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E_1935_Zeitung_Nr.096

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BERN, Freitag, 29. November 1935 Winter-Nummer Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 96 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. ünfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabt- C (mit Insassenversicherung} vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Antler-Felcrahend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse. Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtariJ. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Sxhfteewütts mit dem Automo&M Längst ist der Winter mit Schnee und Eis dem Automobilisten kein Hindernis mehr, viel weniger Hindernis als der hohe Benzinpreis. Denn wenn gerade diesen Winter vielleicht eine erkleckliche Anzahl von Wagen zu einem recht unfreiwilligen Winterschlaf verurteilt werden, dann ist diese Tat sicherlich nicht als Misstrauensvotum gegenüber dem Schnee zu werten, sondern mehr als Protest gegenüber einem zu wenig einsichtigen Fiskus. Der Wintersportmann freilich, der es gewohnt ist, seine winterlichen Fahrten nicht nur von Stadt zu Stadt, sondern vielmehr noch in die Berge auszudehnen, der wird seinen Wagen, wenn immer es angängig ist, auch über die kalte Jahreszeit nicht pausieren lassen. Denn was für ein willkommener und bequemer Gefährte ist. doch das Automobil, das die Platz- und Gepäckfrage auf eine radikale Weise löst, und die Skihungrigen bis an die gelobten weissen Hänge führt! Denn die Einsicht, dass die Strassen auch in unsern Alpen nach Möglichkeit offengehalten werden müssen, hat sich längst Bahn gebrochen und jedes Jahr wächst die Zahl der Strassenzüge, über die der Wagenlenker sein flinkes Vehikel inmitten gewaltiger . Schneemauern sicher zum Ziele führen kann. Dem Automobil der Gegenwart darf man sich ruhig anvertrauen, es ist auch für den Winter gerüstet, wenn der Fahrer die Fahrtechnik in Schnee und Eis beherrscht. Was müssen Sie als Winterautomobilist wissen ? In erster Linie einmal einige Dinge über die Sohneebeschaffenheit, wobei sie sich den Grundsatz merken können, dass nicht die gleichen Schneearten für den Skilauf und die Autofahrt gleich günstig sind. Am angenhmsten ist der gute, hartgepresste oder zusammengefahrene Schnee, auf ihm lassen sich ordentliche Durchschnittsgeschwindigkeiten herausholen, die sich nicht einmal wesentlich von denen des Sommers zu unterscheiden brauchen. Liegt aber loser Neuschnee, oder ist die Schnnebeschaffenheit weich, nass, oder finden sich gar Vereisungen vor, dann ist grösste Vorsicht am Platze. So können oft genug Tempoverminderungen bis gegen 15 km notwendig sein, wenn man nicht die elementarsten Regeln der Sicherheit ausser acht lassen will. Bis vor kurzem war die Schneekette (aus Stahl oder aus Gummi) das allgemein übliche im Winter, sie schien unentbehrlich. Seit einem Jahr macht ihr der Schneepneu (oft ist Quarz dem Gummi untermischt) den Rang streitig. Ich habe während des letzten Winters bei misslichen Schneeverhältnissen und hochverschneiten Strassen mit dem Schnnepneu gute Erfahrungen gemacht. Dennoch führe ich ausserdem immer noch ein Schneekettenpaar in Reserve mit, wie auch ein Zugseil und eine Schneeschaufel (Lawinenschaufel) zu den ständigen Requisiten gehören, die sich in meinem Wagen befinden. Tückisch kann im Winter die Windschützscheibe werden. Solange sie nur von- innen anläuft, mag es ja noch angehen, setzen sich aber einmal auf der Aussensteite Eisblumen an, dann wird die Sachlage für den Lenker kritisch. Viele Mittel zur Präparierung der Windschutzscheiben sind schon auf den Markt gekommen, viele sind wieder verschwunden, nur wenige erreichen das Resultat der geheizten Wärmescheibe, die das Problem auf eine erstaunlich einfache Art löst. Gegen den Nebel freilich ist nicht viel Kraut gewachsen. Wer ihm schon auf