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E_1936_Zeitung_Nr.040

E_1936_Zeitung_Nr.040

BERN, Freitag, 15. Mai 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE ÄUTOMOBIL-ZE Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsi ABONNEMENTS-FR EISE: ,, Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— - Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnfaUversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherungi vierteljährlich Fr; 750 Erscheint jeden Dlenstap and Freitag WOchentliehe Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Grundzeile oder deren erate nach Spezialtarif. tenschlm»jBTane vor Ersebelncn „Bahnsanierung" Wer soll die Zeche bezahlen? Das Auto! Generaldirektion und Verwaltungsrat der Bundesbahnen haben dem Bundesrat zusammen mit einem eingehenden Bericht den Entwurf zu einem neuen Bundesbahngesetz vorgelegt. . Die Verwaltung der Bundesbahn soll neu organisiert werden. Alle Kompetenzen und Verantwortlichkeiten will man beim Bundesrat zusammenfassen, dem die Oberaufsicht über die Geschäftsführung und den Finanzhaushalt zugedacht ist. Der Bundesversammlung soll nur noch das Recht zustehen, die allgemeinen Grundsätze der Tarifbildung, die Jahresrechnung, den Geschäftsbericht und die Stillegung von Eisenbahnlinien zu genehmigen. Eine Beschlussfassung will man ihr nur noch für eine eng beschränkte Zahl von Fragen zubilligen. ,I'm zweiten Abschnitt wird die finanzielle Sanierung der.S.B.B, behandelt Das Kapital der Bundesbahnen soll in Zukunft ein Schuldkapital in der Höhe von 2 Milliarden Fr. und eiii Dotationskapital im Betrage von 500 Millionen Fr. umfassen. Das vorhandene weitere Schuldkapital hätte der Bund zu übernehmen. Für das neue Schuldkapital würden die S.B.B. inskünftig dem Bund einen festen Zins von.,,3,5 % bezahlen, während die Verzinsung des Dotationskapitals von den Betriebsergebnissen abhängig gemacht wird. Bei dieser Neuordnung hätte die Bundeskasse einen jährlichen Verlust von 75 Millionen Fr. zu übernehmen. Dazu käme, was im Gesetzesentwurf und im Bericht nicht gesagt ist, die Differenz, die der Bund zwischen dem festen Zinsfuss von 3,5 % und dem wirklich zu bezahlenden Zins zu tragen hat. Zudem hätte die Bundeskasse allfällige und bei weiterem Verkehrsrückgang in sicherer Aussicht stehende Rechnungsdefizite zu tragen. Endlich soll anlässlich der Neuregelung der Bund auch die Pensionskasse des Bundespersonals sanieren. Ueber die Höhe der dadurch bedingten Opfer schweigt sich der Bericht des Verwaltungsrates der S.B.B, aus. ' Die Folge des Gesetzes : weitere Aushöhlung der Wirtschait. Das neue Gesetz würde, falls es in der vorgesehenen Form zur Annahme käme, der Volkswirtschaft eine neue, sehr schwere Belastung bringen. In verschiedenen Vernehmlassungen der letzten Zeit hat der Bundesrat die Auffassung vertreten, die jetzige Steuerbelastung stelle die Grenze des für die Wirtschaft Erträglichen dar. Falls nicht die letzten Reserven aus ihr herausgesogen werden sollen, sei ein allgemeiner Abbau der Lebenskosten, wozu auch die Steuern, Abgaben, Zölle und Frachten gehören, unerlässlich. Damit hat der Bundesrat selbst dokumentiert, dass die von der Generaldirektion und vom Verwaltungsrat der S.B.B. vorgesehenen neuen Belastungen der Volksallgemeinheit ohne schwersten Schaden für die Wirtschaft und ohne die Gefährdung der Währung nicht mehr tragbar sind. Zwar sind