Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.005

E_1936_Zeitung_Nr.005

BERN, Freitag, 17. Janaar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N° 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITU. Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsintetessen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung)" halbjährlich Fr» 5.—, jahrlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr.7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Können wir Erwachsene sie davor schützen? II. Keck — kühn — frech. Der Mut hat noch immer unsere Jugend begeistert. Das « Heldische » in ihr lässt sie aber die drei Begriffe keck - kühn - frech nur zu leicht verwechseln. Dann versucht die jugendliche Behendigkeit und Gewandtheit auf der Strasse manches, was wir nie verstehen können. Denn es resultieren aus solchem Benehmen folgende Unfälle: Fall 5: Eine Schülerin fuhr mit ihrem Rade nnbedachtsam eilig auf einer abfallenden Strasse in den Verkehr einer belebten Querroute hinein. Knapp vor der Kreuzung wurde sie zweier sich folgender Personenwagen ansichtig. Schon war der erste vorbeigeflitzt. Kühn im Entschluss, versuchte die Fahrerin zwischen den Fahrzeugen hindurchzukommen. Sie erreichte aber den Kreuzungspunkt einen Bruchteil einer Sekunde nach dem zweiten Wagen, prallte mit dem Rad an diesen und durchschlug mit dem Kopf ein Wagenfenster, das ihr... und Fall 6: Fritz T. und sein Kamerad hängten sich hinten an die Brücke eines hochbeladenen LastwagenSj als dieser langsam eine steile Strasse hinauffuhr. -Nachdem oben der Wagen dann sein Tempo wieder gesteigert hatte, Hess T. in dem Momente seine Griffe fahren, als der volle Wägen ruckweise nach rechts gegen den Strassenrand einschwenkte, uii) einem entgegenkommenden Automobil Platz zu machen. Der Knabe wurde auf die Strasse geschleudert und gleich hernach vom entgegenkommenden Fahrzeug überrannt.... Es gäbe hier eine ellenlange Liste von jugendlichen Akrobaten, Durchschlüpfern, blinden Passagieren aller Art und weiteren «Wagemutigen», die ihre vermeintliche Kühnheit mit Krankenlager oder Tod reichlich hoch begleichen mussten. Jeder von uns hat schon Dutzende solcher Sünder wahrgenommen. Zu diesen gehören überdies auch alle jene, die mit fehlerhaften und ungenügend ausgerüsteten Fahrzeugen (Velos ohne Bremse oder Licht) unsere Strassen bevölkern. Die Verkehrspolizei müsste vervielfacht werden, wenn sie hier überall rechtzeitig einschreiten sollte. Das wird nicht möglich sein. Aber es läge in der Grenze des Erreichbaren, dass wir erwachsene Strassenbenützer, jeder an seinem Platz, solche «Heldentaten am jungen Menschenleben» unterbinden würden. Ein Wort des Abmahnens, eine unwillige Geste, ein warnender Zuruf, wiederholt vom Nächsten, der den gleichen Unfug wahrnimmt, würde selbst die «Wägsten» stutzig machen. Gerade deswegen, weil er merkt, dass überall wachsame Augen ihn beobachten, werden ihn die unliebsamen Erfahrungen der allgemeinen Verfehmung von solchem Tun abschrecken. Hch. Pfenninger, Lehrer* Wer aber seinem eigenen Kinde erlaubt, auf einem mangelhaften Fahrzeug unsere Strassen zu befahren, gehört jedenfalls nicht zu jenen Eltern, die sich der Verantwortung gegenüber ihren Kindern genügend bewusst sind. Kinder sind fast alle äusserst beweglich. Aeusserlich und innerlich! Sie sollen ja auch von frischer Lebendigkeit erfüllt sein. Ihre Aufnahmebereitschaft ist stets wach und das Interesse jederzeit bereit, Neues, Schönes, Merkwürdiges mit irgendeinem der Sinne aufzufangen. Aber — und nun kommen wir zu einem der wichtigsten Unfallkapitel — der junge Weichenwärter schaltet oft seine-Aufmerksamkeit dermassen plötzlich und ausschliesslich um, dass er darob in ernste Lebensgefahr geraten kann! Fall 7: Ein kaum schulpflichtiges Mädchen hielt, auf dem Trottoir gehend, einen bunten Warehausballon an der. Schnur in. der Hand. Durch Zufall entglitt die rote Kugel der Besitzerin. Ein Windstöss trieb den Ballon gegen die Strassenmitte. Das Kind verfolgte hierauf sofort den Ballon und achtete deswegen nicht, dass es quer in die Fahrbahn eines daherkommenden Fuhrwerks lief.... Zerlegt sieht dieser Unfall so aus: Das Kind wusste, dass sein Platz auf dem