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E_1934_Zeitung_Nr.016

E_1934_Zeitung_Nr.016

BERN, Dienstag, 27. Februar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden Dlenstaa «nd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Ft. 10.—. Im Aasland unter PortoznseMtg, •atcra nicht poftamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bettellunc 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 2&222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Automobilistische Tagesprobleme Die Frühjahrsinstandstellung des Automobils. Niemand weiss wohl den Frühling: mehr tu schätzen als der Automobilist. Für ihn bedeutet er die Erfüllung monatelang gehegter Pläne und die Befreiung der vollen Reiselust, die sich während der Wintermonate wie zu einer Lawine angehäuft hat. Damit jedoch nichts die Genüsse beeinträchtige, dürfen einige Rücksichten auf den Wagen nicht ausser Acht gelassen werden. Der Wagen bedarf einiger Anpassung, gleichgültig, ob er während des Winters « eingemottet» oder in Betrieb war. Die gegenwärtigen Tage sind der geeignetste Zeitpunkt dazu. Verschiebt man die Instandstellung auf später, so wird aus dem « Später » erfahrungsgemäss ein « Nie»; denn bei einmal aufgenommenem Fahrbetrieb wird man meist nicht mehr Zeit und Gelegenheit finden, um die notwendigen Arbeiten nachzuholen. Wer die Instandstellung auch nur um einige Wochen hinausschiebt, hat vielleicht den Wagen gerade dann nicht zur Verfügung, wenn er ihn am dringendsten zu benützen wünschte. Als erste Massnahme gilt zugleich sowohl für Wagen, die einen Winterschlaf, wie auch für solche, die einen strengen Fahrbetrieb hinter sich haben, die Beseitigung eventueller Rosteinwirkungen. Mit der Drahtbürste oder Schmirgelleinwand sind die angerosteten Teile gründlich zu reinigen und, wenn es sich um Gelenke, Federn oder andere bewegliche Organe handelt, mit Petrol oder besser noch den speziell dafür im Handel befindlichen Präparaten zu behandeln, wobei anschliessend eine Neulackierung oder ein Einfetten vor neuer Verrostung schützen. Bei vernickelten oder verchromten Teilen wird eventuell die Frage einer Neugalvanisierung ins Auge gefasst. Feuchtigkeitsschäden an der Karosserie machen die Inanspruchnahme des Fachmannes erforderlich, sollten jedoch keinesfalls auf sich beruhen gelassen wenden, da sie sich sonst rasch vergrössern. Alle Gelenke, Gestänge oder Kabelzüge am Ohassis sind genau auf ihre Zuverlässigkeit nachzuprüfen und neu zu schmieren. Verharzte und verstopfte Schmierstellen bedürfen einer Reinigung mit Benzin oder Petrol. Die Hinterachsbrücke und das Getriebe erhalten am besten eine NeufüHung mit dem meist dafür vorgeschriebenen dicken Schmieröl, und die Bremsen sind auf den Abnützungsgrad ihrer Beläge hin zu untersuchen, es sei denn, dass diese Arbeiten schon bei der Herbstrevision des Wagens erledigt worden wäre. Grössere Instandstellungsarbeiten am Motor sind Sache des Spezialisten. So wird sich gerade vielfach im Anschluss an einen schweren Winterbetrieb das Einschleifen der Ventile und das Entrussen der Zylinder empfehlen, eine Arbeit, für die der Durchschnittsfahrer gewöhnlich nicht genügend Sachkenntnis und Lust aufbringt. Umfangreichere Instandstellungsarbeiten, wie das Ausschleifen der Zylinder, der Ersatz der Kolben und die Neulagerung von Wellen sollten zwar normalerweise schon im Herbst vorgenommen worden sein. Nicht selten wird sich aber die Notwendigkeit zu ihrer Vornahme erst im Winter gezeigt haben, so dass auch sie nun auf dem Programm figurieren. Demgegenüber können wieder eine ganze Anzahl kleinere Instandstellungen durch den Fahrer selbst geschehen. So erwähnen wir die Reinigung des Kühlsystems mit einem der