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E_1935_Zeitung_Nr.043

E_1935_Zeitung_Nr.043

BERN, Dienstag, 28. Mai 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Vortrag von Dr. K. Lienert, Adjunkt des Polizeikommissärs, gehalten der Vereinigung schweizerischer Strassenfach männer am 25. Mai 1935 in Luzern. Auf eine kurze Formel gebracht will der Verkehr durch Fortbewegung Raum und Zeit überwinden. Stünden dieser Fortbewegung durch Raum und Zeit gleichartige und gleichrasche Verkehrsmittel zur Verfügung und den gleichartigen und gleichraschen Fahrzeugen ein gesonderter Raum, hätte die Polizei nur mehr zur Aufgabe, den Verkehr zu überwachen. Raum und Zeit werden jedoch durch die Mannigfaltigkeit der Verkehrsmittel so verschieden beansprucht, dass täglich neue Verkehrsprobleme zu lösen sind. An der Lösung der Verkehrsprobleme muss die Polizei mitarbeiten, weil ihr vorerst die Sicherheit und Ordnung auf öffentlicher Strasse Überbunden ist. Die Vorschläge zur Lösung der Probleme sind so vielfältig wie die Probleme selber. Wer irgendwie mit dem Verkehr zu tun hat, macht Vorschläge. Dabei will jede Verkehrsgruppe möglichst ihren Vorteil gewahrt wissen. Das führt oft nur zu Teillösungen. Die Polizei kann das Verkehrsproblem nur vom Standpunkt der Sicherheit aus angehen. Alle Benutzer öffentlicher Verkehrsstrassen haben ein Anrecht auf Sicherheit. Die Sicherheit verlangt aber, den gleichartigen und den gleichschnellen Verkehrsmitteln ihre eigenen Fahrwege zu geben, dem Auto die Autostrasse, dem Radfahrer den Radfahrweg, dem Fussgänger seine Spazierwege. Warum soll man hier nicht so konsequent sein wie bei der Eisenbahn? — Bis zur Durchführung dieser im Interesse der Verkehrssicherheit zu stellenden Forderungen wird noch viel Zeit vergehen. Aufgabe der Polizei ist es in der Gegenwart zum Rechten zu schauen und die bestehenden Verkehrsmissverhältnisse zu be- Jieben. Wenn die Polizei das schafft, was die Zeit fordert, dient sie am besten der Zukunft. Eine grosso Anzahl unserer Städte und Dörfer, ihre Strassen »und Plätze, die Verbindungswege von den Städten zu den Dörfern gehen in der Anlage auf das Mittelalter zurück. Damals umgab man die Marktplätze, um sie besser gegen Ueberfälle schützen zu können, mit Mauern. Um vielen Bewohnern Unterkunft zu bieten, wurde enge zusammengebaut. Wir können die Städte nicht einfach niederbrennen, wie einst Nero Rom. und sie dem heutigen Kraftfahrverkehr angepasst, neu aufbauen. Bei Neuanlagen aber muss man heute grosszügig genug sein. Hier müssen wir vom Auslande lernen und dafür sorgen, dass wir den Anschluss nicht verpassen. Weil der Verkehr ständig in der Entwicklung begriffen ist, muss neben der baulichen Gestaltung, die Verkehrsregelung durch die Polizei als ergänzende Hilfsmassnahme angewendet werden. Die bauliche Gestaltung braucht Zeit. Die Polizei kann aber durch Verkehrsregelung sofort eingreifen und durch Behebung der gröbsten Verkehrsmißstände, den Verkehr flüssig gestalten. Die polizeilichen Verkehrsmassnahmen sollten aber nicht zur Dauereinrichtung werden. Mit zunehmender Stabilisierung des Verkehrs, kann der Polizei nurmehr die Verkehrsüberwachung, also die eigentliche «Betriebskon trolle > als ständige Aufgabe zufallen. Die technische Verkehrsregelung durch Verkehrseinrichtungen, durch Verkehrszeichen, durch bauliche Messnahmen im Strassenbau und die generelle Verkehrsführung, also die «Betriebseinrichtung» muss Angelegenheit der Bauinstanzen werden. Gewisse Bewegungen, die im Verkehrsfluss eine dauernde Beunruhigung herbeiführen und Störungen verursachen, können auch durch bauliche Ver- 10.