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E_1934_Zeitung_Nr.087

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BERN, Freitag, 26. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgab« A (ohne VersicherunR) halbjahrlich Fr. S , Jährlich Fr. 10.- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgäbe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jahrlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Panik im Lande! Unter dem Titel « Kampf den rücksichtslosen Fahrern » oder ähnlichen Schlagworten wird zur Zeit ein Kesseltreiben gegen die Motorfahrzeugführer eingeleitet. Die kantonalen Justizdirektoren haben in Sitten kräftig ins Hörn gestossen. Der Hornstoss wird von allen denen, die aus irgendeinem Grunde motorfahrzeugfeindlich eingestellt sind, von allen denen, die durch ihren Widerstand dazu beigetragen haben, dass die Schweiz seit langem durch das Ausland überflügelt worden ist, freudig aufgenommen. Auch die Gerichte glauben zum Teil, dem öffentlichen Geschrei Unberufener folgen zu müssen und damit ihr Ansehen zu wahren, indem sie drakonische Strafen verhängen, den bedingten Straferlass verweigern, sich zur Rechtfertigung ihres Vorgehens an die Theorie der Generalprävention klammernd. Sie übersehen dabei in ihrem Eifer völlig, dass damit nie Vergehen verhütet oder eingeschränkt werden konnten, weshalb denn auch diese Auffassung längst von der Strafrechtswissenschaft allgemein verworfen worden ist. «Es rast der See, er will sein Opfer haben!» Dabei vergisst oder unterlässt man, den Ursachen der vermehrten Verkehrsunfälle nachzugehen. Als Hauptursache der Zunahme der Verkehrsunfälle wird heute absolut fälschlicherweise allgemein die Aufhebung der Geschwindigkeitsgrenzen bezeichnet. Dabei geben sich die Rufer im Streite gar nicht Rechenschaft darüber, dass die in Art. 25 des Automobilgesetzes enthaltene Regelung der Geschwindigkeit dem Motorfahrzeugführer viel grössere Verpflichtungen auferlegt, als dies bei Festsetzung von Geschwindigkeitsgrenzen überhaupt der Fall ist. Während er sich im letzteren Falle auf eine bestimmte, im Gesetz verankerte Zahl berufen kann, ist er durch die im Automobilgesetz enthaltene Vorschrift verpflichtet, jederzeit und unter allen Umständen seine Geschwindigkeit den gegebenen Strassen- und Verkehrsverhältnissen anzupassen. Zweifellos werden einzelne Motorfahrzeugführer, diese Vorschrift missverstehend oder missachtend, mit übersetzter Geschwindigkeit fahren. Diese Motorfahrzeugführer fahren aber auch bei Bestehen von Geschwindigkeitsgrenzen mit übersetzter Geschwindigkeit. Es gibt überall, in allen Kreisen, auf allen Gebieten undisziplinierte, rücksichtslose Gesellen. Deswegen aber die Gesamtheit der Motorfahrzeugführer zu verdammen und ihretwegen den Motorfahrzeugverkehr zu hemmen, dürfte wohl nicht das richtige Mittel sein, Abhilfe zu schaffen. Es ist bis heute, trotz aller Strafgesetze, nicht gelungen, Verbrechen und Vergehen auszurotten. Deswegen wird es wohl Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (33. Fortsetzung) Bux runzelt die Stirn und denkt: «Woher wissen diese Leute schon etwas? Wahrscheinlich steht schon in den Abendausgaben, dass das Verfahren gegen mich eingestellt ist! Aber wie schnell sie schon heraushaben, in welchem Hotel ich abgestiegen bin!» Schon will Bux zum Kellner sagen, dass er für niemand zu sprechen sei. Aber dann fällt ihm ein, dass er doch das grösste Interesse daran habe, dass alles so schnell und so richtig wie möglich zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelange. Und er sagt zum Kellner: «Geben Sie diesem alten Manne hier ein gutes Zimmer! Und dann führen Sie die vier Herren herauf zu mir. Gleich alle