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E_1934_Zeitung_Nr.043

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BERN, Freitag, 25. Mai 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Frettaf Monatlich „Gelbe Liste'* HalbJihrUch Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10 im Ausland unter Portozuschlag, lag für postamt REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern •«lern nicht postamtlich Rappen. bestellt. Postcheck-Rechnung Zuschlag für postamtlicbe tlicbe Bestellung 111/414. 30 Telephon 28J23 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PRE1S: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Automobiltechnisches Der Einfluss des Alters auf ein Automobil. Wie bei einem menschlichen Wesen, treten auch bei einem Automobil früher oder später die Einflüsse des Alters zu Tage. Im gleichen Mass, wie die Güte des mechanischen Zustandes abnimmt, gehen auch die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zurück. Allerdings bedarf es bis zum Moment, wo der Fahrer merkt, dass er eine gewisse Steigung nicht mehr in der Direkten hinaufkommt oder häufiger als sonst Benzin nachfüllen muss, einiger Zeit. Der Zerfallsprozess schreitet zuerst nur langsam fort, ist aber dafür später umso schwerer aufzuhalten. Verjüngungskuren lohnen sich dann meist nur soweit, als sie den Motor betreffen. Damit erhält aber der Wagen seine ursprüngliche y'-^Iugendfrische nicht mehr zurück. Denn die leistungskonsumierenden Reibungen in der Uebertragung — bei Menschen würde man von Rheumatismen und dergleichen sprechen —r bestehen nach wie vor. Wie bereits angedeutet, sind beim Altern des Wagens zwei Faktoren am Werk: Der Leistungsabfall im Motor und die Leistungsverluste in der Uebertragung. Im Vergleich zu den anderen Automobilteilen und unter Berücksichtigung seiner hohen Arbeitsgeschwindigkeit, weist der Motor dabei eine respektable Dauerhaftigkeit'auf. Zu verdanken ist das einzig und allein seiner besseren Schmierung. Bis die Kurbelwellen- und Nockenwellenlager Alterserscheinungen zeigen, können Zehntausende von Fahrkilometern vorübergehen. Auch dann noch haben die Mängel meist erst die Bedeutung von Schönheitsfehlern, der Motor fängt nur an unruhig zu laufen. Es ist schade, dass trotzdem ein einziges empfindlicheres Organ genügt, um den Arbeitsfriedeh zu stören, nämlich der Kolben. Haben sich die Kolben einmal soweit abgenützt, dass Ve'rbrennungsgase neben ihnen durchtreten können, dann macht sich sofort ein merklicher Leistungsabfall geltend. Parallel damit geht eine Steigerung des Benzinverbrauches, da der Fahrer, um den Leistungsabfall teilweise zu kompensieren, mehr Gas geben muss, weil beim Komprimieren der Gasladung, ebenfalls wieder infolge der Kolben-Undichtigkeit, Gasverluste entstehen und weil die beim Ansaugtakt neben dem Kolben durch angesaugte Luft eine benzinreichere Einstellung des Vergasers notwendig macht. F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (30. Fortsetzung) Das war Philipp Haines! Leutnant von den Lancashire-Füsilieren. Einen Kopf länger als der grösste Kerl im Regimente. Und das hiess bei denen etwas. Philipp Haines, der wegen irgendeiner Weibergeschichte dann von Singapore abgeschoben wurde und sich am Khaiberpass zu Tode soff. Der goldene Haines, wie man ihn allgemein nannte, wegen seines goldenen Haarschopfes, um den ihm alle Weiber nachliefen. Und im selben Augenblick sah er einen anderen vor sich... ... im hellblauen Rock der Landesschützen über den Steinwall der Hohensalzburg gelehnt ... um Kopflänge jeden überragend... eine Strassenecke, er riss die Mütze mit der krummen Spielhahnfeder vom Kopf... über dem braungebrannten Gesicht leuchtete der goldblonde Haarschopf... lachend nestelte er einen