- Polizei und Verkehr Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Autler-Feierabend". Monatlich.! mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 kehrsmassnahmen nicht unterbunden werden. Es .sind daher verkehrspolizeiliche Vorschriften zur Durchführung fahrtechnischer Verbesserungen nicht zu entbehren. Verkehrsgesetze haben sich möglichst der Entwicklung des Verkehrs anzupassen, sie dürfen den technischen Fortschritt nicht hemmen. — Die in Verkehrsgesetzen und Verkehrsverordnungen niedergelegten Massnahmen, die im Interesse eines •geordneten. Verkehrs von den Strassenbenützern einzuhalten sind, sind bekannt. Ueber die Folgen, die aus der Nichteinhaltung der Verkehrsvorschriften resultieren,, gibt uns die Unfallstatistik sehr ernste Auskunft. Vergleichende Untersuchungen bedürfen allerdings noch einer gewissen Vorsicht, da die Unfallstatistik wegen der kurzen Zeit, seit der sie besteht und wegen der Ungleichheit der Erhebungsmomente, für die wissenschaftliche Verkehrsforschung- noch kein lückenloses Material zu liefern vermag. Wertvolle Aufschlüsse, wie sie als Grundlage zur Beseitigung von Verkehrsmissständen, dienen könnten, seien diese nun städtebaulicher, strassenbaulicher oder verkehrspolizeilicher Natur, sind im gewünschten Umfange nur beschränkt möglich, weil nicht nur die Anzahl der Verkehrsunfälle für den Gütegrad einer Verkehrsanlage massgebend ist, sondern weil zu einem gültigen Schlüsse auch die Verkehrsdichte bekannt sein muss. Einige allgemein gültige Folgerungen und Forderungen für künftige städtebauliche und strassenbauliche Verkehrsgestaltung, die sich beim Studium der Ursachen der Verkehrsunfälle aufdrängen, glaube ich, s trotz der Lücken der Unfallstatistik, nicht vorenthalten zu dürfen. Einmal ist festzustellen, dass immer noch über 90% aller Unfälle auf vorschriftswidriges Verhalten der Strassenbenützer zurückzuführen ist. Die Verkehrsdisziplin hat also noch keineswegs den Grad erreicht, den man vor ihr erwarten darf. Wenn in gewissen Grenzen die allgemein einsetzende Verkehrserziehung auch zu spüren ist, so sind Fälle rücksichtsloser Fahrweise auf seiten der Fahrer sowie Fälle von Unachtsamkeit auf seiten der Fussgänger noch zahlreich. Eine nennenswerte Besserung ist,Mer nur zu erzielen durch vermehrte, systematische Verkehrserziehung durch Elternhaus, Schule und Presse. Hand in Hand damit muss die Verkehrsüberwachung in der Durchführung der Verkehrsvorschriften schärfer werden. Die erforderlichen Massnahmen müssen sich weniger auf die Kontrolle der Papiere erstrecken, sondern vielmehr auf das Einhalten der Fahrregeln und das Befolgen der Verkehrsvorschriften durch Fahrzeugführer und Fussgänger. Das Uebertreten der Verkehrsbestimmungen ist durch fühlbare Geldbussen und im Wiederholungsfall durch Entziehen der Fahrbewilligungen zu bestrafen. Wenn derartige Massnahmen auch hart empfunden werden, so darf man vor ihnen nicht zurückschrecken, weil nur durch eine konsequente Schärfe eine verbesserte Verkehrsdisziplin, wie sie im Interesse aller Strassenbenützer liegt, zu erreichen ist. Bei der grossen Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge ist die Anlage und der Zustand der Strassen von hervorragender Bedeutung. Auf gute Uebersicht besonders an Kreuzungen und Krümmungen, auf richtiges Querprofil, auf flache Scheitel und klare Randbeseichnungen muss viel Sorgfalt verwendet werden. Da viele Fussgängerunfälle dadurch entstehen, dass die