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E_1936_Zeitung_Nr.045

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BERN, Dienstag, 2. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 45 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnfaUversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Aasgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Pfingstbotschaft des Bundesrates an die Automobilisten: Der Spritbeimischungszwang grundsätzlich beschlossen. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 30. Mai über die Verwendung von Kernobstalkohol als Motorbetriebstoff Beschluss gefasst. Dabei ist zu beachten, dass es sich um eine durch die Verhältnisse aufgezwungene Notmassnahme handelt. Als Folge des Wegfalles des Exportes von Mostobst und wegen des starken Rückganges des Verkaufes von Trinkware haben sich bei der Alkoholverwaltung die Vorräte stark angehäuft. Die Erteilung von Bewilligungen zur Einfuhr von Benzin und Benzol soll deshalb bis auf weiteres an die Bedingung der üebernahme von entwässertem Kernobstalkohol durch die Importeure geknüpft sein. Die Alkoholverwaltung hat die zur Lieferung von entwässertem und gebrauchsfähigem Alkohol erforderlichen Massnahmen zu treffen. Sie ist befugt, die Entwässerung in konzessionierten Privatbetrieben vornehmen zu lassen. Eine technische Kommission wird sich in Verbindung mit der Gesellschaft zum Studium der Motorbrennstoffe mit der Prüfung der technischen Einzelheiten zu befassen haben. Die jährlich zu Motortreibzwecken abzugebende Menge Kernobstalkohol soll jedoch 60 000 Hektoliter 100 Prozent nicht übersteigen. Die wichtige Frage des Preises für den zugeteilten Alkohol bleibt noch offen. Der Preis soll durch einen späteren Bundesratsbeschluss festgesetzt werden, da erst im Zeitpunkt der tatsächlichen Abgabe des entwässerten. Alkohols die Möglichkeit bestehe, die Höhe der Benzinverkaufspreise im Zusammenhang mit allen andern in Betracht zu ziehenden Faktoren zu prüfen. Dabei soll der Abgabepreis des beizumischenden Alkohols nicht die vollen Gestehungskosten der Alkoholverwaltung erreichen. So weit das offizielle Communique. Es ist noch keine zwei Wochen seither, dass wir an die Ueberraschungstaktik erinnerten, deren sich der Bundesrat letztes Jahr bediente, um den Benzinzoll von 20 auf 28 Rappen zu erhöhen, und dass wir in diesem Zusammenhang die Frage aufwarfen, ob er diese bewährte «Operationsmethode» nicht auch anwenden werde, um den Spritbeimischungszwang zum Benzin zu verwirklichen. Unser Misstrauen hat uns leider nur zu recht gegeben: sozusagen als Pfingstgeschenk präsentiert uns der Bundesrat einen Beschluss, der die Einführung des Beimischungszwangs grundsätzlich gutheisst. Einmal mehr praktiziert er damit uns Automobilisten gegenüber die Politik des fait accompli, er schneidet — bezeichnend genug! — unmittelbar vor Beginn der Parlamentssession alle Diskussionen über dieses Problem ab und «klärt» mit einem Machtwort die prinzipielle Seite der Angelegenheit ab. Einmal mehr gibt er damit zu erkennen, wozu die Automobilbesitzer in seinen Augen heute da sind: um stille zu sitzen, zu schweigen und zu bezahlen, zu bezahlen für die Folgen der nicht nur von uns, sondern F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 34. Fortsetzung. Aber die da drüben wird er allem Anschein nach kaum durchbringen >, fügte er hinzu und wies auf das dritte Boot der .Macedonia', auf das ich jetzt lossteuerte, und das sich beinahe in der gleichen Höhe wie wir befand. < Das ist Homers und Smokes Arbeit. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich lebendige Männer brauche und keine Leichen. Aber die Freude am Treffen ist eine zu grosse Versuchung, wenn man erst einmal schiessen gelernt hat. Haben Sie es je versucht, Herr van Weyden ? » Ich schüttelte den Kopf und betrachtete ihr Werk. Es war in der Tat blutig gewesen, und jetzt waren sie einfach weitergefahren und hatten sich unsern anderen drei Booten bei ihrem Angriff auf die übrigen Feinde angeschlossen. Das sich selbst überlasseue Erscheint jeden Dlenstap and Fraitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelb* List*" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 von allen Seiten aufs schärfste kritisierten Geschäftsführung der eidg. Alkoholverwaltung, die es binnen weniger Jahre glücklich fertig gebracht hat, derartige Millionendefizite auf ihren Karren zu türmen, dass er heute rettungslos festgefahren ist. Jetzt wendet man sich huldvoll wieder ans Automobil, diese