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E_1936_Zeitung_Nr.030

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BERN, Dienstag, T.April 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 30 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTO MOBIL-ZEIT. Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkebf&hiferessen ABONNEMENTS.PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjlhrlich Fr. ä.—, 'ährlich Fr. 'O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamUich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung} vierteljährlich Fr. 750 Erseheini leden Dlenstan and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mai .Gelbe Liste REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenralnstr. 97. Bern Telephon 28.222 Posteheck Hl 414 Telegramm-Adresse: Autorevtie, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 IONS-PREIS: hohe Grundzeile oder era TaneASfKeheineniRU/um bist wägen ~ dann wagen! In der vergangenen Dezember-Session hat das Parlament dem Bundesrat den Auftrag Überbunden, vorgängig der Revision des Alkoholgesetzes Massnahmen zu treffen, welche der Alkoholverwaltung die Erzielung von Aktivüberschüssen und deren Ablieferung an Bund und Kantone gestatten. Dabei soll namentlich die Beimischung von Obstspiritus % zum Benzin geprüft und angeordnet werden, wenn sie technisch und volkswirtschaftlich zweckmässig ist. Rund drei Monate sind seit der Erteilung dieses Mandates an unsere Exekutive verstrichen, die Frühjahrstagung der Kammern steht dicht vor der Tür, Aber über allen Wipfeln ist Ruh! Nicht eine Silbe hat der Bundesrat inzwischen zu diesem brennenden Problem Verlautbart, was freilich keineswegs besagen will, dass diese Angelegenheit in irgend einer Schublade zur weiteren Erdauerung versenkt worden sei. Dazu nämlich bestand für ihn um so weniger Veranlassung, als die Kunde von diesem neuesten Schachzug finanzpolitischer Regierungskunst hinreichte, im schweizerischen Blätterwald ein deutlich vernehmbares Rauschen zu erzeugen, das schon für sich allein und auch ohne den Auftrag der nätionalrätlichen FinanzTtommission für ständigen frischen Luftzug in den Amtsstuben gesorgt und die Sache vor dem Einschlafen bewahrt hätte. Freilich, man könnte nicht gerade sagen, die Aussicht auf die «kostbare» Mixtur, welche der Bund den Automobilisten anzudrehen vorhat, um die Lebensgeister der hoffnungslos verfuhrwerkten Alkoholregie von neuem zu beschwören, diese Aussicht hätte in der Presse unseres Landes jenes verständnisinnige Echo ausgelöst, dessen lieblicher ^lang allein die Ohren unseres Bundesrates zu erfreuen vermöchte. Unisono erheben sich die Stimmen der Warnung und die Unkenrufe wollen nicht verstummen. Genaues Abwägen und Ueberprüfen wird hier dem Bundesrat angelegentlich empfohlen, bevor er zu einem kostspieligen, möglicherweise ganz unglücklichen Versuch schreitet, dort fordert man wenigstens teilweise Berücksichtigung der Einwendungen der Automobilisten, und ein Dritter, der offenbar weiss, wo der Bartel den Most holt, rechnet unseren Landesvätern auf Spitz und Knopf genau vor, dass es den Bund billiger zu stehen käme, den Schnaps sogleich nach der Einlieferung auslaufen zu lassen, als ihn zu entwässern und «anschliessend» das Benzin damit zu taufen. Dass sich daneben die Automobilisten selbst für die Spritbeimischun ebenso höflich wie mit letzter Entschiedenheit bedanken, nicht nur, weil sie es satt haben, das Danaidenfass