Fussgänger, die die Strasse überqueren wollen, durch Bäume, Mäste, Plakatsäulen usw. herannahende Fahrzeuge, besonders Fahrräder und Motorräder, nicht rechtteitig sehen, und umgekehrt die Fahrer, die an den Strassenrand tretenden Fussgänger nicht, wäre zu überlegen, ob die Bepflanzung wichtiger Verkehrsstrassen mit Bäumen, nicht grundsätzlich aufgegeben werden sollte. In den Städten muss auch für das Freihalten des für die Verkehrsabwicklung benötigten Geländes vorausschauend gesorgt werden. Durch baugesetzliche Regelung sind weite Baufluchtlinienabstände sicherzustellen. Dann darf der ruhende Kraftfahrzeugverkehr nicht vergessen werden. Dies ist immer noch ein wunder Punkt. Ali Beispielen grossartiger Lösungen dieses Problems fehlt es zwar nicht. Ich habe aber das Gefühl, es müsse durchwegs noch mehr System in die Masse der ruhenden Fahrzeuge gebracht werden. Für parkende Fahrzeuge sind genügend Plätze und Strassen zur Verfügung zu,stellen. Man darf heute nicht mehr zögern, Verkehrsraum, den der fliessende Verkehr nicht braucht, in grosszügiger Weise für die ruhenden Fahrzeuge verfügbar zu machen. Auf keinen Fall darf im Anschluss an das Niederreissen von Häusern, unbekümmert von neuem drauflosgebaut werden, ohne dem Park- und Garagenproblem genügend Rechnung zu tragen. Bei Neuanlagen ist der ruhende Kraftfahrzeugverkehr in gleicher Weise zu berücksichtigen wie der fliessende. Grossen Einfluss auf die Unfallhäufung haben die Strassenkreuzungen. In vielen Städten ereignen sich bis zu 70 Prozent aller Verkehrsunfälle an Strassenkreuzungen. Zur Verhütung von Verkehrsunfällen muss an Strassenkreuzungen mit starkem Verkehr, der Verkehr durch Polizeimänner oder durch Signalapparate geregelt werden. Die Regelung durch den Verkehrsmann ist einer Regelung durch den Signalappart immer vorzuziehen, auch, -wenn der Signalapparat der ungleichen Verkehrsdichte der sich kreuzenden Strassen genügend angepasst werden kann. Zu Zeiten eines intensiven Kreuzungsverkehr muss die Verkehrspolizei die Strassenkreuzung überwachen, warum soll sie dann nicht gerade den Verkehr regeln. Zudem ist es dem Verkehrsmann auch möglich, einen Strassenbenützer, der die Kreuzung vorschriftswidrig befährt, zur Rechenschaft zu ziehen. Durch Brechen der Ecken und Abrunden der Trottoire können die Kreuzungen übersichtlicher gestaltet werden. Bei Neuanlagen in Städten muss daran gedacht -werden, die Zahl der Kreuzungen zu vermindern durch Sammeln des Verkehrs aus mehreren Häuserblöcken zunächst auf Zubringerstrassen. Diese sind dann an wenigen und hierfür geeigneten Stellen in die Hauptverkehrsader einzubinden. Strassen, die steil in Verkehrsadern einmünden, bergen ebenfalls Unfallgefahren. Im allgemeinen können jene Höchstgefälle, die einen ökonomischen Betrieb der Fahrzeuge noch gestatten, auch vom Standpunkt der Verkehrssicherheit aus noch als befriedigend angenommen werden. Das Höchstgefälle für lebhaft befahrene Verkehrsstrassen sollte nicht mehr als 5 % betragen. In unserem hügeligen und bergigen Gelände wird es nicht zu umgehen sein, dass Nebenstrassen ein stärkeres Höchstgefälle aufweisen. Bei Neuanlagen muss aber jedenfals darauf Bedacht genommen werden, auch die Nebenistrasse mit einem Minimum von Gefäll in die Verkehrader einzuführen. In engen Strassen, die nicht verbreitert werden können, was meistens in den Altstadtkasernen der Fall ist, kann die Unfallhäufigkeit dadurch vermindert werden, dass man den Verkehr nur in einer Richtung freigibt, die Strasse also als Einbahnstrasse bezeichnet. Die