Strauss Edelweiss von der Kappe ... Wie betäubt taumelte der Professor zurück, wie hilfesuchend griffen seine Hände nach dem eisernen Ständer einer flackernden Strassenlaterne. Mit misstrauischen Blicken Einflüsse auf den Motor. Wohl gelingt es durch den Ersatz der Kolbenringe, den Verlusten noch einige Zeit Einhalt zu gebieten. Wenn aber die Kolbenabnützung einmal eine gewisse Grenze- überschritten hat, nützt auch dieses Mittel nichts mehr. Die Kolben klappern dann derart in den Zylindern hin und her, dass ein dichtes Anliegen der Ringe nicht mehr möglich ist. Zudem erhalten die Kolbenringe schliesslich Spiel in ihren Führungsnuten, was den Gasdurchtritt noch mehr begünstigt und auch beträchtliche Mengen Oel in den Verbrennungsraum übertreten lässt, das so verbrennt und verloren geht. Undichte Ventile haben einen weiteren Leistungsverlust zur Folge. Sind dabei noch ihre Führungen ausgelaufen, so wird das angesaugte Gemisch mit «falscher» Luft durchsetzt, und der regelmässige Lauf des Motors lässt zu wünschen übrig, besonders im Bereich der niedrigen Tourenzahlen. Immerhin kann ein solcher Motor wieder ziemlich vollständig instandgesetzt werden, indem man die Zylinder ausschleift und mit neuen Kolben ausrüstet, die Ventilführungen und Ventile ersetzt und die Ventilsitze ausfräst und neu-einschleift. Alterserscheinungen am Chassis. Die eigentlichen Alterserscheinungen treten erst auf, wenn der Motor mehrere solcher Revisionen hinter sich hat. Gewöhnlich-mächen dann die Kardangelenke zuerst auf Abnützungen in der Uebertragung aufmerksam. In der Uebertragung zeigt sich Spiel, das klappernde Geräusche verursacht und ein Langsamfahren mit dem Wagen verunmöglicht. Gleichzeitig wächst auch die Reibung in der Uebertragung ganz gewaltig. Sie kann bei einem alten Wagen leicht 25 Prozent der Motorleistung wegfressen und einen entsprechenden Mehrverbrauch Von Brennstoff verursachen. Bleibt der Wagen noch weiter im Betrieb, dann ist die nächste Erscheinung ein rapides Sinken der Zuverlässigkeit. Ausgelaufene Lager versagen ganz plötzlich ihren Dienst, die Zahnräder fangen an zu brechen, Verkeilungen reissen aus, und schliesslich kommt die Zeit, wo die Reparaturkosten den Wert des ganzen Wagens zu übersteigen drohen. Meist bedeutet das das Ende, der Wagen wandert zum Alteisenhändler. Leider fehlen genaue Statistiken, aus denen zu entnehmen wäre, bei welchem Alter ein Durchschnittswagen reif zum Abbruch ist. Schätzungsweise kann man jedoch annehmen, dass dieses Alter ungefähr bei 150.000 Kilometer liegt. Eine amerikanische Universität hat mit Automobilen, die bereits 64,000 bis 225,000 näherte sich ein eingeborener Polizist, den weissen Stab in der Hand. Als er die stadtbekannte Person des Professors vor sich sah, stand er stramm und legte die Finger grüssend an die Mütze. Kopfschüttelnd sah er ihm nach. Solche Herren verloren auch schon das Gleichgewicht? Wenn es zwei, drei Stunden später gewesen wäre, würde er es begreifen. Aber jetzt schon? Gemächlich ging er seinen Dienstweg weiter, während er seinen weissen Stab durch die Luft wirbelte. Tschang-Fu, der Koch, setzte sich in seiner schmalen Bettstatt auf und schielte über den Hof nach dem beleuchteten Fenster des Arbeitszimmers seines Herrn, das nicht ver- Fahrkilometer hinter sich hatten, eine Anzahl interessanter Versuche gemacht. Die in der Geschwindigkeit der beiden Fahr- Ebenso gross ist deshalb auch die Differenz Wagen waren zum grössten Teil frühere zeuge in einem gewissen Moment nach dem Taxis, aber die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsamen Start. lassen sich zum grössten Teil auch auf Privatwagen anwenden. Die Fahrzeuge wurden zu missachtender Bedeutung. Sie lassen er- Praktisch sind diese Versuche von