zusammen. Und wenn sich etwa unterdessen noch mehr eingefunden haben sollten, dann bringen Sie die auch gleich mit!» Er wendet sich noch einmal Dhakjee zu: «So Dhakjee, nun ruhe dich aus. Und morgen früh fahren wir zusammen nach M.... Du kaum jemandem einfallen, die menschliche Gesellschaft allgemein als Verbrecher zu betrachten und eine Verschärfung der Strafgesetze im Sinne der bereits im Mittelalter verworfenen « Generalprävention » vorzunehmen. Eine Bahnhofanlage, die ohne genügende Geleise- und Stellwerksanlagen einen starken Zugsverkehr aufzunehmen hat, wird dieser Aufgabe, ohne dass Unglücksfälle entstehen, nicht erfüllen können. Unsere Strassenverhältnisse haben in unserem Lande der in den letzten Jahren schlagartig eingesetzten Evolution der Motorisierung des Verkehrs, trotz aller Anstrengungen, nicht zu folgen vermocht. Inwieweit diesbezüglich die speziell in unserem Lande gegen die Entwicklung des Motorfahrzeugverkehrs bestehende Animosität bremsend mitgewirkt hat, bleibe dahingestellt. Man betrachte einmal die breiten Strassenzüge des Auslandes oder die Verkehrsordnung der Großstädte. Dort nehmen die Verkehrsunfälle nicht zu. Mit Kleinlichkeiten, wie sie die Vollziehungsverordnuns? zum Automobilgesetz enthält, werden Verkehrsunfälle ebensowenig verhütet als durch strenge Strafen. Neben dem Grossverkehr genügenden Strassenverhältnissen sorge man vermehrt für die genügende Fahrausbildung der Motorfahrzeugführer. Die Tatsache, dass eine Person imstande ist, ein Motorfahrzeug zu führen, garantiert noch nicht dafür, dass sie sich der Gefahren, die im Motorfahrzeug und dessen Führung begründet sind, genügend bewusst ist. Hier ist noch ein weites Tätigkeitsfeld im Interesse der Unfallverhütung erfolgreich zu beackern. In durchaus richtiger Weise wurde kürzlich in einer Einsendung darauf hingewiesen, dass eine Besserung der Verhältnisse nicht durch die Einführung von Geschwindigkeitsgrenzen zu erwarten sei, sondern durch die Hebung der Fahrkunst und der Verkehrsmoral. In gleichem Sinne hat sich Herr Untersuchungsrichter Dr. M. VoIIand in seinem beachtenswerten Leitartikel in der « Automobil-Revue » vom 9. Oktober 1934 geäussert. Eine Hauptursache der vielen Verkehrsunfälle sind die mangelhaften Vorschriften bezüglich der nicht motorisierten Strassenbenützer, speziell der Fussgänger. Dazu wird diesen wenigen vorhandenen Vorschriften nicht einmal Nachachtung verschafft. Man beobachte einmal das Verhalten der Radfahrer und Fussgänger auf der Strasse durch die gleiche Brille, durch die der Motorfahrzeugführer obrigkeitlich kontrolliert wird. Man wird dann vieles sehen, was man bis heute — aus welchen Gründen bleibst natürlich bei mir — so lange du lebst, mein Alter, — gelt?» Er drückt Dhakjee nochmals die Hand und ahnt nicht, dass es das letzte Mal ist. * Die Unterredung mit den Journalisten hat fast drei Stunden gedauert. Als Bux dann vor dem Schlafengehen nochmals nach Dhakjee sehen will und das Zimmer des Alten betritt, prallt er entsetzt zurück: Dhakjee hat sich erhängt. Bux telephoniert sofort an den Staatsan- 1 -alt in dessen Privatwohnung. «Das wundert mich durchaus nicht,» erwidert dieser. «Er konnte wohl den Tod des alten Brahma nicht verwinden. Und dann mag wohl auch die Reue mitgespielt haben.» «Kann ich trotzdem morgen nach M reisen?» fragt Bux. «Ich komme sowieso in zwei Tagen wieder zum Begräbnis des Alten. Falls Sie mich also noch vernehmen wollen ...» «Sie können ruhig reisen, Herr Doktor. Das ändert natürlich nichts an der Einstellung des Verfahrens.» — Die Presse hat wieder mit gewohnter Schnelligkeit gearbeitet. Als Bux am anderen immer — nicht sehen wollte. Man wird sich dabei, leider wieder einmal zu spät, bewusst