Einbahnstrasse bietet für den Fussgänger den Vorteil; nur die von einer Seite kommenden Fahrzeuge beachten zu müssen. Als Nachteil der Einbahnstrassen ist die Mehrbelastung der übrigen Verkehrsadern, sowie eine gewisse Beeinträchtigung der Anlieger anzusehen. Da es sich bei der Erklärung von Strassenzügen als Einbahnstrassen nur um Strassen mit wirklichen Verkehrsmisständen handeln kann, werden allfällige Nachteile immer noch leichter zu ertragen sein als Verkehrsübellstände und damit verbundene Verkehrsunsicherheit. Günstig ist die Durchführung von Einbahnstrassen stets, wenn für den entgegengesetzten Verkehr verhältnismässig gleichartige Parallelstrassenzüge in nicht allzu .grosser Entfernung vorhanden sind. Wichtig ist natürlich, dass der Verkehr in beiden Richtungen genügend Raum hat. Die Beteiligung der Fussgänger an den Verkehrsunfällen beträgt immer noch einen bedeutenden Prozentsatz. Der Fussgänger ist gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr, sofern er den gleichen Stassenraum benützen muss, stark im Nachteil. Wenn wir bedenken, dass bei einer Schnelligkeit von 60 Stundenkilometern das Motorfahrzeug 16,6 Meter in der Sekunde zurücklegt, sehen wir ahne weiteres ein, dass der Fussgänger einfach nicht mehr imstande ist, der Schnelligkeit des Motorfahrzeuges seine eigene physisch mögliche Schnelligkeit entgegenzusetzen. Der Fussgänger ist deshalb auf der Strasse in besonderem Masse zu schützen. Dieser Forderung kann genügt werden durch Trottoire und Fussgängerstreifen In Städten und Dörfern sind keine Strassen ohne Trottoire zu dulden. Durch Schaffung von Fussgängerstreifen erhält der Fussgänger zum Ueberqueren der Fahbahn die notwendige Schutzzone. Die Schutzzone ist durch Metallnägel oder durch Farbstreifen deutlich zu markieren. In England ist man dazu übergegangen, in die Fussgängerschutzzone ein farbiges Zickzackband zu legen, damit für den Fahrer die Fussgängerstreifen besser sichtbar werden. Empfehlenswert wäre wohl auch, den über das Strassenniveau erhöhten Trottoirrand in der Breite des Fussgängerstreifens mitzumarkieren, allfällig in genügendem Abstande vor dem Fussgängerfitreifen, durch eine Signaltafel (Fussgänger in weissem Feld mit rotem Rand) auf. die Schutzzone aufmerksam zu machen. Wo Fussgängerstreifen geschaffen worden sind, ist der Fussgänger so zu erziehen; dass er zum Ueberqueren der Fahrbahn die Schutzzone benutzt. Es muss ihm eingeprägt werden, dass das Fahrzeug, wenn er auf dem Fussgängerstreifen die Fahrbahn überquert, auf den Fussgänger Rücksicht zu nehmen hat, wenn er aber an anderer Stelle die Fahrbahn überschreitet, der Fussgänger auf das Fahrzeug achten und ihm den Vortritt lassen muss. Benimmt sich der Fussgänger vorschriftswidrig, dann sollte er gleich wie der Fahrzeuglenker, der gegen die Verkehrsvorschriften handelt, bestraft werden können. Kantonale und kommunale Gesetzgebung wird in dieser Beziehung das Bundesgesetz über Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr ergänzen müssen. Durch das Herausnehmen des Fahrradverkehrs auf besondere Radfahrstreifen könnten die Unfälle auf der Strasse noch bedeutend herabgesetzt werden. Holland hat das vorhildlich durchgeführt. Die Beteiligung der Radfahrer an den Verkehrsunfällen geht bis zu 30 Prozent. Zu manchen Tagesstunden ist der Fahrradverkehr der bei weitem stärkste im Strassenbild, nicht nur im Vergleich zum Fussgängerverkehr. Wenn in einer Strasse zu bestimmten Zeiten fast ebensoviela Radfahrer verkehren wie