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E_1934_Zeitung_Nr.098

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BERN, Dienstag. 4. Dezember 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 9* ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Kr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- Autgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Das Strassenwesen im kantonalen Haushalt Soll und Haben im Jahre 1932. Die Oeffentlichkeit wird im allgemeinen nur recht einseitig über die kantonalen Strassenrechnungen orientiert. Gewöhnlich geht aus den Pressemitteilungen und weiteren Bekanntmachungen jeweilen nur der Geldbedarf des Staates hervor, der notwendig ist, um für den laufenden Unterhalt des Strassennetzes aufzukommen oder weitere Etappen eines bestehenden Ausbauprogrammes zu verwirklichen. Nur selten erfährt das Publikum etwas davon, wie sich der Staat die Mittel hiefür beschafft und so kann es nicht überraschen, dass verstärkt durch eine tendenziöse Beeinflussung der öffentlichen Meinung, der irrtümliche Glauben in weiten Kreisen festen Fuss fasste, das Strassenwesen werde grösstenteils durch die Einnahmen aus den allgemeinen Staatssteuern finanziert. Es braucht dann nur noch von Demagogen der «Herrenfahrer», der die Strasse beherrscht, gegen den wehrlosen Fussgänger und Steuerzahler, der die Strasse bezählt, ausgespielt zu werden, dann ist der gewollte Graben zwischen einzelnen Gruppen von Strassenbenützern und Stimmbürgern wiederum vertieft und eine wenig kritisch eingestellte Masse neuerdings vom Märchen überzeugt, dass sie allein für die Strassen zahle. Dieser Irrtum ist aber leider nicht nur im Stimmvolk vertreten, sondern hat seine Anhänger weit hinauf in der parlamentarischen und behördlichen Hierarchie, ja in den Voten ganzer politischer Fraktionen kommt dieser Vorwurf immer wieder zum Durchbruch. Er ist, wie erwähnt, teilweise entschuldbar, weil die Möglichkeiten eben selten sind, diese unberechtigte Auffassung richtig zu stellen und andererseits immer wieder die Mitteilungen über so und so grosse oder über neue Ausgaben für das Strassenwesen wiederkehren, ohne dass auch nur einmal über die Einnahmen ein Wort verloren würde. T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. Copyright by Albert Langen-Georg Müller. München. (8. Fortsetzung.) «Ja», erwidert sie demütig. «Gute Nacht.» Er hört ihre Füsse in den Hobelspänen, der Regen rauscht lauter auf in der geöffneten Tür, und dann ist wieder alles wie zuerst, ein rinnender Strom, des Dunkels, des Schweigens, der Zeit. Er drückt sein Gesicht in die Wärme, die noch von ihr zurückgeblieben ist, und einen Augenblick lang klingt es so, als stöhne er unter einer Wunde. Regen wie immer am nächsten Tag. Nebel über den Wäldern, ein gleichmässiger grauer Himmel, ohne Spalt, ohne geformte Wolken. Jürgen war lange auf dem Wasser. Er sah, dass jemand versucht hatte, das Schloss an einem der Fischkästen zu sprengen, und er 1 bedachte, dass er die Kästen in der Dunkelheit fortbringen müsste, oberhalb der Fähre am besten, wo niemand sie vermuten würde. Er sass noch eine Weile müssig im Kahn, die Hände gefaltet,,und sah nach den beiden Dörfen hinüber, die wie zwei grosse Gräber im Nebel lagen. «Ein schwerer Winter», dachte er. «Wenn das Eis hält, werden sie stehlen und dann werden sie sich totschlagen...» Und er rechnete zusammen, Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION ii. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Es muss zur Ehre der Presse gesagt werden, dass es leider sehr an Informationen über den letzteren Punkt mangelt. Dieser Mangel macht sich um so (mehr geltend, wenn man über die Verhältnisse in einem einzelnen Kanton hinausgehen und sich über diejenigen in der ganzen Eidgenossenschaft orientieren will. Das Strassenwesen ist bekanntlich Sache der Kantone, deren verwaltungsmässige Buchhaltung nicht nach einheitlichen Richtlinien erfolgt. Es bedeutet daher eine gewaltige Arbeit, nicht nur die Angaben aus allen Kantonen zu sammeln, sondern sie auch richtig zu rubrizieren, um einen Vergleich zu ermöglichen. Dieser umfangreichen Arbeit und schwierigen Aufgabe unterzieht sich alljährlich das Sekretariat der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner, dem es zu verdanken ist, dass überhaupt ein abgerundetes Bild über die Strassenrechnung aller Kantone zu Stands kommt. Schade nur, dass die Sammlung der Unterlagen sehr viel Zeit und wohl auch viel Geduld erfordert und die Statistik daher jeweilen um zwei Jahre zurückbleibt. Da sie aber die einzige Informationsquelle dieser Art ist, kommt ihr dennoch eine entsprechende Bedeutung zu. Den in der Schweiz. Zeitschrift für Strassenwesen publizierten Angaben entnehmen wir die beiden x ) Für Löhne ausserberuflich beschäftigter Arbeitsloser. s ) Arbeitslosensubvention. was noch nötig war, bevor der Schnee kam, Mehl, Holz, Speck, Petroleum, das Futter für die Ziege, das Kleid für Marte ... der Priester, ja, das musste heute ins Reine kommen. Als er in die Stube trat, sass MacLean am Herde. Eine Kaffeetasse stand neben ihm, und in den Händen hielt er ein Buch, das wie eine kleine Bibel aussah. Jürgen sah zuerst nur diese Dinge. Er hatte am Abend nur eine dunkle Gestalt gesehen und vermieden, ihr ins Gesicht zu sehen, und er sah auch jetzt nur die Hände, weisse, schmale und sehr lange Hände, mit breiten, flachen Nägeln, die etwas heimlich Schaufelndes an sich hatten. Es schien ihm, als ob dort zwei Wesen sässen, eines, das aus diesen beiden Händen bestand, ganz allein und gefährlich wie zwei Höllentiere, und eines, das dahinter erst begann. Und zu diesem zweiten hob er nun den Blick und sagte «Guten Tag.» Das Gesicht veränderte sich nicht unter seinem Gruss. Es war schmal, eckig, mit dunklem, glatten Haar und dicht zusammenstehenden Augen. Jürgen hatte nicht viele Gesichter in seinem Leben gesehen, und die er gesehen hatte, gute und böse, waren irgendwie ähnlich gewe?3n in der Dumpfheit einer begrenzten Form. Wie die Fische einander ähnlich sehen, gleichviel ob es Hechte oder Schleie waren. Aber dies war ein Gesicht aus einer anderen Form, und Jürgen wusste, dass es kalt sein würde, wenn er es anfasste. folgenden Uebersichten, die das Zahlenmaterial enthalten, soweit es nicht nur den Motorfahrzeugbesitzer, sondern den Steuerzahler überhaupt zu interessieren vermag. Die Ausgaben. Die Gesamtaufwendungen beziffern sich für das Jahr 1932 auf 93,3 Millionen Fr. und stehen damit um 4 Millionen Fr. höher als im Vorjahre. Dabei ist aber auch die Länge des in Betracht fallenden Strassennetzes um weitere 580 km auf 16,339 km angewachsen. Sehr aufschlussreich ist ein Vergleich, wie sich die Hauptposten der Rechnung, nämlich laufender Unterhalt, Verbesserungen und Neubauten zu einander zu verhalten, um feststellen zu können, in welcher Richtung sich die Tendenzen im Strassenbau bewegen. Eine Gegenüberstellung von abgerundeten Zahlen wird dies am besten verdeutlichen: Prozentualer Anteil an Gesamtausgaben 1931 1932 Unterhalt 33% 30% Verbesserungen 59% 58% Neubau 6% 9% (Fortsetzung Seite 2.) Die Einnahmen der Kantone aus Beiträgen und Verkehrsabgaben (ohne Rückvergütungen für geleistete Arbeiten und aus Materialerlös.) Beiträge an die Nettoein - Kosten v. nahmen Strassen- Bundes- aus verbesse- beitrage Verkehrs-. rungen abgaben Fr. Fr. Fr. 607,625 — 6,798,739 462,939 1,778 4,698,645 — — 1,356,584 — 160,000 38,224 395,222 — 260,846 16.529 — 55,611 2,632 — 56,933 — — 156,943 3,632 — 195,450 — — 548,867 258,686 200,000 1,088,643 — — 1,210,443 443,194 ~ 638,324 , — — 290,681 — — 174,718 — 2.139 1 ) 24,248 112,028 — 1,582,629 — 404,623*) 303,720 727,693 —* 1,896,972 747,233 — 1,138,731 450,453 459,445 1,393,505 in Kolonne 4 inbegr. 