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E_1934_Zeitung_Nr.014

E_1934_Zeitung_Nr.014

BERN, Dienstag, 20. Februar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Fraltaf Monatlich „Gelbe List«" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoznsehltf, ••lern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 28.222 TalMramm-Adress«: Autorevue, B*rn Eignung und Sinnestüchtigkeit des Motorfahrzeugführers. Der Führer eines Motorfahrzeuges sollte Tor allen Dingen drei Eigenschaften besitzen: Intelligenz, Vorsicht und schnelle Reaktion in Gefahrfällen. Diese Fähigkeiten können durch Uebung nicht erworben werden; entweder besitzt sie der Mann schon von Anfang an, oder er hat sie nicht. Es muss genügend Intelligenz vorhanden sein, um die üblichen Unterweisungen zu verstehen, und die Achtung vor der Persönlichkeit seiner Mitmenschen muss bei dem Führer eines Automobiles in solchem Masse ausgebildet sein, dass ein starkes Gefühl für Vorsicht und Verantwortlichkeit ihn auszeichnet. Schliesslich muss der Fahrer einen raschen Ueberblick in gefährlichen Lagen besitzen und mit augenblicklicher körperlicher Bereitschaft auf eine Gefahr reagieren. Im amerikanischen Taxameterbetrieb hat die Auswahl der Führer nach psychoteehnisch festgestellten Fähigkeiten eine bemerkenswerte Uebereinstimmung gezeigt mit der Unfallstatistik von mehreren Hundert berufsmässigen Chauffeuren in Chicago. Es bestand kein Unterschied, ob der betreffende Mann schon selber gefahren war oder nicht. Der Geübte hat, wenn er unbegabt ist, bei der Untersuchung sich genau so unbrauchbar erwiesen wie der Neuling. Bei den Untersuchungen in Chicago ist die Intelligenz festgestellt worden durch ein Verfahren, welches in den Vereinigten Staaten während des Krieges angewendet worden und welches auf die Anforderungen des Verkehrs zugeschnitten ist. Dabei wird geprüft, ob der Bewerber gutes Gedächtnis, Auffassung, Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit, Rechenkenntnisse, vernünftiges Denken besitzt, und ob er Anweisungen folgen kann. Die Prüfung darüber, ob der Bewerber Vorsicht und Urteil besitzt, wird mit einfachen Mitteln an drei Versuchstischen angestellt. Ein Tisch trägt verschiedene Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs, auf einem runden Tisch steht eine brennende Kerze; dieser Tisch ist so ausbalanciert, dass er keinen schweren Gegenstand auf der einen Seite tragen kann, ohne umzukippen. Der zweite Versuchstisch trägt eine Metallschale mit Wasser, und der dritte Versuchstisch hat wacklige Beine, so dass er nicht geradestehen kann und leicht umfällt. Der Prüfling wird nun angewiesen, die F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. «Was Sie mir erzählten, ist eine Sage... eine Mythe... die durch den Zauber der Vergangenheit, in der die Umrisse verschwimmen, Erdichtetes zu Tatsachen werden lässt. Denn man darf nicht vergessen...» Sie suchte nach Worten oder wollte ihre inneren Gedanken nicht zu Wort kommen lassen. «Nein, gnädige Frau, was ich Ihnen erzählte, ist lebenswahres Ereignis, bestätigt durch unanfechtbare Ueberlieferung. Nur eines ist darin erfunden... Wolf Dietrich benannte dieses Schloss, das er der schönen Salome Alt erbaute, nicht, wie es heute heisst: .Mirabell', er nannte es nach ihrem Namen .Altenau.' Erst sein Nachfolger und Gegner, der bestrebt war, alles, was an seinen Vorgänger erinnerte, auszulöschen, gab ihm den heutigen Namen .Mirabell'. Aber noch eines, gnädige Frau», er wies auf die mächtigen grauen Steinfiguren, die erstarrt im leuchtenden Grün des Gartens aufragten, «alle diese Standbilder stellen den Raub der Sabinerinnen dar, und Wolf Dietrich wählte sinnreich der Vom Tage Roman