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E_1936_Zeitung_Nr.061

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BERN, Dienstag, 28. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N° 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ständerat die berechtigte Abwehr der Benzinkonsumenten als «ungeheuren Angriff» zu brandmarken versuchte. Freilich erteilte ihm die Volksvertretung zum mindesten die tref- Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. St.—, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postaratlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 'Ihrem Wesen und ihrer Ausdehnung nach trug die Proteststillegung vom 5. Juli den Stempel einer Demonstration der Motorfahrzeugbesitzer unseres Landes gegen die unaufhörlich wachsende und dabei noch immer nicht an ihrem Ende angelangte fiskalische Belastung des Strassenverkehrs an sich. Wenn die Aktion weitere Kreise zog und in der Qeffentlichkeit einen unerwartet starken Widerhall fand, wobei es überraschend war, festzustellen, wieviele «Aussenstehende» mit uns sympathisierten, dann berechtigt dieser Umstand zur Annahme, dass man sich auch im Volk seine Sprüche und Gedanken zur Wirtschaftspolitik des Bundeshauses macht und weit davon entfernt ist, sie vorbehaltlos und restlos zu billigen. Wie tönte es doch nach dem 5. Juli aus der Tagespresse zurück? Zitieren wir aus der Fülle der Kommentare: «... eine bitterernste Kundgebung gegen die herrschenden Wirtschafts- und Fiskalverhältnisse überhaupt >. «... der letzte Eidgenosse versteht es nicht, dass ein, mit Zöllen, Steuern und Abgaben schon überlasteter Volksteil für den Millionenschaden aufkommen soll, an dem er nicht die geringste Schuld trägt. Dass eich das Automobil gefjen die hanebüchene Ungerechtigkeit wehrt, wurde vom «Fussvolk> mit verständnisvoller Anteilnahme bebegriffen und unterstützt ». «... eine eindrucksvolle Kundgebung gegen jenen völlig abwegigen Kurs der Finanz- und Wirtschaftspolitik, welcher ideenlos eine Umgruppierung und Steigerung der Lasten von einer Berufsgruppe auf die andere nach der Richtung des geringsten Widerstandes vornimmt. Hoffen wir, dass der Protest der Automobilisten die Behörden veranlasse, bei der Behandlung der groseen hängenden Wirtschafts-, Verkehrs- und Finanzfragen nicht mehr ... unnatürliche und verkrampfte Lösungen der Probleme zu suchen ». Sofern der Bundesrat etwa Neigung verspüren sollte, über die eindeutige Lektion, welche ihm die Benzinkonsumenten erteilen, hinweg zur Tagesordnung zu schreiten und uns auch füfclerhin als quantite negligeable zu behandeln — Herr Pilet-Golaz hat uns zwar in seiner Festrede von Montreux mit Ausdrücken wie «Stärke» und «massive Organisation» der Automobilisten bedacht, unsaber gleichzeitig auch deren «brutaler» Anwendung geziehen — die Stimme des Volkes, die sich in Zusammenhang mit dem Ereignis vom 5. Juli gemeldet hat, wird er nicht so leicht überhören können. Und sie ist dazu an- •getan, auch den^ letzten Zweifel darüber zu beseitigen, woher heute der Wind weht. Das Vertrauen in die Behörden ist in einem Mass •geschwunden, dass man darob selbst im Bundeshaus Beunruhigung empfindet. Wer Augen F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 49. Fortsetzung. Uertrauen Er schüttelte den Kopf, und sein trotziger Mund verzog- sich zu einem seltsamen, verzerrten Lächeln, wirklich, verzerrt, denn nur die Muskeln der