Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.095

E_1935_Zeitung_Nr.095

BERN, Dienstag, 26. November 1935 Nummer 20 Rp. 31.Jahrgang - N° 95 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlieb Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnfalJversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherungi vierteljährlich Fr. 7.50 10— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Antler-Felerahend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse. Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS -PREIS: Die achtgespaltenc 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratemchluss 4 Tane vor Erscheinen der Kammern Was unsere £ese* schleißen: Siweass«B»nv4evl4C«!»lva> Wir berichten heute Steuern und cKaßp4licfttae>isichewaQ&: SSIMAA Je näher der 1. Januar rückt, desto grösser wird der Unwille gegenüber den fiskalen und versicherungstechnischen Belastungen der Motorfahrzeuge. Zahlreich sind die Kundgebungen, die nach einer Neuordnung verlangen. Nachstehend sind einige grundsätzliche Gesichtspunkte angeführt, in der Absicht, damit eine Grundlage zur Aussprache in einer neuen Richtung zu schaffen. Der Reisende, der Gewerbetreibende, alle Geschäfte, die für ihren Kundendienst auf das Automobil angewiesen sind, fragen 1 sich mit banger Sorge, woher sie all das Geld nehmen sollen, das sie zu erlegen haben, bevor ihnen die Erlaubnis erteilt wird, ihren Wagen am 2. Januar auf die Strasse zu stellen. Im allgemeinen ist es zunächst die Höhe der Steueransätze und der Haftpflichtversicherungsprämien, die berechtigten Unwillen erregt. Sie liegen an der Grenze des Tragbaren. Der Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt, dass die Grenze, die eine gesunde Weiterentwicklung des Automobilismus ermöglicht, überschritten ist r Die Belastungen des Automobiles lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen: 1. Gruppe: Steuern. 2. Gruppe: Haftpflichtversicherungs - Prämien. "V 3. Gruppe: Zoll auf Betriebsmittel* N Der vorliegende Artikel befasst sich nur mit den beiden ersten Gruppen. /. Gruppe: Steuern. Die Steuerbeträge sind hoch. Die Verteilung und Berechnung ist ungerecht und entbehrt jeder logischen Grundlage. Es werden in der letzten Zeit Stimmen laut, die die grössten Auswüchse und Ungerechtigkeiten aus der Berechnung nach « Steuerpferden» mildern wollen. Auf den Grund der Sache gehen nur wenige Vorschläge. Die meisten wären höchstens zu verwenden als beliebte Uebergangsbestimmungen und Zwischenlösungen. Meines Erachtens kann sich, bei der Schaffung einer Automobilsteuer, die Berechnungsmethode auf folgende Grundlagen stützen: A. Besitz (Wagenwert). B. Mass der Benützung der Verkehrswege und der staatlichen Organisationen. Diese beiden Möglichkeiten sind nachstehend besprochen. Di%heutigen Systeme, insbesondere das in der Schweiz übliche, sind etwas näher beleuchtet und mache ich einen Vorschlag zur gerechteren Lastenverteilung. A. Steuerberechnung nach dem Wagenwert: a) Eigentliche Wertsteuer: Der Steuerbetrag wird nach dem Wagenpreis berechnet. Amerika hat diesen Weg beschriften und berücksichtigt zugleich die Alteruflg des Wagens. Jedes Jahr wird eine Wertverminderung in Rechnung gestellt. b) Willkürliche Erfassung des Wagenwertes durch eine empirische Skala: Dies war seinerzeit in allen europäischen Staaten die Methode