bisher so sehr «geschonte» wirtschaftliche Reserve, ihm überträgt man die hehre Mission, durch einen neuen Aderlass der kläglich versagenden Alkoholregie wieder auf die Beine zu helfen. Abermals folgt man dabei wie schon bei den vorangegangenen Benzinzollerhöhungen der Linie des geringsten Widerstandes, weil es allerdings unbequemer ist, die Misswirtschaft dieses Regiebetriebes an der Wurzel zu fassen und für einen radikalen Kurswechsel zu sorgen und weil man sich obendrein mit einer Antastung des Brennhafens kaum populär machen würde. Was kümmert es einem, dass sogar im Parlament Stimmen laut wurden, die sich entschieden gegen eine solche Zumutung an die Automobilisten wendeten? Die Beutezüge auf die Taschen des Automobilisten sind schon lange System, das illustriert mit aller wünschenswerten Deutlichkeit die Tatsache, dass man es im Bundeshaus als eine fiskalpolitische Maxime betrachtet — und auch danach lebt — das Motorfahrzeug sei dazu da, um alle möglichen und unmöglichen Löcher in der Staatskasse zu stopfen und als «Sesam öffne dich» zu funktionieren, wenn der Fiskus wieder einmal Geld braucht. Dass man damit einen Wirtschaftszweig, worin Milliarden investiert sind und Zehntausende von Volksgenossen beschäftigt sind, denen genau so ein Recht auf eine auskömmliche Existenz zusteht, wie der Landwirtschaft mit ihrem in die Hunderte von Millionen reichenden Subventionssegen, dass man das Automobilwesen der Gefahr des Verblutens aussetzt, darüber macht man sich nicht die geringsten Gewissensbisse. Im Gegenteil: je schlimmer das Auto dran ist, desto besser, so spukt es in gewissen Köpfen, soll es ja den Bahnen ergehen ... Boot lag in einem Wellental und rollte wie trunken über den Schaum, während das lose Sprietsegel im rechten Winkel herausstak und im Winde flatterte. Jäger und Puller lagen hilflos auf dem Boden, der Steurer jedoch lag quer über dem Schandeckel, halb über der Reling, seine Arme schleiften das Wasser, und sein Kopf rollte von einer Seite zur andern. « Sehen Sie nicht hin, Fräulein Brewster, bitte, sehen Sie nicht hin», flehte ich sie an und war froh, dass sie mir folgte, und dass ihr dieser Anblick erspart blieb. «Halten Sie gerade auf den Hauifen los, Herr van Weyden ! » befahl Wolf Larsen. Als wir näher kamen, hatte das Feuer aufgehört, und wir sahen, dass der Kampf vorbei war. Die beiden letzten Boote waren von unsern fünf erbeutet worden, und alle sieben lagen jetzt zusammengedrängt da und warteten darauf, von uns aufgenommen zu werden. « Sehen Sie dort! > rief ich unwillkürlich, indem ich nach Nordwest wies. « Ja, ich hab' es gesehen >, erwiderte Wolf Larsen ruhig. Er mass die Entfernung zur Bei der Einstellung des Bundesrates, der im Motorfahrzeug — wie er zu beweisen nicht müde wird — ausschliesslich ein ebenso willkommenes wie ergiebiges Objekt fiskalischer Ausbeutung erblickt, muss es wie eine Ironie anmuten, wenn er an das Vertrauen des Volkes appelliert, ohne das er nicht regieren könne. Was uns anbelangt, so erklären wir schlankweg, dass von Vertrauen in unseren Kreisen- längst keine Rede mehr sein kann. Man hat im Bundeshaus wirklich alles getan und nichts unterlassen, um auch die letzte Spur davon gründlich zu tilgen. Was zurückblieb, ist Groll und tiefe Verbitterung über die Behandlung — um nicht einen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen — die uns durch unsere Behörden immer wieder zuteil geworden ist. Diese Vertrauenskrise beschränkt sich übrigens nicht bloss auf uns Automobilisten. Sie zieht viel weitere Kreise und reicht bis ins Parlament hinein, wie aus dem Entscheid der beiden Alkoholkommissionen erhellt, ihren Beschluss über das Alkoholbudget 1936/37 bis auf die zweite Sessionswoche zu vertagen, weil der Bundesrat den Voranschlag nicht auf eine solide Basis zu stellen imstande war. « Den Leuten kann geholfen werden », sagten sich unsere "Landes'häüpter, gingen unverzüglich hin und setzten die Spritbeimischung in Kraft. Dabei aber bleibt der Kernpunkt der ganzen Angelegenheit, die Kostenfrage, noch offen. Mit der Abklärung des zweiten, in der Luft hängenden Budgetpostens, will sagen mit der Festsetzung des Uebernahmepreises, wartet man vorsichtshalber noch zu, weil man es mit den Bauern nicht verderben will. « Anpassung unserer Preise an das Weltniveau », predigt der Bundesrat bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Seine Taten aber stehen dieser Forderung diame- -tral gegenüber, denn anstatt das Kostenniveau zu senken, bietet er selbst Hand dazu, es