dafür im Handel erhältlichen Speziailpräparate oder im Notfall stark verdünnter Salzsäure, das Neueinregulieren des Vergasers, das Nachspannen des Ventilatorriemens, eventuell die Erneuerung der Zündkabel, vor allem aber die Kontrolle, die Reinigung oder der Ersatz der Zündkerzen, die Kontrolle des Unterbrechers und die Reinigung des Zündverteilers. Bei dieser Gelegenheit dürfen die zwar äusserst anspruchslosen Lager der Zündapparate, der Lichtmaschine und des Anlassers auch wieder einmal einen Tropfen Oel erhalten, wenn das Instruktionenbuch des Wagens keine andern Weisungen gibt. Zu den wichtigsten Saisonarbeiten ist ferner die Kontrolle der elektrischen Lichtanlage zu zählen. Vielfach empfiehlt sich eine Neueinstellung der Lichtmaschine, da während der warmen Jahreszeit mit einem bedeutend geringeren Strombedarf zu rechnen ist und eine übermässige Stromabgabe nur zum unerwünscht raschen Verdunsten der Batteriefüllung führen würde. Die Batteriefüllung, der sogenannte Elektrolyt, ist auf die vorschriftsmässige Dichtigkeit zu prüfen und eventuell bis auf das richtige Niveau zu ergänzen. Batterien, die infolge des anspruchsvollen Betriebes während der Wintermonate an Leistungsfähigkeit eingebüsst haben, werden am besten dem Spezialisten übergeben. Bei dieser Gelegenheit empfiehlt sich auch eine Nachkontrolle der elektrischen Leitungsanilagen, die durch die Winterfeuchtigkeit ebenfalls gelitten haben können. Welche Folgen sonst beispielsweise ein Kurzschluss in den Scheinwerferleitungen haben könnte, brauchen wir wohl nicht weiter auszumalen. Schliesslich sei hier noch auf einige Punkte hingewiesen, von denen die Fahrsicherheit ganz unmittelbar abhängt. Es sind das die Lenkung, deren Verbindungen und Organe nur zu oft vernachlässigt werden, die Bremsen, bei denen vor allem auch auf korrekte Einstellung zu achten ist, und die Achsbefestigungen, die sich nicht allzu selten nach einiger Zeit lockern. Die Alpenstrassen-Imtiative zustande gekommen. Die Unterschriftensammlung seht weiter. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist die für das Zustandekommen der Initiative notwendige Mindestzahl von 50,000 Unterschriften bereits ansehnlich überschritten, indem beim Sekretariat der schweizerischen StrassenverkehrsOga gegen 70,000 Unterschriften vorliegen. Es ist dies angesichts der ; recht bescheidenen Propaganda, weiche für die Initiative gemacht worden ist, ein sehr erfreulicher Erfolg. Damit soll aber der Eifer für die Sammlung weiterer Unterschriften keineswegs erlahmen, da die Initianten mit Recht eine möglichst grosse und eindrückliche Zahl von Unterschriftenbogen in der Bundeskanzlei deponieren wollen. Es soll unseren Landesvätern, welche bisher so wenig Gehör für die Vorschläge eines grosszügigen nationalen Strassenbauprogrammes hatten, gezeigt werden, dass im Volke draussen das Verständnis für eine den zukünftigen Verkehrsbedürfnissen Rechnung tragende Verkehrspolitik grössej ist, als offenbar im Bundeshaus gemeinhin angenommen wird. Da sich noch eine grosse Zahl von Unterschriftenbogen in Zirkulation befinden und verschiedene nationale Verkehrsverbände ihre Sammlung noch nicht abgeschlossen haben, darf damit gerechnet werden, dass die Zahl der Unterschriften hunderttausend übersteigen wird. Sollten alle Bogen rechtzeitig bei der Geschäftsstelle eingehen, so hätte der Vorstand die Möglichkeit, die Initiative noch im Laufe der Frühjahrssessto» der eidgenössischen Räte einzubringen!. In Bezug auf die Sammlung der Unterschriften seien die nachfolgenden Ratschläge der Geschäftsstelle der allgemeinen Auimerksamkeit empfohlen : Die Alpenstrassen-Imtiative findet im ganzen* Lande die Zustimmung nahezu aller Stimmfähiger*. Auß