seitlichen Gehstreifen sei. Es hat ihn auch aufmerksam begangen. Das unvermutete Erlebnis mit dem Ballon veranlasste das Kind aber plötzlich, seine ganze Aufmerksamkeit auf diesen umzuschalten und alle Umweif war ihm von diesem Momente an Luft, bis das Unglück dann gewaltsam die verstellte Weiche aufschnitt. Wenn Erwachsene mit Kindern über Feld gehen oder auch wenn sie mit ihnen einen Gang durch die Stadt machen, sollten sie sich einmal eine Stunde lang die Mühe geben, zu beobachten, was alles imstande ist, das Kind für den Strassenverkehr unachtsam zu machen. Man darf dann ganz wohl an frischerlebten Beispielen Belehrung anknüpfen und aufmerksam machen, dass wir Grossen .zwar auch allerlei entdecken und ebenfalls' den Strassenverkehr nicht als die Hauptsache ansehen, dass wir aber unsere persönliche Vorsicht auf der Strasse n i e ganz abschnüren, möge links und rechts neben der Strasse geschehen was wolle. Denn das Ganzausschalten sei überaus gefährlich. Dass dem so ist, erfahren wir immer wieder bei Unfällen von spielenden Kindern auf der Strasse. Spielende. Kinder auf der Strasse: Eine Gefahr für sich selbst und die Motorfahrzeugführer. dem Zürcher Schulfilm). __ Erscheint jeden Diensten and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelbe List«" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck Hl 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTUe, Bern Geschiftsstelie Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 394743 JCindet? (Aus Spielende Kinder sind blind ! Es ist ganz selbstverständlich, dass jedes lustbetonte Spiel die kindliche Einfalt vollständig gefangen nimmt. Der Junge oder das Mädchen merkt es nur zu rasch, dass derjenige im Spiel am besten wegkommt, der «ganz dabei ist». Je gründlicher aber die Umstellung auf das Spiel erfolgt, um so blinder ist das Kind der übrigen Umwelt gegenüber. Fall 8: Drei Mädchen bewerfen sich mit Bällen. Dabei verfehlt einer das Ziel und fliegt vom Vorplatz eines Hauses quer über die anstossende Hauptstrasse. Jäh dreht sich eine der Spielerinnen und verfolgt den Ball, erreicht aber statt diesen den Kühler eines eben daherkommenden Personenwagens, der... Spielende Kinder auf Strassen und neben den Strassen sind keine Seltenheit. Es gibt geradezu Liebhaber der Strasse unter ihnen. Sie rühmen deren glatte Fläche und merken nicht, in welche Gefahr sie sich dort begeben. Umgekehrt habe ich wiederholt beobachtet, dass Väter ihren kleinen Platz hinter dem Hause lieber mit Hasenfutter bepflanzen, als dass sie diesen als Spielplatz ihren Kindern « opfern » würden, auch auf die Gefahr hin, dass deswegen das Kind dann, auf der Strasse vor dem Hause, sich einen gefährlicheren « Spielplatz » sucht. Wenn aber der heutige Materialismus, in bester Absicht, derartige «Lösungen» zeitigt, haben wir Ursache, an solchen Orten zu einer bescheidenen Abkehr zu raten. bV Strassen sind die schlechtesten Spielplätze, die es gibt, auch dann, wenn sie glatt, Die Angaben über die katastrophalen Folgen der letzten Benzinerhöhung und der behördlichen Steuerpolitik dem Motorfahrzeug gegenüber im allgemeinen, welche von den Vertretern der drei groseen Landesverbände anlässlich einer Pressekonferenz gemacht worden sind (siehe A.-R. No. 2 vom 7. Januar), haben einzelnen Abteilungen der Bundesverwaltung keine Ruhe gelassen. Wie in unserer letzten Ausgabe dargelegt wurde, hat vor allem die Oberzolldirektion in einer Mitteilung an die Presse zu den Zahlenangaben der Automobilverbände Stellung genommen und sie als tendenziös abgetan. Dies hat nun Herrn Dir. Primault vom A.C.S. veranlaset, offiziell gegen die Darstellung der Oberzolldirektion Stellung zu nehmen und den Mitgliedern des Parlamentes hievon Kenntnis zu geben. Wir lassen im nachfolgenden seine Angaben folgen. In ihren offiziellen oder doch von ihr beeinflussten Antworten stützt sich — und will sich nur darauf stützen — die Oberzolldirektion einzig und allein auf die Einfuhr. Dass diese Grundlage willkürlich ist, weiss die Oberzolldirektion so gut wie wir, denn die Einfuhr wird durch eine Menge von Faktoren beeinflusst, durch welche die Schlussfolgerungen, die man aus dem einfachen Vergleich von Zahlen ziehen kann, leicht mit