im Finanzprogramm des Bundes für 1936 bereits 59 Millionen Fr. für die Deckung des Bündesbahndefizits vorgesehen. Dieser Betrag reicht aber zur finanziellen Sanierung nicht aus, um so mehr als die vorgesehene Summe von 75 Millionen Franken, wie bereits erwähnt, zu niedrig angesetzt worden ist. Im Bericht des Verwaltungsrates ist allerdings zu lesen, der Bundesrat sei als oberste Verwaltungsbehörde der Bundesbahnen den politischen Einflüssen weniger ausgesetzt und daher in der Lage, den Betrieb sparsamer zu führen. Das muss sehr bezweifelt werden. Im Gegenteil steht zu befürchten, dass Parteien, Kantone, Verbände und Gewerkschaften ihren Einfluss beim Bundesrat noch viel stärker geltend machen können als bei der bisher immerhin ziemlich autonomen Generaldirektion. Für die Richtigkeit dieser Ansicht sind genügend Beispiele vorhanden. Die dem Bericht des Verwaltungsrates beigelegte Rechnung lässt übrigens in keiner Weise erkennen, wie und wo der Bundesrat Ersparnisse machen soll. Bestünde Aussicht auf solche, so hätte man es sicher nicht unterla: sen, sie im Bericht zu erwähnen und Rechnung entsprechend «schöner» zu gestalten. Aus dem ganzen Bericht drängt sich vielmehr die Ueberzeugung auf, dass es dem Verwaltungsrat nur an der finanziellen Sanierung gelegen ist und dass man es später gerne beim alten belassen will. Dies zeigt auch das Vorgehen mit der Asto, wobei die Gegnerschaft der Kreise um den Oberbetriebschef, sekundiert von der Eisenbahnergewerkschaft, den Sieg über die anfänglich vernünftige Einstellung der Generaldirektion davongetragen hat. Für sie galt von jeher das Auto als Feind und die im Verkehrsteilungsgesetz geplante Zusammenarbeit zwischen Bahnen und Strassenverkehr wurde als unliebsame Schwächung der Monopolstellung der Bahn und des Einflusses der Gewerkschaft empfunden. Die Aufhebung der Astobetriebe beweist klar, dass man sich bei den Bundesbahnen nun auf den einseitigen Kampf gegen das Auto eingestellt hat. Die Wirtschaft, die sich bei den hohen Bahntaxen des Automobils zum Erhalt ihrer Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit bedienen musste, soll nun die Rechnung bezahlen. Zu den vermehrten Steuern und Abgaben sollen also in Zukunft auch die höheren Bahntarife kommen. ...und Erschwerung des Strassenverkehrs. erkehrsprobleme. Tripolis ... der Grosse Preis von Tunis. Wie wird man Segelflieger? Zürich-Peking im Automobil. Beseitigung von Störungen in der Beleuchtungsanlage. Adler-Prüfungsfahrt. Bilder: Seite 8. Es' ist ohne" weiteres klar, dass der Bund in erster Linie versuchen wird, die neuen Aufwendungen für die Bundesbahnen durch Belastungen des Strassenverkehrs zu decken. Darüber lässt der Bericht des Verwaltungsrates keinen Zweifel übrig, wird doch darin vorgeschlagen, dass keine neuen Strassentransportunternehmungen mehr gegründet und bei den bestehenden die Anschaffung neuer Fahrzeuge an die Bedürfnisklausel gebunden werden soll. Im weiteren wird für,die Autounternehmer die Festsetzung von Transporttarifen verlangt. Dass der Bundesrat sie hoch ansetzen würde, damit eine Konkurrenzierungsmöglichkeit der Bahnen unterbunden wird, kann nach den bisherigen Erfahrungen als selbstverständlich betrachtet werden. Es gäbe ja kein einfacheres Mittel, als sich auf diese Weise der Konkurrenz zu erwehren. Endlich wird noch verlangt, dass der Werkverkehr bei Ferntransporten mit einer Abgabe belastet