634,369 — 2,820,425 — 913,770 404,779 35.530 30,558 s ) 647,098 — — 2,034,042 Beitrage Beiträge Kantone an die an die Kosten d. Kosten r. Unterhaltes Neubauten •---• Fr. Fr. Zürich — 2,850 Bern 49,637 — Luzern 126,998 — Uri. — — Schwyz — — Obwalden. . . . — — Nidwaiden . . . 7,147 — Glarus — — Zug — — Fribourg . . . . 185,560 246,748 Solothurn. . . . 182,392 — Baselstadt. . . . — 277,451 Baselland.... 31,784 — Schaff hausen . . 11,422 — Appenzell \ -Ilh. — — Appenzell -Rb.. 1,759 — St. Gallen.... 54,441 — Graubünden. . . 220,000 45,255 Aargau . . . . 313,704 162,731 Thurgau . . . . 19,889 — Tessin 13,613 — Vaud Valais 5,488 34,277 Neuchätel. . . . — 85,000 Geneve 693,458 375,000 Einnahmen aus dem Zusammen Benzinzoll für 1932 Fr. 7,409,214 5,212,999 1,483,582 198,224 656,068 72,140 66,712 156,943 199,082 981,175 1,729,721 1,487,894 1,113,302 302,003 174,718 28,146 1,749,098 973,598 3,101,100 1,905,853 2,317,016 3,454,794 1,358,314 798,186 3,102,500 Fr. 1,297,212 1,558,918 320,834 201,583 233,944 147,015 84,552 179,534 128,579 389,820 303,773 254,245 262,024 105,889 161,770 43,465 748,326 942,573 725,321 489,138 637,120 1,097,178 541,292 373,185 227,926 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz: für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inserotenscliluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Total - Fr. 8,706,426 6,779,917 1,804,416 399,807 890,012 219,155 151,264 336,477 327,661 1,370,995 2,033,494 1,742,139 1,375,326 407,892 336,488 71,611 2,497,424 1,916,171 3,826,421 2,394,991 2,954,136 4,551,972 1,899,606 1,171,371 3,330,426 1,917,292 1,229,312 4,897,765 2,172,313 29,815,700 40,032,382 11,455,216 51,487,598 8 ) Einschliesslich Fr. 4623 Arbeitslosensubvention. «Guten Tag», sagte Mac Lean, und es schien, als brauchte er die Lippen zum Sprechen nicht zu öffnen. «Sie sind also der Fischer?» «Ja», erwiderte Jürgen, «ich bin der Fischer». Er stand noch an der Tür, die er hinter sich geschlossen hatte, ein Ruder vor sich, um das er die beiden Hände gelegt hatte, in dem grauen Fischerrock, der ihm bis zu den Knien reichte, den Blick unter den schweren Brauen auf die schmale, schwarze Gestalt gerichtet, die gleich der eines Knaben war. Den prüfenden, etwas schwermütigen Blick eines Mannes, dem jede Veränderung, des Wassers, des Himmels, des Hauses, eine Sorge bedeutet, die er mit dem Blick bis zu den Wurzeln prüfend zu umfassen hat. Der Fremde erwiderte diesen Blick, und während seine grauen Augen den Fischer einmal von den Füssen bis zu seinem wirren, schweren Haar umfassten, glitt ein schmales Lächeln um seinen Mund, so schnell wie der Schein eines gedrehten Spiegels. Und in der Schnelligkeit dieses Scheins wusste Jürgen, dass es vielleicht nötig sein würde, diesen Mann zu erwürgen, und es war ihm seltsam, dass dieser Gedanke ihn nicht erschreckte. Er schüttelte unmerklich den Kopf, stellte das Ruder neben den Herd und zog den nassen Rock von den Schultern. «Wann wird der Herr weiter?» fragte er ruhig. ' Mac Lean hob die Hand mit der Bibel ein Automobilistische Streiflichter. Eine Entgegnung. Von einem Kenner der schweizerischen Industri« erhallen wir die nachfolgenden Darlegungen: In der Nummer 96 der « A.