nicht mit den Hinterrädern auf Rollen gestellt, die kennen, dass ein Fahrzeug durch das Altern mit einer umfangreichen Dynamometeranlage verbunden waren. Die Anlage gestattete annimmt, und dass die Hauptverluste an Tei- viel unrationeller wird als man gemeinhin dabei eine genaue Messung der an den Hinterrädern verfügbaren Leistung unter fast sonst nicht vermutet. Aus beiden Erkenntlen des 'Mechanismus auftreten, wo man sie genau den gleichen Bedingungen, wie wenn nissen ergeben sich wertvolle Konsequenzen. sich 4äs Fahrzeug auf der Strasse bewegt Einen Umstand, der den Betrieb eines alten Wagens erst recht unrentabel macht, ha- hätte. Spgar verschiedene Belastungen der Wagen wurden berücksichtigt. Ferner war ben die Versuche dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Nämlich den, dass durch die es möglich, die Leistung des Motors direkt zu 'bestimmen, so dass also alle Unterlagen Leistungsverluste der Fahrer gezwungen ist, zur Berechnung der Uebertragungsverluste sehr häufig in kleinen Gängen zu fahren, sobald sich die kleinste Steigung zeigt. Abge- zur Verfügung standen. Schliesslich erlaubte eine Art Gasometer die Messung der neben sehen davon, dass dadurch der Benzinverbrauch steigt, treten so auch noch neue zu- den Kolben durchtretenden und am Entlüfter des Kurbelgehäuses ausströmenden Gasmengen. Rentabilität vermindern und die Abnützung sätzliche Reibungen auf, die wiederum die Hinsichtlich der Maximalleistung des Mo-detors zeigte sich beim ältesten und beim jüngliche Ende des Wagens dann auch nicht Wagens beschleunigen. Wenn das natürsten Wagen ein verhältnismässig kleiner Unterschied. Bei der gleichen Tourenzahl und lermeisten Fällen besser tun, es nicht abzu- mehr fern liegt, so wird man doch in den al- bei Vollgas betrug die Leistung in einem Fall warten, sondern absichtlich auf die günstigste Art herbeizuführen. m. 13 PS. und. im andern 16 PS. Beide Motoren hatten dabei schon mehrfache .Revisionen hinter sich. Sehr gross waren aber die in der Uebertragung festgestellten Verluste. Sie betrugen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 30 Schweizerische Rundschau Stundenkilometern beim jüngsten Fahrzeug 5,2 PS. und beim ältesten 7,6 PS. Bei einer Alpenstrasseninitiative. Das Initiativkomitee für das Volksbegehren betreffend den Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern stiegen die Verluste sogar auf 8,8 PS., bezw. Ausbau der Alpenstrassen und deren Zufahrtsstrassen versammelte sich am 23. Mai 12,4 PS. Wie man sieht, benötigte das älteste Fahrzeug fast seine gesamte Motorleistung in Bern und nahm das Ergebnis der Unterschriftensammlung entgegen. Nach der am zur Ueberwindung der Uebertragungsreibung. Bei der Fahrt auf der Strasse hätte es 5: Mai abgeschlossenen Unterschriftensamm- also niemals eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erreichen können, da hier ja noch mit dem weiteren Widerstand der Luft gerechnet werden muss. Versuchsmässig festgestellte Verlaste. Im Benzinverbrauch zeigten sich auch entsprechend grosse Unterschiede. Das jüngste Fahrzeug verbrauchte auf 100 Kilometer 18 Liter Brennstoff, das älteste dagegen 27 Liter. Fast unglaubliche Unterschiede in der Abdichtung der Kolben traten beim Gasometerversuch zutage. Während der jüngste Motor einen Gasverlust von 0,04 Kubikmeter pro Stunde aufwies, betrug dieser Verlust beim ältesten Motor rund einen Kubikmeter. Hinsichtlich des Beschleunigungsvermögens wurde bei den beiden Fahrzeugen ein Unterschied von 27 Prozent festgestellt. lung haben rund 150 000 stimmberechtigte Schweizerbürger das Volksbesehren unterschrieben, d. h. ungefähr das dreifache der nötigen Unterschriftenzahl. Nach allseitiger Aussprache beschloss die Versammlung, an alle Mitglieder der