werde. Der gesamte Güterverkehr auf der Strasse soll also, soweit er sich nicht im Werkverkehr in der Nahzone abwickelt, unterbunden werden. Vorschläge hinsichtlich einer weiteren Erschwerung des Personenverkehrs hat der Verwaltungsrat wohlweislich unterlassen. Die letzte Benzinzollerhöhung lässt aber — genau gleich wie der Plan des Spritbeimischungszwanges — erkennen, dass der Bundesrat, wenn er einmal oberster Leiter der Bundesbahnen ist, um Mittel zur Erschwerung des Verkehrs nicht verlegen sein wird. Bei diesen Absichten und Vorschlägen lag es nahe, dem Bundesrat alle Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zu überbinden. Mit dieser Bürde belastet werde, er dann mit besonderer Energie an. die Unterdrückung der Strassenkonkurrenz gehen, so rechneten wohl Generaldirektion und Verwaltungsrat mit Recht. Was könnte ihnen auch besser in den Kram passen, als wenn die Exekutivbehörde für die Bahn- und Strassenverkehrsgesetze zur Partei der Bahnen degradiert wird? Bahnsanierung auf dem Rücken des Auto, tnobils... In den Kreisen des Strassenverkehrs wie in jenen der Wirtschaft hat aus den erwähnten Gründen der Vorschlag des Verwaltungsrates der SBB keine Gegenliebe gefunden. Allgemein vertritt man heute die Auffassung, dass ohne katastrophale Auswirkungen eine weitere finanzielle Belastung der Wirtschaft nicht mehr tragbar sei, ebensowenig aber die geplante Einschränkung des Strassenverkehrs, durch die' eine beträchtliche Erhöhung der Transportkosten und gewaltige Verluste an den in Fahrzeugen, Garagen, Werkstätten usw. investierten' Kapitalien unvermeidlich wären. Was soll ausserdem mit den Tausenden von Chauffeuren geschehen, die bei der vorgesehenen Einschränkung des Verkehrs brotlos würden? Will sie etwa die Bundes- E U ! Der Seewolf. Von Jack London. T O N 30. Fortsetzung. Wenn aber das Heck sank und der Bug träge die nächste Woge erklomm, wurde die Leine wieder schlaff, und er sank unter. Ich hatte ganz Maud Brewsters Existenz vergessen und fuhr daher erschrocken zusammen, als sie mit leichten Schritten neben mich trat. Seit sie an Bord gekommen war, befand sie sich das erstemal an Deck. Totenstille begrüsste ihr Erscheinen. «Worüber freuen sich alle so ?» fragte sie; -«Fragen Sie Kapitän Larsen», antwortete Ich gefasst und kühl, obwohl mir das Blut bei dem Gedanken kochte, dass sie Zeuge einer solchen Roheit werden sollte. Sie wollte meinen Rat folgen und wandte sich um, als ihr Blick auf Oofty-Oofty fie', der mit anmutig gestrafftem Körper vor ihr stand und die Tauschlinge hielt. « Fischen Sie ? » fragte sie. Er antwortete nicht. In seine Augen, die sich fest auf die See achtern hefteten, trat plötzliche ein Schimmer. » Hai ahoi, Kapitän ! > schrie er. - •« Hiv ein ! Schnell alle Mann ! » rief Wolf Larsen und sprang selbst vor allen andern an die Leine. Mugridge hatte den Warnruf des Kanaken gehört und schrie wie ein Besessener. Ich konnte eine schwarze Flosse sehen, die das Wasser durchschnitt, und zwar mit grösserer Schnelligkeit, als er eingehahlt wurde. Ein Wettrennen zwischen dem Hai und uns begann, aber alles vollzog sich in wenigen Augenblicken. Als Mugridge gerade unter uns war, sank das Heck in ein Wellental, wodurch der Hai eine Vorsprung gewann. Beinahe ebenso, aber nicht ganz so schnell war Wolf Larsen. Seine ganze Kraft äusserte sich in einem gewaltigen Ruck. Der Körper des Kochs schoss aus dem