der Bundesfinanzen zu füllen, sondern auch, weil sie, die eine fiskalische Va-banque-Politik bis zum Weissbluten geschröpft hat, einfach nicht mehr können, darüber sei heute kein Wort verloren. DerJRaubbau, welchen der Bund bisher an der Finanzkraft dieser ihm so ganz besonders am Herzen liegenden Klasse von Schweizerbürgern betrieben, auf dass die Saat seiner unheilvollen Subventionspolitik weiter sprosse und blühe, ist heute so weit fortgeschritten, dass gerade nur noch die Streckung des Benzins mit Bundesschnaps und damit die abermalige Verteuerung des Brennstoffes um 3,5 bis 4 Rappen pro Liter fehlt, um die Milchkuh Automobil endgültig und unwiderruflich zur Strecke zu bringen. Man täte gut daran, sich Lesen Sie unser Feuilleton „Der Seewolf" Seite 12 die Sache zweimal zu überlegen bevor der Pfeil abgeschossen wird. Und man sehe sich vor, dass er nicht auf den Schützen zurückspringt. Mit der Spritbeimischung würde die Schweiz keinen neuen Weg betreten. Ändere Staaten sind uns hier bereits vorangegangen. Frankreich hat dieses wundersame Tränklein für die Automobilmotoren schon am 28. Februar 1923 für obligatorisch erklärt, auf das Drängen der Weinbauern und Schnapsbrenner hin. Und der Erfolg ? Dass das Experiment den Staat im Verlauf der 13 Jahre auf die Bagatelle von 4,156 Milliarden Franken zu "stehen gekommen ist. 2.4 Millionen Fr. Verlust brachte ihm der Ankauf der Schnapsvorräte, weitere 1,7 Milliarden enKinsren ihm durch Steuererleichterungen und durch Mindererlöse aus dem Zollerträgnis. Nicht ohne Bitterkeit, dafür aber um so zutreffender ist in der Finanzkommission des Senats dieser Protektionismus, von dessen Segnungen die Landwirtschaft so ausgiebig profitiert, mit den Worten glossiert worden, dass es bedeutend weniger kostspielig- wäre, den Alkohol zu verbrennen, anstatt derart enorme Sumr men auf dessen Rektifikation für die Beimischung zum Sprit aufzuwenden (also dasselbe Argument, womit heute schon auch bei uns gegen die Plane des Bundesrates operiert wird). Man st>n>ht es in Frankreich ganz unverholen aus, dass es ser geeignetes ausländisches Produkt — ebei das Benzin — durch ein nationales Erzeugnis, den Sprit ersetzen zu müssen glaube. Angesichts dieser Zahlen, deren Drastik nichts zu wünschen übrig lässt, sollte die Erkenntnis nicht schwer fallen, dass Frankreich seine Erfahrungen im Gebiet der Spritbeimi- Cr»Wl1t1 er teuer; aber sehr teuer bezahlt hat. Indessen befindet es sich damit, keineswegs auf weiter Flur. Denn auch Deutschland weiss ein ähnliches Lied zu singen, obwohl es ein anderes System praktiziert und die Kosten direkt auf das Automobil abwälzt. Ob allerdings unser Bundesrat Neigung empfindet, vom «Lehrplätz» anderer etwas abzugucken, und die Finger von diesem unverantwortlichen Beginnen zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Was gehen uns andere an? Wir würden uns damit ja etwas vergeben, es käme ja fast einer Bankrotterklärung unserer Fähigkeit der freien Selbstbestimmung gleich, wollten wir, im Hinblick auf die Erfahrungen des Auslandes, auf eigenes Handeln verzichten. Haben nicht unsere Behörden auch im Kapitel Benzinzollerhöhung unbestreitbar selbständige Wege einzuschlagen gewusst* ohne sich in schwächlicher Weise vom Ausland und dessen Erfahrungen beeindrucken zu lassen?' Der Erfolg ist durchaus entsprechend ausgefallen und lässt sich zusammenfassen in den Worten: Absinken der Benzinimporte und damit der Zolleinnahmen und Schädigung* unserer