Irrtümern behaftet werden. Nachstehend einige dieser Faktoren: a) Die Benzineinkäufe werden auf Grund von jährlichen Kontingenten getätigt, die jedem Importeur bewilligt werden. Das Kontingent selbst wird in vierteljährliche Kontingente aufgeteilt. Diese Kontingente werden nicht einzig den Bedürfnissen des Marktes entsprechend bewilligt, sondern hauptsächlich, indem auf die Kompensationspolitik des Volkswirtschaftsdepartementes abgestellt wird. b) Neben diesen normalen, auf Grund des Jahres 1932 erteilten Kontingenten bestehen sog. Extra- Kontingente, über die das Volkswirtschaftsdepartement nach seinem Belieben und entsprechend den Bedürfnissen des Marktes und seiner Kompeneationspolitik verfügt. c) Die Einfuhr hat nicht nur die allgemeinen Reserven des Landes zu ergänzen und zu decken, sondern ebenfalls die von den Importeuren und Grossisten im Hinblick auf die Schwankungen der Weltmarktpreise angelegte Handelsreserve. (Hierzu ist noch zu bemerken, dass die Oberzolldirektion die Tatsache nicht berücksichtigt, dass die verzollten Handelsreserven Ende 1935 = 1,500 Tonnen grösser waren als Ende 1934, wodurch die Berechnungsarrundlage der Oberzolldirektion noch geändert wird.) Diese willkürlichen Einflüsse, welche in weitem Masse von der Handelspolitik des Bundesrates abhängig sind, haben keine Wirkung auf den Verbrauch, der einzig und allein durch die Nachfrage des Konsumenten bedingt ist IONS.PREIS: ohe Grundzeüe oder deren serate nach S^eziallarif nnc Strassen verschneit und •^^Je^halb fahre vorsichtig und gee nicht das Leben deiner Mitmenschen, erlasse dich nie auf deine Bremsen; denn bei Eis sind diese unwirksam. Ueberhole mit Ueberlegung; denn nicht nur du, sondern auch der andere kann ins Schleudern kommen. Erprobe deinen Mut nicht auf glatter Strasse. Denke an die Kleidung der Fussgänger, die durch schnelles Fahren bespritzt wird. Eltern, verbietet euren Kindern die Verkehrsstrassen zur Benutzung als Schlittbahn. trocken, ja sogar übersichtlich sind! Wer sich billig entschuldigt: « Ja, das Kind hat ja eigene Augen...», dem antworten wir aus Erfahrung: «Spielende Kinder sind blind! » Die Blindheit wird vollends krass sich auswirken, wenn das Spielzeug den Besitzer zu voller Hingabe an dasselbe direkt zwingt, wie dies bei den kleinen Gehrädern (Trottinets) der Fall ist. Fall 9: Zwei sechsjährige Büblein rollten, aneinander geschmiegt, auf einem der überall käuflichen Gehräder linksseitig eine breite Strasse hinab. Sie erreichten in dem Momente eine Hausecke, als aus einer Seitenstrasse, von links herkommend, ein rascher Lieferungswagen dieselbe Ecke in engster Kurve umfahren wollte.... Zwei kleine Tote lagen einige Minuten später neben ihrem zerschellten Spielzeug. Tatsachen und Zahten Fortsetzung Seite 2. Der beste Hinweis für die Beurteilung der Marktlage ist somit der Umfang der Nachfrage. Man kann daher gut verstehen, weshalb sich die Oberzolldirektion hütet, unsere wirklichen Verbrauchszahlen hervorzuheben, die.nur zu sprechend sind. In der Tat beweisen diese Zahlen deutlich, dass der Verbrauch bis Ende Juni 1935 um 1S78 Tonnen grösser war als im ersten Halbjahr 1934, und dass von der Benzinzollerhöhung an (27. Juni) eine entschiedene Abnahme festzustellen ist. Dieser Rückgang, verglichen mit dem Jahre 1934, beträgt 12 315 Tonnen. Wir haben es somit nicht mit einem Phänomen zu tun, für das die Krise verantwortlich gemacht werden kann, sondern mit dem treffenden Beweis, dass die fiskalische Belastung des Automobilismus die Grenze des Tragbaren überschritten hat 1. Das von der Oberzolldirektion angerufene und mit statistischen Zahlen über die im Verkehr befindlichen Motorfahrzeuge unterstützte «rKrisen»- Argument hält keiner ernsthaften Prüfung stand. Hierzu einige Zahlen: Im Verkehr befindliche Motorfahrzeuge 1926 70.027 * 1929 113 360* 1933 117.919 1934 125.249 * Von der Oberzolldirektion angeführte Zahlen. Die Jahre 1933 und 1934 sind jedoch typische Krisenjahre. Was wird uns das Jahr 1935 bringen, Wir berichten heute Ober: Eingabe des Schweiz. Autostrassenvereins. Wie wünsche ich mir den zukünftigen Wagen? Sportnotizen. Vor 25 Jahren, Luftrennen London—Manchester. Neuer Motor mit sehr geringem Leistungsgewicht.