den abgelieferten legalisierten Bogen zeigt es sich jedoch, dafis viele Unterschriften verloren sind, weil der Betreffende seinen Namen so undeutlich hersetzte, als handle es sich um die Signatur eines Artzes oder Bankdirektors, so dass der Kontrollbeamte den Namen mit dem besten Willen nicht entziffern kann. Dies vor allem in den Fällen, wo der Betreffende als Bewohner einer grösseren Ortschaft es unterliess, dem Wohnort Strasse und Hausnummer beizufügen. Verloren eind auch die leserlichen Unterechrif-* ten, die etwa bloss lauten: « Hans Müller, Kaufmann, Zürich » Hier bleibt dem Kontrollbeamten nicht anderes übrig, als auf dem Bogen beizufügen? «Welcher von vielen? > und die Unterschrift zu streichen. Ungültig sind auch die Unterschriften derjenigen, die in einer andern Gemeinde wohnen, als auf dem Kopf des Bogene angegeben ist. Wi* bitten alle Freunde der Initiative, beim Unterschreiben auf Genauigkeit und Deutlichkeit bedacht zu sein. Zur Nachahmung möchten wir ferner das Vorgehen des Berner Oberländischen Aktionskomitees (Volkswirtschaftskammer, Verkehrsverein und Hotelgenossenschaft) empfehlen, das in einer Konferenz mit den Vertrauensleuten aus den oberländisehen Amtsbezirken sich über die Möglichkeit beriet, alle Stimmfähigen zu erfassen. Bei der Wichtigkeit der Initiative für Fremdenverkehr und Arbeitsbeschaffung wurde es als wünschenswert bezeichnet, dass sich die Gemeindebehörden der Sache annehmen. In einzelnen Gemeinden ist der Gemeindeweibel beauftragt worden, mit den UnteTschriftenbogen die Bürger von Haus zu Haus aufzusuchen, was sich in jeder Hinsicht bewährt hat. In vielen Fällen zeigte sich auch die öffentliche Auflage von Bogen notwendig, wobei die Gemeindebehörden dies ohne Kosten im Amtsanzeiger bekanntgeben können. Wir bitten alle Stimmfähigen der Alpenstrassen- Imtiative, bei deren Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft auch fernerhin ihre Aufmerksamkeit zu schenken, damit durch eine möglichst grosso Zahl von Unterschriften die WünschbaTkeit einer baldigen Inangriffnahme der Arbeiten untenstrichen wird. Unterschriftenbogen können durch die Geschäftsstelle der « Schweizerischen Strassenverkehrsliga »» Zürich I, Talacker 50, bezogen werden. Die Milch geht zurück! Wie den Angaben unserer Zollorgane übef die Einfuhr im Jahre 1933 entnommen werde« kann, ist u. a. auch der Import von Benzin und Benzol für Motoren zurückgegangen. Es wurden nurmehr 195,427 t gegenüber 204,255 im Jahre 1932 eingeführt. Der Rückgang von rund 9000 t ist an und für sich im Verhältnis zur Gesamteinfuhr nicht gerade F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (6. Fortsetzung) Eines Tages landete er nach seinen erfolglosen Versuchen auf den Hochschulen Deutschlands in Leyden. Aber auch dort bekam er wörtlich das zu hören, was man ihm anderwärts gesagt. Da Hess der lange Jul den Kopf hängen. Seine letzte Hoffnung war, dass die Gesuchten den Weg nach Wien finden würden. Aber auch hier forschte er vergebens. Er suchte Anschluss an die grossen Fremdenhotels und wurde ein fast täglich gesehener Besucher des polizeilichen Meldeamtes, aber man lächelte bereits mitleidsvoll, wenn man seiner ansichtig wurde. Er brauchte nicht mehr zu fragen, was er wolle, alle wussten es schon. Nein! Herr und Frau von der Witte seien nicht gemeldet. Eine dumpfe Verzweiflung bemächtigte sich seiner. Trotz aller Widerstände, die sich ihm entgegensetzten, stieg immer wieder das Bild der schönen Frau vor ihm auf. Er glaubte nicht an die abweisende Kühle ihres Wesens, mit der sie sich umgab. Damals war es, dass er unvermutet bei mir auftauchte. Zerfahren, verstört, weltverloren. Die Ellbogen auf den Knien aufgestützt, das Kinn in den