Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.014

E_1936_Zeitung_Nr.014

BERN, Dienstag, 18. Februar 1936 Gelbe Liste Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Aasgabe C (mit Insassenvereicherune) vierteljährlich Fr. 7.50 Rückzug der Alpenstrasseninitiative! Letzten Freitag versammelte sich in Bern das Initiativkomitee für die Alpenstrasseninitiative, um zu einem Schreiben von Bundesrat Etter, das den Rückzug der Initiative angeregt hatte, Stellung zu nehmen. Der Inhalt dieses Schreibens ist uns nicht bekannt. Vermutlich wird darin darauf hingewiesen, dass durch das Festhalten an der Initiative eine baldige Inangriffnahme des im Bundesbeschluss vom 26. Februar 1935 vorgeschlagenen Ausbaues der Alpenstrassen weiter verzögert würde und dass die gegenwärtige finanzielle Situation des Bundes es nicht zulasse, die durch die Initiative beantragte Finanzierung des Strassenausbaues mit Hilfe des Benzinzollerträgnisses durchzuführen. Das Initiativkomitee stellte dem Bundesrat drei Fragen, welche nach unsern Informationen bejahend beantwortet wurden. Danach soll für den Fall eines Rückzuges der Initiative der Bundesrat : 1. auf die Erhebung eines Zuschlages von 3 Rp. pro Liter für den Ausbau der Alpenstrassen verzichten; 2. die Zollquittungsgebühren für Benzin und Benzol endgültig fallen lassen; 3. die Frage des Sprit-Beimischungszwanges zum Benzin eine Lösung finden, die eine Verteuerung des Benzins ausschliesst. Das war also das Zückerlein, welches der Bundesrat den Initianten darreichte, um den Rückzug der Initiative zu erreichen. Wir müssen hier kurz auf die Geschichte der Alpenstrasseninitiative F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 1. Fortsetzung. Er drehte sich kurz um und entfernte sich. Bei der Kajütstreppe blieb er stehen und rief mich zu sich. «Wieviel hat Köchlein Ihnen gemopst?» fragte er. «Hundertfünfundachtzig Dollar, Käptn», erwiderte ich. • Er nickte. Als ich einen Augenblick später hinunterging, um zum Mittagessen zu decken, hörte ich ihn mittschiffs ein paar Leute laut ausschelten. Am nächsten Morgen hatte sich der Sturm gelegt, und die « Ghost» wiegte sich leicht ohne'Wind auf einer ruhigen See. Nur hin und wieder war ein leichter Hauch zu spüren, und Wolf Larsen machte andauernd die Runde auf dem Achterdeck, während seine Augen unausgesetzt das Meer in Nordost absuchten, von wo der Passat wehen musste. Wie er mir erzählte, ist die « Ghost» ein ie._ Erscheint jeden Dlenstan und-Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTIONu. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehansstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 eintreten. Schon vor Einbruch der Wirtschaftskrise herrschte Klarheit darüber, dass die Zersplitterung im schweizerischen Strassenbau einmal aufhören müsse. Nach der Verwerfung des ersten Entwurfes zum Automobilgesetz (am 15. Mai 1927) wurde eine Initiative (die sog. Verkehrsinitiative) ergriffen, welche verlangte : «Die Gesetzgebung für den Strassenverkehr ist Bundessache. Den Kantonen bleibt das Recht gewahrt, im Rahmen der eidg. Strassengesetzgebung Vorschriften zu erlassen, in denen die besondern örtlichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Der Bund ist befugt, Bau und Unterhalt von Durchgangsstrassen zu übernehmen oder sich daran zu beteiligen. Die Einnahmen, die dem Bund aus Zöllen, Steuern und andern Abgaben aus dem Betriebsstoff der Motorfahrzeuge zufliessen, sind unter die Kantone zu verteilen. Massgebend sind dafür die Aufwendungen der Kantone, für den Bau und Unterhalt solcher Straseen, die vom Bund als für