Fuss- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Motorfahrzeugstatistik. Querschnitt. Ein neuer Prüfungsbericht. Fiat-Grossflugzeug. Eine transkontinentale Autostrasse. Pfingstbeilage. ganger, so haben diese Radfahrer ebensogut, wie die Fussgänger einen öffentlichen Anspruch* auf einen eigenen Weg. Im Interesse der Verkehrssicherheit imiss es soweit kommen, dass man sich von einer städtischen Strasse den Radfahrweg sowenig wegdenken kann wie das Trottoir. Unter die Verkehrseinrichtungen, die den Verkehr bedeutend verbessern, möchte ich besonders die Verkehrspiosten rechnen. Erforderlich ist, dass der Verkehrspfösten, errichtet zur Teilung des Verkehrs bei Strasseneinmündungen, tagsüber durch Färbung, am wirksamsten ist schwarz auf gelb, nachts durch direkte oder indirekte Beleuchtung auffallend sichtbar gemacht wird. Der Sockel des Pfostens sollte durch Buntanstrich ebenfalls auffällig gemacht werden. Der Verkehrspfosten ist rechts zu umfahren. Das zu vielen Unfällen führende Kurvenschneiden ist damit verunmöglicht. Ein weiteres wirksames Mittel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, ist die Trennung der Fahrbahnen durch gelbe Farbstriche, besonders in den Kurven. Eine wichtige Rolle für die 'Unfallverhütung spielt die Beschaffenheit der Strasse. Der heutige Schnellverkehr und der sthwere Lastverkehr braucht unbedingt befestigte Strassen. Die unbefestigte Strasse ist unfällreif, wenn sie dem Motorfahrzeug dienen muss. Dass auch die Art des Unterbaues und ebenso die Art des Oberbaues unfällvermehrend oder unfallvermindernd wirken kann, ist Ihnen als Strassenfachmänner ge^ läufig. Die Unfallstatistik für die Stadt Luzern ergibt u. a. 58 Unfälle auf Stampfasphalt, 29 auf bituminösem Belag, 21 auf Makadambelag, 6 auf Kleinsteinpflästerung, 1 auf Betonbelag. Um hier schlüssig urteilen zu können, müsste man neben der Verkehrsdichte auf der betreffenden Strassendecke auch die Ausdehnung im Verkehrsraum kennen. Allgemein wird man sagen dürfen, dass der Stampfasphalt am meisten Urifallgefähr in sich birgt. In unserer Gegend ist natürlich auch daran zu denken, dass an über 150 Tagen während des Jahres die Strassendecke feucht und damit die Gefahr des Gleitens vermehrt ist. Auf das Rauhalten dsr Strassendecken ist grosser Wert zu legen. Zu Unfällen führt auch die schlechte Beschaffenheit der Strassen. Durch grosse Belastung schnellfahrender Wagen entstehen Schlaglöcher und abgefahrene Stellen anderer Art, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Strasse ist Trägerin des Verkehrs. Auf ihr wickelt sich das Verkehrsleben ab. Lage und Ausbildung der Strassen, Gefälle, Querschnitt und Kreuzungen bestimmen eigentlich den Grad der Verkehrssicherheit. Den polizeilichen Hilfsmitteln zur Verkehrsregelung sind enge Grenzen gezogen. Nur Strassenbau, Städtebau und Verkehrstechnik können durchgreifend Abhilfe schaffen. Die Polizei weiss, dass sie eine besonders schwere Verantwortung trägt und verpflichtet ist, von sich aus alles Erdenkliche zu tun, um mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln helfend und fördernd einzugreifen. Die Aufgabe der Strassenfachleute aber besteht darin, die Strassen verkehrsreicher anzulegen, auszubauen und zu unterhalten, damit helfen sie in stärkstem Masse mit, die Verkehrsunfälle zu vermindern. Die bewusste Bekämpfung der Verkehrsunfälle auf der Strasse ist bei der weittragenden Bedeutung der Strassen zu Stadt und Land für den gesamten Verkehr geradezu eine Frage der Volkswohlfahrt. Aus technischen Gründen beginnt in dieser Nummer das Feuilleton auf Seite 2.