Händen vergraben, die Zigarette im Munde, starrte er schweigend vor sich hin. Ich hatte ihn schon in ähnlichen Stimmungen gesehen, aber noch nie wie diesmal. Ich sah, es war bitterer Ernst. Etwas musste geschehen. «Höre einmal, Jul, bei dir geht es nicht mit richtigen Dingen zu. Ich möchte dir einen Rat geben: Raffe dich auf und versuche, dich abzulenken. Bis jetzt warst du nicht ein einziges Mal in den Bergen. Du hast mir wiederholt von einem Kamin vorgeschwärmt. Ich glaube in der Nordwand vom Grossen Buchstein. Es kann auch der Kleine Buchstein sein, oder eine Südwand, ich weiss es nicht. Der Kamin soll eine ganze Anzahl von Varianten haben, sich den Hals zu brechen. Nimm deinen Eispickel und deine Steigeisen und mache dich auf den Weg. Du wirst auf andere Gedanken kommen.» Er nahm die Zigarette aus dem Mund und blies schweigend den Rauch von sich. «Was hältst du davon, Jul?» Er stand schwerfällig auf. «Du hast recht, Hannes. Wie immer. Ich muss auf andere Gedanken kommen. Es hat ja doch keinen Zweck.» Er griff naGh seinem Hut. «Auf Wiedersehen. Ich fahre morgen.» «Aber mache keine Dummheiten, ich möchte dich wirklich wiedersehen.» Er lächelte und nickte. Zwei Tage später kletterte einer in einem schmalen Riss himmelwärts und dachte an nichts, wie an die Griffe, mit denen er sich hoch zog, und an den Halt seiner Beine, mit denen er sich aufwärts stemmte. Bis er sich mit einem letzten Ruck auf ein schmales Band schwang. Schritt für Schritt tastete er sich weiter, bis die Höhe gewonnen war. Auf einem Vorsprung Hess er sich nieder und blickte, eingehüllt von dem unendlichen Schweigen, um sich, gedankenvoll in die unter ihm versinkenden Tiefen. Und aus den Nebeln, die wie lichte Schleier unter ihm wallten, stiegen seine Träume auf, eine lichtumflossene Frauengestalt, die ihm zu winken schien, er sah... Er warf den Rucksack um, griff nach seinem Eispickel und kletterte talwärts. Als er unten auf der Schutthalde aufsprang, stand einer im Jägerrock neben ihm und schüttelte den Kopf. «So san aa aner von dö, die amal g'schwinder unten sein wer'n, als wia's selber möchten.» Daheim angelangt, warf er alles missmutig von sich. Dieses Mittel hatte nichts genützt. Es musste ein anderes versucht werden. Er überlegte. Heute abend war «Fidelio». Vielleicht ging es damit. Ein Meer von Licht und Farben. Blitzende Kronleuchter über Weiss und Gold, purpurner Samt der Sitze, schwarze Fracks und Smokings, in allen Farben schillernde Toiletten, nackte Frauenarme, blitzende Edelsteine, in dem bunten Gewühl die braunen Livreen der geschäftig hin und her eilenden Diener, ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, bald leises, bald lautes Gemurmel der Stimmen, . unterdrücktes Lachen, das Klappen der umgeschlagenen Parkettsitze, Klangfetzen der stimmenden Instrumente, zarte Geigenstriche, der näselnde Ton einer Oboe, ein schüchterner Hornstoss. Würdevolle weisshaarige Herren, jugendliche Mädchengestalten, glänzende Uniformen und Ordenssterne, elegante männliche Erscheinungen, gestärkte Hemdbrüste, Monokels, verführerische Frauen in voll erblühter Schönheit, ein Grüssen, ein Nicken, ein Lachen, hier ein hocherhobener winkender Arm, dort ein gegenseitiger Zuruf, ein Hin- und Herwogen freudig bewegter Menschen im Summen eines gesellschaftlichen Bienenschwarmes. Müde und abgespannt, unbekümmert um das Treiben um sich, stand Jul vor seinem Parkettsitz, an seiner Seite ein Herr mit wallender Haarmähne, der geschäftig in einer Partitur blätterte. Würdevoll hob sich der eiserne Vorhang. In der Parterreloge neben ihm wurde eine Tür zugeschlagen, er wandte den Kopf... ein Herr im Frack trat an die Brüstung... eine Dame... das tiefe Dekollete eines weis-