von Oskar Sonnlechner. (4. Fortsetzung) ' Gebrauchsgegenstände von dem einen Tisch zu nehmen und sie auf die drei Versuchstische so schnell wie möglich, und zwar dort abzusetzen, wo er es für zweckmässig hält. Man kann dann z. B. als belastendes Moment bei einigen Versuchspersonen beobachten, dass sie es für gut hielten, Eier auf den Tisch mit den wackligen Beinen, Salz in die Wasserschale, und die Benzinflasche unmittelbar neben die brennende Kerze zu setzen. Die Note, welche der Versuchsperson für die Probe auf Vorsicht und Urteilsfähigkeit gegeben wird, ist abhängig von der Zeit und der Wahl der Stellen, welche für die verschiedenen Gegenstände vom Bewerber ausgesucht worden sind. Die Reaktion in Gefahriagen wird in folgender Weise bestimmt: Der Bewerber sitzt in einem kleinen geschlossenen Räume vor einer Anzahl Apparate. Der Prüfling hat nun bei schwacher Beleuchtung verschiedene Aufträge auszuführen. Linke Hand, linker und rechter Fuss ruhen auf Schaltern, durch deren Niederdrücken Stromwege geschlossen werden. Der Bewerber erhält nun den Auftrag, die Enden von elektrischen Leitungsdrähten in Kontakte einzufügen und dann, wenn etwas Ungewöhnliches eintreten sollte, seinen rechten Fuss vom Schalter zu nehmen und schnell eine vorher gezeigte Fussbremse niederzudrücken. Zur gleichen Zeit muss er einen kleinen Schalter bedienen, dabei aber den linken Fuss und die linke Hand auf den andern Schaltern weiterruhen lassen. Beim Einführen der Drahtenden springt plötzlich ein elektrischer Lichtbogen durch eine Glasröhre und der Bewerber bekommt einen leichten elektrischen Schlag. Die Zeit nun, vom Aufblitzen dieser Funken bis zur Ausführung der Anweisungen, die für die rechte Hand und den rechten Fuss gegeben sind, ist ein Mass für die Schnelligkeit, mit welcher in Gefahrfällen gehandelt wird. Bleiben z.B. die linke Hand und der linke Fuss nicht in der vorgeschriebenen Lage, so gibt das zu der Deutung Anlass, dass im Falle der Gefahr die Versuchsperson nicht in der Lage ist, die Kontrolle über ihre Gliedmassen zu behalten. Diese Probe ist bei Hunderten von Berufschauffeuren durchgeführt worden; von denjenigen, welche schlecht abschnitten, zeigten 90 Prozent grosse Unfallzahlen, und die. welche gut abschnitten, waren frei von Unfällen. Durch diese körperlich-seelische Eignungsprüfung ist es möglich, sich eher ein Bild von ihm geliebten Frau gerade dieses Vorbild aus der Vergangenheit, zur Erinnerung, dass auch er einst Salome Alt im Aufflammen seiner Liebe mit Raub gewonnen.» Den Kopf gesenkt, säss Frau van der Witte neben ihm. «Sie wollten früher noch etwas sagen, gnädige Frau?» «Ich dachte mir nur,» langsam, schleppend, wie wenn sie jedes Wort vorher bedenke, begann sie ihre Erwiderung, «... ich dachte nur, was Sie mir erzählten, sei poetische lyrische Erfindung, weil... wie soll ich mich ausdrücken... weil die Liebe dieses Mannes zu dieser Frau... aber nein», mit einem Kopfschütteln hielt sie inne, «... brechen wir diese Erörterungen ab... Männer verstehen davon nichts.» «Aber Wolf Dietrich war ein Mann, und es scheint, er bewies, dass er davon etwas verstand», lachte Jul zurück. «Ja, Wolf Dietrich, aber...» Sie dachte einen Augenblick nach... «sprechen wir von etwas anderem. Sagen Sie, mich würde etwas unendlich interessieren. Kann ich irgendwo ein Bild von Wolf Dietrich und der schönen Salome Alt sehen?» Blitzschnell hatte Jul die Sachlage erfasst, dass ihm dieser Wunsch die Möglichkeit geben würde, noch weiter mit seiner schönen Begleiterin zusammen zu sein. von den Fähigkeiten eines Bewerbers zu machen, als wenn man auf Grund einer mehr oder weniger verlässlichen Unterredung die Auswahl vornehmen will. Der allgemeine