gesamten Volkswirtschaft.' Nur dann soll der Bundesrat die Spritbeimischung anordnen, wenn sie technisch und volkswirtschaftlich zweckmässig ist. Das fiskalische Interesse des Bundes an der Wiederflottmachung des Karrens der Alkohol Verwaltung hat somit zurückzutreten hinter das Erfordernis der Vogel Strauss-Politik treiben heisst, das gähnende Loch im Haushalt der Alkoholverwaltung damit verstopfen zu wollen, dass man den Abgabepreis des an die Benzinimporteure gelieferten Sprits oder die Benzinsteuer erhöht, oder auch beide Methoden miteinander kombiniert. Ob so oder so, der Staat bezahlt bei der Spritmixerei ungeheure Beträge darauf. Die er rief, die Geister, wird er nimmer los. Sintflutartig ist in den letzten Jahren die Alköholschwemme angeschwollen. Mit 2,540,000 hl erreichte sie bereits 1934 das Vierfache von 1930, und letztes Jahr stieg der Spritanfall für Beimischungszwecke sogar auf schätzungsweise 3,670,000 hl. Herr, die Not ist gross, sie ist um so grösser, als gleichzeitig der Automobilverkehr unter dem Druck der fiskalischen Daumenschraube in geradezu alarmierendem Mass zusammenschrurrroft. Und man forscht vergeblich nach einer plausiblen Erklärung dafür, welchen wirtschaftlichen Nutzen sich denn der Staat sichere, wenn er ums Teufelswillen ein billiges und dabei für seine Zweckbestimmung weit bes- volkswirtschaftlichen Zweckmässigkeit einer derartigen Massnahme. Was es mit diesem Kriterium für eine Bewandtnis hat, erhellt schon aüs L der einfachen Ueberlegung, dass es ein ausgekochter Widersinn wäre, jenen Wirtschaftszweig, der sich trotz Krise und ohne staatliche Stützungsaktionen bis zum letzten Jahr noch schlecht und recht durchzuschlagen imstande war, vollends auszupowern, nachdem es der fürsorgliche Vater Bund mit- der neuerlichen Benzinzollerhöhung glücklich fertiggebracht hat, ihn in den Marasmus hineinzuziehen. Dass die Spritbeimischung dem motorischen Verkehr den Rest gäbe, kann nur unheilbarer Optimismus bezweifeln. Und es bedürfte schon einer tüchtigen Portion heiliger Einfalt, erst die Henne zu erdrosseln, welche die goldenen Eier legt, am hernach von ihr zu erwarten, dass sie diese ihre Tätigkeit fortsetze und deren Ertrag noch steigere. Direktor Tanner von der Eidg. Alkoholverwaltung hat recht: es handelt sich hier um etwas, das man lieber sein lassen sollte. 1. Ist die Sache so gemeint? Zum neuen Bundesbahngesetz. Am 23. März hat der Verwaltungsrat der Schweiz. Bundesbahnen dem Vorsteher des Eidg. Post- und Eisenbahndepartements den zweiten Bericht über die Reorganisation und Sanierung der S.B.B, zusammen , mit einem Entwurf für ein Bundesgesetz über die Schweiz. Bundesbahnen überreicht. Wir müssen es der Tagespresse überlassen, im einzelnen auf die Vorschläge des Gesetzesentwurfes einzutreten und können hier nur kurz die wichtigsten Punkte der geplanten Neuregelung streifen. Die Wiederaufrichtung der Bundesbahnen soll durch das Zusammenwirken folgender drei Mittel erreicht werden: 1. Durch eine finanzielle Entlastung mit allgemeinen Staatsmitteln. 2. Durch Einschränkung der Ausgaben auf dem , Wege über geeignete organisatorische Massnahmen und bessere Anpassung deg Betriebes an die veränderten Verkehrsbedürfnisse. 