-R. » hat ein im Ausland tätiger Schweizer Stellung zur heutigen Tätigkeit der Automobilindustrie genommen und unter anderem deren Bestreben, stets neue Modelle auf den Markt zu bringen, kritisiert. Seine Ausführungen sind in vielen Punkten absolut richtig, lassen sich aber nicht verallgemeinern. Sie können insbesondere nicht auf die Verhältnisse in der Schweiz angewendet werden. Wir haben in der Schweiz, was sicher sehr bedauerlich ist, keine eigene Personenautomobilindustrie mehr. Aber unsere Lastwagenfabriken befinden sich in einer gleich misslichen, vielleicht sogar noch in einer kritischeren Lage als die meisten ausländischen Personenautomobilfabriken. Leicht könnte aus dieser Tatsache der Schluss gezogen werden, dass die Ausführungen im oben erwähnten Artikel auch für die Schweiz Geltung haben, die schweizerischen Fabriken also in der, Lage wären, aus eigener Kraft die Verhältnisse zu verbessern. Es hat schon bisher nicht an wohlmeinenden Vorschlägen für eine Verbesserung der Lage unserer Industrie gefehlt. Die einen sind ebenfalls der Auffassung, sie vergeude ihre Kräfte und ihr Geld in immerwährenden Neukonstruktionen. Andere dagegen sind der Meinung, es stünde um die Industrie besser, wenn sie alle im Lande verwendbaren Lastwagen, von der leichten Camionette bis zum schweren Lastenzug, selbst herstellen und sich dadurch einen grösseren Absatz sichern würde. Welches ist da der richtige Weg? In erster Linie muss zugegeben werden, dass in unseren Lastwagenfabriken noch nie soviel Forschungs- und Versuchsarbeit geleistet worden ist wie in den letzten Jahren. Der Ingenieur- und Technikerstab war in den guten Zeiten kaum halb so gross wie heute. Wie in dem erwähnten Artikel richtig bemerkt worden ist, erfordert die Forschungsund Versuchsarbeit gewaltige finanzielle Aufwendungen. Diese Aufwendungen stehen gegenwärtig bei unserer Industrie in einem Missverhältnis zum Absatz an Fahrzeugen und demgemäss auch zu den Einnahmen. Leider lässt sich diese Tatsache aber nicht ändern, so paradox dies auch erscheinen mag. In den Zeiten starken Verkaufs ist das Bedürfnis, neue Konstruktionen herauszubringen, für den Fabrikanten nicht gross. Da er sein wenig, als wolle er einen Einwand abwehren und Hess sie dann wieder fallen. «Die Stimme des Propheten muss bleiben bei de» nen», erwiderte er streng, «die ihrer warten». «Kann sein, dass sie weit sind, die warten», meinte Jürgen. «Immer ist die Sünde nahe.» «Ich möchte dem Herrn den Weg zeigen», sagte Jürgen, nahm eine Kohle aus dem Herd und legte sie auf den Tabak seiner Pfeife. Das weisse Gesicht wurde noch schmaler. «Es scheint mir», sagte er, «dass diese Tochter unserer Kirche meiner bedarf.» Jürgen stand schon an der Tür. «Bei uns ist es so, Herr, dass jeder Mensch zu seiner Kirche gehen darf, aber es ist nicht so bei uns, dass die Kirche zu jedem Menschen kommt. Ich habe ein kleines Haus und die Kirche ist zu gross dafür. Wo hat der Herr seinen Mantel?» «You will repent of it», sagte Mac Lean und stand auf. Jürgen öffnete die Tür und trat hinaus. «Dort ist das nächste Dorf», sagte er und zeigte in den feuchten Nebel. «Der Weg führt hin. Sie trinken viel und fangen an zu hungern. Aber vielleicht kann der Herr dort eine Gemeinde sammeln.» «Petrus war ein Fischer», sagte Mac Lean und zog den dunklen Mantel fester zusammen, «aber nicht alle Fischer sind Menschenfänger wie er...» Jürgen lächelte nur in das fremde und böse Gesicht hinein, aber sein Lächeln ver-