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E_1936_Zeitung_Nr.010

E_1936_Zeitung_Nr.010

BERN, Dienstag, 4. Februar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabt A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. Aasland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 750 Glossen Mehr oder weniger glücklich und unversehrt ist das Finanzprogramm unter Dach und Fach gebracht. Was es uns Automobilisten beschert hat — einen von 20 auf 28 Fr. pro 100 kg erhöhten Benzinzoll — ist nicht gerade dazu angetan, den Rückblick auf die Phase der Session, in deren Verlauf das Schicksal des schweizerischen Automobilwesens für die Dauer der nächsten zwei Jahre gesprochen wurde, in ein freundliches Licht zu tauchen. Die Zukunft wird ja lehren, ob wir zu schwarz oder ob die Herren Parlamentarier und mit ihnen der Bundesrat nicht etwa zu rosarot gesehen haben. Indessen spricht alles dafür und nichts dagegen, dass auch wir erst durch Schaden klug werden müssen, wie vor uns schon das Ausland, dessen ebenso bittere wie lehrreiche Erfahrungen aus einer übersteigerten Belastung des Motorfahrzeugs — Erfahrungen, die zudem noch in einer Zeit ungleich besserer Wirtschaftslage gesammelt^ werden mussten — unsere Landesväter so herrlich unbekümmert und kühl gelassen haben. Bedeutung und Tragweite des von beiden Kammern gefassten Beschlusses, in Zustimmung zum bundesrätlichen Antrag die Benzinzollschraube noch um ein paar weitere Gänge anzuziehen, rechtfertigen es, so will uns bedünken, der Beratung eine Nachlese zu widmen und einige ausgewählte Kapitel aus der Debatte etwas näher und eingehender zu beleuchten. Was dabei zutage kommt, ist eine mitunter etwas krause Logik, sind aber auch wirtschaftspolitische Gedankengänge, welche nicht gerade darauf Anspruch erheben können, hieb- und stichfest zu sein. Im Brustton der Ueberzeugung hat man erklärt, die Automobilisten müssten «auch ein Opfer » für die Sanierung des Staatshaushaltes darbringen. Wenn man dem Bundespersonal einen Lohnabbau zumute, wenn man die bisher ausgerichteten Subventionen bis zu 40 % kürze, dann dürfe auch von den Automobilbesitzern erwartet werden, dass sie ihren Tribut zur Wiederherstellung des Budgetgleichgewichtes entrichten. Unverkennbar klang dabei als Unterton die etwas abgedroschene Weisheit mit: Wer ein Auto hat, hat Geld, und wer Geld hat, kann bezahlen. Nur eine Kleinigkeit blieb dabei übersehen, die Tatsache nämlich, dass das Motorfahrzeug heute schon dem Fiskus einen fetten Hasen in die Küche jagt. Seitdem sich der Bund ihm gegenüber von einer ausgesprochen « einnehmenden » Seite zeigt, hat es ihm in Form von Zöllen Hunderte von Millionen abgeliefert. Gehört angesichts dieser gewaltigen finanziellen Leistungen, wie sie kein anderer Stand unseres Volkes vollbringt, nicht etwas wie Unverfrorenheit dazu, den Automobilisten an seine Pflichten gegenüber dem Staat zu erinnern, der sich nicht genug daran tun kann, ihn in geradezu virtuoser Manier zu schröpfen? Nur gefordert hat der Fiskus bisher vom Motorfahrzeug. Und er hat dabei einen bemerkenswerten Appetit entwickelt. Sollte sichs jedoch der Automobilist einmal einfallen lassen, zu verlangen; dass nun endlich auch etwas für ihn abfalle, dann zeigt man ihm die kalte Schulter (siehe Kürzung der ohnehin mageren Beiträge an die Alpenstrassen). Die Behauptung, die Zollerhöhung werde keinem fühlbaren Rückgang des Benzinver- Feuilleton «Der Seewolf» Seite 5 •O.- Erscheint jeden Dienstan und Freitag Wöchentliche Beilage „AutOTMagazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck U1414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 brauchs rufen und damit auch der vorgesehenen Einnahme von 16 Millionen keinen Abbruch tun, wurde in etlichen Variationen abgewandelt. Aber selbst Herr Nationalrat Keller, der sich keineswegs als leidenschaftlicher Anhänger und Freund des Autos legitimiert hat, konnte bei der Behandlung der Beiträge für die Alpenstrassen nicht umhin, zuzugeben, dass die Erträgnisse doch möglicherweise hinter den Erwartungen zurückbleiben würden. Und in dieser Voraussicht, die nicht eben viel Zutrauen in die Berechnungen des Bundesrates verriet, schritt man denn auch zu einer Amputation und