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E_1934_Zeitung_Nr.054

E_1934_Zeitung_Nr.054

BERN, Dienstag, 3. Juli 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 5 t ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint Jeden Dienstag trad Freltao Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich F*. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtüche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Erneuerung auch im Verkehrswesen! Wir leben in einer politisch bewegten leit. Es geht ein frischer Zug durchs Land, der mit mancher veralteten Einrichtung abfahren und die ausgelaufenen Teile in unserer teilweise schwerfälligen Staatsmaschinerie ersetzen möchte. An guten Vorschlägen, an Initiativen und auch an gutem Willen fehlt es, wenigstens bei den Initianten, nicht. Die öffentliche Meinung und die Tagespresse ist so sehr damit beschäftigt, sich mit all diesen Problemen auseinanderzusetzen, dass darob die den Automobilisten naheliegenden Angelegenheiten zu Unrecht etwas in den Hintergrund gedrängt werden. Dabei bringt gerade das zweite Semester einige sehr bedeutsame und verkehrswirtschaftlich weittragende Neuordnungen, so die Einführung der Hauptstrassen mit Vortrittsrecht, dann das Inkrafttreten der Arbeits- und Ruhezeit-Verordnung für berufsmässige Motorfahrzeugführer. Das damit verbundene Nachtfahrverbot, das offensichtlich mehr dem Wunsche entsprang, den Eisenbahnen behilflich zu sein, zeigt deutlich, wie gerade auch das Parlament in Verkehrsangelegenheiten noch viel zu sehr in einer Begriffswelt befangen ist, die zu Beginn des Jahrhunderts berechtigt gewesen sein mag. Es kann daher kaum überraschen, wenn die Interessenten des Strassenverkehrs mit sehr gemischten Gefühlen der weiteren Entwicklung und Behandlung des Verkehrsteilungsgesetzes entgegensehen. Der Ruf nach Erneuerung, der die politische Arena erfüllt, findet daher auch in Verkehrskreisen ein verständnisvolles Echo. Schon allzulange harren eine Reihe dringender Postulate ihrer endlichen Verwirklichung. Denken wir nur an den für unser Land so eminent wichtigen Ausbau der Alpenrouten und Zufahrtsstrassen. Wohl ist die Strassenbauinitiative mit einer überaus stattlichen Zahl von Unterschriften zustande gekommen, doch hört man schon wieder von Verwässerungs- und Kompromissabsichten. Wohl ertönen überall bewegte Klagen über die immer noch hohe Zahl von Verkehrsunfällen, allein es hat sich noch kaum eine Schulbehörde aufgerafft, um den Verkehrsunterricht als obligatorisch zu erklären. Es wird angesichts unserer passiven Handelsbilanz über die weitgehende Abhängigkeit der Automobilwirtschaft vom Auslande gejammert, aber noch keine Steuerbehörde hat daran gedacht, dem ausländischen Beispiel zu folgen und durch Steuerermässigungen und anderweitige Erleichterungen der inländischen Industrie an die Hand zu gehen. Es ist bekannt, dass ein bedeutendes Kapital in älteren, aber noch verkehrstüchtigen Fahrzeugen festgefroren ist und dass deren Inbetriebnahme dem Fiskus neue Einnahmemöglichkeiten schaffen würde, allein ein einziger Kanton hat sich bis heute entschlossen, die Abgaben für diese Wagen herabzusetzen. Alle Verkehrsfachleute sind sich darüber einig, dass nur Verkehrsvorschriften, die alle Strassenbenützer umfassen, Aussicht auf eine flotte Verkehrsabwicklung und auf Verminderung der Unfallzahlen bieten. Zwar wurde das Ausland in manchen Dingen nachgeahmt, so in der Einführung der Fussgängerstreifen, allein man blieb wiederum auf halbem Wege stehen und will nur den Fahr zeug führer verpflichten, diesen Markierungen Rechnung zu tragen. Diese wenigen Beispiele dürften genügen, um zu