linken Gesichtshälfte bewegten sich, während die rechte starr blieb. « Das war das letzte Spiel des Wolfes, > sagte er. «Ich bin gelähmt. Ich werde nie wieder gehen. Oh, nur die andere Seite,» fügte er hinzu,/als erriete er den misstrauischen Blick, den ich auf sein linkes Bein warf, dessen Knie sich soeben unter der Decke gekrümmt hatte. « Es ist auch wirklich Pech, » fuhr er fort. «Ich würde »mich gefreut haben, wenn ich Ihnen wenigstens den Garaus gemacht hätte. Dazu, dachte ich, würden meine Kräfte noch reichen.» « Aber warum denn? » fragte ich entsetzt, aber doch neugierig. Wieder verzog sich sein trotziger Mund Erseheint Jeden Diensten und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Llit»" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 hat zu sehen, dem kann es längst nicht entgangen sein, dass Regierung und Volk einander entfremdet sind. Nichts vermag darüber hinwegzutäuschen, wie tief der Riss zwischen Behörde und Bürger sich aufgetan hat. Dessen scheint sich auch der Bundesrat bewusst zu sein, wenn er jede passende und unpassende Gelegenheit benützt, um Vertrauen zu erwerben. Damit allerdings reimt es sich schlecht zusammen, dass der nämliche Bundesrat zur selben Zeit ein ganzes Schock von Initiativen auf die lange Bank schiebt — die Alpenstrasseninitiative bildet nur ein Beispiel von vielen — und dass er den Volksentscheid immer wieder zu hintertreiben versteht. Gewiss, der Schweizer bringt von zu Hause aus eine tüchtige Dosis Gutmütigkeit mit, aber wenn er zusehen muss, wie seine verfassungsmässigen Rechte durch die ausgiebige Anwendung des dringlichen Bundesbeschlusses umgangen werden, wie man sich über einmal gegebene Versprechen hinwegsetzt, wie von höchster Stelle aus sozusagen in Permanenz gegen den Grundsatz von Treu und Glauben gesündigt wird und welche unüberbrückbaren Widersprüche zwischen den schönen Worten und den Taten des Bundesrates klaffen, dann reisst auch dem frömmsten Gemüt der Geduldsfaden. Solange dieses verhängnisvolle Spiel weiter anhält, wird das Volk misstrauisch und grollend abseits stehen. Solange aber muss auch die Hoffnung auf eine Aufhellung unseres düsteren wirtschaftlichen Horizontes eine Illusion bleiben. Gerade uns Automobilisten hat sich die Exekutive wie kaum einen andern Stand zum Opfer ihrer Taktik des «An-der-^Nase-Herumführens» auserkoren, getreu dem strategischen Prinzip, dass die Linie des geringsten Widerstandes den raschesten und sichersten Erfolg verheisst. Es ist ein tristes Kapitel wirtschafts- und finanzpolitischer Kunst, das vor unsern Augen ersteht, wenn wir wieder einmal das Register der nicht erfüllten Versprechungen ans Licht zjehen und die Erinnerung daran etwas auffrischen. ? Schon bei der ersten Erhöhung des Benzinzolles auf 23 Fr. hiess es, es handle sich um eine vorübergehende Massnahme. Offenbar erwies sie sich jedoch für den Fiskus als dermassen wohltätig, dass man sie gleich beibehielt. Als sich die Opposition zusehends heftiger regte, beschwichtigte man uns von zu dem verzerrten Lächeln, und er sagte: « Ach nur, um lebendig zu sein, zu leben und zu handeln, um das grössere Stück Gärstoff zu sein, um Sie zu fressen. Aber auf diese Weise sterben... » Er zuckte die Achseln oder versuchte es vielmehr, denn nur die linke Schulter bewegte sich. Sein Achselzucken war ebenso verzerrt wie sein Lächeln. « Aber haben Sie eine Erklärung für Ihre Krankheit? » fragte