zur Berechnung, bei uns ist sie,heute noch Uebung. Die Skala der « Steuerpferde » ergab sich wie folgt. Der grosse Wagen war in den Anfängen des Automobilismus teurer als der kleine, er hatte damals sicher auch einen grösseren Motor. Das Halten eines Wagens war ein Luxus. Folgerung: der Kerl mit dem grossen Wagen bezahlt mehr als der mit dem kleinen. Damals, wie heute, misst man Hub und Bohrung, quadriert einen Faktor, multipliziert das Ergebnis mit einer Konstanten 1 und nennt das Ganze- «Pferdestärken Mit Mechanik hat das Ergebnis nichts zu tun, aber es tönt besser. Bei der Aufstellung dieser Skala wurde die Alterung des Fahrzeuges vergessen oder absichtlich übersehen, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die damals allgemein angenommene Luxushaltung. Der Altwagenmarkt gibt heute die Antwort auf diese überholte Auffassung. Die pfiffige Privatindustrie machte sich am ersten Tage an die Arbeit, dieses willkürliche Gesetz in seinen Auswirkungen etwas zu mildern. Die Automobilverbände, insbesondere deren Sportausschüsse, halfen jahrelang mit durch Begrenzung der Zylinderinhalte in den internationalen Rennformeln. Der Erfolg war die zuverlässige, leistungsfähige kleine Maschine. Auf der anderen Seite verbilligte Rationalisierung und Umsatzziffern, namentlich in den U. S. A., wo ganz andere Steuergrundsätze massgebend waren, die Anschaffungskosten des grösseren Wagens. Heute sind wir soweit: ein zuverlässiger Kleinwagen von 1,2 bis 2 Liter kostet gleichviel wie ein Wagen von 3—4 Litern. Dies selbstverständlich bei Neuanschaffung, bei Altwagen wissen wir alle, wie der Markt heute ist. Der Verkaufswert beträgt eine Jahressteuer mal einen Faktor, der vom Kleinwagen zum grossen von 5 auf 0,5 fällt. (Fortsetzung Seite 2.) Kampf den vereisten Strassen. Es ist wohl klar, dass von Seiten der kantonalen Strassenverwaltungen nicht dafür gesorgt werden kann, dass man überhaupt ohne vereiste Strassen auskommt, da die Vereisungen meist sehr rasch, in wenigen Stunden, je i nach den klimatischen Verhältnissen eintre- ' ten können und allgemeine Gegenmassnahmen einen viel zu hohen Aufwand an Arbeitern und Geld erfordern würde. Man weiss auch, dass verschiedene Kantone dieser grossen Verkehrsgefahr bereits grösste Aufmerksamkeit schenken und jeweils entsprechende Anordnungen treffen, wobei allerdings solchen oft zu spät von unterstellten Organen Folge geleistet wird. Nun bestehen aber auf den verschiedenen grossen Durchgangsstrassen, die vornehmlich auch für den internationalen Winterverkehr in Betracht kommen, gewisse Unfallstellen, die bei Vereisung den mit den Verhältnissen vertrauten Strassenfachleuten und Fahrern sehr wohl bekannt sind, nicht aber den ortsfremden Fahrzeuglenkern, welch letztere dann meist die «Leidtragenden » sind. Wir erinnern diesbezüglich nur an die gefährliche Waldkurve bei Tageiswangen an der Route Zürich-Winterthur, an die bei .Vereisung gefürchteten Passagen an, der Strasse Zürich-Baden zwischen Dietikon -und Baden.usw. Es gibt solche bei Vereisung besonders gefährliche Stellen an den meisten Durchgangästrassen und es ist eine bekannte Tatsache, dass jeden Winter zahlreiche Autos in diese « Fallen » geraten, d.h. Unfall erleiden. Man konnte so bei Tagelswangen oft bis zu 6 und 7 havarierte Wagen zählen und es ist eigentlich ein Wunder, dass sich