auf Die Probleme der Verkehrsteilung, welche eng zusammenhängen mit der Sanierung der Bundesbahnen, stehen gegenwärtig im Vordergrund des Interesses. Man hat endlich von einer — wenn auch nur vorläufigen — Stellungnahme des Bundesrates vernommen, welche darin zum Ausdruck kommt, dass dieser zwei Beschlüsse gefasst hat. Danach soll zum einen die Sanierung der Bundesbahnen und der Prävatbahnen gleichzeitig mit der Lösung des Verkehrsteilungsproblems an die Hand genommen werden. Der zweite Beschluss betrifft die Personalverhältnisse. Entgegen dem Vorschlag des Verwaltungsrates der Bundesbahnen, der eine Aenderung des Personalstatuts der Bundesbeamten .vorschlug, will man nun von einer' Modifikation des allgemeinen Beamtenstatuts absehen, jedoch muss für das Personal der Bundesbahnen grössere Anpassungsfreiheit bestehen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir voraussagen, dass dieser Entschluss des Bundesrates scharfer Opposition aus den Kreisen der Gewerkschaften Nebelbank und blieb einen Augenblick stehen, um die Stärke des Windes an seiner Backe zu fühlen. «Ich denke, wir schaffen es. Aber Sie können sich darauf verlassen, dass mein teurer Bruder uns auf die Sprünge gekommen ist und gerade auf uns losgeht. Schauen Sie nur ! » Der Raüchfleck wuchs plötzlich und war sehr schwarz. «Ich werde schon noch mit dir fertig, und wenn du zehnmal mein Bruder bist! » frohlockte er. « Du kannst froh sein, wenn deine alte Maschine nicht in tausend Stücke springt.» Als wir beilegten, löste sich das scheinbare Wirrwarr. Die Boote verteilten sich au\ beide Seiten, und die Leute kamen gleichzeitig an Bord. Sobald die Gefangenen über die Reling geklettert waren, wurden sie von unsern Jägern in die Back geschafft, während unsere Matrosen die Boote einholten, sie in wirrem Durcheinander auf Deck fallen Hessen und sich nicht einmal Zeit nahmen, sie festzusurren. Wir waren schon in voller Fahrt; als das letzte Boote aus dem Wasser INSERTIONS-PREIS: Di* aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Speziattarit. lnserotenschluss 4 Tan« vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Pariser Strassenbaukongress. Autosport über die Pfingsttage. Prageis trasse. Ober: Preßstoffe und deren Verwendung am Auto. Aufbau im Sportflugwesen. Das Leben Sir Herbert Austins. dem Wege von Massnahmen, wie dem Spritbeimischungszwang, in die Höhe zu treiben, ganz zu schweigen davon, dass er es duldet, wenn unter seinen Augen auch auf andern Gebieten Verteuerungen eintreten. (Schluss auf Seite 2). Probleme der Verkehrsteilung und ganz allgemein aus dem Lager der Anhänger der Staatsbetriebe begegnen wird. Grundsätzliche Fragen. Bei der Gesetzgebung stellt sich heute die grundsätzliche Frage: Soll sie im Sinne unserer Verfassung eine liberale Einstellung bewahren, die gegeben ist durch das verfassungsmässige Recht auf Handels- und Gewerbefreiheit, oder soll die Staatsnotwendigkeit dazu führen, dass das freie Gewerbe im Sinne einer berufsständischen Ordnung^ eingeschränkt wird? Es scheint, dass auch die Befürworter des Staatssozialismus, die in den staatlichen Verkehrsbetrieben eine starke Stütze ihrer politischen Macht erblicken, eher für eine monopolistische Lösung zu haben wären als für die Aufrechterhaltung der bisherigen Ordnung. Wir stehen heute in einer Uebergangszeit, in der es ganz besonders schwierig ist, sich für die eine oder andere Lösung zu entschei- gehoben wurde und über die Reling schwang, waren bereits alle Segel gesetzt. Eile tat denn auch not. Die .Macedonia'« deren Schlot schwärzesten Rauch ausstiess, kam aus Nordwest herangejagt. Ohne die Boote, die ihr geblieben waren, zu beachten, hatte sie ihren Kurs so gesetzt, dass sie uns überholen musste. Sie fuhr nicht gerade auf uns los, sondern ihr Kurs bildete einen spitzen Winkel zu dem unsern, und wir mussten uns gerade am Rande der Nebelbank treffen. Dort oder nirgends konnte die .Macedonia' hoffen, uns zu fangen. Die einzige Rettung der ,Ghost' wiederum war, diesen Punkt vor der .Macedonia' zu erreichen. Wolf Larsen steuerte. Seine Augen funkelten und blitzten, während sie von einem zum andern sprangen. Bald durchforschte er die See in Luv nach Anzeichen, ob der Wind sich legte oder auffrischte, bald blickte er nach der .Macedonia', dann wieder schweiften seine Augen über die Segel, und er gab Befehl, hier eine Leine zu lockern, dort eine anzuziehen, bis er aus der .Ghost' alles herausholte, was sie zu leisten vermochte. Aller Streit, aller Groll war vergessen, und ich