den Verkehr wichtig anerkannt werden. Der Bund ist berechtigt, einen angemessenen Teil der von ihm nach den vorstehenden Bestimmungen erzielten Einnahmen zu behalten, wenn er Bau und Unterhalt der Durchgangsstrassen übernimmt oder sich daran beteiligt. » Dieses Initiativbegehren, das 51 000 Unterschriften auf sich vereinigte, wurde vom Bundesrat ohne Gegenvorschlag dem Parlament und Schweizervolk zur Ablehnung empfohlen. Trotzdem die gesamte politische Presse mit Ausnahme der « Nationalzeitung » gegen die Initiative aufgetreten war, trotzdem sämtliche politischen Parteien dagegen zu Felde zogen, erlangte sie in der Volksabstimmung vom 12. Mai 1929 246000 Jastimmen. Schon damals, vor der Krise, hat Bundesrat Musy den Ruin der Bundesfinanzen in Aussicht gestellt, wenn die 20 Millionen Franken des Benzinzollerträgnisses dem Bunde entzogen würden. Man hatte das Volk geschreckt, indem man ihm mit der Einführung neuer Zölle und Stempelabgaben drohte. Seither haben sich die Einnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll von 20 Millionen Franken auf 50 Millionen Franken im Jahre erhöht. Trotzdem wurden uns neue Steuern und neue Zölle beschert! Von 1929 bis 1932 haben die Kantone rund 300 Millionen Franken für den Ausbau der Strassen aufgewendet Dessenungeachtet offenbarte es sich, dass die Schweiz je länger 'je mehr , ins Hintertreffen geriet, weil das Ausland den Strassenbau als ein vorzügliches Mittel der Arbeitsbeschaffung erkannt hatte, weil alle uns umgebenden Länder in geradezu Aufsehen erregender Weise an den Aus- und Neubau ihres Strassennetzes schritten. Vor allem drang die Erkenntnis immer stärker durch, dass der bei uns herrschende Kantönligeist einem fortschrittlichen Ausbau unserer Strassen hindernd entgegenstand. Noch in allerjüngster Zeit hat sich der Schweiz. Schulratspräsident, Ingenieur Professor Rohn, dahin geäussert, dass es für die einwandfreie Förderung des Strassenbaues nicht genüge, den Kantonen Subventionen zu gewähren. Vielmehr müsse nach einheitlichen, zentral geleiteten Grundsätzen vorgegangen werden. Man dürfe hier nicht am falschen Ort sparen. Erinnern wir übrigens daran, dass die Verbände seit Jahren auf die bestehenden Zustände aufmerksam gemacht haben. Aber alle diese Hinweise nützten nichts, man konnte sich beim Bunde nicht zu einem andern System durchringen. So beschlossen die in der Schweiz. Strassenverkehrsliga zusammengefassten Verbände im Mai 1933, eine neue Initiative zu ergreifen. Sie wurde im Herbst 1933 Achtzigtonnenschoner von einem besonders feinen Typ. Ihre grösste Breite beträgt 23, ihre Länge etwas über 90 Fuss. Ein Bieikiel von unbekanntem aber bedeutendem Gewicht macht sie sehr stabil, und sie trägt eine ungeheure Segelfläche. Von Deck bis zum Grossmasttopp misst sie reichlich 100 Fuss, während der Fockmast mit seiner Marsstange acht bis zehn Fuss kürzer ist. Ich berichte diese Einzelheiten, um einen Begriff von der Grosse dieser kleinen schwimmenden Welt mit ihren 22 Seelen zu ge^en. Es ist eine Miniaturwelt, ein Splitterchen, ein Punkt, und immer wieder wundere ich mich, dass die Menschen es gewagt haben, die See mit einem so gebrechlichen kleinen Ding zu versuchen. Wolf Larsen gilt auch als ein verwegener Seemann. Ich hörte Henderson und Standish, einen kalifornischen Jäger, darüber reden. Vor zwei Jahren hatte er in einem Orkan in der Beringsee die Masten der « Ghost» kappen lassen, worauf die jetzigen eingesetzt wurden, die in jeder Beziehung stärker und schwerer sind. Damals soll er gesagt haben, er wolle lieber kentern als die neuen Hölzer verlieren. Jedermann an Bord, mit Ausnahme Johansens, dem seine Beförderung zu Kopfe gestiegen ist, scheint eine Entschuldigung dafür dem Volke zur Unterzeichnung vorgelegt und lautete: 1. Der Bund sorgt für den Ausbau der wichtigsten, dem Reise- und Touristenverkehr dienenden Strassenverbindungen im Alpengebiet, sowie deren Zufahrtestrassen. 