ich. « Wo sitzt sie? » « Im Gehirn », erwiderte er sofort. « Die verfluchten Kopfschmerzen sind die Ursache. » « Symptome, » meinte ich. Er nickte. « Es gibt keine Erklärung. Ich bin nie in meinem Leben krank gewesen. Irgend etwas ist mit meinem Gehirn los. Ein Geschwür, ein Tumor oder etwas derartiges — etwas, das frisst und zerstört. Es greift mein Nervenzentrum an, frisst es Stück auf Stück, Zelle auf Zelle — vor Schmerz.» « Auch die Bewegungszentren,» warf ich ein. «Es scheint so, und das Verfluchte dabei ist, dass ich bei vollem Bewusstsein, vollkommen klar und geistig ungeschwächt hier den Behörden aus mit der Zusicherung, wir hätten für die nächsten Jahre keine weitere Heraufsetzung mehr zu gewärtigen. Am 25. Juni 1935 traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel die neuerliche Erhöhung des Benzinzolls, diesmal um die Kleinigkeit von 40%. Dabei bleibe es nun aber, erhielten wir zugesagt, wie sich die Empörung über diesen Hand-' streich zum Plan einer aut&mobilistischen Selbssqhutzaktion verdichtete, dabei bleibe es, Spritbeimischung hin oder her. Nächster Akt: Der Bundesrat geht hin und beschert uns als Pfingstgeschenk einen Beschluss, worin er den Alkoholbeimischungszwang zum Gesetz erhebt. Ist es ihm einstweilen auch vorbeigelungen, uns mit der Tilgung des skandalösen Defizits der Alkoholverwaltung zu beglücken, am guten Willen dazu hat er es nicht fehlen lassen, wie Herr Bundespräsident Meyer bewies, als er in seinen beiden Reden zum Alkoholbudget im National- und Ein Lastwagenführer wurde von einem Fussgänger um die Erlaubnis gefragt, auf dem Lastwagen mitfahren zu dürfen. Da im Führersitz des Wagens selbst kein Platz vorhanden war, Hess der Chauffeur den Fussgänger auf die auf dem Lastwagen befindlichen Kisten und Fässer aufsitzen, und zwar mit dem ausdrücklichen Vermerk, er übernehme keine Verantwortung, wenn es etwas geben sollte. Kurz nachher fuhr der Lastwagen über den Strassenrand hinaus, überschlug sich und kam unten an einem Abhang wieder zum Stehen. Während die in der Führerkabine sich befindenden Personen mit dem Schreck davonkamen, wurde der Fussgänger von der Ladebrücke erdrückt. Auch in diesem Falle wurde in Berücksichtigung~des Umstandes, dass der Fussgänger aus Gefälligkeit mitfuhr, der Schadenersatzanspruch der Hinterlassenen reduziert, da es, nach Auffassung des Bundesgerichts, ein Gebot der Billigkeit sei, hierauf im Sinne einer Milderung der Schadenshaftung Rücksicht zu nehmen. Ein Redaktor nahm nach Schluss einer Generalversammlung die Einladung eines Automobilisten an, in dessen Automobil nach Zürich zu fahren. Auf der Fahrt überschlug sich der Wagen, wobei der eingeladene Redaktor auf der Stelle getötet wurde. Das liegen muss und weiss, dass die Kurve Zoll für Zoll abwärts geht, und dass ich immer mehr von der Aussenwelt abgeschnitten werde. Ich kann nicht mehr sehen, Gehör und Gefühl verlassen mich, und bald werde ich auch nicht mehr sprechen können. Und doch werde ist hier sein, lebendig und ohnmächtig. » INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe GrundzeUo oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril. Inferatensebluss 4 Tag« vor Ericheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Querschnitt. Doppelsieg der Auto-Union im Grossen Preis von Deutschland. Wenn der Unterbrecher versagt. Regelmässigkeit im Luftverkehr Der Col d'Iseran. Abnahme der