich glaube, er hätte mich selbst der Polizei überliefert, wenn er gewusst hätte, dass ich Ata Bari bin!» «Pah, Madame — Sie wollen den Mann entlasten. Es wird Ihnen nicht gelingen! Ausserdem: für Ihre Tätigkeit im Herbst 1914 haben wir Beweise. Es ist einer Ihrer Berichte aufgefangen worden — Sie wisser