2. Die Kosten des Baues fallen zu Lasten des Bundes. 3. Die beteiligten Kantone können zu angemessenen Beiträgen herangezogen werden. Der Unterhalt der Strassen ist Sache der Kantone. 4. Vom Ertrag des Zolles auf den Betriebsstoffen der Strassenfahrzeuge bleiben 20 Mill. Fr. zur freien Verfügung des Bundes; von dem diese Summe übersteigenden Betrag wird die eine Hälfte den Kantonen für den allgemeinen Strassenbau zur Verfügung gestellt, die andere Hälfte für den Ausbau der Alpen- und Zufahrtsstrassen verwendet. Der Verschleppungspolitik des Bundesrates. In kurzer Zeit schon bedeckten 148 000 Unterschriften die Initiative. Diese erhebliche Zahl von Unterschriften machte aber den Behörden gar keinen Eindruck. Zwei Jahre hindurch wurde die Abstimmung immer und immer wieder auf. die lange Bank geschoben. Im Herbst 1934 präsentierte der Bundesrat endlich einen ersten Gegenentwurf zur Alpenstrasseninitiative. Damals lehnten ihn die Verbände ab, weil er unter anderm die Finanzierung der Arbeiten auf dem Weg einer Erhöhung des Benzinzolles vorsah. Die Fremdenverkehrskreise waren der Ansicht, dass es besser sei, auf den Ausbau des Strassen- Tietzes zu verzichten, als eine weitere Benzinzollerhöhung in Kauf zu nehmen. Der zweite Gegenvorschlag des Departements des Innern nahm für den Ausbau des Strassennetzes einen Zeitraum von 10 Jahren in Aussicht. Jährlich sollten den Kantonen 7 Millionen Franken für den Ausbau der Alpenstrassen zufliessen, mit der Einschränkung freilich, dass davon nur die Gebirgskantone profitieren dürften. Ein Ausbau der Zufahrtsstrassen Wurde als zu weitgehende Forderung abgelehnt. Der ganze Bericht des Bundesrates erfasste das Problem nur vom Standpunkt der Förderung des Fremdenverkehrs aus, verhielt sich aber dem viel wichtigeren Problem der Vereinheitlichung des Strassenausbaues ablehnend gegenüber, ja er weigerte sich sogar, ein Programm für den Ausbau aufzustellen. Währenddem die Fachleute eine Summe von 96 Millionen Franken nur für den Ausbau der Alpenstrassen in den neun Gebirgskantonen als Minimalforderung aufstellten, glaubt also der Bundesrat, mit 84 Millionen auskommen zu können (die übrigens im Nationalrat um weitere 3 Millionen gekürzt wurden). Vom Neubau einer Wallenseestrasse, einer linksufrigen Vierwaldstätterseestrasse, einer Sustenstrasse ist dabei natürlich gar keine Rede. In einer gewissen Presse versuchte man, zu haben, dass er sich an Bord der « Ghost» befindet. Fast die Hälfte der Leute im Vorschiff sind Hochseematrosen, und sie entschuldigen sich damit, nichts von dem Schiff und seinem Kapitän gewusst zu haben. Von den Jägern wird gemunkelt, dass sie, so ausgezeichnete Schützen sie seien, wegen ihrer Streitsucht und verbrecherischen Neigungen keine Heuer auf einem anständigen Fahrzeug hätten finden können. Ich habe die Bekanntschaft eines andern Mannes von der Besatzung gemacht — Louis', eines Iren aus Neuschottland, eines freundlichen, gutmütigen und sehr verträglichen Burschen, der stets zu einer Unterhaltung bereit sei, sobald er nur einen Zuhörer finden kann. Am Nachmittag, wenn der Koch unten sein Mittagsschläfchen hält und ich meine ewigen Kartoffeln schäle, kommt Louis zu einem langen Plausch in die Kombüse. Er entschuldigt seine Anwesenheit an Bord damit, dass