hiebei nicht schwerere Personenverletzungen ergaben. Diesen besonders gefährlichen Stellen an Durchgangsstrassen sollten die kantonalen Bauverwaltungen vermehrtere Aufmerksamkeit schenken, d. h. bei eintretender Vereisungsgefahr rechtzeitig die nötigen Gegenmassnahmen treffen. Dazu käme noch, dass in genügendem Abstand vorher Warnungstafeln angebracht werden sollten, damit die Fahrzeuglenker noch imstande sind, ihr Tempo dieser besonderen Fahrbahnbeschaffenheit anzupassen. Mit wenig Geld sollte es möglich sein, diese besonderen Gefahrennester zu vermindern und zahlreiche Strassenbenützer vor grosser Unfallgefahr zu behüten. V über: Zu hoher Brennstoffverbrauch der modernen Rennwagen ? Automobilist und eidgen. Finanzprogramm. dandriastrasse. Tram- und Strassenverkehr. Der Bristol-Motor. Vom Luftverkehr über den Nordatlantik. Bilder: Seite 8. Die Bündner fordern die Offenhaltung von Strassen. Unlängst ist von der Ortsgruppe Davos des A.C.S., dem Hotelier-Verein Davos und weitern Verkehrsinteressenteh eine Versammlung einberufen worden* in welcher die Frage der Offehältung der Prättigaüerstrasse Landquart-Davos für den Winter- Automobilverkehr zur Diskussion stand. Nach einem orientierenden Referat wurde zu Händen der Gemeindebehörde von Davos und der Davoser Grossratsvertretung folgende Resolution angenommen : 1. Die Versammlung hat mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, dass die kantonale Regierung, entgegen seinerzeitigen Versprechungen, nicht gewillt ist, für die Offenhaltung der Prätügauerstrasse Landquart-Davos für den Automobilverkehr im Winter 1935/36 die notwendigen und sogar vorhandenen technischen Mittel zur Verfügung zu stellen. 2. Die Versammlung richtet an die Davoser Gemeindebehörden und Grossratsabgeordneten den dringenden Appell, sie möchten ihrerseits mit allen Mitteln bei den kantonalen Instanzen dahin wirken, dass die Offenhaltung der Prättigauerstrasse für den kommenden Winter 1935/36 technisch einwandfrei sichergestellt werde. 3. Unter Bezugnahme auf den konkreten Fall der Prätögauerstrasse ist die Versammlung fest entschlossen, die immer wieder vorkommende Hintansetzung der Davoser Interessen durch die kantonale Regierung sich künftighin weder bei der Aufstellung noch Verwirklichung des kantonalen Strassenbauprogramms, noch bei andern Projekten auf keinen Fall mehr gefallen zu lassen, und sie behält sich alle weitern, wirksam durchgreifenden Massnahmen Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (12. Fortsetzung) Auf dem breiten, rohgeglätteten Ladentisch liegt, den Körper im Krampf zusammengezogen, Chango, der arme Affee, der Cachassa trank. Wo ist Pedro? Sonnenstrahlen spielen gleich goldenen Fingern um die Flaschenpyramiden. An Tischen, in den Hängematten sitzen die Mädchen und betrachten uns scheu. Jose, der Gummisucher, lehnt an der Bar und zwinkert mit trunkenen Augen. Es ist still im Grand Hotel Dom Pedro. Spannung liegt in der Luft, glitzert in den schwarzen Pupillen der Mädchen, die uns so seltsam anschauen. Es scheint, als ob sie etwas fragen wollen und sich nicht getrauen. Oft huschen ihre Blicke sklavisch zu Urubu hin, der hinter dem Schanktisch steht und sich wiederhoh vor uns verbeugt. Sara hat einen Fieberanfall, wälzt sich mit eng an den Leib gezogenen Gliedern auf einer Matte in der Ecke. « He, Urubu !» ruft