zeigen, wie notwendig es wäre, auch auf dem Gebiete des Strassenverkehrswesens die ausgefahrenen Wege zu verlassen und neue Richtungen einzuschlagen. Aber auch der Standard der Fahrzeugführer muss gehoben werden. Die Zeit der Strassenlümmel sollte endgültig vorbei sein. Wer sich nicht der Verantwortung bewusst wird, die er sich und seinen Mitmenschen gegenüber beim Führen eines raschen Fahrzeuges schuldig ist, der gehört im Zeichen des neuen Verkehrsgesetzes nicht mehr an den Volant. Da immer noch viel zu oft solche Elemente durch das allzu weitmaschige Netz der Verkehrspolizei schlüpfen, so haben erfreulicherweise einzelne Clubs die Initiative ergriffen und Selbsthilfe organisiert. So harren noch eine Grosszahl von Verkehrsproblemen ihrer Inangriffnahme und ihrer Lösung. Die « Automobil-Revue» macht es sich seit dreissig Jahren zur Pflicht, all diesen Angelegenheiten ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Mit Befriedigung dürfen wir feststellen, dass sie in der Oeffentlichkeit als das Sprachrohr der Automobilisten anerkannt ist. Sie will aber auch der gegenseitigen Aussprache und Aufklärung im eigenen Lager dienen und hält daher alle ihre Rubriken und den vielseitigen Sprechsaal-Dienst ihren Abonnenten und Lesern offen. Sie stellt sich voll und ganz der so notwendigen Erneuerungsbewegung in der Verkehrswirtschaft zur Verfügung und ist stets bestrebt, auch in ihrem eigenen Aufbau und Inhalt mit der Zeit Schritt zu halten. Der vermehrte Bilderdienst, die Einschaltung neuer Rubriken, haben ein erfreuliches Echo bei der Leserschaft gefunden, das uns ermuntert, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumarschieren. Um den Abonnenten des Blattes auch in ihrer rein privaten und wirtschaftlichen Sphäre an die Hand gehen zu können, wird mit dem zweiten Semester 1934 eine fakultative Unfallversicherung eingeführt, über die an anderer Stelle dieser Ausgabe eingehend zu berichten ist. Wir hoffen, durch diesen Versicherungsdienst, der uns erhebliche neue Aufwendungen bringt, den bisherigen Freunden des Blattes und den Neuabonnenten einen weiteren praktischen Beweis unseres Dienstes am Leser zu liefern und gleichzeitig den zahlreichen Wünschen nach einer besseren Sicherstellung der Zukunft von Fahrern und Angehörigen entsprochen zu haben. Mögen uns alle durch die Einlösung des Abonnements oder die Anmeldung zur Versicherung hiefür die Bestätigung bringen! F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendon. Copyright by Verlag Knorr & Hirth. G.m.b.H., München. (1. Fortsetzung) «So, so? — mit die Katzen? — Es heisst aber: mit den Katzen, Cilly.» «Hailoh, wie jeht's, oller Junge!» ertönt da eine echt berlinische Stimme. Es ist der Zirkusinspektor Friedenthal, ehemals ein bekannter Löwendompteur, der mit dem Oberstallmeister Siebert gerade des Weges kommt Verlag und Redaktion der « Automobil-Revue ». Die beiden Männer begrüssen Bux wie einen alten guten Freund und stellen ein paar Fragen nach seinem Ergehen. — «Ich komme eben vom Bahnhof und will mich jetzt erst mal ein bisschen säubern,« schliesst Bux nach einem kurzen Gespräch und geht dann mit Tom, der wieder aufgetaucht ist, davon. «Wer ist der Herr gewesen?» fragt Cilly den Inspektor gespannt. «Bux — wer sonst?» Da weiten sich Cillys Augen in masslosem Respekt. Sie schaut Bux mit offenem Munde nach und sagt endlich, fast atemlos: «Er hat sich eine ganze Weile mit mir unterhalten.» «Na. Cilly, du tust ja, als wenn du mit'nem Wie in letzter Ausgabe bereits angekündigt, hat sich unser Verlag nach gründlicher Erwägung und Prüfung der Angelegenheit mit Versicherungsfachleuten und Lesern unseres Blattes