er betrunken war, als er sich anheuern Hess. Immer wieder versichert er mir, dass er es nicht im Traum getan hätte, wenn er nüchtern gewesen wäre. Er scheint seit einem Dutzend Jahren regelmässig mit auf die Robbenjagd zu gehen und gilt als bester oder zweitbester Bootssteuermann in beiden Flotten. » INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrOssere Inserate nach Spezialtarit Inserntenschluss 4 Tatic vor Erscheinen der Nnmmern Wir berichten heute über: Bundesgericht und Strassensignalisation. Winterprüfungsfahrt Luzern- Engelberg. Neue internat. Rennformel. «L. Z. 129» startbereit. Berliner Automobilausstellung. Der moderne Wagen und sein Ahne. Bilder: Seite 8. den Initianten daraus einen Strick zu drehen, dass sie die Zufahrtsstrassen in den Initiativtext aufgenommen hatten. Nur übersah man eines dabei: Es handelt sich hier keineswegs um den Bau von reinen Äutostrassen, sondern um die eigentlich selbstverständliche Anpassung der am stärksten belasteten Verkehrsadern des Mittellandes an den modernen Automobilverkehr, d. h. Anpassung der Strassen durch Anlage von Radfahrwegen, durch Erstellung von Umfahrungsstrassen, wo sich solche als notwendig erweisen, und durch Beseitigung der Niveaukreuzungen mit der Eisenbahn, die heute für den grossen Durchgangsverkehr eine schwere Behinderung und ein Gefahrenmoment erster Ordnung darstellen. Zugleich sprach dabei auch, die Ueberlegung mit, dass man nicht in einseitiger Weise die Alpenstrassenkantone bevorzugen dürfe. Der Verkehr pulsiert ja im Mittellande bedeutend stärker als in den Alpen, und es besteht kein Zweifel darüber, dass ihm unsere am meisten in Anspruch genommenen Strassen heute noch nicht gewachsen sind. Wenn wir unsere Alpenstrassen modernisieren, um den Touristenstrom aus dem Ausland anzuziehen, dann erscheint es doch als ein Gebot der Selbstverständlichkeit, dass wir auch die Zufahrtsstrassen ausbauen müssen. Die finanzielle Situation präsentiert sich heute so, dass der Bund zu\ Einsparungen gezwungen ist. Anderseits aber bürdet er, in Widerspruch zur Bundesverfassung, dem Benzin enorme Fiskallasten auf. Die Totaleinnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll betrugen von 1920 bis 1934 insgesamt 294 Millionen Franken. Davon sind bis 1933 65 751 000 Franken als Benzinzollviertel den Kantonen abgeliefert worden und haben für die Zwecke des Strassenbaues Verwendung gefunden. 228 389 000 Franken steckte «Ach, mein Junge», er schüttelte unheilverkündend den Kopf, « du hast dir gerade den schlimmsten Schoner ausgesucht, und da- g bei warst du nicht einmal besoffen wie ich. Auf jedem Schiff ist die Robbenjagd ein Fest für die Matrosen. Der Steuermann war der erste, aber denk an mich: es wird noch mehr Tote geben, ehe die Fahrt zu Ende ist. Es bleibt zwischen uns: dieser Wolf Larsen ist der Teufel selber, und seit er die « Ghost» bekommen hat, ist sie ein Höllenschiff. Das sollte ich nicht wissen? Ich? Ich weiss noch gut, wie er vor zwei Jahren in Hakodate einen Anfall kriegte und vier von seinen Leuten niederschoss. Ich war ja keine 300 Yards davon auf der « Emma ». Und irri selben Jahre erschlug er einen Mann mit der blossen Faust. Ja, schlug ihn tot, zerquetschte ihm den Kopf wie eine Eierschale. Und kamen nicht der Ingenieur der Insel Kura und der Polizeihauptmann, japanische Herren, Freundchen, als seine Gäste an Bord der «Ghost» mit ihren Frauen — so zarten kleinen Dingerchen, wie sie auf Fächern gemalt sind —, und wurden nicht die beiden Ehemänner bei der Abfahrt, wie aus Versehen, in ihrem Sampan zurückgelassen ? (Fortsetzung Seite 5.)