einer verschneiten Strasse begegnet ist, bis er Strasse und Gelände fast nicht mehr zu unterscheiden wusste, der weiss ein Liedlein davon zu singen. In der Nacht tut eine Nebellampe wertvolle Dienste. Um uns kurz über das Fahren im Winter zu fassen,. so möchten wir aus dem Gesagten zwei wesentliche Dinge herauskristallisieren : Vorsicht und gute Ausrüstung. Neben der Ausrüstung des Wagens stellt sich beim Automobilisten, der zum Skilauf in die Berge zieht, vor allem die Frage : wie bringe ich Gepäck und Skier unter. Nun für das Gepäck muss das Auto selbst eingerichtet sein i zureichende Gepäckräume sind auf Bahn frei! Saurer-Schneeschleuder auf der Julierstrasse in 2200 m Höhe. Wir berichten heute Ober: Neuerungen im Winterbetrieb der Schweiz. Alpenposten. Querschnitt. Die Toten der Saison. Gejtrtäi^:ir k Autokontrollschilder. Luftfahrt im Spiel. Autobetrieb im Winter. jeden Fall nicht zu verachten. Im übrigen können natürlich auch die Trittbretter zum Festschnallen von Koffern dienen, oder ein Gepäckträger, oder gar — für die Rucksäcke — die Kotflügel. Für die Skier hat man verschiedene Lösungen gefunden. Bei der Limousine wird sich am allerbesten das Dach zum Unterbringen der Bretter eignen. Es gibt da verschiedene geniale Lösungen für solche Halter, die man in jedem Spezialgeschäft findet Beim Cabriolet lässt sich diese Methode nicht anwenden. Hier wird man sich entschliessen müssen, hinten am Wagen zwischen Koffern und Reserverädern eine Vorrichtung konstruieren zu lassen, die ein Aufrechtstellen der Skier gestattet. Auch die Kotflügel können benutzt werden, wobei zu beachten ist, dass die Skispitzen nicht ungeschützt nach vorne, oder gar über die Karrosserie hinausragen. Eine Konstruktion ist auf dem Markte zu finden, die das Anbringen (Anschrauben) eines Gestells auf dem Trittbrett erlaubt, auf dem sich etwa 3—4 Paar Skier unterbringen lassen. Das Gestell ist ausserdem stets sehr leicht zu entfernen und wieder zu montieren. Mit etwas Routine lassen sich auf jeden Fall bei jedem Wagen die entsprechenden Lösungen finden, die ein Placieren von den Ausrüstungsgegenständen aller Mitfahrenden gestatten. So ausgerüstet ist man nun zur Winterfahrt bereit. Die oft schmalen Bergstrassen aber bringen den einsichtigen Fahrer zur Selbstverständlichkeit der gegenseitigen Rücksichtnahme und noch zu mehr, zur Hilfsbereitschaft. Vielmehr.als im Sommer wird man Katneraden der Landstrasse treffen, die etwa F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Unvalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (13. Fortsetzung) Eilig ruft Chica : « Ja, und ich musste die beiden allein lassen. Juanita lauschte, ich denke, sie hörte, was dann weiter geschah. Ich ging schlafen, und am andern Morgen war Pedro fort, wie ihr alle wisst, Senhores. Heilige Schmerzensmutter ! » Sie bricht ab. Urubu stiert uns der Reihe nach an. Hohn, Angst, Trotz und Schadenfreude, alles spiegelt sich auf seinem Gesichte wider und macht endlich einer ungeheuren Furcht Platz, als Bastiano fragt : « Und Juanita, Urubu ? » Der Wirt leckt seine trockenen Lippen, und die Augen blicken in die Ecke, als er hervorstösst : « Sie wurde krank, über Nacht. Das kommt oft vor, wie ihr alle genau wisst. Und da der schwarze Juan da war, bat ich ihn, sie zur Plantage hinabzunehmen, weil das Dampfboot nächste Woche zum Madeira fährt.» Wild blickt er sich um, als Fernanda keift: « Der schwarze Juan war gar nicht hier. Juanita ist... ist...», sie schweigt, schluchzt zukkend. Der Richter greift in die Tasche seiner-Khakijacke, zieht eine gelbliche Frauenhand heraus, an deren Mittelfinger ein blutroter Glas- «tein glüht, und legt sie auf die Ear. « Wir haben den Jacare asu nach Juanita gefragt. Erinnerst du dich, Urubu, was ich neulich prophezeite? » Ein schriller Schrei aus weiblichen Kehlen, dumpfes Knurren von Seiten der Männer. Knirschend beisst Benito die Zähne