strich von den ursprünglich für die Alpenstrassen budgetierten 7 Millionen «vorsorglicherweise» 3 weg. Man kann nie wissen! War es nun aber bloss ein artiger Zufall oder mehr, als ausgerechnet Herr Bundespräsident Dr. Meyer, der es sich hatte angelegen sein lässeh, einen Spiess in den Kampf um die Heraufsetzung des Benzinzolls zu tragen, bei der Erörterung der Biersteuer unvermittelt ein ganz anderes Register zog und vor einem Allzuviel "warnte... weil sonst ein Konsumrückgang eintreten könnte mit der Folge, dass nicht nur der Wirtestand geschädigt, sondern auch die erhoffte Einnahmenverbesserung zur Illusion herabsinken würde. Offen gestanden: einem solchen Rösselsprung vermögen wir nicht zu folgen. Beim Bier, das bisher von der wohlwollenden Aufmerksamkeit des Fiskus in weit höherem Masse verschont blieb wie das Benzin, befürchtet unser Herr Finanzminister von einer Verteuerung eine Schrumpfung des Konsums, und diese Perspektive erregt in ihm schwere Bedenken. Das Benzin hingegen, auf dem ein Zoll von 320% des effektiven Warenwertes lastet, erträgt in den Augen desselben Herrn Finanzministers ohne weiteres einen nochmaligen Zuschlag, ohne dass ein Absinken des Verbrauchs zu befürchten stände. Natürlich ist das etwas ganz anderes, es stehen nicht gleichermassen schutzwürdige Interessen auf dem Spiel, insofern nämlich, als eine zu weitgehende Bierbesteuerung zahlreiche Existenzen gefährdet, ein ins Uferlose gesteigerter Benzinzoll dagegen « nur » die 40 000 Arbeiter und Angestellten, die unser Automobilwesen bisher ernährt hat. Nicht ohne Bangen fragen wir uns, wie weit es noch- kommen müsse, bis man den Wirtschaftszweig, den wir repräsentieren, in seiner wirklichen Bedeutung erfasst und ihn mit gleicher Elle misst wie andere. Mit der Erhöhung des Benzinzolles haben Bundesrat und Parlament das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Weniger wäre mehr gewesen, so kennzeichnete in seinem Schlussvotum Herr Dr. Gafner prägnant und treffend die Sanktionierung dieser Massnahme. Und 6\Q Ironie will es, dass der Bundesrat selbst die Richtigkeit dieser Auffassung anerkennt, wenn er, unter Hinweis auf das Beispiel Italiens, den ausländischen Automobilisten, die bei uns zu Gaste weilen, das Benzin zu verbilligtem Preise abgibt. Weil, so hat er verkündet, billiger Brennstoff verkehrsbelebend wirkt! Anscheinend aber gilt diese primitive Wahrheit lediglich für die fremden Autofahrer, obwohl 55 % aller Autotouristen Schweizer sind. Sie mögen das Benzin getrost zu 43 Rappen bezahlen ... eben weil sie Schweizer sind. Dass eine solche Zurücksetzung kränkend wirkt, was kümmerts den Bund ? Das sind Dinge, die ans Gebiet des Psychologischen grenzen. Und dafür hat man massgebenden Orts nichts übrig. Wohl aber muss der Bund anderseits, um den Widersinn komplett zu machen, der notleidenden Hotellerie unter die Arme greifen, indem er die Hotel-Treuhandgesellschaft zu neuem Leben erweckt, indem er 35 Millionen in das Reiseverkehrsabkommen mit Deutschland hineinsteckt. Da werde daraus klug, wer will. Unser Verkehrsapparat sei zu überentwickelt. Eine gewisse Rückbildung — auf dem Wege einer Dezimierung des motorischen Verkehrs selbstverständlich, — dränge sich auf. Also sprach Herr Bundespräsident Dr. Meyer. Auf Kosten des' Automobils soll "der Karren der Bahnen wieder flottgemacht werden. Jetzt, wo er unrettbar festgefahren ist, weil man vorher auf zu grossem Fusse gelebt hat, wo man weder ein noch aus weiss, jetzt gewahrt man plötzlich, dass das Motorfahrzeug sich ganz ungebührlich entwickelt hat. Freilich, die ungezählten Millionen aus Benzin- und andern Zöllen, welche diese Entwicklung abwarf, die hat der gleiche Bund durchaus nicht verschmäht, sondern sie unverdrossen eingesteckt. Und dabei nie gefunden, es sei in dieser Hinsicht des Guten zuviel.. Nein, er hat herausgeholt, was zu holen war, nach dem Motto: «Je prends man bien oü je le trouve ». Wenn es ihm jetzt unvermittelt auf- Es ist ein Probten! mit nicht zu grossem Gewicht und in den kleinen zur Verfügung stehenden Abmessungen Spannungen von 20—30,000 V zu erzeugen, in Bruchteilen von Hündertstelsekunden zu steuern und zuverlässig isoliert dem, Motorinnern zuzuführen, und zwar betriebssicher trotz härtester sonstiger Bedingungen, die vielleicht am besten durch die Schlagworte Torsion, Schüttelschwingung, Staub, Feuchtigkeit, Korrosion, Tropeneinfluss, Brandgefahr, extreme Temperatur, Luftverdünnung in grosser Höhe, Radioentstörung, Wartungslosigkeit charakteriesiert sind. Man bedenke, um dies zu würdigen, dass wir großenteils auf Isolierteile, also Nichtmetalle angewiesen sind, dass z.B. für die 10-20,000 Sekundärwindungen ein Drahtdurchmesser von 6 oft nur 5/100 mm einschliesslich Isolierung verwendet wird. Man bedenke aber neben der Schwierigkeit des Raums auch die der Zeit. Ein 18-Zyl.