entschlossen, mit dem zweiten Halbjahr 1934 eine freiwillige Abonnentenversicherung einzuführen, die bereits ihre Genehmigung durch das eidg. Versächerungsamt gefunden hat. Aus einer umfangreichen Korrespondenz mit Lesern konnten wir im Laufe des Jahres ersehen, dass nur ein kleiner Teil der Automobilisten über die gesetzlich verlangte Haftpflichtversicherung hinaus, die bekanntlich mir Drittpersonen, also weder den Halter noch den Ehegefährten des Halters oder seine Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie umfasst, gegen die zahlreichen Risiken, die mit dem Automobilbetrieb verbunden bleiben, gedeckt sind. Das Automobil hat in zahlreiche Einzel- und Kleinbetriebe Eingang gefunden, wo es zu einem unentbehrlichen Betriebsfaktor geworden ist. Viele Tausende von Fahrzeughaltern werden aber finanziell durch die Verkehrssteuern, die übrigen Betriebskosten und die obligatorische Versicherung so weitgehend beansprucht, dass es ihnen beim besten Willen kaum mehr möglich ist, weitere private Versicherungen einzugehen und dabei auch an sich selbst und die nächsten Familienangehörigen zu denken. Was einem einzelnen aber nicht möglich ist, das erleichtert eine Kollektivversicherung, weil sich durch die Zusammenfassung der Versicherten eine fühlbare Vereinfachung im Geschäftsbetrieb ergibt, die es der Gesellschaft erlaubt, mit einem Prämiensatz auszukommen, der bei einer Einzelversicherung wesentlich höher ist. Um nun die Versicherung auch wirksam zu gestalten und in ihrer fürsorglichen Funktion nicht wiederum einzuschränken, kamen wir zum Entschluss, sie so zu gestalten, dass bei einer einheitlichen und wirtschaftlich wohl tragbaren Prämie der Versicherungsabschluss nicht nur für den Abonnenten, sondern gleichzeitig für eine zweite, von ihm zu bezeichnende Person gilt. Im weitern hätte die Versicherungskombination ihren Zweck wohl kaum in dem beabsichtigten Umfang erfüllt, wenn sie sich ausschliesslich auf die Folgen von Verkehrsunfällen beschränkt hätte. Die Bedingungen des mit einer bestbekannten und leistungsfähigen schweizerischen Gesellschaft getroffenen Abkommens, die an anderer Stelle dieser Nummer in extenso veröffentlicht sind, sehen daher vor, dass das Selbstlenken, Mitfahren, sowie das Hantieren am Fahrzeug für Personen-, Lastwagen und Traktoren inbegriffen ist. Auch zahlreiche Unfallmöglichkeiten des täglichen Lebens sind einbezogen worden, die mit dem Autobetrieb in keinem Zu- König gesprochen hättest,» neckt der Oberstallmeister die Kleine. Bux aber hat unterdessn schon sein gemütliches Heim betreten, — seine eigene Wohnung, in der man in Mailand wohnen kann oder in Habana oder in Posemuckel, ohne deshalb seinen Wohnsitz dort haben zu müssen, — seine Wohnung, deren Erwähnung den berühmten Clown und Dresseur bei Herrn Major von Prastelny in den Verdacht eines Hochstaplers gebracht hat: seinen grünen Wohnwagen! Am nächsten Morgen — es war am 1. April — prangte an allen Plakatflächen ein grosses buntes Bild, das einen Clown inmitten einer Tierschar zeigte; und die Aufschrift: INSERTIONS-PREISt Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen ans dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tnne vor Erscheinen der Nummern Fakultative Abonnenten-Unfallversicherung. sammenhang stehen. Unfälle in Haus und Hof, bei Bergwanderungen, ja selbst beim Skifahren fallen alle unter die Wirkung unserer Abonnentenversicherung. Wenn wir bereits erklärten, die damit verbundenen finanziellen Leistungen seien sehr wohl für jedermann tragbar, so wird das angesichts des zum normalen Zeitungsabonnementspreise hinzukommenden Aufschlages von 20 Fr. im Jahr, der also einer