aufeinander. Unerbittlich fragt der Richter: «Urubu, was hast du zu entgegnen? » Der Geierkopf zuckt hin und her, die Augen blitzen in tödlichem Hass, und die fest zusammengepressten Lippen bilden eine grausame Linie. Urubu antwortet nicht mehr! Und plötzlich reisst er sich los, macht einen Satz. Benito, der ihn lauernd beobachtet, springt nach, erfasst ihn, und hart stürzen beide auf den wippenden Bambusfussboden. Wie die Meute über das Jagdtier, so fallen die andern Männer brüllend und schimpfend über die beiden ineinander Verbissenen her. Ein toller Kampf beginnt, an dem fast alle teilnehmen, selbst die -Mädchen, die sich in wütende Furien mit flatternden Haaren und gezückten Fingernägeln verwandeln. Aber der Hauptkampf wird zwischen Benito und Urubu ausgefochten. Ausser einem gelegentlichen Hieb oder Fusstritt können die andern, sich selbst im Wege, nichts anbringen. Gleich Wildkatzen rasen und kugeln die beiden durch den Raum. Henderson hat sich neben mich auf die Bar geschwungen. Da sitzen wir und verfolgen die Balgerei, sehen gar nicht, dass zwischen uns die schmale Hand mit dem Rubinring liegt. Stühle und Tische kollern umher, Männer, die dämonisch lachen und fauchen, taumeln gegen ächzende Bambuswände. Glasscherben knirschen, vergossener Schnaps stinkt, und hin und her wirbeln die beiden Todfeinde. Angstvoll kreischend klettert Chica in die schwankende Hängematte, starrt von dort mit weit aufgerissenen Augen hinab. Die körperliche und geistige Ueberlegenheit des Urwaldhändlers verschafft sich endlich Geltung. Mehr und mehr Männer ruft seine tiefe Stimme aus dem Handgemenge zurück, und die beiden Matadore sind schliesslich allein. Ununterbrochen kämpfen sie! Benito ist zweifellos der Stärkere, aber der Aasgeier verteidigt sich mit der wilden Wut der Verzweiflung. Einige Male versucht er, Benitos Augen auszudrücken. Dieser packt die ihn bedrohenden Daumen, reisst sie von seinem- Gesicht weg, presst sie nach hinten, bis es ein zweimaliges Knacken gibt. Aufheulend löst Urubu-seinen Griff, wälzt sich stöhnend in den Glassplittern. Benito taumelt hoch, beugt sich keuchend vor, um den Geier von neuem zu packen. Da springt Urubu unvermutet empor, rennt Benito über den Haufen, durchbricht den Ring gaffender Männer und gewinnt die Tür. Und dann höre ich ein lautes Klatschen und Plätschern, rase mit den andern auf die Veranda. Benito will gerade über die Brüstung setzen, aber der Sertaotrader hält ihn fest, winkt denen, die in die. Curiarias stürzen wollen lebhaft ab. Alle sind wir auf der Plattform, hüpfen trunken kreischend von einem Bein aufs andere und lachen wie die Hölle selbst. Dreimal taucht Urubus verzerrte Geierfratze aus dem gelben Wasser, er peitscht mit den Armen umher und gurgelt erstickend um Hilfe. «Caramba ! das Schwein kann nicht schwimmen ! » gellt eine Stimme. Dreimal taucht Urubu auf, dreimal sinkt er hinab, und grosse Kreise zittern auf den undurchsichtigen Fluten. Wieder kommt er hoch, schrecklich verzerrt ist sein Mund, und ein Schrei entfährt ihm, der mich wie ein Schlag trifft und sofort ernüchtert. Starr, gleich einer Statue, stehe ich und kann mich nicht rühren. Urubus Finger zucken Halt suchend in der Luft umher. Und ich sehe schmale, heringsgrosse, silbernglänzende Fische daran hängen. Mit einem furchtbaren Schrei versinkt Urubu. Lakonisch sagt Bastiano, sich bekreuzigend: « Piranhas! » Ja, der Mann, der da unten im Strome liegt, wird, ehe er wirklich ertrinken kann, von den Horden dieser entsetzlichen Fische lebendig in Stücke zersägt. Noch einmal kommt er empor, bis über die Schultern schnellt er aus dem Wasser. Ueberall baumeln die glänzenden Fische an ihm. # Nun versinkt er, die unruhigen Kreise der gelben Fläche glätten sich. Draussen in seinem Bett rauscht der Strom. Ganz langsam gehen wir in das Haus, haben Angst, uns gegenseitig in die Augen zu schauen. Henderson und ich setzen uns in die