Wasser, der Hai hinterdrein. Mugridge zog die Füsse hoch, deren einen der Menschenfresser nur eben zu berühren schien. Dann sank er klatschend ins Wasser zurück. Aber bei der Berührung stiess Thomas Mugridge einen lauten Schrei aus. Dann wurde er wie ein Fisch an der Angel hochgezogen, streifte leicht die Reling und stürzte kopfüber aufs Deck. Doch ein Strom von Blut ergoss sich über die Planken. Der rechte Fuss fehlte, fast am Knöchel amputiert. Ich blickte Maud Brewster an. Sie war leiehenblass, ihre Auger weiteten sich vor Entsetzen. Sie sah nicbt TMtrms Mugridge, sondern Wolf Larsen an. Und er bemerkte es, denn, er sagte mit kurzem Lachen : «Männerspiel, Miss Brewster. Wohl etwas rauher, als Sie es gewöhnt sein mögen, aber immerhin — Männerspiel. Der Hai war nicht mit in der Rechnung. Es —» Bei diesen Worten hatte Thomas Mugridge den Kopf gehoben und war sich über den Verlust, der er erlitten hatte, klar geworden. Jetzt kroch er über das Deck und schlug plötzlich seine Zähne'in Wolf Larsens Bein. Der aber bückte sich ruhig zum Cockney nieder und presste mit Daumen und Zeigefinger von hinten die Kinnladen des Mannes unterhalb der Ohren zusammen. Die Kiefer öffneten sich widerstrebend, und Wolf Larsen war frei. « Wie gesagt >, fuhr er fort, als ob nichts Besonderes geschehen sei: «Der Hai war nicht mit in der Rechnung! Es war — hm — sagen wir, göttliche Vorsehung.» Sie gab kein Zeichen, dass sie ihn gehört hatte, aber die Angst in ihren Augen wich unaussprechlichem Ekel, und sie wandte sich, um zu gehen. Sie hatte indessen kaum einen Schritt getan, als sie wankte und die Hand schwach nach mir ausstreckte. Ich fing sie gerade noch rechtzeitig auf und half ihr, sich auf die Kajütstreppe zu setzen. Ich glaubte, sie würde sofort in Ohnmacht fallen,- aber sie beherrschte sich, « Herr van Weyden. wollen Sie eine Aderoresse holen», rief Wolf Larsen mir zu. Ich zögerte. Ihre Lippen bewegten sich, und obgleich sie kein Wort hervorbrachte, bat sie mich mit den Augen so deutlich wie mit Worten, dem Unglücklichen zu helfen. Mit Anstrengung flüsterte sie « bitte ! », und mir blieb nichts übrig, als zu gehorchen. Ich hatte allmählich solche Geschicklichkeit als Chirurg erlangt, dass Wolf Larsen mir nach kurzer Beratung die Behandlung überlassen konnte, wobei mir ein paar Matrosen halfen. Für seinen Teil wählte er sich die Rache an dem Hat. Ein schwerer Wirbe!- haken, an dem als Köder ein Stück Pökelfleisch hing, wurde über Bord geworfen, und als ich gerade damit fertig war, die gefährdeten Venen und Arterien zusammenzupressen, holten die Matrosen singend das Ungeheuer ein. Ich sah es nicht selbst, aber meine Assistenten verliessen mich abwechselnd, um mittschiffs zu laufen und zu sehen, was vorging. Der 16 Fuss lange Hai wurde in die Haupttakelung geheisst. Sein Rachen war weit aufgerissen, und jetzt wurde eine an beiden Seiten zugespitzte Eisenstange hineingestellt, so dass sie sich in die Kiefer, wenn sie sich schliessen wollten, einbohren und sie festhalten musste. Als dies vollbracht war, wurde der Haken herausgeschnitten. Der Hai sank ins Meer zurück, hilflos und doch im Besitz seiner vollen Kraft, zu langsamem Hungertode verurteilt, den weniger er verdiente als der Mann, der ihm diese Strafe zuerte'Tte. Als ich sie auf mich zukommen sah, wusste ich, was sie wollte. Ich hatte sie zehn Minuten lang ernst mit dem Maschinisten spre-