Bundesversammlung einen erläuternden Bericht über den Verlauf und die Bedeutung der Initiative gelangen zu lassen und beauftragte den Arbeitsaussehuss, beim Bundesrat zwecks rascher Durchführung des Initiativbe'gehrens vorstellig zu werden. Für den Falil. dass die Initiative von der Bundesversammlung nicht angenommen werden sollte, beschloss die Versammlung, die Beschaffung eines Kampffonds für die Verfechtune in einer allfälligen Volksabstimmung sofort an Hand zu nehmen und! stellte mit Befriedigung fest, dass bereits erhebliche Zeichnungen in Aussicht gestellt worden sind. löschen wollte. Wie ein Geist pendelte ein Schatten hin und her. Unverständig schüttelte er den Kopf und zog mit einem Seufzer die Decke über die Ohren. Wenn nur die Herrin schon hier wäre. In der Altstadt kenne er einen arabischen Opium-Schleichhändler, den grössten Halunken von Batavia... der habe einen silbernen Ohrring... er verstand nichts davon, aber er roch es, an dem war etwas... wenn der ihm den nicht gegen seinen falschen, mexikanischen Dollar eintauschen würde... er müsse den Ohrring für die Herrin haben... wenn er im stillen der Polizei einen kleinen Wink gebe... ganz im stillen... über die malaiische Praue mit dem roten Drachenkopf, die jeden Freitag nachts hinter der Leuchtturmmole abgeblendet anlegte... bei der Gelegenheit könne der Ohrring für ihn verschwinden ... wenn er sagen würde, der Ohrring sei sein Eigentum, die Polizei sei verständig und dankbar... er lächelte verschmitzt ... die Augen fielen ihm zu... Hinter den Arbeitsfenstern des Professors brannte noch immer das Licht. Noch immer schritt er ruhelos auf und ab. Immer dieselben Gedanken peinigten sein Gehirn. Das Zusammentragen der Steinchen der Erinnerung zu einem Mosaikbilde, das ihm die Wahrheit verraten sollte, eine Wahrheit, vor der er scheu zurückwich. Seine Frau, die ihn bewog, Wien zum Aufenthalte zu wählen, trotzdem er dagegen war, die Besuche dieses Herren, in Wien war er ihr unzertrennlicher Begleiter, als sie die Stadt kennenlernen wollte. Als sie einmal ihre Schmuckkassette öffnete, lag der Edelweisstrauss darinnen. Sie sagte wegen der Seltenheit, als er sie damals ahnungslos fragte. Vor allem der Wunsch seiner Frau, in Wien bleiben zu dürfen, als er unvermutet nach Batavia musste. Harmlose Worte und Handlungen seiner Frau verdichteten sich in ihm und wuchsen zu gigantischen Verdächtigungen, um sich in seinem Hirn festzukrallen. Uebernächtig, an allen Gliedern zerschlagen, trat er des Morgens aus dem Hause. Vergeblich erwartete man ihn in der Klinik. Mit zögernden Schritten betrat er das Gouvernementsgebäude. Kurz darauf verliess er es mit befriedigter Miene. Gegenüber lag das Schiffahrtsbureau. Der nächste Dampfer nach Rotterdam? Uebermorgen. Wann der Dampfer in Rotterdam fällig sei? Er notierte den Tag und errechnete, wann er in Wien sein könne. Am Postamt stand er und schrieb ein Telegramm an seine Frau mit der genauen Angabe seiner Ankunft. Geduldig wartete er am Schalter, bis er an die Reihe kommen sollte, das Blatt mit der noch feuchten Tintenschrift hin und her schwenkend. Nachdenklich starrte er immer wieder auf die Worte, und plötzlich trat er aus der Reihe, langsam faltete er das beschriebene Blatt zusammen, zögernd nahm er es zwischen die Fingerspitzen und zerriss es in kleine Stücke. Achtlos Hess er sie zu Boden fallen. Klopfenden Herzens hatte er in Wien sein Haus betreten. Er musste alle Willenskraft aufbieten, um sich nicht zu verraten, als ihn das Mädchen allein mit einem Ausruf freudigen Erstaunens begrüsste. Die gnädige Frau sei verreist, sollte eigentlich schon zurück sein, sie erwarte sie täglich, stündlich. Wohin die gnädige Frau verreist sei? Er fragte es natürlich mit unbefangener Miene. Sie