werden, dass diejenigen, die seinerzeit durch eine Initiative die verfassungsmässige Grund- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grösscre Inserate nach Settentarit. Ituerntemchliias 4 Tage vor Erscheinen 4er Nummern lage für ein allgemeines Verkehrsgesetz nisse an die Anforderungen des heutigen schaffen wollten, jedenfalls mehr für dieGroßstrassenverkehrs und durch eine gerechte, gleichmässige Behandlung aller Sicherheit des Verkehrs getan haben als diejenigen, die, sei es aus politischen Oportunitätsgründen, sei es aus Unverstand usw., Schweiz noch weit hievori entfernt, deshalb : Strassenbenützer. Heute sind wir in der glauben, einzig durch eine Knebelung des Motorfahrzeugführer sei auf deiner Hut ! Motorfahrzeugverkehrs . der Zunahme der Dr. R. v. Stürler. Verkehrsunfälle Einhalt gebieten zu können. Man gehe einmal den Ursachen der Verkehrsunfälle unvoreingenommen nach. Man wird Schweizerische Rundschau feststellen, dass bei einer Grosszahl aller Motorfahrzeugunfälle ein Mitverschulden eines andern, nicht motorisierten Strassen- Um die Alpenstrasseninitiative. Botschaft benützers vorliegt. Ein Mitverschulden, für das der Motorfahrzeugführer verantwortlich gemacht wird, während der andere Strassenbenützer, mangels gesetzlicher Bestimmungen oder aus Furcht vor Anwendung von solchen, straflos ausgeht. Diese Erkenntnis ist in unseren Nachbarländern längst zum Durchbruch gelangt, ansonst dort nicht Fussgänger, die durch ihr unvorsichtiges Verhalten tödliche Motorfahrzeugunfälle verursachen, wegen fahrlässiger Tötung zur Rechenschaft gezogen oder Stadtverwaltungen für Unfälle, verursacht durch ungeeignete Strassenbeläge, verantwortlich und haftpflichtig gemacht würden. -_.Jeder vernünftige und gewissenhafte Motorfahrzeugführer wird eine strenge Bestrafung verantwortungs- und rücksichtsloser, annehmbar sei, da der Bund unter keinen liederlicher Motorfahrzeugführer nur begrüssen. Er muss sich aber dagegen auflehführung notwendigen Mittel aufzubringen. Es Umständen in der Lage wäre, die zur Durchnen, dass wegen des Vorhandenseins solcher müssten also von bundesrätlicher Seite Gegenvorschläge ausgearbeitet werden. Elemente verallgemeinert und, wie es heute — speziell bezüglich Entzug des Führerausweises — geschieht, schematisiert wird. Wenn sammlung wird die Sonderbotschaft über das In der Dezembersession der Bundesver- die kantonalen Justizdirektoren in ihrer Resolution die Verbände für bestehende Missment des Innern vorgelegt werden. Die zur- Alpenstrassenausbauprogramm vom Departestände, resp. das Nichtbeheben von solchen, zeit in Ausarbeitung begriffene Vorlage wird beschuldigen und diesen für bisherige Unterlassungen der Behörden die Schuld in alsdann zeigen, welche Gegenvorschläge der die Schuhe schieben zu können glauben, so wirkt dieser Versuch jedenfalls nicht überzeugend. Es dürfte auch den kantonalen Justizdirektoren nicht unbekannt sein, was für Anstrengungen seitens der Verbände zur Hebung der Verkehrssicherheit gemacht werden. Ebenso dürften sie wissen, dass ein ansehnlicher Teil sämtlicher Motorfahrzeugführer keinem Verbände angeschlossen und damit der Einflußsphäre solcher von vorneherein entzogen ist. Jeder anständige Motorfahrzeugführer wird, nicht zuletzt im eigenen Interesse, eine vermehrte und verbesserte Ordnung auf der Strasse nur begrüssen. Diese Ordnung, und damit die Erhöhung der Verkehrssicherheit resp. die Verhinderung der Verkehrsunfälle, Tage im D-Zug M entgegen fährt, kann er schon die ausführlichen Berichte in den Zeitungen lesen. Auch die übrigen Mitreisenden sind in die Berichte vertieft und tauschen erregte Bemerkungen über den unerhörten Fall Buchsbaum, ohne zu ahnen, dass Herr