Strassenverkehrsunfälle. fende Antwort, indem sie das famose Budget in den Orkus schickte. Trotzdem: es bleibe bei der gegenwärtigen Höhe des Benzinzolles, hat man uns versprochen. Heute redet man dafür am gleichen Ort mit bemerkenswerter Unverhohlenheit von einer kommenden eidg. Benzinsteuer, ganz abgesehen davon, dass eine weitere fiskalische Heranziehung des Automobils zu Nutz und Frommen der Verkehrsteilung und der Bahnsanierung in der Luft liegt. (Schluss Seite 2.) Die Gefälligkeitsfahrt Bundesgericht reduzierte die Schadenersatzforderung der Hinterlassenen u. a. deshalb, weil der Automobilist den Getöteten unentgeltlich mitgeführt hatte, ohne selbst davon einen Vorteil zu haben, lediglich um ihm einen Gefallen zu erweisen. Ihn unter diesen Umständen die volle Schwere der Unfallfolgen treffen zu lassen, erachtete das Bundesgericht als unbillig. Angesichts der mannigfaltigen Gefahren des modernen Massenverk'ehrs weiss jedermann — und muss es wissen — dass er mit der Fahrt ein gewisses Risiko auf sich nimmt. Dieses Risiko soll, er im Falle eines Unglücks nicht ohne weiteres auf denjenigen abwälzen können, der ihn aus Gefälligkeit zur Teilnahme an der Fahrt eingeladen hat. Diese beiden Fälle haben sich vor Inkrafttreten des Eidg. Motorfahrzeug- und Fahrradgesetzes (MFG) ereignet. Die Beurteilung stützte sich auf die Art. 41 ff. OR, wobei speziell Art. 43 dem Richter die Möglichkeit bot, dem Umstand der Gefälligkeit im Sinne einer Herabsetzung des Schadenersatzes auch dann Rechnung zu tragen, wenn den Schadenersatzpflichtigen ' ein Verschulden traf. Wie steht es nun unter der Herrschaft des « Und wie denken Sie nun über die Unsterblichkeit der Seele? » fragte ich ihn. « Quatsch ! » lautete die Antwort. «Die Sache ist einfach die, dass meine höheren physischen Zentren unberührt sind. Ich besitze noch mein Gedächtnis, ich kann denken und Schlüsse ziehen. Wenn das vorbei ist, bin ich fertig, bin ich nicht mehr. Die Seele —? » Er lachte höhnisch. Dann drehte er sein linkes Ohr wieder gegen das Kissen, zum Zeichen, dass er die Unterhaltung nicht fortzusetzen wünschte. Maud und ich machten uns an unsere Arbeit, bedrückt durch den Gedanken an das furchtbare Geschick, das ihn betroffen hatte — wie furchtbar es war, sollten wir erst später ganz erfahren. « Sie könnten mir gern die Handeisen abnehmen, » sagte er abends, als wir neben ihm standen und über seinen Zustand sprachen. «Ganz sicher bin ich Paralytiker. Ich habe mich schon auf das Wundliegen gefasst gemacht. » Innerlich war er ganz unverändert. Er war immer noch der alte, unbezwingliche, furchtbare Wolf Larsen, nur jetzt gefangen in seinem Fleische, das einst so unbesiegbar und prachtvoll gewesen. Jetzt band es ihn mit unfühlbaren Fesseln, hüllte seine Seele in Finsternis und Schweigen und schloss ihn aus von der Welt, die für ihn der Inbegriff aufrührerischer Tatkraft gewesen war. Wir nahmen ihm die Handeisen ab, konnten uns aber doch nicht mit seinem Zustand vertraut machen. Nur mit einem Gefühl der Angst gingen wir wieder an unsere Arbeit. Mit der «Schere» hievte ich den Grossbaum an Bord. Seine vierzig Fuss mussten genügen, um den Mast hereinzubringen. Mit einer an der « Schere » festgemachten Leine schwang ich den Baum hoch, dass er im Gleichgewicht pendelte, dann Hess ich das Ende auf das Deck herab. Den Einzelblock meiner «Schere» hatte ich am Ende des Baumes festgemacht. Mit dem Spill konnte