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E_1936_Zeitung_Nr.046

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BERN, Freitag, 5. Juni 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N" 46 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: AmtßBe A (ohne Versicherung) halb jährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht poitamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UntaUversieh.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Bundesrätliche fait-accompli-Politik. — Eidgen. Alkoholverwaltung, das Musterbeispiel nicht gehaltener Versprechungen. — Bequeme Sanierung durch die Beimischung. Bekanntlich hat der Bundesrat in semer Sitzung vom 30. Mai a. c. auf Grund von Art. 39 des zweiten Finanzprogrammes grundsätzliche Einführung des Beimischungszwanges beschlossen. Die wichtigen Entscheide betreffend Höhe der Beimischungsquote und Uebernahme des entstehenden Mehrpreises auf den Treibstoffen behielt sich unsere oberste Landesbehörde dagegen vor. Welche Bedeutung haben nun die Benzinkonsumenten diesem Vorgehen beizumessen? Müssen sie sich unter allen Umständen dieser Politik der eisernen Faust fügen ? Bekennen wir offen: Die sofortige Inkraftsetzung des Beimischungszwanges bedeutet die Beschreitung eines Weges durch den hohen Bundesrat, auf welchem ihm nicht allein die Automobilisten, sondern darüberhinaus alle wirtschaftspolitisch noch einigermassen klar denkenden Schweizerbürger keine Gefolgschaft, leisten können. Denn durch dje J3utf heissung des Beimischungszwanges bfeitet unsere oberste Landesbehörde schützend und schirmend ihre Fittiche über einen eidgenössischen Monopolbetrieb, von welchem feststeht, dass er weder den Anforderungen der Gegenwart noch denjenigen der Zukunft in irgendeiner Weise gewachsen ist. Auf welch tönernen Füssen übrigens die Opportunität dieser Sanierungsmassnahme selbst im Bundeshause steht, erhellt die schwache Zustimmung, die dem Beimischungsbeschluss zuteil wurde, eindeutig. 3 von den 7 Bundesräten sollen sich dieser Bequemlichkeitslösung widersetzt haben, und interessanterweise, abgesehen vom Vorsteher des Finanzdepartementes, ausgerechnet diejenigen Departementschefs, in deren Ressorts die Motortreibstoffe von Bedeutung sind! Selbst der Militärminister hat dem Vernehmen nach an der Verteuerung seines Benzins infolge «Verbesserung » durch Beifügung landwirtschaftlicher Produkte keine grosse Freude. Dieses Abstimmungsergebnis lässt die Hinfälligkeit der Argumente zur Begründung deartiger wirtschafts- resp. agrarpolitischer Massnahmen klar erkennen; Er war in Luv des Dampfers in den Nebel gegangen, und während die .Macedonia', um ihn zu fangen, blind hineingestossen war, hatte er jetzt sein Versteck verlassen, um es auf der Leeseite wieder aufzusuchen. Glückte sein Plan, so wäre das alte Gleichnis von der Stecknadel im Heuschober schwach gewesen neben der Aussicht seines Bruders, ihn zu finden. Es sollte jedoch nicht lange dauern. Wir hatten Fock und Großsegel gejibbt, jetzt setzten wir die Toppsegel und fuhren wieder in den Nebel hinein. Während wir hineintauchten, hätte ich darauf schwören mögen, in Luv einen schwarzen Rumpf gesehen zu haben. Ich warf einen raschen Blick auf Wolf Larsen. Schon waren wir im Nebel begraben, aber er nickte. Auch er hatte es gesehen — die .Macedonia' hatte sein Manöver erraten, und auf ein Haar hätte sie uns -überrumpelt Es war das Werk eines iO.- Die Diktatur der Demokratie F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 35. Fortsetzung. Erseheint jeden Diensten and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelb* litte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Argumente, welche sich unseres Erachtens bei unvoreingenommener Betrachtung nie und nimmer aufrecht erhalten lassen, nicht einmal bei Umhängung des Mäntelchens < aufgezwungene Notmassnahme ». Kein Wunder, dass der nämliche Bundesrat, der von seinem Rechte zum Erlass von Zwangsmassnahmen so gerne Gebrauch machen würde, auch versucht, jede Diskussion über die Misswirtschaft dieses unter seiner Obhut stehenden Monopolbetriebes zu unterdrücken. Doch die Hoffnung, auf diese' Weise den Beimischungszwang als eine dem Interesse des ganzen Landes, das zu verfolgen er ja unter Eid versprach, dienliche Massnahme erscheinen zu lassen, dürfte eitel sein. Wir werden nicht müde