Dr. Willibald Buchsbaum in eigener Person unter ihnen sitzt. Der Bericht, den Bux soeben beginnt, lautet: Sensationelle Wendung im Fall Buchsbaum! Das Verfahren eingestellt! Dr. Buchsbaum als völlig unschuldig aus der Haft entlassen! Ein Elefant als dreifacher Mörder! «Dr. Buchsbaum ist unschuldig! Diese Nachricht verbreitete sich schon gestern abend in ganz Berlin. Aber erst heute können wir unseren Lesern die Aufklärung der Verbrechen bringen, wie sie sensationeller nicht gedacht werden kann. In allen drei Fällen — denn um so viele handelt es sich, obwohl nur in einem Anklage erhoben werden konnte — hat der 107 Jahre alte Elefant Brahma des Dr. Buchsbaum die Tötungen ausgeführt. Niemand ausser dem alten indischen Wärter des Elefanten hat um dieses Geheimnis gewusst. Erst nachdem der Elefant vor einigen wird aber erst dann eintreten, wenn die Ursachen richtig erkannt werden und das Uebel an der Wurzel bekämpft wird durch grosszügige Anpassung der Strassenverhält- und Entwurf zum Bundesbeschluss über das Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 9. Oktober 1934 enthalten bekanntlich die Deckungsklausel. Zwecks Beschaffung der notwendigen Mittel wird eine spezielle Finanzierungsvorlage vorgelegt werden müssen. Einige der zur Deckung der verschiedenen Ausgaben anzubohrenden Quellen sind in der Oeffentlichkeit bereits bekannt geworden. Vor allem beabsichtigt der Bundesrat, den Benzinzoll weiterhin zu erhöhen. Aber alle diese Fragen befinden sich erst im Stadium der Prüfung und die Finatizvorlage wird nicht sehr rasch erscheinen. Wie der «Bund» zu berichten weiss, soll anlässlich der letzten Freitagssitzung des Bundesrates im Verlaufe der Diskussion einmütig die Ansicht zum Ausdruck gekommen sein, dass die Alpenstrasseninitiative in der eingereichten Form un- Bundesrat zu machen hat. Die bisherige Behandlung der Alpenstrasseninitiative durch unsere oberste Landesbehörde lässt für alle am motorisierten Strassetiverkehr interessierten Verbände, Automobilisten, Motorradfahrer sowie für die grosse Zahl der direkt beteiligten Bauunternehmer usw. nichts Gutes ahnen. Aber erst wenn die Gegenvorschläge bekannt sind, wird auch der Zeitpunkt gekommen sein, wo mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür eingestanden werden muss, dass nicht auf Jahrzehnte hinaus ein so dringliches Verkehrsproblem, wie es der Ausbau der Alpenstrassen darstellt, weiterhin so stiefmütterlich behandelt werde. Volksversammlungen sollen dann den Beweis der Dringlichkeit dieses Postulates erbringen. Tagen an einem Herzschlag eingegangen ist, hat sein Wärter, der alte Inder Dhakjee, die Wahrheit bekannt. Der Grund für sein Schweigen bis zu diesem Zeitpunkt lag in der grossen Anhänglichkeit und Liebe zu seinem Pflegebefohlenen, wie man sie oft bei den indischen Elefantenwärtern antrifft. Dhakjee fürchtete, dass der Elefant, wenn seine grosse Gefährlichkeit durch die Aufklärung der rätselhaften Morde bekannt geworden wäre, vielleicht getötet worden wäre. Und es sind auch wirklich solche Fälle bekannt, dass man in Menagerien, Zirkussen und Zoologischen Gärten Tiere, die ein Menschenleben vernichtet hatten, ihrer Gefährlichkeit halber sofort getötet hat. Ein bekannter Zirkusdirektor z. B. lässt in solchen Fällen die betreffenden Tiere umgehend erschiessen. Aber auch für den Fall, dass man. Brahma nicht tötete, fürchtete Dhakiee eine Trennung von ihm, — etwa durch Verkauf des Elefanten an einen zoologischen Garten. Und eine Trennung von seinem Elefanten wäre für diesen Mann etwas gewesen, das er nicht hätte überleben können. Erst durch eine Kombination der Aussagen von Dhakjee und Dr. Buchsbaum selbst war eine völlige Klärung der Fälle möglich, so-