3. Durch Aenderung der gesetzlichen Vorschriften und Erlacss neuer Gesetzesbestimmungen zur Regelung des Wettbewerbes zwischen Schiene und Strasse. Wir haben hier die Regdung der Finanzen vorangestellt, weil darin unbestritten die piece de resistance der ganzen Vorlage liegt. Obschon der Bericht zum Gesetzesentwurf die organisatorischen Massnahmen in den Vordergrund rücken möchte, drängt sich uns der Eindruck auf, dass das Hauptgewicht auf der Neuordnung der Finanzen liegt und das andere eher einem nicht völlig gelungenen Versuche gleichkommt, den überentwickelten Verwaltungsapparat der Bundesbahnen zweckmässig zu vereinfachen. chtsufrige Wallenseestrasse. Brivio gewinnt Mille Miglia in neuer Rekordzeit. Monte Carlo eröffnet int. Renn- - saison. Fliegen mit 25 PS. Die Schneefräse. William Morris. Bilder: Seite 8. Finanzhaushalt und Rechnungsführung. Die gesamten Aufwendungen des Bundes für die Bundesbahnen betragen 145,2 Millionen Fr. An die Deckung leisten die Bundesbahnen 70 Millionen; aus allgemeinen Bundesmitteln bleiben also 75,2'Millionen Fr. zu dekken. Das ist in Zahlen ausgedrückt das wichtigste Ergebnis des neuen Projektes. Woher diese 75,2 Millionen Fr. jährlich genommen werden sollen, darüber hüllt man sich in Schweigen. Für 1937 stellt das zweite Finarizprogramm für die Sanierung der Bundesbahnen einen Betrag von 35,7 Millionen' Fr. zur Verfügung. Weitere Rücklagen sind vorgesehen im Betrage von 9 Millionen Franken. Damit wären vom Gesamtbedärf von 75,2 Millionen 44,7 Millionen Franken gedeckt. Weiter aufzubringen wären also 30,5 Millionen Franken. Und jetzt versteht man» auch, warum die Bundesbehörden mit solcher Hartnäckigkeit an der Erhöhung des Benzinzolls festgehalten haben. Das jährlich 45 bis 50 Millionen Franken einbringende Benzinzollerträgnis muss eben zu einem grossen Teile dafür herhalten, die Schulden der Bundesbahnen, welche nun zu allgemeinen Bundesschulden werden, zu deck'en. Mit dieser diplomatischen Lösung hat man es somit verstanden, das seinerzeit von Ständerat Dr. Klöti eingereichte Postulat der Heranziehung des Benzinzolls zur Deckung der BundesbahndeHzite zu verwirklichen — auf dem Wege über das neue Bundesbahngesetz. Natürlich gehen die Berichte der Bundesbahnverwaltung möglichst «schonend» über diese Tatsache hinweg und lassen es sich angelegen sein, den Laien mit sehr sachlich anmutenden Tatsachen und Worten zu bombardieren um nicht offen sagen zu müssen, dass es sich im Grunde um nichts anderes handelt, als um eine Uebernahme der Eisenbahnschulden durch das Schweizervolk. Nicht nur die Schweizerbahnen, sondern auch deren ungeheure Schuldenlast gehören jetzt eben dem Schweizervolk. Schiene und Strasse. Der Regelung des Wettbewerbs zwischen Schiene und Strasse sind die Schlussbestimmungen Art. 22 und 23 des vorliegenden Entwurfes gewidmet. Zwar — so führt die Bundesbahnverwaltung aus, reichen die vom Bunde verlangten grossen Opfer aus, das gestörte Gleichgewicht im Haushalte der S.B.B, wieder herzustellen, aber sie genügen nicht, um auch die finanziellen Auswirkungen eines allenfalls noch eintretenden Verkehrsrückganges auszugleichen. Es wird in diesem Zusammenhange auf den Verkehrsrückgang bei den ausländischen Bahnen hingewiesen, der noch grösser sei als bei den Bundesbahnen, wie nachstehende Ziffern dartun: bei der Deutschen Reichsbahn 38 % bei den Franz. Hauptbahnen 30 % bei den Ital. Staatsbahnen 44 % bei den Oesterr. Bundesbahnen 36 % bei den Niederländischen Eisenbahnen 38 % Im gleichen Zeitraum (1929—1934) erlitten die S.B.B, eine Einbusse von 20% auf den Verkehrseinnahmen. Dabei aber müssen sie mit einem weitern Rückgang rechnen, wie das Jahr 1935 beweist, hat es doch gegen-