-Flugmotor braucht bei 3000 Motor-U/min 27,000 Doppelfunken/min, ein 12-Zyl.-Rennmotor bei 7000 Motor-U/min 42,000 Funken/min, das sind 700 Stösse von 20,000 V Spannung in einer Sekunde. INSERTIONS-FREIS: Die achtfespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratenschluss 4 Taqc TOT Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Benzin, das Wirtschaftsproblem des Tages, beleuchtet von Nat.-Rat Dr. Gafner. Resultate und Schlussbericht der Sternfahrt Monte Carlo. Japanische Kleinwagen. Das Auto von Heute. dämmert, er leide an einer « Aufblähung » des, motorischen Verkehrs, wenn er diesem Uebel dadurch begegnen will, dass er den Hebel der fiskalischen Belastung abermals ansetzt, dann muss er es allerdings auch in Kauf nehmen, wenn die Einnahmen nicht mehr proportional steigen. Rückdämmung des Autoverkehrs einerseits, Erhöhung des Benzinzollertrages anderseits: das sind unlösbare Widersprüche. lo. Zündung, und Zünder Von Dipl. Ing. Erich Klaiber *) Es ist heute weniger denn je möglich, die' Unzahl der Anforderungen der verschiedenen Motoren durch einen Zündertyp zu meisten^ Aus den verschiedenen Typen greife ich als Beispiel (Bild 3) einen Magnetzünder für hohe Zündspannungen und grossen Verstellbereich für schwere Motoren heraus. Umlaufender Alnimagnet (320 g) gegen Chromstahl-Bügelmagnet (1418 g) bei früheren Zündern, feststehende Wicklung, neuartig tropenbeständig isoliert, für zweifache Spannung und lOfache Lebensdauer gegen bisher. Neues Verteilersystem für hohe Spannung, der Unterbrechernocken läuft mit Steuerwellengeschwindigkeit zur Steigerung der Lebensdauer, eingebauter Antriebselbstversteller ermöglicht grossen Verstellbereich und volle Zündleistung auch bei Spätzündung. Alles kugelgelagert und unabhängig von Nachschmierung. Beim Einbau von Radioempfangsgeräten ins Fahrzeug ist es unbedingt nötig, Zünder, Zündkerze und Leitungen vollkommen metallisch zu umhüllen und diese Umhüllung mit Motormasse zu verbinden. Die dadurch entstehende kapazitive Belastung ist beim Bau dieses Zünders berücksichtigt Die völlige metallische Einkapselung dient der Entstörung und gewährt mechanischen Schutz bei rauhem Betrieh. Dieser Zündertyp, der 14 mm lange Funken in freier Luft (bisher 7 mm) gibt, lief bereits in grösserer Zahl in langer Fahrt anstandslos auf Motoren mit Ersatzbrennstoffen trotz einer Spannungsbeanspruchung, deren Höhe bei der Messung auch uns in Erstaunen setzte. Eine bestimmte Drehzahl ist notwendig, um mit einem Magnetzünder einen Funken zu erzeugen im Gegensatze zur Batteriezündung, wo bei praktisch niederster Drehzahl ein kräftiger Zündfunke entsteht. In all den Fällen, in denen besonders hohe Anforderungen an das Anspringen schwerer Motoren. z.B. bei Kälte, gestellt werden, ist es zweckmässig, den sogenannten Schnapper dem Magnetzünder vorzubauen. Der neue Zünder ist so gebaut, dass man dies trotz des Antriebsverstellers tun kann. Der Schnapper ist gleichzeitig die eine Kupplungshälfte. Bei ganz niederer Drehzahl wird der Läufer des Magnetzünders angehalten, während sich die Antriebswelle um einen bestimmten Winkelgrad bewegt, wobei sich zwischen Zünder und Antriebswelle eine Feder spannt. Nach Durchlaufen dieses Winkels wird durch Auslösen'einer Klinke die Zünderwelle plötzlich freigegeben und von der gespannten Feder nach vorwärts geworfen, wodurch auch bei niederster Motordrehzahl ein Zündfunke entsteht. Steiet die Motordrehzahl, so löst die Klinke durch Fliehkraft dauernd aus. so dass der Schnapnpr nicht mehr zur Wirkung kommt. ) Siehe auch No. 7 und 8. Abbildung 3. Fortsetzung Seite 2, Spalte 4.