Bastiano, und dann ist's wieder ruhig, man hört Saras Zähne aufeinanderklirren. «He, Urubu, willst du uns Piranhapulver verkaufen ? » Der Geier betrachtet den Urwaldhändler, der sich drohend vor ihm aufpflanzte. Jose rülpst einige Male und stiert wieder vor sich hin. Ausdruckslos ist Urubus Maske, als er antwortet: «Piranhapulver ? Du weisst, dass ich keines führe, Bastiano. Das ist dein Artikel, obwohl du gerne sagst, ich drängte dich aus dem Geschäft. Der Dom Pedro ist kein Laden. Ich halte nur Getränke ! » Geschmeidig wendet er sich an mich : «Ein Drink gefällig, Senhor ? Empfehle Ihnen den Cocktail del Sertao ! » Höhnisch lacht jemand: «Cachassa mit Piranhapulver, haha. Was für ein Cocktail ist das, Urubu, Amigo mio ? » Der Wirt zuckt die Achseln : «Senhores, das Fieber fuhr in euch. Denn ihr redet irr ! Aber...» seine Lippen öffnen sich, und der Geier lächelt : «ich weiss ein Mittel dagegen. Hier sind zwei Flaschen echter Gringowhisky. Jonny Walker! Trinkt, Senhores, auf Kosten des Hauses ! » Geschäftig öffnet er die Flaschen, füllt Gläser. Einige der Männer schmunzeln vergnügt. Urubu fühlt sofort, dass er verlorenen Boden zurückgewinnt, und erhebt sein Glas. « Salud, Senhores. Euer Wohl! Trinkt auf Kosten des Hauses !» Behaglich grunzend schütten verschiedene das Getränk hinab, und freundliche Blicke ruhen wieder auf Urubu. Nur Bastiano und Benito schauen ihn noch mit verbissener Wut an. Henderson gähnt, sinkt in den nächsten Stuhl. Ein Augenblitz des Wirts, und Carmella tänzelt heran, legt den braunen Arm um die Schulter des Amerikaners. Ihr Lachen klingt blechern. Fernanda kniet jetzt bei der stöhnenden Fieberkranken, über der ein ewiges Lämpchen an der Wand glüht «Musik, Muchachas. Und hier auf das Wohl des Hauses!» drängt Urubu. Bitter knurrt Benito: «Der Diablo soll dein Haus holen. Was ich trinke, das zahle ich!» Juanita schmiegt sich an ihn, flüstert etwas in sein Ohr, und beide gehen langsam zur Hängematte, wo sie sich niederlassen. Chica zieht das Grammophon auf, kramt in den Platten herum. Da richtet sich Jose empor, taumelt hin und her, packt plötzlich den Wirt an beiden Schultern und schüttelt ihn. Lallend kommen die Worte: «Ich bin der Jose. Pablo holte das Fieber. Dort hinten in den Caripunhassümpfen. Und der da ist Pedro. He, Pedro!» Seine glasigen Augen wandern suchend umher. Das Mädchen Chica zuckt zusammen, auf einen Blick Urubus aber reisst sie sich hoch, fängt an zu kichern: «Pedro? Ai Madonna, welch spassiger Bursche! Pedro brachte doch die Nacht bei mir zu und fuhr heute in aller Frühe fort.» Wiedej kichert sie, und in merkwürdigem Kontrast zu ihrer Fröhlichkeit steht das angsterfüllte Gesicht der braunen Schönen. Jose schaut sich hilflos um. «Im Nebel ?» Eifrig antwortet Urubu: «Ja, Senhor, im Nebel. Ist er doch ein furchtloser Gummijäger und Sie ja auch. Nicht wahr, Jose?» Der Trunkene lässt den Geier los, grinst geschmeichelt: «Ja,.ja!» Wieder überzieht Misstrauen und Verblüffung sein Gesicht, und mühsam tolpern die Worte : «Fort ist er ? Senhores, das stimmt nicht. Drei Jahre waren wir zusammen! Der Pedro, der Pablo und ich. Santa Maria! er sah nicht schön aus, als wir ihn im Sumpfe versinken Hessen. Und nun ist der Pedro fort?» Auf ein Nicken Urubus ertönt Chicas unnatürliches, grelles Kichern: «0 Muchacho! Ist er doch stromab in den San