zu wiederholen: Die eidg. Alkoholverwaltung lässt sich nicht durch den Beimischungszwang sanieren und auf eine gesunde Grundlage stellen! Nur eine von allen persönlichen und parteipolitischen Rücksichten freie Reorganlsaijon dieses zum Staat im Staate gewordenen Verwaltungszweiges kann tragbare Zustände schaffen. Nicht Männer, die sich vor einer Revolution der Brennhafen fürchten, sondern solche; die Gewähr bieten, dass die dem Volke gegebenen Versprechen auch in die Tat umgesetzt werden, gehören an derart verantwortungsvolle Posten, nie aber «Landwirte », deren Geschäftsführung, privatwirtschaftlich betrachtet, unmöglich wäre. Grosse Kreise unserer Bevölkerung, vor allem die Leidtragenden, d. h. die weit über 100000 von Benzin- nun zu Schnapskonsumenten avancierten Bürger, sind mit der gegenwärtigen Besetzung der obersten Stellen der Alkoholverwaltung nicht mehr einverstanden. Wieder und wieder appellieren unsere kleinen und grossen Behörden an das Vertrauen des. Volkes. Wie verhalten sich aber deren dringliche Beschlüsse, uneingelöste Versprechungen, die den in der Bundesverfassung niedergelegten Reohtsätzen zuwiderlaufenden Auslegungen hiezu? Welches Zeugnis stellt es unsern «Dienern am Volke» aus, wenn Initiativen zur Wahrung der Volksrechte in Steuerfragen, etc. lanciert werden müssen? Und nun fällt diesem selben Volke statt der versprochenen Augenblicks gewesen, aber kein Zweifel : wir waren ungesehen entwischt. «Das kann er so nicht weitermachen», sagte Wolf Larsen. «Er muss umkehren, schon seiner Boote wegen. Schicken Sie einen Mann ans Rad, Herr von Weyden, halten Sie vorläufig diesen Kurs, und dann können Sie die Wachen verteilen. Wir werden uns diese Nacht nicht viel Ruhe gönnen können. Aber ich hätte doch fünfhundert Dollar gegeben •», fügte er hinzu, « um nur fünf Minuten an Bord der ,Macedonia' zu sein und meinen Bruder fluchen zu hören.» «Und nun, Herr van Weyden», sagte er zu mir, als er beim Rad abgelöst war, « müssen wir unsere neuen Leute bewillkommnen! Geben Sie den Jägern recht viel Whisky und sorgen Sie dafür, dass auch einige Flaschen nach vorn kommen. Ich möchte wetten, dass morgen alle bis auf den letzten Mann umgestimmt, sind und ebenso gern für Wolf Larsen jagen, wie bisher für Tod Larsen.» « Aber werden sie nicht durchbrennen, wie Wainwright?» fragte ich. Er lachte verschmitzt. «Nicht, solange unsere alten Jage/ein Wörtchen mitzureden haben. Für jedes Fell, das die neuen Jäger goldenen Berge der Alkoholverwaltung deren Defizit von 21,6 Millionen Franken in den Sohoss. Sind das nicht Symptome, unter denen schon manche demokratische Staatsform zu wanken begann — Symptome, die wir in nächster Nähe in rascher Entwicklung zu staatspolitischen Umwälzungen führen sahen? Wie reimt es sich, dass der eidgenössiche Alkoholdirektor einst pathetisch ausrufen könnte: «Wir müssen den Mut aufbringen zu sagen, dass es gilt, ein System, das durch die technische Entwicklung der Schnapsbrennerei und durch die Fiskalpreise der Alkoholverwaltung grossgezogen worden ist, zu ändern und zu bessern», und heute, zu Lasten der Benzinkonsumenten, dieses von ihm selbst an den Pranger gestellte System um jeden Preis weiterhin in derselben Form aufrecht erhalten will? Als was muss sich eigentlich der Sohweizerbürger vorkommen, wenn dieser nämliche Verwaltungsmann es wagt, einst den kantonalen Finanzdirektoren zuzurufen: «Wir müssen den Mut aufbringen, den die Wahrung der höchsten Güter des Menschen, die Erhaltung seiner Familie und seines Seelenadels, erheischt», um hernach im Verlaufe eines einzigen Geschäftsjahres die Zahl der Brennauftraggeber von 84,700 auf 115,500 oder um volle 30,800 zu erhöhen? Als zum mindesten leicht beschränkt scheint der eidgenössische Alkoholdirektor den schweizerischen Steuerzahler einzuschätzen, sonst würde er sich entschieden hüten, nach «vorsichtigen Berechnungen > das Erträgnis der revidierten Alkoholgesetzsgebung auf über 20 Millionen Franken pro Jahr zu veranschlagen, um dann im Geschäftsbericht 1933/34 an Stelle der budgetierten Einnahmen von 24,3 Millionen Franken einen effektiven Gewinn von ganzen 4 Millionen Franken auszuweisen — dessen ungeachtet jedoch für das folgende Jahr erneut Ein- INSERTIONS-PREIS: Die aehtgwpaltene 2 mm hohe Grundzeüe oder deren Baum 45 Rn. GrSssere Inserate nach Spezialtaril. iBseratensehlnss 