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E_1934_Zeitung_Nr.042

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BERN, Dienstag, 22. Mai 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N» 42 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint laden Dienstag nnd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllche Bestellung 30 REDAKTION o. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 28.223 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Der schweizerische Motorfahrzeugbestand «Was lange währt, wird endlich gut!» Nach einjährigem Unterbruch ist die Motorfahrzeugstatistik, von zahlreichen Interessenten mit Ungeduld erwartet, wiederum erschienen. Der Ausfall im Jahre 1932, der weiter unten noch seine nähere Begründung findet, hat wenigstens ein Gutes für sich gehabt, nämlich allen Interessenten zu illustrieren, welche Bedeutung dieser jährlichen Zusammenstellung zukommt und dass man sie auf keinen Fall mehr missen möchte. Zu den nachstehend publizierten Ergebnissen, die allerdings provisorisch sind, aber nurmehr ganz geringe Aenderungen erfahren werden, hat das Eidg. Statistische Amt ein Kommentar geliefert, den wir ebenfalls folgen lassen und dem kaum mehr etwas beizufügen ist. Es mag auf den ersten Blick sehr überraschen, dass von 1931 bis Ende 1933 der Bestand an Automobilen nur um rund 3500 Einheiten zugenommen hat, während die Vergrösserung des schweizerischen Automobilparkes in den Vorjahren ganz andere Dimensionen aufzuweisen hatte. Schuld daran ist dieunerwartet hohe Zahl von rund 15.000 Personenwagen, welche innerhalb zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen wurden. Diese Stilllegung erhärtet die von uns immer wieder gemachte Feststellung, dass die fiskalische Belastung der Motorfahrzeuge die obere Grenze •der Tragfähigkeit bereits überschritten hat. Das Bestreben des Fiskus, aus dem Motorfahrzeugwesen möglichst hohe Abgaben herauszupressen, hat zu einer künstlichen Unterbindung der weiteren Motorisierung unseres Verkehrs geführt. Es zeigt sich, hier mit aller Deutlichkeit, dass hohe Steueransätze noch keineswegs gleichbedeutend sind mit entsprechend erhöhten Steuereinnahmen. Die Probe auf das Exempel haben Deutschland und Italien geliefert, in welchen Staaten die Automobilwirtschaft seit der Einführung weitgehender Steuererleichterungen einen geradezu ungeahnten Aufschwung genommen hat, welcher der Gesamtwirtschaft und nicht zuletzt dem Staate in anderer Form wiederum zugute kommt. Auch England ist nun diesem Beispiel gefolgt und hat für dieses Jahr die Steuern auf Automobile um einen Viertel reduziert. Wenn man sich in der Schweiz ganz allgemein dazu verstehen könnte, wenigstens für die altern Fahrzeuge eine Steuererleichterung zu gewähren, wie dies in den meisten Nachbarländern und ganz F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (29. Fortsetzung) In diesen Tagen der Finsternis erhellte ein Ereignis den Weg des Arztes, ein Vorfall, der ihn wenigstens für einige Stunden alles vergessen liess. Eine Abordnung aller geistigen Gesellschaften der Stadt hatte bei ihm vorgesprochen, die Vorstände der Kliniken, der Spitäler, auch das Hospital für einheimische Aerzte und das chinesische Hospital, das Anatomische Institut, die Akademie für Kunst und Wissenschaft, um ihn zu bitten, seinen gefassten Beschluss, Batavia zu verlassen, rückgängig zu machen. Am selben Tage wurde er in das Gouvernementsgebäude gebeten, und der Generalgouverneur selbst legte ihm mit bewegten Worten nahe, seinen Entschluss zu ändern. In gehobener Stimmung trat er auf die Strasse. Im Augenblicke hatte ihn wieder seine düstere Stimmung gepackt. Heute war Freitag... wenn er in den englischen Klub ginge... vielleicht träfe er McCarthy..: und dieses verdammte Weib... wenn er vorsichtig frage ... vielleicht... Er nahm nachdenklich die Goldbrille ab, Die Ergebnisse auf 31. Dezember 1933. vereinzelt in einigen Kantonen bei uns der Fall ist, so würden mit einem Schlage die vielen Tausend brachliegenden Vehikel und die darin investierten Kapitalaufwendungen in nutzbringender Weise der Wirtschaft wiederum zugeführt. Durch das starre Festhalten am bisherigen fiskalischen System sind auch in der Schweiz dem Staate schon Millionenbeträge entgangen. Dieser von uns schon verschiedentlich geäusserten Warnung verhielten sich die Kantone bisher sehr skeptisch gegenüber. Es wäre nur zu wünschen, dass wenigstens die jetzt bekannt gewordenen Zahlen der Automobilstatistik die Zweifler eines Besseren belehren könnten! Das Fehlen der Motorfahrzeugstatistik im Jahre 1932 und die etwas verspätete Bekanntgabe der Resultate von 1933 hat verschiedenerorts zu Kritik Anlass gegeben, die auch in der Fach- und Tagespresse ihren zog sein Taschentuch, putzte sie blank und setzte sie wieder auf. Wie wenn er nun durch sie die Wahrheit der Zukunft besser erkennen würde. Nein! Er werde nicht hingehen! Es sei ganz zwecklos! Nur um auf das Geschwätz dieses bösartigen Weibes zu hören! Es sei das klügste, ihr aus dem Wege zu gehen und Ablenkung in der Arbeit zu finden. Wie erleichtert unter diesem erlösenden Gedanken wanderte er mit langen Schritten seiner Klinik zu. Im Fluge vergingen die Stunden. Wie ein rotglühender Feuerball versank die Sonnenscheibe in den bleigrauen Fluten des Ozeans. Ohne jeden Uebergang der Dämmerung umfingen ihn die Schatten der Nacht. Die Arbeitsräume um ihn bereits menschenleer. Wie immer war er der letzte. Rings um ihn Totenstille. Nur hie und da drang von aussen der auf den Steinfliesen hallende Schritt eines Krankenwärters herein. Der Professor drehte das Licht seiner Schreibtischlampe an und griff nach einem Vortrag, den er am kommenden Tage im chinesischen Hospital zu halten versprochen hatte, und in dem Augenblicke, in dem er nach dem Entwürfe griff, liess er die Hand wieder sinken... sein Blick war auf das Bild seiner Frau gefallen, das im schmalen Goldrahmen neben der Lampe stand. Regungslos sah er hin. Noch Widerhall fand. Da sich auch einige an uns gerichtete Zuschriften in ähnlichem Sinne äusserten, haben wir die Gelegenheit wahrgenommen um dem Chef des Eidg. Statistischen Amtes hierüber zu befragen. Herr Dr. h. c. Brüschweiler gab uns den gewünschten Aufschluss, der erkennen lässt, dass in materieller Hinsicht eine Kritik wohl kaum be