Ausdruck für geistige Fähigkeit, die Intelligenz also, welche man auf diese Weise feststellt, ist kein genügender Masstab für die berufsnotwendigen Fähigkeiten eines Motorfahrzeugführers. Es kann sogar eine zu hohe intellektuelle Befähigung für die gleichbleibende Arbeit im Fahrbetriebe eine Belastung bedeuten. Ein geistig besonders beweglicher Mensch wird durch die dauernde Wiederholung der Führerpflichten unter Umständen nicht ständig bezüglich seiner Aufmerksamkeit gebunden; sein Interesse liegt über den Anforderungen der Arbeit, es wandert umher, so dass auf diese Weise leicht Unfälle Zustandekommen. Dazu kommt noch, dass der intelligente Mann .durch Gewohnheit oder Anlage sorglos sein kann, also unbewusst Sicherheitsvorschriften vernachlässigt. Die Eignung zum Fahrer bedingt für die Bewerber ausser der körperlich-seelischen Anpassungsfähigkeit auch eine einwandfreie Tätigkeit, vor allen Dingen von Seiten der Sinnesorgane. Einäugiges Sehen macht meines Erachtens nur bedingt zum Wagenführer tauglich. Wenn z. B. ein Fahrer, der auf dem linken Auge erblindet ist, einen linksgesteuerten Wagen führt, so kann er, selbst wenn das rechte Auge vollkommen gesund ist, nicht rechtzeitig und schnell genug alle Gefahrenmöglichkeiten erkennen, die ihn bei der Verkehrsordnung, wie sie bei uns üblich ist (rechts ausweichen und links überholen), besonders von der linken Seite her, deshalb drohen, weil diese Fahrzeuge, welche von links kommen, eher die Fahrbahn kreuzen als die erst weiter entfernt den Weg schneidenden von rechts kommenden Fahrzeuge. Die Mindestsehschärfe auf einem Auge oder mit Glas müsste zwei Drittel, und auf dem andern Auge ein Drittel betragen. Nicht nur bei starker Herabsetzung des Sehvermögens, sondern auch bei Feststellung von Ohrenleiden, welche den Verdacht auf Verschlechterung der Hörfähigkeit aufkommen lassen, sollten in bestimmten Zeitabschnitten Nachuntersuchungen stattfinden. Es sollte für den Motorfahrzeugführer ein Mindestgehör von 5 m Flüstersprache auf jedem Ohr verlangt werden. In der Abenddämmerung und im Nebel muss der Fahrer sich ja mehr auf sein Ohr verlassen können als selbst ein Loko- «Ja, gnädige Frau, ja, gnädige Frau. Im Schlosse Hellbrunn sind die Bilder beider.» «Ich muss sie sehen!» «Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Schenken Sie mir diesen Tag, gnädige Frau! Sie sind allein, ich bin frei», vor seinen Augen erschien in Riesenbuchstaben ein dienstlicher Befehl, «wir speisen irgendwo im Grünen zu Mittag, ich fahre Sie nachmittag nach Hellbrunn, so dass Sie am Abend, wenn Ihr Herr Gemahl zurück ist, wieder frei sind.» Frau van der Witte sah zögernd vor sich hin. In innerlicher Erregung nagte Jul an der Unterlippe und wartete auf die Antwort. Endlich hob sie den Kopf. «Holen Sie mich gegen vier Uhr im Hotel ab. Es genügt.» Mit einem Ruck hatte sie sich erhoben, mit einer mechanischen Bewegung strich sie ihr Kleid glatt, ein freundliches Nicken, ein Lächeln, ein kurzer, zögernder Händedruck... und sie verschwand zwischen den Bäumen, fast ehe er ihr noch danken konnte. Nach einigen Schritten schien ihm, wie wenn sie plötzlich zögere... wie wenn sie ihm noch etwas zu sagen hätte ... oder war es nur Einbildung von ihm? Aber im Inneren seines Herzens frohlockte er, und ein Ueberglücklicher rückte die Kappe mit der krummen Spielhahnfeder auf das rechte Ohr, so kühn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cti. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. GrSssere Inserate nach Seitentarif. Insoratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern motivführer. Dazu kommt noch, dass der Nebel nicht nur die Sicht erschwert, sondern auch Stärke und Richtung von Schallsignalen beeinträchtigt. Für den Automobilisten ist es auch von wesentlicher Bedeutung, den Ort der Herkunft des Schalles richtig lokalisieren zu können, damit er weiss, von welcher Seite ihm ein Warnungssignal gegeben wird. Diese Schall-Lokälisation ist selbst für Normalhörende manchmal schwer. Da die Lokalisation wahrscheinlich unmittelbar von der Schallstärke abhängt welche beide Hörapparate trifft, so erfolgt die Fehllokalisation nach der besser hörenden Seite. Täuschungen über Richtungen eines Signalschalles sind bei einseitiger Schwerhörigkeit fast unausbleiblich. Besonders grosse Anforderungen an Hörschärfe und Lokalisierung des Signalschalles müssen gestellt werden an die Führer von Verkehrsautobussen und Lastwagen, wenn auch die Geschwindigkeit dieser Fahrzeuge im Vergleich zu andern Motorfahrzeugen massig ist, und zwar deshalb, weil das Motorengeräusch verhältnismässig stark ist, zumal dann, wenn der Führer nicht hinter, sondern über der Motorenhaube sitzt. Diese breiten, zum Teil schwerfälligen Fahrzeuge mit Anhänger können bei Nichtbeachtung von Verkehrssignälen andern Wegebenutzern zu einem Hindernis werden, wenn sie nicht hören, dass sie überholt werden sollen. Ausser dem Auge und dem Ohr muss auch der Gleichgewichtsorientierung, welche im Hörorgan ihren Sitz hat, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit der Wagenführer sein schnelles Fahrzeug auch bei starker Strassenwölbung richtig führen kann und seitlich nicht abgetrieben wird. Das ungestörte Gleichgewichtsgefühl ist für den Automobilisten von besonderem Wert, wenn er bei halber oder völliger Dunkelheit sich auf diesen Sinn verlassen muss, um nicht aus der Fahrbahn zu kommen. Ganz besonders müssten Motorradfahrer, an deren Hörschärfe und Gleichgewichtssinn sowie Sehschärfe hohe Anforderungen gestellt werden, völlige Unversehrtheit von Gesicht und Gehör nachweisen können, zumal der Fahrwind eine recht erhebliche Einschränkung des Gehörs schon an und für sich herbeiführt. Ausser einer einwandfreien geistigen Leistungsfähigkeit und ungestörten Gebrauchsfähigkeit der Sinnesorgane sowie besonders der Gliedmassen muss der Fahrer auch die sittliche Reife haben. Umsicht, Besonnenheit, Achtung vor der öffentlichen Ordnung und vor der Persönlichkeit seiner Mitmenschen müssen beim Chauffeur zu den Berufseigenschaften gehören, auf die im Interesse der Verkehrssicherheit besonderer Wert gelegt werden soll. Sie gehören aber auch zu der notwendigen geistigen Ausrüstung jedes Privatfahrers. Dr. med G. und unternehmend, dass, wenn ihn sein Herr Major gesehen hätte, er unfehlbar zu Stein erstarrt wäre. Aber Russland ist gross — und der Zar ist weit. Wie war das? Was hatte sie gesagt? Darüber könne sie mit ihm nicht sprechen, das verstehe ein Mann nicht. Wie sie das wohl meinte? Merkwürdig! Und dann... als sie ging... nach wenigen Schritten schien es... wie wenn sie umkehren wolle... vielleicht, dass es sie reute, ihm zugesagt zu haben? Lächerlich, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Heute um vier Uhr sehe er sie wieder, das sei die Hauptsache! Im blendenden Sonnenlicht eines heissen Augusttages fuhren sie nach Schloss Hellbrunn. Aber vorsichtshalber hatte Jul dem Kutscher ein königliches Trinkgeld versprochen, wenn er langsam fahre. Mit den Minuten, die ihm diese Frau schenke, müsse er geizen. Es sei doch selbstverständlich, dass sie das Schloss für sich allein besichtigen würden und sich nicht dem. Herdenäuftrieb der Fremden anschliessen. Sie nickte zustimmend. Seite an Seite schritten sie durch die hallenden Säle, trotz der draussen sommerlichen Hitze in der Kühle eines Kirchenschiffes, neben sich den Führer, der ihnen mit ein-