Ausgabe von 20 Rp. pro versicherte Person und pro Woche entspricht, wohl kaum bestritten werden. Trotzdem bietet die Versicherung an Entschädigungen die Höchstsummen, die überhaupt gesetzlich für solche Abkommen in Kombination mit einem Zeitungsabonnement zulässig sind. Der Einzug des Zuschlages kann natürlich bei unserm Abonnementssystem des Postversandes nicht wöchentlich erfolgen, doch erleichtern wir die Zahlung weitgehend dadurch, dass Abonnementsbetrag samt Versicherungsaufschlag überall da, wo nicht ganz oder halbjährliche Vorausbezahlung erfolgt, in vierteljährlichen Raten- von 7 Fr. 50 per Nachnahme erhoben werden. Auch den der Schweiz. Unfallversieherungsanstalt in Luzern (Suival) unterstellten Lesern bedeutet unser Abkommen eine wertvolle Ergänzung ihrer Versicherung, indem bekanntlich die Nichtbetriebsunfälle dort teilweise ausgeschlossen sind. Ferner kann die obligatorische Betriebsversicherung nicht beansprucht werden, wenn es sich beispielsweise um aussergeschäftliches Autclenken an einem Sonntag oder sonstigen Feiertag handelt, die der Wagenlenker nicht im Auftrage des Dienstherrn macht. Weiterhin sind manche Berufsgruppen, so z. B. die Herrschaftschauffeure, welche offiziell zu den privaten Dienstboten gezählt werden, überhaupt nicht der Suva! angeschlossen. Diese Institution kommt andererseits nur für 80% des Lohnausfalles während der dem Unfall folgenden Heilungszeit auf. Mit unserer Versicherung ist es möglich, den dadurch entstehenden Ausfall zu decken. Wir wissen, dass die Abonnentenversicherung zwar der Mehrzahl unserer Leser eine willkommene Gelegenheit für eine Versicherungsfürsorge bieten wird, andern Abonnenten dagegen nichts Neues bringt, weil diese in der Lage sind, sich weitgehend durch eigene Versicherungen zu schützen. Daher wurde unsere Kombination als fakultative Versicherung aufgenommen, ohne an der bisherigen Erscheinungsweise, am Inhalt oder der Aufmachung der « A.-R.» irgend etwas zu ändern. Wir wollen keineswegs ein Versicherungsblatt werden, dem die Versicherung fast Hauptzweck ist, sondern nur vielen hundert Freunden unseres Blattes durch die Zusammenfassung aller Anmeldungen zu einer Versicherung verhelfen, wie sie der einzelne unter gleichen Bedingungen nie abschliessen könnte. Dabei bietet uns die Vertragsgesellschaft Gewähr für korrekte, wohlwollende und prompte Erledigung der Schadenfälle. Noch diese Woche werden unseren Lesern die Abonnementsnachnahmen für das zweite Halbjahr zugehen. Ihr beigegeben findet sich eine Anmeldung für den Beitritt zur Versicherung, nach deren Empfang vom Verlag aus der Versicherungszuschlag bis Ende dieses Jahres, resp. für ein Vierteljahr eingezogen und für die Zustellung der Versicherungsbestätigung gesorgt wird. Die mit diesem Abkommen für uns bedingte Mehrarbeit und neuen Aufwendungen nehmen wir gerne auf uns, wenn wir damit nur einer möglichst grossen Zahl von Abonnenten einen weiteren Dienst erweisen können, um auf diese Weise die bisherigen Beziehungen zwischen Verlag und Abonnent noch enger zu gestalten. Der Verlag der Automobil-Revue. Nel Circo Kreno: BUX il piü celebre del mondo verkündete den Mailändern, dass der berühmte Clown von heute ab in dem grossen Zirkus auftreten werde. — Schon um 8 Uhr morgens begann Bux in dem grossen Chapiteau (Zeltzirkus) zu proben. Bei der ersten seiner zwei Nummern waren alle seine Tiere, ausser der Tigerin Judith, beschäftigt. Alles klappte vorzüglich; nichts Hess erkennen, dass die Tiere seit Wochen nicht mehr gearbeitet hatten. Als Bux schon bei dem Schlusstrick dieser Nummer war, trat unter die wenigen Artisten, die als Zuschauer der Probe um die Arena