4 Tane vm Erscheinen der Nummern Via Vita contra Alkohol- Verwaltung. Vorschau auf Barcelona. Das Flattern der Vorderräder. Vittorio Jano, der Schöpfer des Alfa Romeo. Beilage: nahmen in der Höhe von 11,3 Millionen Franken zu budgetieren und schlussendlich ein Defizit von 21,6 Millionen zu präsentieren! Langmütigkeit hat nach Ansicht dieses vom Sohweizervoike für seine «Erfolge» fürstlich entlöhnten Verwaltungsbeamten in der Skala der Bürgertugenden noch vor der Ruhe zu kommen — jedenfalls hat er sich in seiner Budgetierung durchaus nicht stören lassen und pro 1935/36 erneut Einnahmen im Betrage von 4 Millionen Franken eingesetzt. Trotzdem in der Staats Wirtschaft ändere Budgetgrundsätze zur Anwendung gelangen als' in der Privatwirtschaft, sind die " ..>•','"- nun doch selbst den Alkoholkommissionen unheimlich geworden und sie haben sich energisch geweigert, zu derartigen Praktiken län* ger Ja und Amen zu sagen. ' (Schluss auf Seit* 2). Man weiss, dass die Bestrebungen der IGrundlage- der bisherigen Verfassung den Personalverbände der Bundesbahnen seit Vorschlag von Herrn Bratschi zu verwirklichen. langem dahin zielen, den Werkverkehr mit Motorfahrzeugen zu verhindern, entweder Was tun ? Die Litra hat den Weg gefunden. Sie will eine Initiative starten, welche durch eine starke fiskalische Belastung oder sogar durch die Verstaatlichung der Automobiltransporte. Die Motion Bratschi hatte die- Personen- und Gütertransport nach volks- dem Bunde die Kompetenz geben soll, den ses Ziel im Auge und wollte ohne weiteres wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ordnen. den Werkverkehr dem gewerbsmässigen Damit kann man auch Monopoltendenzen Verkehr gleichstellen. glänzend « rechtfertigen ». Es werden einfach Nun hat aber der Kronjurist des Bundesrates — Herr Professor Dr. Burckhardt — schaftlichen Gesichtspunkten ». Nach solchen Massnahmen durchgeführt « nach volkswirt- erklärt: Es- kommt nicht in Frage, auf der Gesichtspunkten hat man auch die Bei- schiessen, gebe ich ihnen einen Dollar zur Teilung. Wenigstens die Hälfte ihres Jubels heute morgen ist auf das Konto dieses Versprechens zu schreiben. Oh. wenn es auf sie ankommt, wird niemand durchbrennen. Und nun wäre es am besten, wenn Sie nach vorn gingen und Ihren Lazarettdienst verrichteten. Eine stattliche Anzahl Patienten wartet auf Sie.» Wolf Larsen entschloss sich, die Verteilung des Whiskys selbst vorzunehmen, und während ich in der Back mit einem frischen Trupp Verwundeter beschäftigt war, begannen die Flaschen in die Erscheinung zu treten. Ich hatte schon in meinem Leben Whisky trinken sehen, wie man ihn in den Klubs trank : etwas Whisky mit Sodawasser, aber nie, wie diese Männer ihn tranken : aus Konservendosen, aus Krügen und Flaschen in unendlichen Zügen, deren jeder an sich schon eine Ausschweifung war. Und sie begnügten sich nicht mit einem oder zweien. Sie tranken und tranken, und immer mehr Flaschen wanderten nach vorn, und immer mehr tranken sie. Alle tranken. Die Verwundeten tranken; Oofty-Oofty, der mär half, trank. Nur Louis hielt sich zurück, er befeuchtete sich die Lippen nur ganz vorsichtig, stimmte aber Wir berichten heute Ober: Rechenkünste unseres Alkoholdirektors £ine neue V&ifassuttQSWÜiaüae in den allgemeinen Lärm mit ein wie der Schlimmste von ihnen. Es war eine zügellose Schwelgerei. Mit lauter Stimme erörterten sie die Kämpfe des Tages, stritten sich über Einzelheiten oder wurden zärtlich und schlössen Freundschaft mit denen, gegen die sie gekämpft hatten. Gefangene wie Sieger sanken sich in die Arme und schworen sich schluckend mit mächtigen Flüchen gegenseitig ihre Hochachtung und Wertschätzung. Sie weinten über das Elend, das sie durchgemacht hatten, wie über das, was noch kommen musste unter der eisernen Fuchtel Wolf Larsens. Und jeder verfluchte ihn und erzählte schreckliche Geschichten von seiner Brutalität. Das Zwischendeck, wo die beiden verwundeten Jäger lagen, war eine Wiederholung der Back, nur, dass hier nicht auf Wolf Larsen geflucht wurde, und mit grosser Erleichterung erschien ich wieder an Deck und ging nach achtern in die Kajüte. Das Abendbrot war bereit, und Wolf Larsen und Maud warteten auf mich. Während Wolf Larsens Mannschaft sich so schnell und gründlich wie möglich betrank, blieb er selbst nüchtern. Nicht 'ein Tropfen Schnaps kam über seine Lippen.